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BL - "kompakt" bei torwart.de

Ein Spiel – ein Ruf

von Alex Raack


P. Heerwagen (Foto Firo)

Der Job eines Torhüters, das wissen wir, kann sehr grausam sein. Das musste zuletzt Philipp Heerwagen von Zweitligist VfL Bochum feststellen. Dem Schlussmann unterliefen in fast jedem seiner Saisonspiele Fehler, einige davon führten zu Gegentoren, wenige waren gar spielentscheidend. Erst reagierten die Zeitungen und maulten an Heerwagens Leistungen herum, dann mäkelten die Mitspieler und schließlich buhten ihn gar die eigenen Fans aus – wohlgemerkt vor dem Anpfiff. Trainer Friedhelm Funkel blieb gar nichts übrig: Er nahm Heerwagen aus de Stammelf. Seit dem 5. Spieltag steht nun Andreas Luthe im Bochumer Tor. Heerwagen droht eine äußerst unangenehme Zukunft auf der Ersatzbank.

Aber: Es geht auch anders. So brutal der Torhüter-Job sein kann, auf keiner anderen Position kann ein einziges herausragendes Spiel den Marktwert so nach oben schnellen lassen, wie auf der des Torstehers. Bestes Beispiel aus der Vergangenheit: Der Auftritt von René Adler für den verletzten Leverkusen-Stammkeeper Jörg Butt. Der war nach einer sagenhaften Leistung des jungen Adlers nicht mehr Stammkeeper und verließ später frustriert den Verein. Adler aber machte sich einen Namen als Nachfolger von Oliver Kahn als deutscher Weltklasse-Torwart und schaffte es bis in die Nationalmannschaft. Erst eine Verletzung stoppte den Höhenflug Adlers.

S. Mielitz (Foto Firo)

Bestes Beispiel aus der Gegenwart: Der Auftritt von Sebastian Mielitz am Wochenende als Torhüter von Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach. Mielitz erwischte einen jener Tage, die allen Beteiligten in Erinnerung bleiben werden. Weil seine sich selbst zersetzende Defensive freundlicherweise Lücken für die Gladbacher Angreifer schuf, musste Mielitz mindestens ein halbes Dutzend Mal sein Talent als Torverhinderer beweisen. Er tat das in großartiger Manier. Stürmte rechtzeitig aus dem Tor und schlug einem Gladbacher den Ball vom Fuß. Schnellte blitzschnell die langen Beine aus und parierte so Schüsse aus kurzer Distanz. Und selbst beim einzigen Gegentor der Bremer war Mielitz zunächst erfolgreich: Einen Lupfer konnte er mit einem Reflex abwehren, doch der Ball flog dem angerannten Per Mertesacker vor die Füße. Mit dem Ball zwischen den langen Gräten stolperte der Nationalverteidiger ins eigene Tor. Weil Werder am Ende trotzdem mit 4:1 gewann, konnten beide – Mielitz und Mertesacker – über dieses Missgeschick witzeln. »Die Gladbacher hatten so viele Chancen, die haben mir einfach leid getan«, entschuldigte sich Mertesacker elegant. Und Mielitz riskierte kurzfristig gar eine dicke Lippe (was nun so gar nicht seiner schüchternen Natur entspricht): »Ich hätte gerne zu Null gespielt, aber das wollte der Per wohl verhindern.« Nur um dann ernsthaft anzufügen: »Ich muss das erst noch verarbeiten, was da eben passiert ist.« Denn Sebastian Mielitz machte gegen Gladbach zweifellos eines jener Spiele, das ihn plötzlich in den Fokus interessierter Vereine rückt, das seinen Marktwert sprunghaft erhöhen wird.

Denn so viel ist sicher: So gut Mielitz gegen Gladbach auch gespielt haben mag, der Stammplatz von Tim Wiese ist momentan unantastbar. Eine Demontage der nominellen Nummer Eins durch einen jungen Herausforderer wie in Leverkusen wird sich in Bremen nicht wiederholen. Dafür ist Tim Wiese zu gut – und einfach noch zu jung.


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