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BL - "kompakt" bei torwart.de

Rummelplatz mit Anfassen

von Alex Raack


R. Weidenfeller (Foto Firo)

Roman Weidenfeller hat ein besonderes Hobby: Er steht auf Rummelplätze. Warum nur? »Der Adrenalinkick ist einfach geil« Ach so. Zumindest scheinen dem Dortmunder Keeper die ausdauernden Besuche auf der Schiffsschaukel nicht zu schaden. Gegen die Bayern machte der BVB-Schlussmann – wie auch der Rest seiner Mannschaft – eine sehr gute Partie. Und durfte deshalb am Ende über einen feinen 2:0-Erfolg jubeln. Im Kreis tanzten die Dortmunder vor der Kurve mit ihren Fans, das Adrenalin gabs gratis – Rummelplatz mit Anfassen.

Weidenfeller ist vielleicht der letzte seiner Gattung, der im aktuellen Kader der Borussen, der von jungen, frischen Spielern durchsetzt ist. Nur auf der Torwartposition hat sich Trainer Jürgen Klopp noch nicht getraut, eine Änderung durchzusetzen. Warum sollte er auch? Weidenfeller, dieser »last action hero« des BVB verkörpert wie kein anderer die Erfahrung und Routine, die es braucht einer jungen Mannschaft Stabilität zu geben. Gegen die Münchener war Weidenfeller dann im Blickpunkt, als es nötig war: Ende der zweiten Halbzeit waren die Bayern in Person von Mario Gomez mehrfach drauf und dran ein Tor zu erzielen. Das Pech von Gomez und das Können von Weidenfeller verhinderten das. Mit einem Happy End: Nach dem Sieg gegen die Bayern steht der BVB nach sieben Spielen auf Platz 2. So gut war diese Borussia schon lange nicht mehr.

Was macht eigentlich Heinz Müller? Der Torwart von Mainz 05 war in der vergangenen Saison noch der große Gewinner der Elf vom Bruchweg, weil ihn aber seit Saisonbeginn ein Kreuzbandriss daran hindert Fußball zu spielen, muss Müller die aktuell so grandios verlaufene Saison seiner Mannschaft von der Tribüne aus verfolgen. Was er sieht, wird ihn freuen – aber auch ein wenig stören. Denn der Aufstieg von Mainz zum Rekord-Spitzenreiter hat seinen Ersatzmann Christian Wetklo ins Licht des Erfolgs gerückt. Sieben Spiele, sieben Siege – selbst wenn Müller morgen wieder einsatzbereit wäre, warum sollte Trainer Thomas Tuchel an seiner erfolgreichen Elf etwas ändern wollen? Wetklo, rein äußerlich ein Klon von Müller, spielt eine exzellente Saison. In sieben Spielen hat er erst sieben Gegentore kassiert. Nur Roman Weidenfeller (siehe oben) ist besser. Im Schatten seiner so gefeierten Vorderleute Holtby, Schürrle und Co. hat sich Christian Wetklo zum festen Stammspieler empor gearbeitet. Heinz Müller wird sich nach seiner Rückkehr wohl erstmal hinten anstellen müssen.

Apropos ganz unten: Sven Ulreich hätte sich seine Saison wohl auch anders vorgestellt. Nach dem Karriereende von Jens Lehmann hatte sich Ulreich ja Hoffnungen gemacht jetzt als Stammkeeper mit dem VfB durchzustarten. Das ist – vorsichtig gesagt – ziemlich in die Hose gegangen. Letzter Platz, 15 Gegentore, drei Punkte – in Stuttgart läuten schon seit Wochen die roten Alarmglocken. Allerdings nicht wegen der Leistung des Torwarts. Der junge Ulreich gehört zu den einzigen Spielern, die seit Saisonbeginn ihre Normalleistung abrufen. Einmal konnte Ulreich in dieser Saison bereits die Spieltagwertung beim Goldenen Handschuh für sich entscheiden. Während seine Abwehr ihm das Leben schwer macht, versucht Ulreich sein Bestes. Nur: Das führt nicht zum Erfolg. Was wohl Jens Lehmann in dieser Situation tun würde? Brillen klauen wäre da noch das Harmloseste.


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