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Home > Archiv > 3. Magazin kompakt-Archiv > 3.1 Magazin-kompakt 10/11 > 2.Bundesliga > Torwartecke (21.10.10)

Der Wochenrückblick von torwart.de

von Martin Thaler 

M. Sejna (foto firo)

Hauptstadt-Geflüster

Der Begriff „Comeback“ gehört zum Fußball wie der Ball oder die Kreidemaschine, er ist unlösbar mit dem Fußball verbunden. Wortwörtlich bedeutet diese aus dem englischen Sprachraum übernommene Vokabel die Wiederkehr einer Person des öffentlichen Lebens in den medialen Fokus. Jedoch ist eine solche Umschreibung leicht irreführend, genießt doch Arjen Robben, obwohl alle noch sehnlichst sein Comeback bei den Bayern erwarten, auch abseits des Platzes die gesamte Aufmerksamkeit von Medien und Öffentlichkeit.

Treffender ist dieses mediale Schlagwort eher auf die Person Marco Sejnas anzuwenden. Der Torwart-Oldie (38 Jahre) der Berliner Hertha rutschte nach der Verletzung von Stammkraft Maikel Aerts zwischen die Berliner Pfosten und kam so zu seinem ersten Auftritt für die Hertha seit 15 Jahren. Und somit zwangsläufig auch wieder in den Fokus des allgemeinen Interesses. Seit Wochenbeginn häuften sich im Berliner Pressedschungel die Berichte über Sejna, seine vom stetigen Auf-und-Ab gekennzeichnete Karriere, seinen Wechsel zu Beginn der Saison aus Ingoldstadt und die damit allgemein verbundene Skepsis sowie Ausflüge des Keepers mit Pressevertretern in umliegende Reptiliengehege. Auch die Tatsache, dass Trainer Markus Babbel Sejna dem „Mann der Zukunft“, Sascha Burchert, vorgezogen hatte, obwohl Babbel doch als klarer Verfechter der Jugend gilt, erregte ein großes Medienecho.

Bei der gesamten Berichterstattung über das wie und warum des Einsatzes Sejnas blieb jedoch die Würdigung seiner Leistung fast auf der Strecke. Dass nämlich die Hertha weiterhin von der Spitze der Tabelle grüßen kann, verdankt sie auch Marco Sejna, der die Patzer seiner durchaus hierfür anfälligen Vorderleute wiederholt auszubügeln wusste. Mit seiner Souveränität und einer beeindruckenden Ruhe auf dem Platz bremste Sejna sämtliche Frankfurter Torhoffungen. Eine Leistung, die auch seine Teamkameraden wertschätzten. „Mann des Tages“, posaunte Herthas Mannschaftskamerad Andre Mijatovic nach dem Spiel, wohlwissend dass es Sejna war, der mit seiner guten Leistung die Böcke der Abwehr entschärfen konnte. Auch Trainer Babbel lobte Sejna nach Ausgang des Spiels und damit auch seine eigene Entscheidung, als er nach dem Spiel nüchtern zusammenfasste: „Er hat uns in einigen Situationen vor einem Rückstand bewahrt.“

Sejna selbst, übrigens bei der Hertha nur mit einem Amateurvertrag ausgestattet, war der ganze Trubel um seine Person fast schon ein wenig peinlich. Und so entzog er sich am Abend seines großen Comebacks dem medialen Rummel, indem er einen Abend auf der heimischen Couch bei Boxkampf und Sportstudio einem Schaulaufen durch die Berliner Discos vorzog. Bis zum nächsten Freitag, wenn für Sejna das nächste Comeback ansteht.

S. Burchert (foto firo)

Hauptstadt-Geschmolle

Während sich Torwart-Dino Marco Sejna im medialen Rampenlicht sonnen darf, dürfte Ersatzmann Sascha Burchert seine Optionen bei der Hertha noch einmal neu in Frage stellen. Während er von den Verantwortlichen stets als Mann der Zukunft gepriesen wird, sieht seine tatsächliche Lage in keinem Fall so aus, wie es die Rhetorik verspricht. Nachdem zu Beginn der Saison mit Aerts eigentlich ein Keeper verpflichtet worden war, der Burchert lediglich zur Seite stehen sollte, fand sich letzterer schnell im zweiten Glied wieder. Nachdem Burchert nun selbst bei einem Ausscheiden von Aerts keine Möglichkeit bekommen hatte, sein Image als „Torwart-Trottel“ abzulegen, könnte es durchaus passieren, dass Burchert an einer Zukunft im Tor der Hertha zu zweifeln beginnt.

Trainer Babbel wiegelte die Enttäuschung von Burchert lediglich ab: „Er war enttäuscht. Aber das muss jetzt wieder vorbei sein. Er muss sich für den Fall fokussieren, dass wieder etwas passiert.“ Ob diese vage Hoffnung für Burchert allerdings ausreichend ist, muss er sich selbst beantworten. Immerhin ist er noch jung und der Verein scheint langfristig auf ihn zu bauen (Vertrag bis 2013). Aber reicht das für jemanden, der nach Spielpraxis schreit? Die Zukunft wird es zeigen.


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