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Rein van Duijnhoven "Hautnah" bei torwart.de (15.11.05)

Das Projekt "Wiederaufstieg" 2005/2006

von Tobias Schlitzke

Rein van Duijnhoven

 Seit 1999 steht Rein van Duijnhoven im Tor des VfL Bochums. Mit dem VfL erlebte er den Auf- sowie Abstieg aus der 1.Bundesliga und steht momentan auf einem Aufstiegsrang. Die Ziele sind klar gesteckt: Der sofortige Wiederaufstieg. Bei torwart.de spricht er über den Alltag in Liga 2, gibt einen persönlichen Ausblick sowie über die WM 2006 in Deutschland.


torwart.de: Im Spiel gegen den St. Pauli musstest Du nach 529 Minuten wieder hinter dich langen. Wie sehr schmerzte das Pokalaus gegen die Hamburger?

Rein van Duijnhoven: Wir hatten am Freitag kurz darauf schon wieder ein Spiel gegen Paderborn, somit waren wir sofort wieder im Ligaalltag und hatten wenig Probleme, die Niederlage gegen die Hamburger zu verkraften.

torwart.de: Beschäftigst Du dich mit Statistiken oder war Dir die Serie relativ egal?

Duijnhoven: Nein, Statistiken sind mir eigentlich relativ egal. Ich gewinne lieber 2-1 als 0-0 zu spielen. Natürlich ist auch ein 2-0 für einen Torwart schön, doch im Vordergrund steht der Erfolg der Mannschaft.

torwart.de: Der direkte Wiederaufstieg ist dieses Jahr die klare Zielvorgabe. Wie geht die Mannschaft mit diesem Druck um?

Duijnhoven: Es gibt so viele Spiele dieses Jahr, deswegen lässt sich unsere Mannschaft nicht von dem Druck und der Erwartungshaltung, die es zweifelsohne gibt, beeinflussen. Wir versuchen einfach unser Spiel zu machen.

torwart.de: Wie kann man hierbei als älterer Spieler auf die jüngeren Spieler einwirken?

Duijnhoven: Man kommuniziert natürlich oft im Training miteinander, doch die meisten Spieler verfügen über eine gute Erfahrung und benötigen wenig Unterstützung
von Außen.

torwart.de: Welche Vereine sind die härtesten Konkurrenten für Euch um den Aufstieg?

Duijnhoven: Ganz eindeutig 1860 München sowie Energie Cottbus sehe ich weit vorne. Für Hansa Rostock ist es wohl schon gelaufen. Zudem traue ich dem FC Freiburg noch einiges zu. Doch es sind noch 24 Spieltage, da kann sich noch einiges ändern.

torwart.de: Was ist für Dich die Überraschung der Saison?

Duijnhoven: Paderborn ist für mich eine positive Erwartung der Saison. Ich denke, wohl kaum jemand hatte sie auf der Rechnung. Ich bin gespannt, ob sie über die Konstanz verfügen, auch am Ende oben dabei zu sein. Zudem hätte ich nicht erwartet, Rostock so tief unten zu sehen.

torwart.de: Die 2. Liga wird oftmals als rauer als die 1. Liga beschrieben. Wie sind Deine Eindrücke?

Duijnhoven: Leider gibt es in der 2. Liga einen nicht so einheitlichen Spielrhythmus wie
in Liga 1. Mal spielt man freitags, mal spielt man sonntags, dann wieder
montags. So bekommt man schlecht einen guten Spielrhythmus zu stande.
Da alle Teams aufsteigen wollen, ist es natürlich kampfbetonter als in Liga
1. Gerade am Anfang hatten wir unsere Probleme damit.

torwart.de: Wie schaut deine Zukunftsplanung aus? Was bewog dich beim VfL Bochum zu bleiben?

Duijnhoven: In meinem Vertrag steht, dass ich nach meiner aktiven Karriere zuerst zwei Jahre als Torwarttrainer arbeiten werde. Aktiv spielen möchte ich noch mindestens zwei Jahre. Zuerst mit dem VfL aufsteigen und dann ihm beim Erhalt des Klassenerhaltes helfen. Momentan schaue ich aber von Jahr zu Jahr.

torwart.de: Was kannst Du uns über die holländische Torwartschule erzählen? Besitzt Du eine Torwarttrainer-Lizenz?

Duijnhoven: Ich brauche keinen zusätzlichen Schein, um einen Torwart trainieren zu können. Ich habe über 20 Jahre im Tor gestanden und weiß, was sich in dem Kopf eines Torhüters abspielt. Aber momentan mache ich mir noch keine Gedanken über das, was nach meiner aktiven Zeit sein wird. Natürlich macht man sich manchmal Notizen, aus denen man dann später sein Wissen schöpft.

torwart.de: Kannst Du dir danach vorstellen in Deutschland zu bleiben oder möchtest Du wieder zurück nach Holland?

Duijnhoven: Ich möchte zuerst einmal die Entwicklung hier in Deutschland in den nächsten Jahren abwarten. Vorher mache ich mir keine Gedanken über eine etwaige Rückkehr nach Holland.

torwart.de: Du hast in deiner Karriere nie ein A-Länderspiel bestritten. Gab es in der Vergangenheit nie eine Anfrage des Bondscoaches?

Duijnhoven: Zu meiner Zeit gab es eine Menge guter Torhüter in Holland, somit stellte sich diese Frage leider nie. Nun bin ich auch zu alt für eine mögliche Nominierung.

torwart.de: Holland hat sich vorzeitig für die WM 2006 in Deutschland qualifiziert. Wer gehört zu deinen Favoriten?

Duijnhoven: Frankreich und Brasilien zählen zu den Top-Favoriten. Doch Deutschland ist eine Turniermannschaft, somit traue ich auch den Deutschen eine Menge zu.

torwart.de: Es wird oftmals behauptet in Holland sei das Ergebnis nur sekundär – wichtig sei, dass die Mannschaft attraktiven Fußball spiele. Wie siehst Du dieses Klischee?

Duijnhoven: Ich halte wenig von dieser Theorie. Gerade weil viele Spieler auch im Ausland spielen.

torwart.de: Was fehlt der Deutschen Mannschaft momentan noch, um es spielerisch mit Mannschaften wie Holland oder Argentinien aufnehmen zu können?

Duijnhoven: Wie bereits gesagt, Deutschland ist eine Turniermannschaft und ich denke Deutschland kann seine spielerischen Mängel im Laufe des Turniers durch den Kampfgeist und Heimvorteil wegmachen.

torwart.de: Wie bewertest Du die Torwart-Rotation zwischen Lehmann und Kahn im Deutschen Tor?

Duijnhoven: Jeder bekommt seine Spiele. Oliver Kahn spielt schon so lange und verfügt über enorme Erfahrung. Ich denke nicht, dass es ihm großartig schadet.


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