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von Martin Thaler
 Tomislav Piplica (foto firo)
Abschiedsspiel für Pipi
Wie wird man eigentlich zu einem richtigen Original in der heutigen, modernen Fußballwelt, die doch scheinbar ausschließlich aus Logen, Canapés und Spielern zu bestehen scheint, welche meist wie gestriegelte Versicherungsfachwirtazubis wirken. Perfekt im Umgang mit den Medien geschult, individuelle Spezifika dem Teamgeist unterworfen, scheint sich die Suche nach „echten Typen“ im Profifußball als höchst schwierig zu erweisen. Originalität ist fehl am Platz, wenn es um den Erfolg der Mannschaft geht.
Eines der letzten Originale sagt nun auch Lebewohl. Tomislav Piplica, personifizierte Skurrilität im Dress von Energie Cottbus, darf sich ein letztes Mal zwischen die Pfosten im Lausitzer Stadion der Freundschaft stellen. Zwar ist der mittlerweile 40 Jahre alte Kult-Torhüter bereits seit vergangenem Sommer nicht mehr aktiv für Energie, doch wird ihm nun aufgrund jahrelanger Verdienste für die Lausitz ein Abschiedsspiel gewährt. Demütig aber auch mit einer gewissen Prise Stolz verkündete Energie-Präsident Lepsch: „Tomislav ist seit über zehn Jahren bei uns. Für so einen verdienten Spieler werden wir uns etwas einfallen lassen.“ Tomislav Piplica, ein verdienter Spieler. Keiner verkörpert Energie Cottbus mehr als er, ein stetiger Wandel zwischen Welt- und Kreisklasse. Siegen gegen Bayern München folgten haarsträubende, groteske Eigentore und Schnitzer. Bei anderen Spielern wird hier oftmals das Prädikat „Wundertüte“ herangezogen, Piplica wurde milder beurteilt: er blieb einfach stets ein „Original“.
Zehn Jahre hatte der im Sommer 1998 von Segesta Sisak zu Cottbus gekommene „Pipi“ in der Lausitz verbracht, erlebte Aufstieg und Abstieg, absolvierte insgesamt 248 Spiele für die Cottbuser in der ersten und zweiten Liga. Während der Rest der Mannschaft jedes Jahr regelmäßig ausgetauscht wurde, blieb Piplica eine der wenigen Konstanten bei Cottbus, wurde somit auch zu einer Identifikationsfigur für die Fans. So verziehen sie ihm auch das hanebüchenste Eigentor.
Am 22. Mai soll es nun soweit sein, ein milde stimmender Abschluss für die Cottbuser Fans, nach einer doch mehr als unbefriedigenden Saison. Piplica wird allerdings weiterhin für Cottbus tätig bleiben und zwar im Trainerstab der U23-Mannschaft. Zudem hat er nun auch noch den Posten des Co-Trainers der bosnischen Nationalmannschaft angenommen. Es gibt also viel zu tun für „Pipi“, doch verliert der Fußball dennoch ein wirkliches Original. Somit kann man „Pipis“ ehemaligem, langjährigem Vereinskameraden Tim Rost nur zustimmen: „Pipi ist in Cottbus eine Kult-Figur.“ Allerdings möchte man ergänzen: nicht nur in Cottbus!
 Simon Jentzsch (foto firo)
Jentzsch knows best
Als ehemaliger Wrestler ist man immer eine Autoritätsperson. Verwunderlich eigentlich, dass es immer noch einige Fernsehformate gibt, die auf Hulk Hogan verzichten können. Nicht in der Flimmerkiste, dafür auf dem Platz beweist allerdings einer von Hogans „Kollegen“, dass er unverzichtbar für sein Team ist. Simon Jentzsch, dem das Magazin „11 Freunde“ kürzlich die Aura eines WWE-Champions zuerkannte, hält momentan die Augsburger auf Aufstiegskurs. Zweiter Platz in der Liga, gerade einmal drei Niederlagen auf dem Konto, setzen die Augsburger nun auch noch zum Endspurt an. Mitverantwortlich hierfür ist eben auch Jentzsch. Fünf Spiele in Folge blieb Jentzsch ungeschlagen, 486 Minuten insgesamt. Vereinsrekord, sein ganz eigener „Championships-Gürtel“, den sich seine Nachfolger im Augsburger Tor erst einmal erkämpfen müssen. Was für ein Comeback also für Jentzsch, der vor einem Jahr noch missmutig die Ersatzbank in Wolfsburg zierte. Da zeigt es sich mal wieder: der Fußball schreibt mindestens genauso gute Geschichte wie das Wrestling. Ring frei.
 Lukas Kruse (foto firo)
Wechselgeflüster
Da an Jentzsch ja momentan kein Vorbeikommen zu sein scheint, hat sich „Herausforderer“ Lukas Kruse, Ersatzmann der Augsburger, scheinbar dafür entschieden, sein Glück anderswo zu suchen. Ziel seiner Träume ist womöglich der FC Paderborn, wo Ersatzmann Kaspar Jensen ebenfalls mit seinem Abgang liebäugelt. Für Kruse wäre es eine Flucht zurück nach Hause, schließlich stammt er aus Ostwestfalen und hatte seine Schuhe bereits zwischen 1995 und 2008 für die Paderborner geschnürt. Da bleibt uns wohl nur zu sagen: Willkommen zu Hause.
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