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Home > Magazin > Magazin-kompakt 11/12 > 2.Bundesliga > Torwartecke (15.09.2011)

Der Wochenrückblick von torwart.de

von Martin Thaler 

B. Pliquett (foto firo)

Einer von uns

Benedikt Pliquett ist seinerseits nicht nur Keeper beim FC St. Pauli, er ist auch noch bekennender Fan der Jungs vom Millerntor. Nicht umsonst gilt Pliquett in Fankreisen als „einer von uns“. Dass eine solche Identifikation mit dem Verein natürlich auch die von der Anhängerschaft liebevoll gepflegte Abneigung gegen den großen Konkurrenten aus der Stadt, den Hamburger SV, einschließt, versteht sich von selbst. Unvergessen dies- und jenseits der Reeperbahn natürlich Pliquetts herzhafter Tritt gegen eine HSV-Eckfahne, an welcher er im Februar dieses Jahres seine Begeisterung abkühlte. Schließlich hatten er und der FC St. Pauli grade das prestigeträchtige Stadt-Derby für sich entschieden. Bei dem Tritt blieb es aber nicht.

Vollkommen euphorisiert stürmte der Pauli-Keeper in Derbysieger-Outfit danach durch die Mixed-Zone unter lauten „Wir sind St. Pauli“-Rufen sowie ordentlich Schimpfe gegenüber seinem Ex-Verein, von dem er sich über den Tisch gezogen fühlte. Eine Erinnerung, die von ihm (oder aber eines unter seinem Namen agierenden Users) auf Facebook bildlich festgehalten und kultiviert wird. Benedikt Pliquett reduziert sich hierbei selbst (oder eben wird reduziert) auf den Derbysieg und seine Animosität gegenüber dem HSV.

Eine Animosität, die nicht nur in seiner persönlichen Zeit im Verein begründet liegt, sondern sich auch aus einem unschönen Vorfall aus dem Vorjahr speist, der momentan sein gerichtliches Nachspiel findet. Im August letzten Jahres hatten vermeintliche „Fans“ des Hamburger SV den Anhängern des FC St. Pauli nach deren Auswärtsfahrt nach Freiburg am Bahnhof von Altona aufgelauert, hatten diese angegriffen und vier Fans dabei erheblich verletzt. Fünf Personen wurden im Nachhinein festgenommen, einige von ihnen bereits von der Polizei unter „Gewalttäter Sport“ geführt.

Pliquett selbst war mit den Fans am gleichen Bahnhof ausgestiegen, hatte den Vorfall aus einiger Entfernung verfolgt. Der Verein gab später bekannt, dass man eine Flasche in Richtung von Pliquett geworfen habe.

Nun trafen sich die vermeintlichen Täter sowie die Opfer vor Gericht wieder, wo einige der Geschädigten unter Tränen noch einmal die Taten Revue passieren ließen. Auch Pliquett war als Zeuge geladen, erkannte einen der mutmaßlichen Täter vage wieder. Eine Verurteilung bleibt aber aufgrund der Vermummung der Täter weiter fraglich.

Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens kocht auch noch einmal die Debatte darüber hoch, ob Pliquetts Verhalten nach dem Derbysieg verständlich war und eine gesunde Rivalität darstellte, oder ob Pliquett somit das bereits gespannte Verhältnis zwischen den verfeindeten Fanlagern noch weiter unnötig aufgeheizt hat. Eine Debatte, die viele Meinungen zulässt. Kein Diskussionsbedarf besteht lediglich in dem Wunsch, dass „Bene“ bald wieder Gelegenheit zu ausgiebigem Jubel bekommen möge. Denn als momentane Nummer 2 bei den Kiez-Kickern hat der „Derbysieger“ momentan wenig zu feiern. Das macht für ihn Philipp Tschauner, der sich auch im Umgang mit den Fans von „Bene“ einiges abgeschaut hat.


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