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von Martin Thaler
 Tom Starke (foto firo)
Ruhig Blut
Fußballer unterscheiden sich von uns „Normalsterblichen“ nicht nur durch eine überdurchschnittliche Ballbeherrschung und eine weitaus ausgefeiltere Fitness, sondern auch durch den Fokus der, durch die Medien geschaffenen, Öffentlichkeit, der permanent auf sie gerichtet ist. Öffentlichkeit, ein zweischneidiges Schwert, ein janusköpfiger Freund.
Einerseits verhilft sie so manchem Spieler zu ungeahnter Popularität, sie schafft Helden, sie ermöglicht Ruhm und Ehre, sie verschafft einem Ansehen und lässt ihn nebenbei auch indirekt in vorher unbekannte finanzielle Weiten vorstoßen. Andererseits kehrt sie einem auch schnell ihre dunkle Seite zu, schürt Hysterie, trägt Intimes nach Außen, fokussiert Schwächen und Fehler, kreiert sich ganz eigene Spieler. Wäre Oliver Kahn für uns derselbe, würden nicht die Medien das Bild des einst aufbrausenden Cholerikers, seit der WM 2006 das des fairen Sportmanns in jedes Wohnzimmer tragen? Würde Zoltan Sebescen nicht ansonsten als normaler, vielleicht gar überdurchschnittlicher Bundesligaspieler in Erinnerung bleiben, wäre der Fokus der Öffentlichkeit nicht gezielt auf sein fragwürdiges Nationalmannschaftsdebüt gelegt worden?
Aus diesem Grunde müssen die Spieler stets auf der Hut sein, wie sie sich nach außen geben. Besonders schwierig ist dies natürlich nach einem Spiel, wenn im Körper noch das Adrenalin rotiert, die Emotionen ungezügelt hoch kochen. Zu sehen am letzten Spieltag beim Duisburger Schlussmann Tom Starke. Nach dem, für Duisburger Erwartungen, enttäuschenden 2-2 gegen das Tabellenschlusslicht Rot Weiss Ahlen feierten die Ahlener, besonders Schlussmann Sascha Kirschstein überschwänglich den Punktgewinn. Unglücklicherweise direkt vor der Duisburger Kurve. Bei Starke kochten hierauf die Emotionen hoch, er stellte Kirschstein daraufhin zur Rede, wäre ihm dabei fast an den Kragen gegangen. Die Überraschung über Starkes Verhalten sprudelte danach bei Kirschstein heraus: „Erst habe ich gedacht, er wollte mir zum Remis gratulieren.“
Der Streit konnte jedoch noch vor der Eskalation von einigen Mitspielern geschlichtet werden, Schiedsrichter Marco Fritz die Karten stecken lassen. Zum Glück, denn ansonsten wäre Starke jetzt vielleicht jedermann nur noch als „Der schlechte Verlierer“ oder als Prügel-Prinz von der Wedau bekannt und nicht mehr als der hervorragende Torwart des MSV Duisburg.
Wie man es aber richtig macht, demonstrierte der Fürther Schlussmann Stephan Loboué. Der Deutsch-Ivorer war an diesem Spieltag auch nicht gerade vom Glück verfolgt, bekam beim Spiel gegen den FC Augsburg gleich 5 Tore eingeschenkt, Frust vorprogrammiert. Um diesen nach dem Spiel nicht in irgendeine Kamera zu brüllen, schlich Loboué nach dem Spiel wortlos in die Kabine, die Fragen der Reporter ließ er unbeachtet. Erst geraume Zeit später dann die Stellungsnahme: „Bei fünf Stück ist es besser, erstmal duschen zu gehen. Sonst sagt man etwas und bereut es hinterher.“ Weise Worte.
 Dennis Eilhoff (foto firo)
Auf Rekordjagd
Die Einschläge kommen immer näher. Seit Wochen nun schreibt sich die Bild-Zeitung die Sportseiten wuschig, damit Bielefelds Dennis Eilhoff nun endlich den Torhüter-Rekord von Timo Hildebrand einstellt. Keine Woche verging, ohne dass der imaginäre Countdown weiter gen 0 rückte um den Zeitpunkt zu erreichen, an dem Eilhoff Hildebrandts Rekord knacken würde. Wir erinnern uns: Timo Hildebrand hielt in der Saison 2003/04 für 884 Minuten den Kasten sauber, also fast 9 Spiele lang. Eilhoff liegt mittlerweile bei 763 Minuten ohne Griff in die Maschen, ist beinahe in Sichtweite von Hildebrand. Da die Bild-Zeitung mittlerweile zu erkennen scheint, dass der Countdown nach Wochen nun nicht mehr die Euphorie unter den Lesern erzeugt wie erhofft, wird nun zum direkten Duell geblasen. Schnell wurde Timo Hildebrand vors Mikro gezehrt, Ehrgeiz künstlich erzeugt. Höhepunkt dabei bildete Hildebrands schelmischer Seitenhieb: „Sollte er meine Bestmarke tatsächlich knacken, würde der Rekord ja eh‘ nur für die Zweite Bundesliga gelten...“ Klingt nicht gerade nach Wettstreit, die Bild-Zeitung formulierte um: „Meinen Rekord knackt Eilhoff nicht!“
Hildebrand und Eilhoff kann es egal sein. Denn unabhängig vom Knacken des Rekords können sich beide sicher sein, dass sie gute Torhüter sind. Basta.
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