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von Alex Raack
 M. Neuer (Foto Firo)
Fußballjournalisten ist häufig langweilig. Das hört sich im ersten Moment merkwürdig an, berichten sie doch von der »schönsten Nebensache der Welt«. Doch schaut man genauer hin, erkennt man: So ein Leben auf den Presstribünen dieser Welt kann ganz schön eintönig sein, wenn nicht jedes Wochenende Real Madrid gegen den FC Barcelona oder Borussia Dortmund gegen Schalke 04 spielt. Also suchen Fußballjournalisten nach Abwechslung. Und weil die meisten Reporter sich als »seriös« verstehen, das heißt, Fragen zu außerehelichen Liebschaften und teuren Sportwagen vermeiden, es also um Fußball gehen muss, müssen Transfergerüchte jene Sehnsucht nach Klatsch und Tratsch stillen. Nur gut für alle Fußballjournalisten in Deutschland, dass es Manuel Neuer gibt.
Der spielte am Wochenende mit Schalke 04 gegen Werder Bremen und machte mal wieder ein gutes Spiel. Wer genau hinschaute, erkannte zwar ein paar kleine Macken in Neuers Spiel – er hatte anfänglich große Probleme bei hohen Flanken der Bremen, ein Manko, dass er jedoch nach dem Seitenwechsel im Griff hatte – aber weil er zwei, drei großartige Paraden zeigte und man ihm längst den Nimbus der Unfehlbarkeit angeheftet hat, feierte ihn die Schalker Fans und die Journalisten später als einen der besten Spieler auf dem Platz. Seine seit der Weltmeisterschaft ohne Zweifel grandiose Form hat allerdings auch Nebenwirkungen: Eben weil er so gut ist, haben längst namhafte Konkurrenten Interesse an einer Verpflichtung Neuers bekundet. Bayern München und Manchester United sind die wichtigen Namen, in der Debatte um Manuel Neuers Zukunft. Und so muss sich der Torwart seit einigen Monaten Tag für Tag, Woche für Woche, den Fragen nach einem möglichen Wechsel stellen. Weil Neuer nicht blöd ist, gibt er seit Monaten Tag für Tag, Woche für Woche eigentlich immer die gleichen Antworten. Inhalt in etwa: Klingt alles interessant, Danke für das Interesse, aber ich lasse mir alles offen. Unter der Woche vermeldete »Bild«, Schalke wolle Neuer für einen Dreijahresvertrag die absurde Summe von 21 Millionen Euro zahlen. Die Meldung war natürlich wieder einmal erfunden, aber ihre Wirkung verfehlte sie nicht. Gierig nahm der Rest der gelangweilten Presseschar das Gerücht auf, nur um später Schalke-Manager Horst Held zu zitieren, der die Zahlen dementierte.
Am Samstagabend, gleich nach dem 1:1 gegen Bremen, hat Manuel Neuer dann selbst für neues Journalistenfutter gesorgt. »Die, die es wissen müssen, wissen, dass eine Entscheidung gefallen ist«, deutete Neuer an und die Medien griffen sich hungrig den ausgelegten Knochen. Kryptisch, in der Tat. Gerne möchte man sich den Nationaltorwart mal packen, schütteln und dann sagen: »Nun sach endlich, wat Sache is!«, aber – Pech – das darf er nicht. Wer allerdings ein wenig Ahnung von den Mechanismen der Szene hat, dem dürfte spätestens nach der Aussage vom Samstag klar sein: Manuel Neuer spielt in der nächsten Saison bei Bayern München. Allen »Koan Neuer«-Plakaten und Liebesbekundungen aus Gelsenkirchen zum Trotz. Es ist der einzig logische nächste Schritt in der Karriereplanung des wohl besten deutschen Torhüters seit Oliver Kahn. Bayern München garantiert Meisterschaften, sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler Ebene, eine ordentliche Gehaltsaufstockung und die Aussicht im Dunstkreis des Rekordmeisters zu einer echten deutschen Torwart-Ikone zu reifen. Dann hätten übrigens auch die gelangweilten Sportreporter wieder etwas zu schreiben.
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