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Der Wochenrückblick von torwart.de

von Martin Thaler 

G. Kiraly (foto firo)

Länderspielzeit

Sobald es für die Granden der einzelnen Nationen wieder einmal gilt ihr Können im fußballerischen Wettstreit zu beweisen, heißt es für den Großteil der Zweitliga-Profis spielfrei. Zwar hat sich die 2. Bundesliga einen Ruf als stärkste zweite Liga der Welt mühsam erarbeitet und zieht mittlerweile gar den ein oder anderen Nationalspieler in die unteren Gefilde des Profifußballs, doch sind solche Erscheinungen zumeist doch die Ausnahme. Allerdings ist gerade bei den Torhütern der Liga eine ungemein hohe Qualität auszumachen. So hoch, dass es für den ein oder anderen gar zu einer Berufung ins Nationalteam reicht. So konnte die 2. Liga in der letzten Saison mit Rowen Fernandez, Stephan Loboué und Gabor Kiraly drei (ehemalige) Nationaltorhüter aufweisen, zudem spielte mit Tobias Sippel auch der deutsche U21-Nationaltorwart in der Liga. Während Sippel mittlerweile allerdings in der 1. Liga spielt und die Auftritte von Loboué und Fernandez an einer Hand abgezählt werden können, leuchtet der Stern von Gabor Kiraly umso heller. So erhielt der 34jährige Schlussmann von 1860 München nun eine ganz besondere Auszeichnung.

Von den Trainern und Fußballern seines Heimatlandes Ungarn wurde das Münchener Unikat nicht etwa zum Schlabberhosenträger des Jahres, sondern mit großem Vorsprung zum besten Torhüter der vergangenen Dekade (2000 – 2010) gewählt. 49 Prozent aller abgegebenen Stimmen (insgesamt 800) konnte Kiraly verzeichnen. Bei der Wahl zum Fußballprofi des Jahrzehnts konnte er den für einen Torhüter sensationellen dritten Platz erringen. Eine Auszeichnung, der Kiraly bei seinen Spielen mit der ungarischen Nationalmannschaft gegen Finnland und San Marino sichtlich den Rücken stärkte. Dies war besonders wichtig für Kiraly, der in der Woche eine Hiobsbotschaft überreicht bekommen hatte. Enver Maric, langjähriger Herthaner Torwarttrainer und somit auch verantwortlich für Kiraly in dessen Herthaner Phase, hatte letzte Woche einen Schlaganfall im Verlaufe einer Herzoperation erlitten. Eine Nachricht, die gerade für Kiraly einen ganz besonderen Stellenwert genoss. Schließlich bezeichnete der Münchener Schlussmann Maric eigenen Angaben zufolge quasi als zweiten Vater. „Von ihm habe ich alles als Torwart gelernt und auch heute noch viele Tipps bekommen“, begründete Kiraly seine fortdauernde Verbundenheit mit seinem früheren Trainer, der in den Augen Kiralys zu dessen großem Vorbild reifte, dem es in Zukunft nachzueifern gelte. Für seine Zeit nach seiner aktiven Fußballerkarriere hat sich Kiraly logischerweise mental bereits als Torwarttrainer verpflichtet. "Die Philosophie und Theorie von Maric will ich an die jüngeren Keeper weitergeben", erklärte er.

Trotz der Professionalität, die den modernen Fußball heutzutage durchzieht, sind solche engen, persönlichen Bindungen immer wieder zu beobachten. Empathie und Mitgefühl statt Kosten-Nutzen Kalkül und Konkurrenzkampf. Selbst in der vermeintlich härtesten 2. Liga der Welt.

T. Piplica (foto firo)

Unvergesslich

Auch wenn Tomislav Piplica seine sportliche Karriere, die zu einem großen Teil im Tor des FC Energie Cottbus stattfand, schon längst beendet hat, war er dennoch fester Bestandteil einer gemeinsamen fußball-kulturellen Gedächtnismasse. Unvergesslich seine wie Slapstick-Einlagen anmutenden Patzer, mit denen sich die ehemalige Cottbusser Nummer 1 verewigte. Möglicherweise trägt Piplica auch bald zu weiteren gemeinsamen Erinnerungen bei, diesmal allerdings neben dem Spielfeld, als Trainer. Denn Piplica hat seine Prüfung zur Uefa-Pro-Lizenz gemeistert, kann nun jedes Team der Welt, sofern denn Interesse besteht, übernehmen. Eine Anstellung als Torwarttrainer war Piplica nicht reizvoll genug, er lehnte eine Anstellung als Torwarttrainer der bosnischen Nationalmannschaft ab. Als Hauptverantwortlicher des ganzen Teams will das Lausitzer Urgestein Akzente setzen, und das am liebsten bei Energie: „Dafür habe ich den Schein gemacht. Der Verein und ich werden uns zusammensetzen,“ orakelte Piplica über seine berufliche Karriere. Man wird sehen, ob er die Chance bekommt, sich auch jenseits der Torauslinie unsterblich zu machen. Wir wünschen viel Erfolg.


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