| Home > Magazin > Magazin-kompakt 11/12 > 2.Bundesliga > Torwartecke (01.09.2011)
von Martin Thaler
Österreicher in der 2. Bundesliga
Diesen Freitag steht wieder einmal das traditionsreiche Bruder-Nachbarschaftsduell zwischen Deutschland und Österreich an. Während es für die älteren Semester immer noch die wohl x-te Revanche für Cordoba darstellt, bleibt es für alle anderen immer noch eine der emotionsgeladensten Spiele im Kalender. Für uns ist es zudem noch die Gelegenheit, sich die Österreicher in Deutschlands Zweiter Liga anzuschauen, die sich dem Torwartberuf verschrieben haben. Denn auch beim „kleinen Bruder“ hat sich seit dem großen Franz Wohlfahrt einiges auf der Position des Torhüters getan. Was einst als „Österreicher Kokon“ verschrien war, bekommt wieder Luft von außen. Viele junge Talente zieht es ins Ausland. Wir stellen euch zwei von ihnen vor:
 Robert Almer (foto firo)
1. Robert Almer
Der erste österreichische Keeper der Liga sitzt momentan noch bei Fortuna Düsseldorf auf der Bank. Dabei galt Robert Almer vielen Fachleuten schon als Nummer 1 bei der Fortuna, die in der Vorsaison ein munteres Wechselspiel zwischen den beiden Keepern Michael Ratajczak und Michael Melka erlebt hatte. Almer bringt für die Stammposition auch einiges mit. So wird ihm – unter anderem auch aufgrund seiner Körpergröße von 1,94 Meter – eine sehr gute Strafraumbeherrschung nachgesagt. Doch ebenfalls auf der Linie weiß er durchaus zu überzeugen, wenn er auch nicht der Typ für die Unhaltbaren, für das Extra-Spektakuläre ist. Vielmehr ist er ein solider, grundehrlicher und geerdeter Profi, sowohl auf wie auch neben dem Platz. So engagiert sich Almer zusammen mit seinem guten Freund Christan Fuchs (Schalke 04), dessen Trauzeuge er darüber hinaus war, für den Verein „stars4stars“, eine Initiative, die sich der Förderung des Behindertensports in Österreich verschrieben hat.
Einsatz für seine Mitmenschen – ein Motto, welches Almer auch auf dem Platz pflegt. Denn obwohl es mit dem Stammplatz bei der Fortuna bislang nichts geworden ist und statt seiner Michael Ratajczak weiterhin das Tor hütet, pflegt Almer ein kollegiales Verhältnis zu Ratajczak, es war gar von gegenseitiger Motivation zu hören.
So wartet Almer geduldig auf seine Chance, möglicherweise auch wissend, dass bei der Fortuna sich alles sehr schnell ändern kann. Ein Blick in die letzte Saison genügt.
 Ramazan Özcan (foto firo)
2. Ramazan Özcan
Wenn man sich die Stationen von Ramazan Özcan, momentan zweiter Mann bei den Schanzern aus Ingolstadt, anschaut, kommt man schon ins Staunen: Red Bull Salzburg, TSG Hoffenheim, Besiktas Istanbul, Österreichische Nationalmannschaft – wie schafft es der kleine FC Ingolstadt, einen Spieler von solchem Format zu verpflichten? Die Antwort ist für Ramazan Özcan allerdings wenig schmeichelhaft: dieser konnte sich jenseits von Österreich nirgends wirklich durchsetzen. In Hoffenheim kam „Rambo“, ein Spitzname den er sich aufgrund seiner Furchtlosigkeit erworben hatte, in drei Jahren gerade einmal auf 8 Bundesliga- sowie 17 Zweitligapartien, in Istanbul gar nur auf zwei Einsätze. Die kollektive Erinnerung an Özcan ist zudem noch geprägt durch das 4 – 5 Schützenfest seiner Hoffenheimer bei Werder Bremen in der Saison 2008/2009, bei welchem Özcan nicht seinen stärksten Auftritt hatte, sowie die öffentlich geäußerte Kritik von Trainer Ralf Rangnick, dass ein Torwart ruhig auch mal seine Hände zur Hilfe nehmen kann. Doch trotz dieser eher negativen Presse war Özcan – bis zur Verpflichtung von Timo Hildebrand – lange Zeit unangefochtene Nummer 1 im Kraichgau. Eine Station seiner Karriere, die nun abgehakt scheint. Nach beinahe zwei Jahren ohne durchgehende Spielpraxis will er in Ingolstadt wieder angreifen. Erst einmal jedoch von der Bank.
 |