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von Alex Raack
 T. Wiese (Foto Firo)
Zur Erinnerung: torwart.de hat sich spezialisiert
auf Torhüter und als Experten für die Kunst des letzten Mannes kommen bei der
Betrachtung des vergangenen Spieltags eigentlich nur zwei Spiele in Frage, mit
denen es sich näher zu befassen lohnt.
Spiel 1: Werder Bremen gegen den Hamburger SV. Nicht nur
aus Torhüter-Sicht sicherlich das aufregendste Spiel des Spieltags, mal abgesehen
vom Sieg der aufsässigen Mainzer gegen den Branchenprimus aus München. Das Nordderby
ist immer auch ein Spiel für Tim Wiese. Sonst bereits in Testosteron
gebadet und eingedieselt, ist Bremens Torwart gegen die ungeliebten Nachbarn
aus Hamburg noch heißer als heiß. Nur gut, dass er gegen den HSV nicht völlig
verdampft ist – stattdessen kanalisierte er seine Energie und zeigte eine beeindruckende
Leistung. Vor allem in der Phase nach dem Hamburger Ausgleich in der 63. Minute
durch den eingewechselten Pitroipa (der Wiese mit einem fulminanten Fernschuss
vom rechten Strafraumeck nicht den Hauch einer Chance gelassen hatte) machte
Wiese seine Sache hervorragend. Die Gäste aus Hamburg waren drauf und
dran das Spiel doch noch zu drehen, aber Wiese schluckte die Fehler seiner hektischen
Abwehr mit zwei, drei Klasse-Paraden. Lediglich bei hohen Bällen – das alte
Lied – wirkte Wiese etwas überhastet. Werder gewann schon wieder gegen den HSV.
Schon wieder wegen Wiese.
Auch Frank Rost, der Hamburger Oldie, zeigte seine Qualitäten;
allerdings auch seine Macken. Den quirligen Marin rammte Rost kurz vor
dem zweiten Gegentor so rustikal in die Beine, dass man schon Angst um die kleinen
Knochen des kleinen Bremers haben musste. Womit Rost wieder einmal zeigte,
aus welchem alten (und rustikalen) Holz er geschnitzt ist. Toni Schumacher
und Uli Stein werden beim Anblick des brutalen Tacklings die Augen vor
lauter Freude feucht geworden sein.
Spiel 2: Kaiserslautern gegen Hannover 96. Kaiserslautern
gegen Hannover 96? Aber sicher. Lang und breit latschte auch Bezahlsender Sky
das Thema vor dem Spiel breit, was blieb einem bei der Geschichte auch anderes
übrig? »Gerrys Flugschüler«, wie Hannovers Florian Fromlowitz und Lauterns
Tobias Sippel vor der Partie genannt wurden, sind der Grund. Wie kein
anderer Torwarttrainer hat Ehrmann (Kennzeichen: Bodybuilder-Körper)
ja inzwischen ehemalige und aktuelle Schüler im deutschen Fußball untergebracht.
Roman Weidenfeller in Dortmund (3:1-Sieger gegen St. Pauli), Tim Wiese
in Bremen und eben Florian Fromlowitz in Hannover und Tobias Sippel
in Kaiserslautern. Am Ende gewann der erfahrene Fromlowitz den Vergleich, nicht
nur weil er die knappe 1:0-Führung seiner Mannschaft 57 Minuten lang über die
Zeit rettete, sondern auch weil er nach dem Spiel voller Überzeugung in die
Mikrophone sprach »dies sei ein ganz besonderes Spiel« für ihn gewesen. »Hier
am Betzenberg bin ich aufgewachsen, hier hängt auch noch mein Herz dran.« Ein
in soweit auch deshalb bemerkenswerter Satz, weil er von den Lautern-Fans nach
einer kurzen Verzögerung (Schiri Perl gab ihm dafür die gelbe Karte) mit dem
klassischen »Arschloch, Wxxxxx, Hxxxxsohn!« bedacht wurde. Die ganze Kurve schrie
hasserfüllt seinen Namen, so schnell vergeht der Welten Ruhm. Fromlowitz
aber akzeptierte die branchenübliche Anmache und bedankte sich bei Verein und
Ausbilder Ehrmann für die »schönen Jahre«. Dass er am Ende des Tages
mit drei Punkten den Heimweg Richtung Hannover antreten durfte, wird sicherlich
auch zu dieser gelassenen Stimmung beigetragen haben...
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