Torwartfestspiele beim FC Bayern in der 3.Liga. Weil keiner der Nachwuchskeeper überzeugt, rotiert Bayern-Coach Hermann Gerland fast wöchentlich. Maximilian Riedmüller, Rouven Sattelmaier, Ferdinand Oswald, Thomas Kraft und wieder Daniel Oswald hieß die Reihenfolge der Torhüter in den ersten fünf Spielen. Reine Rotation oder stecken doch die häufigen Fehler dahinter?
Hermann Gerland war nach der 2:3 Niederlage gegen Heidenheim sichtlich bedient. Vor allem stand Keeper Oswald im Fadenkreuz seiner Kritik: „Was er abgeliefert hat, ist nichts. Ich habe x-mal im Torwarttraining gesagt, dass du bei einem Freistoß das Torwarteck decken musst. Wir können Gegentore bei Freistößen bekommen, aber niemals ins Torwarteck.“ Auch bei den anderen zwei Gegentoren sah Oswald nicht glücklich aus. Gerland ist ratlos: „Ich weiß wirklich nicht mehr wen ich das nächste Mal ins Tor stellen soll.“ Vor der Saison war ja eigentlich Rouven Sattelmaier als Nummer eins eingeplant, von dem Teammanager Werner Kern schwärmte: „Rouven ist die perfekte Nummer eins für uns und wir wissen ja alle, was er drauf hat.“ Doch wieso spielt Sattelmaier nicht? Nachfrage bei Hermann Gerland: „In Offenbach hat er eine katastrophale Leistung abgeliefert. Da hat er sich drei Bälle selbst hinein gelegt. So geht das nicht.“ Dass Gerland seine Bewertung nicht nur von einem Spiel abhängig macht, bestätigt der Coach: „Ich spreche jeden Tag mit Frans Hoeck, unserem Torwarttrainer, über die Torhüter. Wenn er zu mir sagt, dass einer super trainiert und spielen muss, dann höre ich auf ihn und stelle ihn auf.“ Bei Sattelmaier scheint dies jedoch nicht der Fall zu sein: „Er kam mit großen Erwartungen hierher. Doch bewiesen hat er das noch nicht.“ Momentan seien Riedmüller und Oswald sogar vor Sattelmaier. Bliebe nur noch Platz fünf im Bayern internen Ranking. Wehmütig trauert Gerland seinen einstigen Torhütern nach: „Ich hatte über Jahre gute Torhüter hier. Zuerst Michael Rensing, der über Jahre überragend war, dann Thomas Kraft. Und nun das.“ Kraft ist zwar bei Bayern, soll aber nur sporadische Einsätze bekommen, da er weitgehend mit der Profimannschaft beschäftigt ist. Was Gerland aber am meisten stört ist Selbstkritik: „Meinen Sie, wenn ich nun unseren Torwart frage, ob die Gegentore Fehler waren, wird er „Ja“ sagen?“ Nach einer kurzen Pause brummt er: „Sicherlich nicht.“
Die Konsequenz hat der Bayern-Coach auch schon angekündigt. Das Torwartrennen bei Bayern sei wieder vollkommen offen: „Jeder kann sich wieder im Training beweisen.“ Nur einer hat beim nächsten Heimspiel keine Chance mehr. Torwart Oswald. „Nach so einer Leistung kommt er mir so schnell nicht wieder ins Tor“, sagt Gerland noch beim Hinausgehen zu uns. Das ist sie wohl die gefürchtete, aber doch geschätzte „Hermann-Gerland-Schule“.