| Home > Magazin > Magazin-kompakt 11/12 > 2.Bundesliga > Torwartecke (22.09.2011)
von Martin Thaler
 T. Hildebrand (foto firo)
Letzte Ausfahrt Frankfurt?
Es war eine Nachricht, die so manchen Zeitungsleser verwunderte: Timo Hildebrand spielt bei Eintracht Frankfurt. Sein ehemaliger Trainer Armin Veh, unter dem er die wohl erfolgreichste Zeit seines Lebens verbrachte, gewährt Hildebrandt eine zweite Chance. Zumindest im Training. Anders formuliert: Timo Hildebrand, zurzeit ohne festen Arbeitgeber, hält sich bei den Hessen körperlich fit, wartet dabei weiterhin auf Angebote sämtlicher Art. Auch einen Gang in die 2. Liga schließt der 32jährige nicht aus. 2. Liga! Sicherlich, die einen sagen die beste 2. Liga weltweit. Dennoch bleibt sie unwiderruflich, schon vom Namen her mit dem Prädikat „zweitklassig“ behaftet. Und Timo Hildebrand bleibt, trotz der sportlichen Misserfolge der letzten Jahre, immer noch ehemaliger deutscher Nationalkeeper. Timo Hildebrand bleibt Deutscher Meister des Jahres 2007, als er mit den Jungen Wilden des VfB Stuttgart für viele überraschend, trotz alledem souverän den höchsten Titel des Landes gewann. Hildebrand bleibt mit insgesamt 884 Minuten ohne Gegentor weiterhin Rekordträger der Liga. Und er bleibt Bambypreisträger für den erfolgreichsten deutschen Nachwuchsspieler.
Und nun muss sich der Nationalspieler, der Deutsche Meister von 2007 selbst glücklich zeigen, in der 2. Liga eine Anstellung finden zu können. Was ist passiert?
Die Anzahl der Erklärungsansätze ist dabei enorm, eine einfache Antwort dagegen unmöglich. Er sei ein Profi, der sich in seiner Gier schlicht und einfach verzockt hat, so die Meinung der Öffentlichkeit. Schließlich sei ihm der VfB Stuttgart nicht mehr gut genug gewesen, es musste schon der FC Valencia sein. Ein Schritt, den Hildebrand allerdings niemals finanziell begründet hatte.
Andere wiederum meinen, dass Hildebrand, ein sehr sensibler Charakter, niemals die Rückschläge und Demütigungen der letzten vier Jahre wirklich überwinden konnte. In Valencia saß er, nach diversen Trainerwechseln und trotz zeitweise mehr als anständigen Leistungen (Halter des Glanzparadenrekords [14 in einem Spiel] der Zeitung „Marca“), irgendwann nur noch auf der Tribüne. Auch in Lissabon, seiner letzten Station, wurde er bald zur Nummer 3 im Kader degradiert. Hildebrand selbst hatte in einem Interview mit der Zeitschrift „11 Freunde“ von nicht verheilenden mentalen Narben gesprochen.
Letztlich bietet auch der heftig umkämpfte Arbeitsmarkt für Torhüter einen weiteren Grund, warum es selbst, oder sollte man sagen, grade für Timo Hildebrand schwer bis unmöglich ist, einen neuen Arbeitgeber zu finden. Denn der Markt ist übersättigt. Zudem haben viele Vereine einen Generationenwandel vollzogen. Eigene Talente, im Verein ausgebildet, wohlbehütet und umsorgt, bevölkern die Tore der Deutschen Ligen. Selbst in Liga 2: Kevin Müller (Hansa Rostock), Max Grün (Greuther Fürth) oder auch Benjamin Kirsten (Dynamo Dresden) stehen hier für die neue Zeit. Ältere, gestandene Keeper finden somit oftmals keinen Platz mehr. Vor kurzem erst verkündete Markus Pröll, langjähriger Keeper in Köln und Frankfurt, sein Karriereende. Mit gerade einmal 32 Jahren. Übrigens das gleiche Alter, wie auch Timo Hildebrand.
All diese Faktoren berücksichtigend, wird es selbst für einen ehemaligen Nationaltorwart schwierig eine neue Anstellung zu finden. Hildebrand selbst hat zwar seine Erwartungen aufgrund dessen gedämpft (2. Liga), will von einem vorzeitigen Karriereende allerdings nichts wissen, gibt sich vielmehr bescheiden. Erst einmal ist er zufrieden, wieder mit einer Mannschaft trainieren zu können und nicht als Einzelkämpfer von seinem privaten Torwarttrainer Kai Rabe gedrillt zu werden.
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