| Home > Archiv > 3. Magazin kompakt-Archiv > 3.1 Magazin-kompakt 10/11 > Bundesliga > BL: Wie zu Hellströms Zeiten
von Alex Raack
 C. Heimeroth (Foto Firo)
Die schwedische Torwartlegende Ronnie Hellström ist für Fans des 1. FC Kaiserslautern ein echtes Idol. Zehn Jahre, zwischen 1974 und 1984 stand Hellström für den FCK im Tor, und weil er nicht nur ein echter Publikumsliebling, sondern auch noch einer der besten Keeper seiner Generation war, wird Hellström bis heute verehrt und respektiert. Bei einer kleinen Lesung in Berlin verriet Hellström jüngst ein großes Geheimnis: Wie er es in seiner aktiven Zeit fertigbrachte, so häufig einen Elfmeter zu parieren. Denn Hellström galt Zeit seiner Laufbahn als echter »Elfmetertöter«, einer, der einfach zu ahnen schien, wohin der Gegner den Ball treten würde. Er habe, so Hellström, irgendwann damit begonnen dem Schützen noch vor dem Schuss zu verraten, in welche Ecke er springen werde. Nicht förmlich, nicht höflich, nein, Hellström griente seine Gegner unverschämt an und brüllte dann wahlweise »LINKS!« oder »RECHTS!«. Die verwirrten Gegner, so Hellström, hätten dann meist in die andere Ecke geschossen – dort, wo dann natürlich auch der Torwart hingesprungen wäre. Mit dieser Methode ist Hellström auf eine beachtliche Anzahl gehaltener Elfmeter gekommen und damit wären wir auch schon mitten im 18. Spieltag.
Vier Elfmeter gab es an diesem Wochenende zu bestaunen, viermal flog der Ball nicht ins Tor, sondern klatschte gegen Torwarthände oder Torpfosten. So etwas habe es, errechneten euphorische Statistiker in Windeseile, seit 30 Jahren nicht mehr in der Bundesliga gegeben – also zu Zeiten Ronnie Hellströms nicht mehr.
In Hamburg wehrte St.Pauli-Torwart Thomas Kessler einen Strafstoß gegen Freiburgs Torjäger Papiss Cisse ab und sorgte damit für Gerechtigkeit, denn dieser Elfmeter, da waren sich später alle einig, hätte nie und nimmer gepfiffen werden dürfen. Schön für Cisse: Später traf er trotzdem noch zweimal.
In Nürnberg schwang sich Gladbachs Keeper Christofer Heimeroth zum großen Retter seiner Mannschaft auf, als er vier Minuten vor dem Ende einen Elfmeter von Javier Pinola abwehren und den Nürnberger Ausgleich damit verhindern konnte.
Und ganz wunderlich war es in Wolfsburg: Erst setzte Bayerns Philipp Lahm einen Strafstoß an den Innenpfosten, dann durfte sich in der Verlängerung der ersten Halbzeit der Münchener Neu-Stammtorsteher Thomas Kraft erstmalig bewähren. Den anständig geschossenen Elfmeter von Grafite lenkte Kraft in guter alter Oliver-Kahn-Manier dank einer artistischen Flugeinlage an die Latte und von dort ins Spielfeld. Besser konnte sich der junge Mann nicht in Szene setzen.
Alles wie zu Ronnies Zeiten, möchte man da meinen. Viele Elfmeter, alle gehalten. Nur schade, dass sich Kessler, Kraft und Heimeroth rein optisch so stark von Hellström und seinen Zeitgenossen im Tor unterscheiden: Während heutzutage glattrasierte Jünglinge die Strafräume beherrschen, trug der Schwede aus Kaiserslautern stets einen beeindruckenden blonden Schnauzbart spazieren. So sehen Elfmetertöter aus!
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