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von Martin Thaler
 M. Herzog (foto firo)
Unverhofft kommt oft
Es hätte alles anders werden sollen zur neuen Saison. Und anders bedeutete in diesem Fall besser. Jahrelang hatte Marcel Herzog, seinerseits dreißigjähriger Torhüter in Diensten der Duisburger Zebras, sich mit dem zweiten Platz der vereins-internen Torhüterhierarchie zufrieden geben müssen. Zu stark, zu konstant agierte seine interner Konkurrent Tom Starke. So stark, dass dieser Begehrlichkeiten in der ersten Liga erweckte und letztendlich zu Beginn dieser Saison gen Hoffenheim wechselte. Die Chance für Herzog schien gekommen, endlich dem ihm zustehenden Posten im Duisburger Tor einzunehmen. Schließlich lag auch in dieser Wunschvorstellung Herzogs eines der Motive beheimatet, welches ihn zu seiner Vertragsverlängerung bewogen hatte. Alle anderen Faktoren schienen ebenfalls in die von Herzog gewünschte Richtung zu deuten. So gehörte er zu den Erfahrenen in der jungen Mannschaft, war bereits als möglicher Kapitän gehandelt worden, besaß Sitz und Stimme im Mannschaftsrat. Auch mit seinen Leistungen wusste er, wenn Tom Starke verletzungstechnisch verhindert war, stets zu überzeugen. Die Hoffnung Herzogs erschien zunehmend als in Fels gemeißelter, unabwendbarer Orakelspruch.
Doch der Fußball schreibt wie immer seine eigenen Gesetze. Zur neuen Saison verpflichtete man in Duisburg den ehemaligen Koblenzer David Yelldell. Und dieser schaffte es durch seine Leistungen in der Vorbereitung Herzog wieder einmal auf den angestammten Platz auf der Bank zu verweisen. Laut Trainer Milan Sasic waren es lediglich „Nuancen“, die den Ausschlag für den 28jährigen Yelldell gaben. Eine Redewendung, die Herzog unangenehm bekannt vorkommen muss. Seine Reaktion war aus diesem Grunde auch bezeichnend für seine Gefühlslage: „Ich bin stocksauer“, erklärte Herzog, um seinem Unverständnis über die Entscheidung von Trainer Sasic Ausdruck zu verschaffen: „Ich hatte nach den Vorbereitungsspielen das Gefühl, die Nummer eins zu werden und zu sein. Auf eine andere Konstellation hat meiner Ansicht nach überhaupt nichts hingedeutet.“
Herzogs sportliche Optionen bleiben bescheiden. Ein Wechsel wäre höchstwahrscheinlich nicht mit einer sportlichen Verbesserung verbunden, schließlich sind alle Stammtorwart-Planstellen bereits vergeben. Es bleibt ihm wieder einmal nur der verschärfte Konkurrenzkampf. Und die Hoffnung...
 D. Hohs (foto firo)
Jugendwahn
Konkurrenzkampf gibt es auch am Aachener Tivoli. Und auch hier mit unerwartetem Ausgang. So musste die etatmäßige Nummer 1 der Aachener, Thorsten „Stucki“ Stuckmann am ersten Spieltag der neuen Saison gar auf der Tribüne Platz nehmen. Dies war zwar hauptsächlich durch einen Muskelfaserriss Stuckmanns begründet, aber eben nicht nur. Denn Ersatzmann David Hohs genießt das absolute Vertrauen von Trainer Peter Hyballa. Als ehemaliger Jugendtrainer von Borussia Dortmund ist dieser sowieso positiv gegenüber den jungen Wilden eingestellt, was sich auch in der Aufstellung des Kaders niederschlägt. Doch besonders Torwart-Talent Daivd Hohs scheint das Wohlwollen des Trainers auf sich gezogen zu haben. Einen wahren Lobregen ließ Trainer Hyballa auf den bescheidenen Jung-Torhüter niederprasseln. «Er ist ein Pokerface und hat es absolut verdient im Tor zu stehen» beschied Hyballa, um dann verstärkt ins Detail gehen zu können: «David Hohs ist fußsicher, spielt gut mit, zeigt Präsenz auf dem Platz und kann das Spiel beschleunigen». Schmeichelnd wurde dazu noch attestiert, Hohs sei einer derjenigen in der Mannschaft, die gar nicht wüssten, wie gut sie eigentlich seien. Dieser rhetorische Überschwang Hyballas kann dabei als Ausdruck der enormen Wertschätzung aufgefasst werden, die Hohs momentan erfährt. Soviel Wertschätzung, dass selbst Stuckmann es sehr schwer haben dürfte, den Posten der Nummer 1 mühelos zurückfordern zu können, wenn er denn wieder gesund ist.
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