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Sieger bleiben stehen

Von Sebastian Mundruc und Mathias Kleine-Möllhoff


Einleitung

Das „Eins gegen Eins“ (1-gegen-1) ist eine der extremsten Situationen mit der ein Torhüter konfrontiert wird. Sie beinhaltet komplexe Anforderungen an den Torhüter und es Bedarf einer frühzeitigen Ausbildung spezifischer Fertigkeiten um diese Situation erfolgreich zu meistern. Dass allerdings gerade hier noch Nachholbedarf besteht, spiegelt sich statistisch gesehen in einer zu großen Fehlerhäufigkeit in diesen Situationen wieder. Aus diesem Grund sollte das Trainieren solcher Situationen ein Grundbaustein in jeder Torhüterausbildung sein.

Eine Ursache für die hohe Fehlerquote liegt im physiologischen und mentalen Entwicklungsprozess des Sportlers selbst. Häufig bevorzugen Jugendtrainer großgewachsene Athleten im Tor. Durch ihre körperliche Präsenz und der damit einhergehenden größeren Trefferfläche, erhöht sich die Chance der Torverteidigung. Hinzu kommt der psychologische Faktor des „Respekts“, welcher auf gegnerische Spieler aufgrund der Körpergröße einschüchternd und verunsichernd wirken kann. Die Körperfläche in Verbindung mit der physiologischen Präsenz wirkt sich in der Jugend positiv auf das erfolgreiche Bewältigen von 1-gegen-1 Situationen aus.

Jede erfolgreiche 1-gegen-1 Situation, bedeutet für junge Torhüter eine positive Verstärkung ihres situativen Verhaltens. Dies hinterlässt im mentalen Entwicklungsprozess Spuren im Gehirn in Form von Verhaltensroutinen. Auf diese greifen die Spieler insbesondere in Stresssituationen automatisiert zurück. Je stärker diese Routinen ausgeprägt sind, desto schwerer wird es im Erwachsenenalter das häufig verstärkte und unbewusst gelernte Verhalten den Ansprüchen des leistungsorientierten Fußballs anzupassen. Wenn sich ein taktisches Verhalten durch limitierte Erfolgserlebnisse über Jahre verfestigt hat, entspricht das Handlungsrepertoire nicht dem technisch-taktischen Anforderungsprofil des modernen Torwartspiels. Das bedeutet je häufiger und länger ich eine bestimmte Verhaltensroutine im Bewegungsrepertoire etabliert habe desto schwerer wird es neue Bewegungsabläufe und Handlungsmuster zu lernen.

Infos zum Autor:

Name: Sebastian Mundruc

Geburtstag: 07.10.1990

Tätigkeiten:

  • Seit 2013 Torwartkoordinator U23-U12 + aktiver Torwarttrainer U23–U17 Eintracht Braunschweig
  • 2013-2014 pädagogischer Leiter im NLZ Eintracht Braunschweig
  • Referent beim Bund Deutsch Fußball-Lehrer

Ausbildung:

  • DFB B-Lizenz
  • DFB Torwarttrainerzertifikat Leistungsfußball
  • WFV Torspielertrainerlizenz
  • Brain-Kinetik Trainerzertifikat

Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, eine 1-gegen-1 Situation erfolgreich zu bewältigen, bedarf es einer guten Wahrnehmung der Spielsituation und einer schnellen Entscheidungsfindung, ein entsprechendes Stellungsspiel, einer gut ausgebildeten körperlichen Balance, Reaktionsvermögen und Kraft sowie einer der Situation entsprechenden Mentalität.

Bei der Wahrnehmung der Spielsituation geht es darum das Spielgeschehen aufmerksam zu verfolgen und zu beobachten. Aufgrund der daraus gezogenen Rückschlüsse ergeben sich verschiedene Optionen für das gegnerische Angriffsspiel je nach Organisation und taktischer Ausrichtung der eigenen- und gegnerischen Mannschaft um den Ball.

Grundsätzlich lässt sich bei der Entscheidungsfindung innerhalb des Strafraums zwischen drei torverteidigenden Spielsituationen im 1-gegen-1 unterscheiden.

Beispielsituation 1: „Bewegliche Mauer“

Ein angreifender Gegenspieler überwindet den Innenverteidiger ca. 20 Meter vor dem eigenen Tor und dribbelt auf den Torhüter. Er führt den Ball im Dribbling kontrolliert am Fuß. In dieser Situation hat der Ballführende die Möglichkeit jederzeit den Torabschluss zu suchen. In diesem Moment darf der Torhüter die Position nur durch kleine Schritte minimal anpassen um jederzeit durch den stabilen Stand handlungsfähig zu bleiben. Der Oberkörper sollte dabei für die Maximierung der Trefferfläche aufrecht bleiben. Der Blick sollte immer auf den Ball gerichtet sein um nicht auf Schussfinten reinzufallen und er sollte dabei möglichst lange in einem sicheren Stand bleiben um den Gegner im Idealfall nach außen zu lenken. Die Torverteidigung des Torhüters lässt sich in zwei optionale Abwehraktionen unterteilen. Wird der Ball über Hüfthöhe geschossen, so nutzt der Torhüter neben der ursprünglichen Trefferfläche des Körpers seine Hände um hinter den Ball zu kommen. Entscheidet sich der Stürmer für einen flachen Abschluss nutzt der Torhüter die Möglichkeit einer Fußabwehr um ohne Zeitverlust den Ball abzulenken. Während der gesamten Phase ist somit eine hohe muskuläre Spannung im Oberkörper und den Armen für die abwehrende Aktion aufzubauen.

Abb. 1: Grundposition
Abb. 2: Positionsanpassung
Abb. 3: Bewegliche Mauer

Beispielsituation 2: „Block stellen“

Ein angreifender Gegenspieler überwindet den Innenverteidiger ca. 20 Meter vor dem eigenen Tor ohne die Möglichkeit eines unmittelbaren Torabschlusses zu haben. Die Zeit die der Angreifer jetzt benötigt um den Torabschluss suchen zu können, muss vom Torhüter genutzt werden um in die Position auf idealerweise 1 bis 2 Meter zum Gegenspieler zu verkürzen. Der Torhüter kommt in eine tiefe Schrittstellung und schließt dabei den Raum zwischen beiden Beinen durch sein angewinkeltes Knie. Dabei ist das Ziel die Trefferchancen bei flachen Abschlüssen zu minimieren (etwa 74% aller Torabschlüsse in 1-gegen-1 Situationen erfolgen flach). Welches Bein bei dieser Abwehrtechnik aufgestellt wird hängt von Dribbelfuß des Gegners ab. Hat der Gegenspieler den Ball nun auf dem linken Fuß, so muss der Torhüter seinen rechten Fuß aufstellen um auf ein evtl. aufziehen des Gegners angemessen reagieren zu können. Um das „virtuelle Tor“ weiter zu verkleinern wird das aufgestellte Bein leicht nach Vorne gesetzt.

Abb. 4: Grundposition
Abb. 5: Positionsanpassung
Abb. 6: Block rechter Fuß
Abb. 7: Block linker Fuß

Beispielsituation 3: „Ballangriff“

Ein angreifender Gegenspieler versucht einen tief in den Raum gespielten Ball zu erlaufen. Der Torhüter erkennt die Möglichkeit den Ball vor dem gegnerischen Spieler zu erreichen und geht dem Ball für den Ballangriff aktiv entgegen. Dafür empfiehlt es sich in der abwehrenden Aktion nach einer frontalen Positionsanpassung durch einen schnellkräftigen Stemmschritt, den Ball zu erhechten und damit den Ball zu sichern. Der Torhüter wählt einen tiefen Körperschwerpunkt um diesen Ball zu attackieren. Da ein Kontakt mit dem Gegenspieler nicht auszuschließen ist, sollte er die komplette Armlänge nutzen um die Distanz des Balls und somit auch die des Gegenspielers zu seinem Kopf zu wahren. Sichert der Torhüter den Ball in seinen Händen so wird das Kinn zur Brust geführt um zusätzlich für Stabilität in der Halswirbelsäule zu sorgen.

Abb. 8: Grundposition
Abb. 9: Positionsanpassung
Abb. 10: Ballangriff

Theoretische Aspekte

Stellungsspiel

In Zeiten des Vertikalspiels ist der Torhüter stärker denn je im Kontext mit der eigenen Mannschaft zu sehen denn der Korridor zwischen dem Torhüter und den Verteidigern wird zunehmend häufiger bespielt. Das hat zur Folge, dass der Torhüter seine Position noch stärker im Spielverlauf verändern muss. Es entstehen Situationen, in denen der Torhüter aus der Grundstellung erneut in eine Anpassung und Optimierung kommen muss. Steht der Angreifer geschlossen zum Tor, wird der Ball weiträumig angenommen oder richtet sich der Fokus auf den Ball bei der an- und mitnahme und somit nicht auf den Torhüter. Jede dieser Situation muss zunächst vom Torhüter erkannt und schließlich genutzt werden um Raumdruck herzustellen. Dabei orientiert sich das Stellungsspiel des Torhüters am Ort des Balles sowie der Position seiner Mitspieler. Im Grundgedanken wird das Positionsspiel des Torhüters generell weiter nach vorne verlagert und erfordert daher eine hohe Mitspiel- und Aktionsbereitschaft. Das optimale Stellungsspiel in einer 1-gegen-1 Situation, ergibt sich aus einer vertikalen sowie horizontalen Ausrichtung des Torhüters in Abhängigkeit der Position des Schützen zum Tor. Als Orientierungshilfe kann sich der Torhüter ein Dreieck vorstellen, dessen Eckpunkte aus den beiden Pfosten und der Position des Balles bestehen. Halbiert man den Winkel am Eckpunkt des Balles, ergibt sich daraus die optimale Position auf horizontaler Ebene für den Torhüter.

Balance, Kraft und Reaktionsvermögen

Eine ausgeprägte Gleichgewichtsfähigkeit ist Grundlage um in den abwehrenden Aktionen die notwendige Handlungsfähigkeit zu bewahren. Die Schwierigkeit besteht darin, aus der positionsanpassenden Bewegung heraus in einen sicheren Stand zu gelangen. Nur wenn ihm das gelingt, kann er gleichermaßen in alle Richtungen agieren. Für den einen sicheren Stand sollte der Torhüter das Körpergewicht leicht aus der Hocke auf den Vorderfuß verlagern und seinen Oberkörper etwas nach vorne beugen.

Neben dem Gleichgewicht spielt die Kraft eine tragende Rolle für die erfolgreiche Bewältigung einer 1-gegen-1 Situation. Je nach Altersklasse ist ein gewisses Maß an Kraft notwendig, um den Ball unabhängig von der Geschwindigkeit zu jeder Zeit gezielt abzulenken bzw. abzufangen. Diese Kraft bezieht sich sowohl auf den Zuwachs spezifischer Muskelgruppen, als auch auf die zielgerichtete Ansteuerung der Muskulatur über das zentrale Nervensystem. Ein wichtiger Baustein in der Trainingsgestaltung hierzu stellt das inter- und intramuskuläre Koordinationstraining dar. Unter der intermuskulären Koordination versteht man das Zusammenspiel zwischen Agonist und Antagonist. Die intramuskuläre Koordination beinhaltet das Wirken innerhalb eines einzelnen Muskels in einem Bewegungsablauf. Grundsätzlich bieten sich hierfür Trainingsformen an, die eine Ganzkörperstabilität berücksichtigen.

Mentalität

Ein wichtiges Kriterium für die erfolgreiche Bewältigung einer 1-gegen-1 Situation liegt in der mentalen Stärke des Torhüters, da die Anforderungen im weiteren Sinne mit denen einer Extremsituation vergleichbar sind. In wenigen Sekunden muss sowohl die Spielsituation erfasst als auch der mögliche Verlauf antizipiert werden, dann die situativ richtige Entscheidung getroffen und schlussendlich die entsprechende motorische Handlung korrekt ausgeführt werden. Vereinfacht ausgedrückt sprechen wir idealtypisch von einer „Sehen-Wissen-Entscheiden-Handeln“ Abfolge. Für eine handlungsschnelle und sichere Umsetzung dieser Abfolge benötigen selbst erfahrene Torhüter ihre volle Konzentration. Diese bildet neben der emotionalen Verfassung den Schwerpunkt dessen was als mentale Stärke bezeichnet wird.

Da unser Gehirn nur über begrenzte Verarbeitungskapazitäten von Informationen verfügt, kann die Effizienz und Qualität der Ausführung des 1-gegen-1 Verhaltens beispielsweise durch negative Empfindungen oder dem Fehlen von Handlungsroutinen, gestört werden. Negative Gedanken als Konsequenz negativer Empfindungen, wie auch ein bewusstes Nachdenken über Bewegungsabläufe wirken dabei wie eine starke Ablenkung. Das bedeutet je mehr Aufmerksamkeit ein Torhüter seinen Emotionen widmet oder darüber nachdenkt wie er welche Bewegung im Augenblick machen sollte, desto weniger Aufmerksamkeit bleibt für die Ausführung übrig. Somit spielen sowohl der emotionale Status eines Torhüters, das heißt seine situativen Empfindungen als auch seine Lernerfahrungen bzw. Handlungsroutinen eine besondere Rolle.

Die Entwicklung von Handlungsroutinen und der Umgang Überforderung

Überforderungssituationen entstehen bei Torhütern dann, wenn die Komplexität einer Situation zu hoch ist, das heißt zu viele Reize in zu kurzer Zeit verarbeitet werden müssen. In diesen Momenten gelingt es dem Torhüter nicht, „wichtiges“ von „unwichtigem“ zu unterscheiden.

Dementsprechend ist es in erster Instanz notwendig die Wahrnehmungs- bzw. Aufmerksamkeitsebene zu trainieren um die situationsspezifischen Hinweisreize einer 1-gegen-1 Situation besser zu identifizieren und gedanklich schneller verarbeiten zu können. Um diese Fertigkeit auszubilden bieten sich die in diesem Artikel vorgestellten Trainingsformen an, da sie sowohl kognitive- als auch koordinative Trainingselemente kombinieren. Sie schulen zum einen die Fokussierungstechnik des Torhüters, der dabei lernt seine Aufmerksamkeit schnell und kontrolliert zwischen unterschiedlichen Orten und Ebenen zu wechseln und zum anderen stärken sie seine Konzentrationsfähigkeit.

Wenn ein Torhüter im Training regelmäßig mit 1-gegen-1 Situationen konfrontiert wird und dabei die unterschiedlichen Reaktionsvarianten einstudiert werden, findet eine sogenannte „Internalisierung“ statt. Das heißt aus bewussten „langsamen“ Handlungen, werden automatisierte „schnelle“ Routinen. Damit wird erreicht, dass Handlungsabfolgen nicht nur schneller sondern vor allem sicherer bewältigt werden. Wichtig für eine erfolgreiche Etablierung von Handlungsroutinen ist eine hohe Anzahl an Wiederholungen im Training, eine wettkampfnahe Intensität des Zweikampfverhaltens sowie hohe kognitive Beanspruchung. Ehrfahrungsgemäß lässt sich der Lernerfolg durch Mentaltraining und der Unterstützung von Videoaufzeichnungen steigern. Dazu können im Idealfall erfolgreich gelöste 1-gegen-1 Situation des Torhüters selbst oder auch Beispielszenen von anderen Torhütern verwendet werden. Durch das wiederholte Anschauen der Szenen sowie der bewussten Vorstellung des Bewegungsablaufs wird die reale Umsetzung im Training und Wettkampf stark erleichtert.

Entstehung von Angst und der Weg zur Furchtlosigkeit

Die emotionalen Empfindungen des Torhüters können ebenfalls einen starken Einfluss auf die Verarbeitung von Informationen im Gehirn haben. So können positive Empfindungen positive Effekte bewirken aber beispielsweise durch Angst auch die Entscheidungsfindung verlangsamt oder fehlerhaft werden. Die Ursachen für negative Empfindungen sind vielfältig und schwer zu verallgemeinern. Sie können in der Angst vor Verletzungen liegen oder häufig auch in der Angst davor sich verantwortlich für den Misserfolg und seine negativen Konsequenzen zu fühlen. Hat ein Torhüter in seiner Karriere eindrücklich selbst erlebt oder bei anderen beobachtet wie folgenschwer eine verpatzte 1-gegen-1 Situation sein kann, wird unbewusst eine Art „Gefahrenprotokoll“ im Gedächtnis angelegt. Wann immer sich nun eine ähnliche Situation abzeichnet, wird sofort ein Warnhinweis in das Bewusstsein des Spielers gesendet. Sein Instinkt sagt ihm in solchen Situationen: „Achtung, dort lauert eine Bedrohung, sei lieber vorsichtig“. Diese Vorsicht führt zu einem Vermeidungsverhalten. Das heißt eine Situation die in unserer Erinnerung als gefährlich eingestuft wurde, wird zukünftig nicht mehr oder nur mit großer Vorsicht aufgesucht. Solche Schutzprozesse sind genetisch tief in unserem Verhalten verankert und aus Evolutionssicht für die Menschheit auch sinnvoll. Was einem Torhüter in „echten“ Gefahrensituation das Leben retten kann, hindert ihn in einer 1-gegen-1 Situation jedoch daran den Torraum zu verlassen, zum richtigen Zeitpunkt in das Laufduell zu starten oder mit der nötigen Intensität in die Abwehraktion zu gehen. Gerade für unerfahrene Spieler oder jene mit stark negativen Erfahrungen, ist der Umgang mit Furcht deshalb ein wichtiger Lernbaustein.

Um emotionale Empfindungen nachhaltig zu verändern, müssen Torhüter lernen gegenüber ihrer Furchtempfindung in spezifischen Situationen aufmerksam zu sein. Dafür sollten sich Torwarttrainer diesem Thema gegenüber offen zeigen und dem Spieler die entsprechende Akzeptanz zeigen. Lehrsätze wie „Du brauchst keine Angst zu haben“ scheinen recht wirkungslos zu bleiben. Erst auf der Grundlage von Vertrauen und Akzeptanz lässt sich die Bewertung einer furchtauslösenden Situation nachträglich funktional verändern. Ziel dabei sollte es sein, dass sich ein Torhüter das subjektiv hohe Risiko einer 1-gegen-1 Situation bewusst macht und die kritischen Erfahrungen detailliert aufgearbeitet werden. Dazu werden die „traumatischen“ Fehlersituationen minutiös analysiert und anschließend Lösungswege besprochen wie die Situation hätte erfolgreich bewältigt werden können. Erfahrungsgemäß haben Torhüter dabei ein extrem gutes Fehlergedächtnis, d.h. sie können selbst Jahre zurückliegende negative Ereignisse noch sehr detailliert beschreiben. Über diesen Prozess der Bewusstmachung und Aufarbeitung können sie lernen ihre Empfindungen zu kontrollieren und in Stärken umzuwandeln.

Aktivierung:

1. Stabilisation

Das Stabilisationstraining soll die Spieler vorwiegend im Rumpfbereich stärken. Die Muskeln im Rumpf dienen der Stabilität und der Beweglichkeit des Oberkörpers. Darüberhinaus schützt eine gut ausgeprägte Muskulatur des Rumpfes vor Bänder und Sehnen Verletzungen.

  • Unterarmstütz / 2 x 20 Sekunden
  • Seitstütz rechtes Bein gehoben / 2x 20 Sekunden
  • Seitstütz linkes Bein gehoben / 2x 20 Sekunden
  • Bridging rechtes Bein gehoben / 2x 20 Sekunden
  • Bridging linkes Bein gehoben / 2x 20 Sekunden

2. Movementpreps

Die bewegungsvorbereitenden Übungen bringen den Muskel durch schwingende oder kreisende Bewegungen in die Dehnung. Der Muskel wird nur kurz dafür deutlich häufiger als bei einem gehaltenen Stretching  in die Dehnung gebracht.

Dehnung der Achillessehnen: Der Torhüter geht in die Liegestützposition. Die Hüfte wird vertikal in die Luft gedrückt. Der rechte Fuß liegt über der Hacke des rechten Fußes. Das Knie des Standbeins bleibt durchgedrückt das andere Knie bleibt angewinkelt. Nun werden die Zehen zum Schienbein gezogen und die Ferse in Richtung Bode geschoben.

Abb. 11: Stützposition
Abb. 12: Finalposition

Frontaler Ausfallschritt: Aus der Grundstellung wird ein großer Schritt mit dem rechten Fuß gemacht. Der rechte Ellenbogen wird nun zum Fußgelenk geführt. Die linke Hand wird neben den Körper gestellt und dient zur Stabilisation.

Abb. 13: Knie-Hub
Abb. 14: Ausfallschritt
Abb. 15: Finalposition

Ausfallschritt nach hinten: Aus der Grundposition wird ein großer Schrittmit dem linken Fuß nach hinten gemacht. Das vordere Bein ist nun angewinkelt. Der Oberkörper rotiert über das angewinkelte Bein, so dass der Torhüter seine Ferse ansehen kann. Der linke Arm wird dabei in die Höhe durchgestreckt.  

Abb. 16: Knie-Hub
Abb. 17: Ausfallschritt
Abb. 18: Finalposition

3. Gleichgewicht

Dem Gleichgewichtssinn kommt eine besondere Bedeutung im 1gg1 entgegen. Der Torhüter muss im Übergang der Positionsanpassung ins Stehen kommen, sobald der Schütze den Ball kontrolliert.

Aufbau: Torwart1 und Torwart2 stehen einbeinig auf je einem Balancepad.   

Ablauf: Das Knie des Standbeins ist leicht angewinkelt. Der Rumpf ist während der Bewegungsdurchführung angespannt. Das Schwungbein bewegt sich nun mit durchgestrecktem Knie und führt dabei die Formen der Buchstaben durch.

Ausführung: Jede Seite „schreibt“ das Alphabet einmal.

Variation: Nun stehen die Torhüter hinter dem Balancepad. Dabei gehen sie in leichte Tappings. Auf ein optisches und akustisches Signal springen die Torhüter einbeinig nach Vorne auf das Balancepad. Dort halten sie das Gleichgewicht und springen im Anschluss zurück in die Ausgangsposition.   

Abb. 19: Ausgangsposition
Abb. 20: Einbeinstand
Abb. 21: Einbeinstand 2
Abb. 22: Tappings
Abb. 23: Einbeinstand
 

4. Reaktionsfähigkeit

Aufbau: Der Torwart steht etwa 2m  zentral vor dem Tor. Der Torwarttrainer steht ihm Gegenüber. Der Torwarttrainer hält zwei Bälle auf seinen Handinnenflächen. Die Hände des Torhüters sind exakt über den Bällen.

Ablauf: Der Torwarttrainer stellt nun eine Rechenaufgabe und lässt einen der beiden Bälle fallen. Ergibt die mathematische Aufgabe eine gerade Zahl so greift er mit der ballnahen Hand unter den Ball und hält den Ball so auf seiner Handinnenfläche. Ist das Resultat jedoch ungerade so muss er den Ball mit der ballentfernten Hand umgreifen und sichert ihn ebenfalls durch die Handinnenfläche.   

Hinführung: 

Hier werden die Grundlagen der torwartspezifischen Abwehrtechniken gelegt, die als Schwerpunkt im Hauptteil abgerufen werden müssen. Alle Aktionen werden isoliert trainiert und durch eine hohe Wiederholungszahl automatisiert.

Übung1: Hinführung zum 1-gegen-1 (Ballangriff)

  • Ein Viereck (14x10m) innerhalb des 16 Meterraums zentral vor dem Tor errichten.
  • Zwei Dummies werden ca. 10m vor dem Tor in einem Abstand von 4m aufgestellt. TW1 steht im Tor an den beiden Kanten des Vierrecks stehen TW2 und der Torwarttrainer. Die Bälle sind am Tor bereitgelegt.
  • TW1 passt den Ball auf TW2 der den Ball mit zwei Pflichtkontakten auf den Torwarttrainer passt. Dieser spielt den Ball diagonal flach in den Raum hinter den Dummy. Der TW1 im Tor hat nach dem Pass bereits die Position offensiv entsprechend der Position des Balles ausgerichtet, nun attackiert den gespielten Ball des Trainers nachdem er ein akustisches Signal (Torwart) abgegeben hat.
  • Steuerungsinstrument ist der Trainer, der den Ball  chippen oder werfen kann.
  • Der Torwart im Tor orientiert sich im Positionsspiel an dem Ort des Balles und versucht die Position in Phasen des Zuspiels anzupassen. Ist der Ball beim Passempfänger angekommen so muss der Torhüter die Position aus der Grundstellung halten. Der gespielte Ball des Trainers wird aktiv aufgenommen. Somit gilt es den kürzesten Weg zum Ball zu finden. Der Trainer achtet auf die beidseitige Ausführung und der damit notwendige Sprungbeinwechsel.  

Hinführung zum 1-gegen-1 (Bewegliche Mauer)

  • Ein Viereck (14x10m) innerhalb des 16 Meterraums zentral vor dem Tor errichten. Zwei Dummies werden ca. 10m vor dem Tor in einem Abstand von 4m aufgestellt. Zwei Minitore werden auf höhe des 5 Meterraums zentral vor dem Tor aufgestellt dazwischen für den Torhüter eine 50cm breite Lücke lassen. TW1 steht hinter den Minitoren mit einem Ball in der Hand. An den beiden Kanten des Vierrecks stehen TW2 und der Torwarttrainer. Die Bälle sind am Tor bereitgelegt.
  • TW1 rollt den Ball auf TW2 der den Ball mit dem ersten Kontakt auf den Torwarttrainer weiterleitet. Dieser spielt den Ball diagonal flach in den Fuß von TW2 zurück der den Ball zentral vor dem Tor zwischen den Dummies annimmt. TW1 hat nach dem Pass des Trainers bereits die Position offensiv vor den Minitoren eingenommen, nun muss TW2 den Ball flach in eines der beiden Minitore schießen. Torwart1 agiert aus einer tiefen Grundstellung und wehrt den Ball mit einer Fußabwehr ab.
  • Variation: Torwart2 kann den Ball halbhoch auf das Minitor schießen- der handelnde Torwart1 muss den Ball nun mit der Hand abwehren.
  • Torwart1 muss die Position nur bedingt nachvorne offensiv ausrichten. Der Fokus liegt auf der Aktionsphase, d.h. im Moment des Abschlusses hat der Torhüter seine Position den Gegebenheiten entsprechend ausgerichtet und agiert aus einer sicheren und tiefen Stellung. Er hält die Balance und richtet den Blick auf den Ball, nur so kann er seine Hände und Beine nach der Flugbahn des Balles ausrichten.

Hinführung zum 1-gegen-1 (Block stellen)

  • Ein Viereck (14x10m) innerhalb des 16 Meterraums zentral vor dem Tor errichten.
  • Zwei Dummies werden ca. 10m vor dem Tor in einem Abstand von 4m aufgestellt. TW1 steht im Tor an den beiden Kanten des Vierrecks stehen TW2 und der Torwarttrainer. Die Bälle sind am Tor bereitgelegt.
  • TW1 passt den Ball auf TW2 der den Ball mit zwei Pflichtkontakten auf den Torwarttrainer passt. Dieser spielt den Ball diagonal flach in den Fuß von TW2 der in Richtung des Dummies gestartet ist.TW2 darf den Ball erst nach dem zweiten Kontakt abschließen. Der TW1 im Tor hat nach dem Pass des Trainers einen Raumgewinn erzielt, in dem er nach vorne in Richtung des Schützen geschoben ist. TW1 hat die Position so ausgerichtet, dass er nun nicht mehr als 2m entfernt ist vom Schützen, sobald er diese Distanz erreicht hat agiert TW1 aus der Blockstellung.
  • Steuerungsinstrument: Der Trainer kann durch die schärfe des Zuspiels auf TW2 die Anpassung des Stellungsspiels für TW1 erleichtern oder erschweren, indem er die schärfe des Zuspiels mindert oder erhöht. Die Kontaktbegrenzung kann ebenfalls verändert oder aufgehoben werden.
  • Der Torwart antizipiert den Pass und die Optionen des Adressaten. Im Moment des Abspiels, in der kein weiterer Angreifer die Option hat den Ball unmittelbar eine neue Richtung zu geben, agiert der Torhüter 1 aus einer Ballerwartungshaltungshaltung heraus und sprintet zunächst in Richtung des Schützen ehe er das Tempo reguliert und reduziert. Bis schließlich der Ball den Passempfänger erreicht und der Torhüter1 die Vorbereitungsphase abschließt, in dem er in die tiefe Grundstellung kommt und schließlich aus der stehenden Position agiert.
  • In der Aktionsphasen muss der Torhüter darauf achten möglichst viel Trefferfläche zu bieten. Das bedeutet er richtet den Oberkörper in Richtung des Schützen aus und dreht diesen nicht zur Seite. Das aufgestellte Bein in der Blockstellung wird nach dem Schussfuß des Angreifers ausgerichtet. Die Hände sollten sich neben dem Körper etwa Brusthoch befinden, dabei werden die Handinnenflächen zum Schützen ausgerichtet.

Übung 2:

  • Aufbau: Ein 2m breites Stangentor errichten. Der Torhüter steht mittig zwischen den beiden Stangen in der Grundstellung. In den Händen hält er zwei Kurzhanteln. Ihm Gegenüber steht der Trainer, so dass Blickkontakt besteht.
  • Übungsablauf:  Der Trainer verändert nun seine Position aus der Mitte auf eine beliebige Seite. Der Torhüter passt diese Position sofort an. Der Trainer kann nun die Hand heben in diesem Moment muss der Torhüter aus der Grundstellung, die Kurzhantel an die Hand des Trainers führen. Dies geschieht möglichst explosiv und zielgerichtet. Daraufhin verändert der Torwarttrainer erneut die Position.
  • Ausführung: 3 Serien a 6 Wiederholungen (Gewicht der Kurzhantel etwa 3 -4 Kg.)
  • Coaching-Hinweise:  Die Aktionen müssen schnellkräftig ausgeführt werden. Zwischen den Serien 3-5 Min Pause. kein Übergreifen! Die ballnahe Hand führt zum Trainer, der Blick ist immer auf das Ziel gerichtet.
Abb. 24: Grundstellung
Abb. 25: Handblock links
Abb. 26: Handblock rechts
Abb. 27: Handblock links unten
Abb. 28: Handblock rechts unten
 

Hauptteil

Im ersten Teil werden nun in komplexen Übungsformen die technisch- taktischen sowie athletischen  Anforderungen geschult.

  • Aufbau: TW1 steht in Ballerwartungshaltung zentral ca. 3m vor dem Tor. TW2 steht offen ca. 20m vor dem Tor im Gegneüber positioniert sich der Torwarttrainer. Im Raum von 14m bis 18m wird eine Tabuzone errichtet davor markieren die Hütchen drei Passtore.
  • Übungsablauf: Der Torwarttrainer passt den Ball auf TW2 der sich im Bereich der 18m vor dem Tor frei bewegt. Dieser lässt den Ball klatschen. TW1 richtet permanent seine Position neu aus. Der Torwarttrainer passt den Ball durch eines der Hütchentore. TW2 versucht den gespielten Ball zu erlaufen. Befindet sich der Ball noch in der Tabuzone so darf TW2 nicht auf das Tor abschließen und muss im Tempodribbling weiter in das 1gg1. Hat er die Tabuzone überwunden so darf er den Abschluss jederzeit suchen, dabei muss er eines der Minitore treffen.
  • Ausführung: 3 Serien à 4 Wiederholungen
  • Coaching Hinweise: Mit dem gespielten Ball des Trainer agiert der Torhüter1 sofort in höchster Geschwindigkeit nach Vorne. Im Moment des ersten Ballkontaktes von TW2 muss der Torhüter das Tempo stark reduziert haben und ins Stehen kommen. 

Im zweiten Teil des Hauptteils werden in komplexen Spiel – und Übungsformen die taktischen Elemente, sowie die Entscheidungsqualität verbessert.

  • Aufbau: Torwart1 steht etwa 3m zentral vor dem Tor. Torwart2 in der Breite an der 16er Linie auf Höhe des Elfmeterpunkts. Torwart3 steht 2m entfernt von TW2 im Sechzehnmeterraum. Die beiden Dumies werden 12m vor dem Tor in errichtet. Der Torwarttrainer stellt sich mit Bällen 18m vor das Tor. Weitere Bälle liegen neben dem Tor bereit. 
  • Ablauf: Der Trainer spielt den Ball auf Torwart 2 der den Ball direkt auf Torwart3 passt der den Ball direkt zurück in den Fuß spielt, den Doppelpass nimmt Torwart 2 direkt in Richtung 5 Meterraum mit. In diesem Zeitraum positioniert der Torhüter neu in Richtung des Balles. Der Abschluss von TW2 erfolgt im Bereich der Standzone mit maximaler Schärfe per Vollspannstoß. Torwart1  wehrt den ball durch einen gezielten Block ins aus ab oder sichert den Ball beim Rebound vor Torwart2. Torwart 2 setzt sich nach dem Abschluss sofort ab um Distanz zu gewinnen. TW1 rollt einen Ball nun auf TW2 der den Ball auf Kommando von Torwart1 (Hintermann) klatschen lässt, den gespielten Ball passt Torwart 1 mit zwei möglichen Kontakten per Druckpass auf den Trainer.  Torwart 3 ist in dieser Zeit zu den Dummie´s gelaufen. Der Trainer spielt nun den Ball in den Raum zwischen Tor und Dummy, zwischen 16er und Dummy oder in den Fuß von Torwart3. Dieser hat unabhängig der Richtung des Passes das Ziel einen Torabschluss zu suchen.  

Spielephase

In der Spielephase geht es um die situativ richtige Anwendung von taktischen Handlungsweisen. Aus einer komplexen Spielsituation ist der Torhüter nun unter Zeitdruck gefordert Entscheidungen anhand des Handlungsbilds zu treffen.

  • Aufbau: Ein Spielfeld (30x25m) mit eine Großtor und zwei gekippten Jugendtoren errichten. Zwei Teams einteilen die im 1(TW)+5 gg 1(TW)+1 (TW)+5 agieren.
  • Übungsablauf: Team A, das vom Großtor aus agiert  besitzt den Ball. Es wird ohne Eckball gespielt. Team A versucht auf die gekippten Jugendtore ein Tor zu erzielen.
  • Ausführung: 4 Durchgänge à 3 Minuten.
  • Coaching: Team A ist gezwungen möglichst nah an die Jugendtore heranzukommen da die Treffer Option sonst relativ gering ist. Zusätzlich entstehen häufig 1gg1 Situationen da Team B zwei Tore parallel verteidigen muss.             

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