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von Alex Raack
 M. Neuer (Foto Firo)
Man kann sich lebhaft vorstellen – wenn man denn etwas Phantasie besitzt – wie sich die Schreiberlinge in den Boulevard-Redaktionen des Landes die Hände gerieben haben, als der 14. Spieltag der Fußball-Bundesliga beendet war. Ein großes Fest der verbalen Steilpässe kündigte sich an und tatsächlich: Schalke 05 gegen den 1. FC Kaiserslautern, die Bayern wieder Kraftlos gegen Eintracht Frankfurt – da war für alle etwas dabei. Nur die Torhüter hatten nicht viel zu lachen.
Jedenfalls mit großer Wahrscheinlichkeit nicht Schalkes Torhüter Manuel Neuer. Der ist nach tollen Jahren als junger Bundesligakeeper und einer noch tolleren WM als Stammtorwart der deutschen Nationalmannschaft momentan einer der begehrtesten Torhüter unter 25 Jahren in ganz Europa. Angeblich sollen bereits Angebote aus England, Italien und aus dem Süden Deutschlands vorliegen. Namentlich der FC Bayern interessiert sich schon länger für den Schalker. Alles tolle Bestätigungen seiner tollen Leistungen. Wenn da nicht Neuers vermaledeiter aktueller Arbeitgeber wäre. Der heißt Schalke 04 und steckt momentan so richtig in der Sch..., in der Klemme. Gegen Aufsteiger Kaiserslautern hat die als Meisterschaftsfavorit in die Saison gegangene Mannschaft von Felix Magath 0:5 verloren. Und endlich, jubelten alle Deutschen außerhalb von Gelsenkirchen, war der Versprecher von ZDF-Moderatorin Carmen Thomas ausgebügelt. Die gute Frau hatte vor Jahrzehnten ihre Karriere als Fußball-Journalistin leichtfertig aufs Spiel gesetzt, als sie die Schalker als »Schalke 05« ankündigte. Jetzt passt das krumme Wortspiel. Leidtragender ist der arme Manuel Neuer. Fünf Tore und das gegen den FCK – ein Nationaltorhüter möchte sein Wochenende eigentlich anders verbringen.
 T. Kraft (Foto Firo)
Apropos Nationaltorhüter: Als einer von Neuer möglichen Nachfolgern in der Zukunft gilt der Münchener Thomas Kraft. Hinter Jörg Butt ist Kraft die Nummer zwei und wird vermutlich nach Butts Karriereende nach dieser Saison den Posten im Bayern-Tor übernehmen. Wenn, ja wenn, dann nicht schon Manuel Neuer verpflichtet wurde. Kraft gab vergangene Woche gegen den AS Rom sein Debüt in der Champions League und er machte ein erstaunliches Spiel. Gegen Eintracht Frankfurt waren die Bayern, aufgepasst!, nun wieder Kraftlos. Stattdessen hütete wieder Oldie Jörg Butt seinen Kasten. Der wird in der laufenden Runde mit Sicherheit alles daran setzen, seinen Platz an der Sonne zu verteidigen. Gegen die Eintracht gewannen die Bayern 4:1, nur der Grieche Gekas konnte den Norddeutschen Butt überwinden. Das machte allerdings nicht viel, schließlich hat Gekas in dieser Saison schon beinahe gegen jeden Bundesligatorwart ein Tor erzielt. Um es kurz zu machen: Butt ist in so guter Form, dass Louis van Gaal seinen Altmeister wohl so schnell nicht aus dem Team nehmen wird. Sorgen machen da eher die Innenverteidiger. Allen voran Daniel van Buyten. Der hat zwar, wieder aufgepasst!, sehr viel Kraft, doch den letzten Funken Eleganz und Dynamik scheint der Hüne aus Belgien inzwischen verloren zu haben. Auch gegen Frankfurt kam Butts gefährlichster Gegenspieler aus der eigenen Mannschaft. Ob van Gaal nun ob der schwierigen Personalsituation überlegt, seinen Torwart Kraft auch einmal in der Innenverteidigung auszuprobieren, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Lustig wäre es allerdings allemal. Dann hätte wohl auch Manuel Neuer wieder etwas zu lachen.
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