| Home > Magazin > Magazin-kompakt 11/12 > 2.Bundesliga > Torwartecke (18.08.2011)
von Martin Thaler
 Jan Glinker (foto firo)
Torwartdiskussionen bei den Eisernen - Konstanz geht sicherlich anders!
Gerade einmal vier Saisonspiele ist die Liga alt und bereits zu diesem Zeitpunkt durften sich drei verschiedene Keeper im Tor von Union Berlin probieren. Mit scheinbar unterschiedlichem Erfolg. Stammkraft Marcel Höttecke durfte die ersten beiden Saisonspiele absolvieren, zog sich dann im Training allerdings einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu und fiel seitdem eher durch seine Pinkel-Eskapaden als durch sportliche Leistungen auf. Den Fans ist es egal, schließlich schätzen sie Höttecke, der neben seiner Größe und seiner Präsenz eben auch eine enorme Portion Extravaganz verkörpert. Bedingt durch Hötteckes Ausfall wäre eigentlich die Chance von Jan Glinker gekommen, seinerseits Union-Legende, jedoch bei Trainer und auch Teilen der Fans nur noch ins zweite Glied gerückt. Doch auch Glinker verletzte sich und so bekam Youngster Kilian Pruschke seine Bewährungsprobe gegen Paderborn. Und wusste durchaus zu gefallen, auch wenn ernsthafte Bewährungsproben gegen die schwachen Ostwestfalen ausblieben. 3:0 gewannen die Eisernen und feierten damit ihren ersten Saisonsieg. Doch Trainer Uwe Neuhaus sorgte schnell dafür, dass bei Debütant Pruschke, der mit gerade einmal 1,82 Meter Körpergröße eine torwart-untypische Physiognomie mitbringt, die Euphorie nicht überhand gewann: "Für die gesamte Saison wäre er ein Risiko, aber für ein Spiel mache ich mir keine Sorgen", ließ Trainer Neuhaus wissen und schob dem allgemeinen Jugendtrend der letzten Zeit verbal einen Riegel vor. Dabei verfügt Eigengewächs Pruschke laut seiner Jugendtrainer und trotz seiner eher schmächtigen Statur über gute Qualitäten. "Kilian hat ein großartiges Spielverständnis und eine gute Spieleröffnung“, erklärte Jugendcoach Engin Yanova. Zudem verfüge er über eine enorme Sprungstärke und eine außergewöhnliche Konzentrationsstärke. Eigenschaften, die Neuhaus durchaus anerkennt, jedoch auch auf die fehlende Robustheit hinweist, die ja Stammkraft Höttecke im Überfluss besitzt.
Und Neuhaus ließ seinen Worten Taten folgen und so war es dann letztlich Jan Glinker, der sich im darauffolgenden Spiel der Eisernen gegen Dynamo Dresden im Union-Tor wiederfand. Doch Union ging, trotz – bis auf Glinker – identischer Aufstellung zum Paderborn-Sieg mit 0:4 unter. Der vermeintliche Schwachpunkt war von der Presse schnell ausgemacht, auch wenn er bei sämtlichen Toren keinerlei Abwehrchance besaß: Jan Glinker.
 Sven Neuhaus soll Kandidat bei Union Berlin sein (foto firo)
So ist es kaum verwunderlich, wenn die Berliner Presse momentan praktisch jeden Tag einen neuen Torwart für die Eisernen aus Öberschöneweide aus dem Hut zieht. Neben Ex-Carl Zeiss Jena-Keeper Carsten Nulle (36), der sich momentan bei der zweiten Mannschaft von Union Berlin fit hält und zumindest einiges an Erfahrung in die Waagschale werfen kann, ist angeblich auch Namensvetter Sven Neuhaus für Union-Trainer Uwe eine interessante Option. Der ehemalige Schlussmann von Red Bull Leipzig, der auch bereits für Augsburg und Fürth mächtig Zweitliga-Erfahrung sammeln konnte, ist ablösefrei zu bekommen und wie viele seiner Kollegen – insbesondere seit Einsetzen des Jugendtrends – verzweifelt auf Jobsuche.
Doch wie viel Hand und Fuß besitzt Unions Torwartsuche? Jan Glinker hatte – im Gegensatz zu seinen Vorderleuten – an der Niederlage gegen Dresden sicherlich die geringste Schuld. Zudem steht er in sportlicher Hinsicht Marcel Höttecke nur wenig nach. Pruschke gilt als Mann für die Zukunft, der seine körperlichen Defizite durch seine vielfältigen anderen Qualitäten auszugleichen weiß. Und Marcel Höttecke wird auch in Kürze zurückkehren. Wofür also ein weiterer Torwart? Union Berlin sollte sich durch das mediale Hintergrundrauschen nicht verrückt machen lassen und auf das etablierte Personal setzen. Dann wird’s auch etwas mit der Konstanz.
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