| Home > Archiv > 3. Magazin kompakt-Archiv > 3.1 Magazin-kompakt 10/11 > 2.Bundesliga > Torwartecke (24.09.10)
von Martin Thaler
 M. Amsif (foto firo)
Schockmoment in Augsburg
Am letzten Spieltag prallte Simon Jentzsch, seinerseits die Nummer 1 im Tor der Fuggerstädter, im Spiel gegen den VfL Osnabrück mit seinem Vordermann Uwe Möhrle, dem personifizierten Abwehrbollwerk, zusammen. Die Konsequenz lautete Gehirnerschütterung, Jentzsch musste vom Platz, Ersatzmann Mohamed Amsif kam zu seinem ersten Auftritt. Da zu diesem Zeitpunkt das Spiel längst nur noch in der Hälfte der Niedersachsen stattfand, konnte Amsif sein Können an diesem Nachmittag nicht mehr unter Beweis stellen. Die Bewährungsprobe sollte eine Woche später gegen den MSV Duisburg kommen, begleitet von allerlei Wehklagen, dass Jentzsch doch so dringend gebraucht werde. Eine Niederlage gegen Duisburg schien unabwendbar.
Angst entsteht jedoch meist aus Unwissenheit, auch in diesem Falle. Denn wohl nur die größten Fußballkenner werden ausführlich zur Person Mohamed Amsifs berichten können. Zumeist ist nur ein Bild von Amsif bekannt, welches ihn mit zugeschwollendem Auge, resultierend aus einem Wespenstich, zeigte. Sein sportliches Können hüllt sich für die meisten allerdings in Nebel. Diesem Mangel an Informationen soll an dieser Stelle Abhilfe geschaffen werden. Amsif, seinerseits erst 21 Jahre alt, ist geborener Düsseldorfer, der seine fußballerische Grundschulung in Düsseldorf, Lierenfeld und Wuppertal bis er dann im Alter von 16 Jahren nach Schalke geholt wurde. Hier konnte Amsif soweit auf sich aufmerksam machen, dass man ihn ins Tor diverser deutscher Jugendnationalmannschaften berief, doch auch das Land seiner Eltern, Marokko, wurde auf den jungen Torhüter aufmerksam und berief ihn in den Kader der Nationalmannschaft. Hier kam er allerdings nicht zum Einsatz, so dass er weiterhin die Qual der Wahl hat, für welches Land er in Zukunft auflaufen möchte.
Als sein Vertrag zum Ende der letzten Saison ausgelaufen war machte sich Amsif auf Vereinssuche und konnte die Verantwortlichen in Augsburg gleich bei einem Probetraining überzeugen. Seitdem wartete der hochtalentierte Keeper hinter Simon Jentzsch auf seine Chance, mit der Hoffnung, sein Vorbild („nervenstark“, „behält die Ruhe auf dem Feld“) irgendwann zu beerben. Allerdings nicht als bloße Kopie von Jentzsch, sondern mit ganz eigener Spielphilosophie.
Und seine ersten Fans hat Amsif nach dem Spiel gegen Duisburg nun sicherlich auch schon auf seiner Seite. Zwar verloren die Augsburger das Spiel gegen die Meidericher, doch war die Schuld hierfür eher beim indisponierten Augsburger Sturm als bei Amsif zu suchen. Amsif wurde vielmehr von der lokalen Presse als denjenigen gefeiert, der ein Debakel gegen die stark aufspielenden Duisburger verhindert hatte. Ein guter Startschuss also im Kampf um die Nummer 1 im Augsburger Tor.
 M. Lutz (foto firo)
Vertrauensverlust?
Es muss verdammt schwer sein, als Spieler mit seinem Verein den Aufstieg zu schaffen und als Dank hierfür auf die Ersatzbank versetzt zu werden. Geschehen ist dies mit Michael Lutz, seinerseits langjähriger Torwart in Ingoldstadt, nun aber lediglich vereinsinterne Nummer 2. Seit der Landesliga war Lutz fester Bestandteil der Ingoldstädter Mannschaft, erlebte Höhen und Tiefen .Zur neuen Saison wurde dann aber der zweitligaerfahrene Sascha Kirschstein verpflichtet, der allerdings in den ersten Saisonspielen alles andere als überzeugen konnte. Trotzdem war der Platz von Lutz weiterhin auf der Bank zu finden. Gerade seine Schwierigkeiten im Umgang mit hohen Bällen gilt als einer der Gründe für die momentane Verbannung.
Ein weiterer Grund könnte die Unbeständigkeit von Lutz sein. Seine Leistungen schwankten in den Jahren zwischen absoluter Souveränität und fahrlässigen Aussetzern. So äußerte sich bereits sein ehemaliger Trainer Thorsten Fink: „Als ich in Ingolstadt anfing, dachte ich: Oje, wir brauchen einen neuen Torwart“, nur um aber dann zu ergänzen: „Inzwischen aber hat er mein vollstes Vertrauen“. Sollte Lutz seine temporärer Schwächeperioden in den Griff und vom Trainer eine neue Chance bekommen, sind wir sicher, dass er Ingoldstadt in der Liga noch sehr helfen wird.
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