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Home > Magazin > Magazin-kompakt 11/12 > 2.Bundesliga > Torwartecke (25.08.2011)

Der Wochenrückblick von torwart.de

von Martin Thaler 

Max Grün (foto firo)

Jetzt mal ganz ehrlich: wem außerhalb von Franken sagt der Name Günther Reichold etwas? Wer jetzt nicht den Finger hebt, muss allerdings kein schlechtes Gewissen haben. Schließlich hatte Reichold, jetziger Torwarttrainer der SpVgg Greuther Fürth die Chance auf seine 10 Minuten Ruhm (bislang) verpasst. Im DFB-Pokal 1994/95 trat der fränkische Underdog TSV Vestenbergsgreuth in der 1. Runde auf die allmächtigen Bayern aus München. Ein Pokallos, welches die Spieler und Verantwortlichen der etatmäßigen Underdogs stets in schiere Ekstase zu versetzen scheint. Umso bitterer war es für Reichold daher, sich beim Aufwärmen zu verletzen – ein Finger war ausgekugelt. Die Folge: Reichold sah den furiosen Sieg seiner Teamkameraden nur von der Bank aus, Ersatzmann Ralf Scherbaum erlebte stattdessen das wohl wichtigste Spiel seiner Karriere und rückte für 90 Minuten ins Rampenlicht Fußball-Deutschlands.

Doch nun scheint sich Günther Reichold eine zweite Chance auf bundesweite Aufmerksamkeit zu bieten. Und zwar in Form seines „Schülers“ bei Greuther Fürth: Max Grün. Nach halbjährlicher Verletzungspause hat der Schlussmann der Kleeblätter erstaunlich schnell zu alter Stärke zurückgefunden und gilt als einer der Erfolgsgaranten der jetzigen Fürther Mannschaft. Und das, obwohl sich Grün erst sehr spät zum Torwart-Dasein bekannt hatte. Bis zum Alter von 16 Jahren wechselte Grün zwischen Feld und Tor, lediglich in regionalen Auswahlmannschaften spielte er zunächst zwischen den Pfosten. „Ich war früher einfach nicht ausgelastet genug. In meiner Stadt gab es genügend Torhüter und ich hatte auf dem Feld immer mehr Spaß und wollte mich nur austoben. Herumgrätschen, herumrennen, das war mein Ding. Deswegen habe ich zweimal die Woche bei meinem Heimatverein ganz normal als Feldspieler mittrainiert und wenn es einmal die Woche zur Bezirks- oder Landesauswahl ging, stellte ich mich halt ins Tor“, erklärte Grün gegenüber SPOX in einem Interview Anfang des Monats . Dennoch reichte seine Leistung, in den Auswahlmannschaften, den großen FC Bayern auf sich aufmerksam zu machen, der auf der Suche nach Keepern für seine Jugendmannschaften war.

Hier sollte Grün also somit seine erste „wirkliche“ Torwart-Grundausbildung erhalten. Eine Ausbildung, die geprägt war durch die zwei Granden der Münchener Torwartzunft: Sepp Maier und Oliver Kahn. Fußballspiel klassischer Prägung also. Emotionsgeladen, den Keeper auf seine klassische Funktion limitierend, seine Vorderleute laut zurechtweisend. Doch auch wenn Max Grün den Bayern in seinen sechs Jahren im Verein viel verdankte, schien diese Spielweise für ihn zumindest die falsche zu sein. „Ich bin jemand, der von Haus aus über seine ruhige Art kommt und versucht, durch Anweisungen im Vorfeld die Situation so zu regulieren, dass man sich viel Arbeit ersparen kann. So muss ich keine großen Paraden zeigen und Mitspieler anschreien“, erklärte Grün unlängst. Kein Wunder bei Vorbildern wie Edwin van der Saar, Iker Casillas und Manuel Neuer. Eigenschaften die bei seinem neuen Arbeitgeber in Fürth sehr geschätzt werden. Auch sein Spiel wurde von Torwart-Trainer Reichold in Fürth entscheidend umgestellt, für Grün seinen „Vorbildern“ nachempfunden, sehr zu dessen Zustimmung. „Mir kommt es sicherlich gelegen, dass ich hier nach vorne den Raum verteidige und mitspielen kann. Deswegen gefiel mir Edwin van der Saar so gut, der extrem nach vorne in den Ball gegangen ist.“ (Quelle: SPOX-Interview vom 4.8.11)

Und so vereint Max Grün beide der momentan gängigen Torwartschulen in seiner Person. Und ist vielleicht so zu einem der besten deutschen Torhüterhoffnungen geworden, wenn auch momentan erst einmal in Liga 2. Günther Reichold sei Dank. Zumindest zum Teil.


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