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Raumverteidigung

Dominanz beginnt beim Torhüter

von Sebastian Mundruc / André Wachter


Das Anforderungsprofil der Torhüter ergibt sich aus diversen Wettkämpfen. Um diese optimal lösen zu können, sollte sich das Trainerteam an diesen spezifischen Anforderungen orientieren. Im Rahmen der Saisonauswertung 2015/2016 wurde deutlich, dass die Häufigkeit der Raumverteidigungsaktionen stark gestiegen ist.

Wir unterscheiden in diesem Bereich zwischen der Raumverteidigung innerhalb des Strafraums (Torwart kann den Ball fangen, z.B. Abfangen einer Flanke) und der Raumverteidigung außerhalb des Strafraums (Abwehren des Balles ohne Hände z.B. tiefer Ball muss vor dem Stürmer erreicht werden). Durch unser Verteidigungskonzept mit einer hoch agierenden Abwehrkette stieg die Anzahl der Aktionen des Torhüters im Bereich außerhalb des Strafraums immens an. Im Umkehrschluss bedeutet das für unsere Ausbildungsstrategie einen detaillierteren Blick und ein vermehrtes Coaching im Bereich des taktischen Handelns, der psychischen/ physischen Fähigkeiten und der Techniken, die für das erfolgreiche bewältigen dieser Aktionen außerhalb des Strafraums unerlässlich sind.

Zur Erläuterung des komplexen Themas haben wir ein Ebenen-Modell gewählt, um die optimale Positionierung des Torhüters darzustellen. Die Position des Torhüters ist von verschiedenen Variablen abhängig. Ziel ist es, im eigenen Ballbesitz die Abstände zwischen der Abwehrkette und dem Torhüter möglichst gering zu halten. Dies hat den Vorteil, dass bei Ballverlust die hoch aufgerückte Abwehr nicht im eigenen Rücken bespielt werden kann. Der Torhüter steht vor der permanenten Entscheidung, ob es sinnvoller ist, den Raum zur Abwehrkette zu schließen oder in die Torsicherung zu kommen.

Um das taktische Handeln des Torhüters und der gesamten Mannschaft zu veranschaulichen, stellen wir dies in unserem Ebenen-Modell dar. Wir teilen das Spielfeld hierfür in 6 Ebenen auf, wobei sich in jeder Spielfeldhälfte 3 Ebenen befinden.

Ebene 3 bezeichnen wir dabei als „situative Zone“, in die der Torhüter punktuell bei eigenen Standardsituationen aufrücken kann. Grundsätzlich streben wir es an, dass zwischen dem Torhüter und dem Ort des Balles (bei gegnerischen Ballbesitz) maximal eine Ebene freigelassen wird. Der Torhüter schafft sich dadurch eine optimale Ausgangsposition und sichert gleichermaßen den Rücken des eigenen Abwehrverbundes.

In unserer Darstellung gehen wir davon aus, dass das ballbesitzende Team (BLAU) im 1-4-3-3 agiert. Das ballgewinnende Team (ROT) agiert aus einem 1-4-4-2 System. Nach dem Ballgewinn von Team ROT in Ebene 3 spielt der defensive Mittelfeldspieler (ROT) einen vertikalen Pass in den Korridor hinter die aufgerückte Abwehrkette (BLAU).

In der nachfolgenden Tabelle wollen wir die zeitliche Abfolge einer Raumverteidigungssequenz für einen Torhüter aufzeigen. Wir unterteilen dabei in fünf Phasen. In jeder Phase gilt es für den Torhüter in den relevanten Bereich der Taktik, Technik, Athletik, Kognition und Psyche Fähigkeiten und Fertigkeiten an den Tag zu legen.

Nach dem Ballverlust muss der Torhüter sich möglichst schnell an die Abwehrkette annähern und schafft sich eine gute Ausgangsposition durch die Veränderung der Grundstellung. Dabei ist der Torwart in stetiger Aktionsbereitschaft. Durch die Organisation der eigenen Mannschaft und die Positionierung der gegnerischen Angreifer antizipiert der Torhüter mögliche Folgeaktionen.

Im Moment der Umschaltphase – der Ball wird gespielt – ist es unerlässlich den eigenen Mannschaftsverbund zu coachen. Für die Mitspieler ist es hilfreich, konkrete Handlungsanweisungen zu erhalten. Die wichtigste Rolle in dieser Phase wird der Entscheidungsfindung zuteil. Der Torhüter muss binnen Sekundenbruchteilen entscheiden, ob die Situation es zulässt, weiter nach vorne zu verteidigen oder es sinnvoller ist, den Raum hinter sich zu schließen.

Entscheidet sich der Torhüter mit dem gespielten Ball des Gegners seine Position nach vorne anzupassen, so ist die Komponente der motorischen Aktionsschnelligkeit und die der Schnellkraft ein Erfolgsindikator für das Bewältigen der Raumverteidigung außerhalb des Strafraums. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Einschätzung einer möglichen Drucksituation, die möglicherweise durch einen einlaufenden Gegner entstehen kann. Der Torhüter sollte in dieser Phase seine Entscheidung NICHT überdenken, sondern ganz bewusst, eine bereits begonnene Aktion entschlossen zu Ende zu führen.

Unmittelbar bevor es in die Aktionsphase geht, richtet der Torhüter seinen Körper zur Optimierung der Ausgangsposition neu aus. Die Körperausrichtung steht in Abhängigkeit der möglichen Spielfortsetzung in der Tiefe. Der Torhüter ist in der Lage, auf etwaige Veränderungen (Ball verspringt, Ball wird abgefälscht, etc.) angemessen zu reagieren und durch Anpassung der Schrittfolge auf die veränderte Situation zu reagieren.

Die Aktionsphase ist gekennzeichnet durch das situative Anwenden diverser Techniken. Dabei sollte der Fokus nun auf die zweckmäßige und vom Bewegungsablauf korrekte Ausführung gerichtet werden. In der finalen Phase kommt es durchaus auch zu Körperkontakt mit den gegnerischen Spielern in denen eine entsprechende Rumpfstabilität Grundvoraussetzung ist, um mit einem Maß an Risikobereitschaft die eventuell aufkommenden 1gg1 Situationen zu meistern.

Nachfolgend zeigen wir Ihnen drei Übungen auf, um die verschiedenen Komponenten dieser Thematik gezielt zu trainieren und zu coachen.

Ablauf/ Aufbau

Es wird ein Feld errichtet, in welchem koordinative Aufgaben gestellt werden. Um dieses Feld herum werden vier Farbfelder errichtet, die als Tabuzonen dienen. Des Weiteren werden vier identische Farbfelder in einer Distanz von 15m errichtet. Außerdem liegen zwei verschiedenfarbige Bälle (gelb, blau) bereit. Jeder Torhüter erhält eine Nummer oder einen Buchstaben.

Die Spieler bewegen sich nun in dem zentralen Viereck und lösen dort koordinative Aufgaben ohne bzw. mit Ball. Der Torwarttrainer positioniert sich um das Feld, dabei stehen ihm zwei Bälle zur Verfügung. Nun ruft der Torwarttrainer eine Zahl oder Buchstaben und der entsprechende Torhüter bekommt einen Ball zugeworfen/zugerollt. Der Torhüter muss nun erkennen welcher Farbball eingespielt wird, um diesen mit der richtigen Technik zu verarbeiten. Die Farbe des Balles bestimmt die Technik (Kopf oder Fuß) mit der die Situation gelöst werden muss. Der Torwart klärt nun den Ball über eines der umliegenden Farbfelder (Tabuzonen).

Coaching:
  • TW startet die Aktion mit dem gespielten Ball (nicht zu früh starten)
  • Kürzesten und direktesten Weg zum Ball wählen
  • In der Annäherungsphase zum Ball Tempo halten
  • Körper ausrichten
  • Technische Lösungsmöglichkeit wählen (Kopfball, Innenseite, Spannstoß)

Ablauf/ Aufbau

Es werden nebeneinander im Abstand von 5m drei Minitore aufgestellt, dahinter wird eine Zielzone 15x25m errichtet. Die Torhüter positionieren sich nebeneinander und befinden sich in Startposition (Schrittstellung). Der Torwarttrainer spielt einen Ball in den Raum zwischen Torhüter und Minitor. Die Torhüter sprinten zum Ball, der Torhüter, der als Erstes am Ball ist, klärt diesen entweder in das Minitor (1 Punkt) oder in die Zielzone (2 Punkte).

Coaching:
  • Schrittstellung einnehmen
  • Oberkörper nach vorne gebeugt
  • Direkter Start über das vordere Bein (kein tippeln, kein Aufgalopp)
  • Schrittfrequenz halten

Ablauf/ Aufbau

Auf Höhe der Mittellinie werden drei Zielzonen errichtet. Der Torhüter befindet sich in Ebene 2 vor dem Strafraum. Hinter den drei Zielzonen befindet sich der Torwarttrainer mit Bällen. Zwei weitere Torhüter positionieren sich zwischen den Zielzonen. Der Torwarttrainer spielt nun einen Ball in den Raum, dabei darf der Ball, bevor er gespielt wird, nur einmal den Boden berühren. Während der Flugphase des Balles verändern die beiden Torhüter ihre Position und schließen somit zwei der drei Zielzonen. Der Torwart muss nun erkennen welche Zone bespielt werden kann, um dorthin den Ball kontrolliert zu klären.

Variation:

Ein weiterer Spieler/Torhüter simuliert den gegnerischen Angreifer und läuft den Torhüter an. In Abhängigkeit vom Anlaufverhalten muss der Torhüter nun entscheiden, welches Feld zu bespielen ist.

Coaching:
  • Startposition in entsprechender Ebene (siehe Ebenenmodell)
  • Schrittstellung / Vorspannung
  • Entscheidungsfindung
  • Entschlossenheit (getroffene Entscheidung durchführen)
  • Vororientierung (bespielbare Zonen und Gegnerdruck)
  • Richtige Ausrichtung des Körpers
  • Auswahl des technischen Mittels


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