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BL - "kompakt" bei torwart.de

Tage wie dieser

von Alex Raack


S. Ulreich (Foto Firo)

Was verbindet den Stuttgarter Sven Ulreich und den Dortmunder Mitchell Langerak? Beide sind 22 und beide haben vermutlich das schönste Wochenende ihrer noch jungen Fußballkarriere hinter sich.

Wobei nicht festzustellen war, wer von beiden Torhütern nach dem Wochenende die meisten Glückshormone produziert hatte. Vermutlich war es doch Sven Ulreich, denn für den VfB-Schlussmann hatte ja gegen Eintracht Frankfurt nicht weniger als sein Ruf auf dem Spiel gestanden. Vor einer Woche war Ulreich von Trainer Bruno Labbadia zur Nummer zwei degradiert worden. Ein deutliches Zeichen dafür, dass dem Stuttgarter Trainer nicht mehr viel einfiel. Also versuchte er es auf diese Weise und beorderte den erfahrenen Marc Ziegler ins Tor. Der stand tatsächlich in der Europa League zwischen den Pfosten, zog sich jedoch bei einem Zusammenprall eine schwere Gehirnerschütterung zu. Dumm für Labbadia, der wiederum bei Sven Ulreich anfragen musste. Natürlich stellte sich der 22-Jährige zurück ins Tor – nicht jedoch ohne eine ordentliche Portion Wut im Bauch. »Er war enttäuscht und auch ein bisschen wütend«, fasste Labbadia den Gemütszustand seines Keepers vorsichtig zusammen und urteilte nach dem Spiel: »Dadurch hat er eine ganz andere Präsenz gezeigt.« Kein Wunder, dass Labaddia nach dem Spiel Ulreich in höchsten Tönen lobte, hatte der ihm doch endlich den erhofften Befreiungsschlag verschafft. Gegen die Eintracht gewann der VfB mit 2:0 – vor allem, weil Ulreich das beste Spiel seiner Bundesligakarriere machte. Knapper Kommentar nach dem Spiel: »Ich weiß, was ich kann.« Für Ulreich eine Top-Leistung zum richtigen Zeitpunkt, denn schon einmal war er beim VfB aufs Abstellgleis geschoben. Vor gut drei Jahren war das, der Kontrahent hieß Raphael Schäfer. Jetzt heißt er Marc Ziegler, doch Bruno Labbadia dürfte sich ab sofort hüten, seinen jungen Schlussmann wieder aus dem Kasten zu nehmen.

M. Langerak (Foto Firo)

Anders ist die Situation bei Mitchel, genannt »Mitch«, Lengerak. Der Australier wird ganz genau wissen, dass er nur der Platzhalter für den in dieser Saison grandiosen Romand Weidenfeller ist. Doch ein Debüt vor 69.000 Menschen in einem der sehenswertesten Spiele der Saison, durfte auch noch nicht jeder machen. Der junge Australier hatte gegen die Bayern nur wenige Szenen zu bewältigen, bei Eckbällen ging er auf Nummer sicher (und faustete meist), einen Schuss von Gomez parierte er glänzend (76.). Nach dem Spiel stürzte sich alles auf den BVB-Ersatz, der griente wie ein Honigkuchenpferd. Sein Trainer Jürgen Klopp, dem im Trubel von Nuri Sahin die Brille vom Kopf geschlagen wurde, meinte hinterher: »Wir wollten, dass Mitch in 40 Jahren mal auf ein wunderbares erstes Spiel seiner Karriere zurückblicken kann.« Auch das haben sie geschafft, diese großartigen Dortmunder.


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