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Torwartkette – mit dem Torhüter Überzahl schaffen

Dominanz beginnt beim Torhüter

von Sebastian Mundruc & Jonas Stephan


Der Fußball unterliegt einem ständigen Wandel. In den letzten Jahren bekam der Sport immer wieder neue Impulse, die ein planvolles Offensivspiel sowie komplett strukturierte Defensivkonzepte hervorbrachten. Diese gravierenden Veränderungen wirken sich längst auch auf das modern interpretierte Torwartspiel aus.

Die Position des Torhüters wurde 1871 Teil des Spiels, indem die Regel eingeführt wurde, dass nur noch ein Spieler auf dem Spielfeld den Ball mit den Händen berühren darf. Zuvor wurden Spieler, die konditionell nicht mehr in der Lage waren zu laufen, in die letzte Reihe gestellt, um dort als Torsteher zu agieren. Die Position wurde somit eher als Erholungsmöglichkeit für Feldspieler genutzt.

Über mehr als ein Jahrhundert hinweg lag die Aufgabe des Torhüters in der reinen Verteidigung des Tores.

Taktisch in den Mittelpunkt rückte der Torhüter erstmals 1982 bei der Weltmeisterschaft in Spanien. Hier wurde das Rückspiel auf den Torhüter, der zu diesem Zeitpunkt den Ball des eigenen Mitspielers noch mit der Hand aufnehmen durfte, als Mittel zu einem Zeitgewinn genutzt.

1992 sollte sich dies mit der Einführung der heutigen Rückpassregelung ändern. Die Konsequenz folgte schnell; der Torhüter musste nun deutlich mehr Aufgaben mit dem Fuß bewältigen. Somit handelt es sich um eine für das Torwartspiel entscheidende Regeländerung.

Fortan entwickelte sich die Position des Torhüters weiter. Fußballerische Fähigkeiten geraten zunehmend in den Fokus. Torhüter wie Marc-Andre ter Stegen oder Manuel Neuer zeichnen sich längst nicht mehr nur durch gute Paraden, sondern vielmehr durch ein gutes Mitspielen mit dem Fuß aus.

Unser Ziel ist es, Ihnen eine neue Dimension des Torwartspiels zu eröffnen. Wir nutzen den Torhüter als zentralen Aufbauspieler in einer offensiven Spielauffassung. Hierzu erläutern wir Ihnen zunächst die Funktion des mitspielenden Torhüters im modernen Fußball, um Ihnen schließlich die Möglichkeiten der Torwartkette nahe zu bringen. Nachdem wir Ihnen diese Möglichkeiten, ihre Ausprägungen, Chancen und Risiken aufgezählt haben, entwickeln wir ein neues Anforderungsprofil für den Torhüter, welches sich in neuen Ausbildungsinhalten niederschlägt. Zuletzt schlagen wir Ihnen einige Trainingsformen für die Praxis vor.

Aktionen des mitspielenden Torhüters

Im Folgenden werden Optionen des Torhüters im Freilaufverhalten in der Spieleröffnung aufgezeigt. Die Darstellungen sind dabei auf keine konkrete Spielsituation zutreffend, sondern sollen Aktionen des Torhüters mit Ball am Fuß darstellen und als grundsätzliche Einführung in die Thematik dienen. Der Torhüter dient hier immer als hinterster Anspielpunkt. Dabei unterscheiden sich seine Aufgaben von der reinen Torsicherung bis hin zur gezielten Spielverlagerung. Die Situationen sind somit eventuell sogar historisch zu betrachten, da wir uns von einem „modernen“ Torhüter mehr als nur die reine Torsicherung wünschen, aber dazu im Folgenden mehr.

In der abgebildeten Situation gerät der Verteidiger unter Druck und passt den Ball auf den Torhüter. Dieser bietet sich neben dem Tor an. Hierdurch sollen Eigentore verhindert werden, falls dem Torhüter ein Stockfehler unterläuft. Er wird weich angespielt, um den Ball mit einem Kontakt schlagen zu können.

Die Sicherung des eigenen Tores steht hier im Vordergrund. Im Mittelfeld wird es folglich zu einem Kopfballduell kommen. Die Wahrscheinlichkeit im eigenen Ballbesitz zu bleiben, beträgt höchstens 50%.

In vielen Fällen wird der Ball sogar in das Seitenaus befördert, sodass sich die Mannschaft neu ordnen kann.

Diese Form der Spieleröffnung reduziert das Anforderungsprofil des Torhüters auf die Stoßtechniken und bietet nur wenige Chancen eines kontrollierten Spielaufbaus.

Die Abbildung zeigt den Torhüter, der den Ball zentral vor dem Tor fordert. Durch seine Position schafft er eine weitere Ebene als Option für Rückpässe, um im eigenen Ballbesitz zu bleiben. Durch seine zentrale Stellung bleiben ihm diverse Spieleröffnungsmöglichkeiten.

Die Sicherung des eigenen Ballbesitzes steht bei dieser Variante im Vordergrund. Der Torhüter schafft sich durch seine Stellung die Option das Spiel per Flachpass in beide Richtungen fortzuführen.

Das Anforderungsprofil des Torhüters wird folglich um den Flachpass und die Ballan –und –mitnahme erweitert.

 

Das verschobene Dreieck zeigt eine neue Facette des Positionsspiels des Torhüters. Hierbei fordert der Torhüter den Ball diagonal ballentfernt. Der zweite Innenverteidiger kann folglich auffächern, indem er sich breit Richtung Seitenauslinie orientiert.

Der geordnete Gegner soll in dieser Situation in Bewegung gebracht werden, indem über den Torhüter eine schnelle Spielverlagerung initiiert wird. Es wird der freie Raum auf der ballentfernten Seite angesteuert, um ein Spiel in die Tiefe zu ermöglichen.

Das Anforderungsprofil an den Torhüter wird um das variable und zielgerichtete Spiel mit höchstens zwei Kontakten erweitert. Der Torhüter muss den Ball in diesen Situationen schnell und dynamisch weiterleiten können.

Die Torwartkette

Die Torwartkette zeigt einen neuen Aspekt des Torhüterspiels. Dabei bewegt sich der Torhüter in die Ebene der Innenverteidiger. Er verhält sich folglich wie ein zwischen die Innenverteidiger fallender Sechser.

Die Innenverteidiger schieben breiter als gewohnt auf Strafraumbreite. Hierdurch sind Spielverlagerungen durch die Dreierkette möglich.


Auf die ersten Blicke erscheint das Spielen mit der Torwartkette als sehr riskant. Dies liegt in erster Linie daran, dass die Ebene 1, welche die hinterste Ebene darstellt, gestrichen wird. Der Torwart dient nicht mehr als Anspielpunkt hinter den Innenverteidigern und kann diese somit nicht mehr absichern. Ein Rückpass ist schlichtweg nicht mehr möglich.

Ziel wird es somit, möglichst die nächste Ebene anzusteuern. Dies wird möglich, indem der Torhüter als zusätzliche Anspielstation in Ebene 2 agiert. Es wird in der Ebene 2 automatisch eine Überzahl geschaffen, welche es ermöglich, den Spielaufbau kontrolliert voranzutreiben (siehe Abbildung unten). Die Innenverteidiger stellen sich breiter als gewohnt auf. Die Laufwege der verteidigenden Mannschaft erhöhen sich folglich.

Ein 6er bespielt den Raum hinter den beiden verteidigenden Stürmern. Er bietet dem Torhüter die Option, einen Pass zwischen situativ breit verteidigenden Stürmern hindurch zu spielen. Im Endeffekt zwingt er die Stürmer, kompakt zu verteidigen, da diese den Stichpass zwischen ihnen hindurch verhindern müssen. Es ergibt sich folglich eine Pyramide, in der der 6er die Spitze darstellt.

Die Torwartkette liefert gegenüber der Dreierkette den Vorteil, dass kein 6er oder 10er zwischen oder neben die Innenverteidiger abkippen muss. Die Spieler können hoch schieben, beziehungsweise hoch bleiben, und somit Gegenspieler binden und Räume überlagern.

Überzahlsituationen entstehen

Wie bereits angedeutet entstehen durch die Torwartkette diverse Überzahlsituationen in hohen Ebenen, welche folglich diverse Optionen des Herausspielens von Torchancen ermöglichen. Darüber hinaus ordnet sich die Mannschaft in eigenem Ballbesitz nicht nur horizontal, sondern auch vertikal, sehr kompakt an. Der Ballbesitz wird somit gut abgesichert. Ein geordnetes, schnelles Gegenpressing ermöglicht nach Ballverlusten schnelle Rückeroberungen. Hieraus lassen sich zusätzlich Torchancen kreieren.

Das Spurenmodell visualisiert die horizontale Kompaktheit bei eigenem Ballbesitz. Jede Spur ist, berücksichtigt man die Position der Innenverteidiger und einrückenden Flügelspieler als variabel, mit mindestens zwei Spielern besetzt. Hieraus ergeben sich zwangsläufig besagte Absicherungen, welche wiederum ein Gegenpressing ermöglichen.

Anforderungsprofil

Das Anforderungsprofil beinhaltet alle relevanten Teilbereiche des Fußballspiels. Hierbei unterteilen wir in die Bereiche der fußballspezifischen und torwartspezifischen, athletischen und mentalen Anforderungen. Die aufgeführten Fähig-und Fertigkeiten werden in diesem Beitrag auf die für die Torwartkette notwendigen Voraussetzungen reduziert.

Fußballtechnische Anforderungen:

Dribbling (raumüberwindend): durch das Andribbeln kann der Gegner gezielt aus dem Teamverbund gelockt werden. Das Dribbling kann dabei auf schräg auf einen Gegenspieler zu erfolgen, um diesen auszuspielen. Hierdurch ergeben sich weitere Folgeaktionen:

Druckpassspiel: mit der Innenseite, um die Breite des Spielfeldes und diverse kurze Distanzen zu bespielen. Dabei muss der Torhüter das Druckpassspiel insbesondere aus der Bewegung gezielt ausführen können.

Vollspannstoß (schottisch): um die vertikale in den tieferen Ebenen ohne relevanten Zeitverlust zu bespielen. Der schottische Vollspannstoß dient einer horizontalen flachen Spielverlagerung.

Flugball (beidfüßig): um die diagonale Spieleröffnung zu ermöglichen und somit den freien Raum zu bespielen. Durch die „vorgeschobene“ Position des Torhüters gilt es, den Flugball nach einer Ballan- und -mitnahme, sowie durch den One- Touch -Stoß beidseitig auszuführen.

Torwarttechnische Anforderungen:

Verhalten im 1gg1: ist für den Torhüter einer der absoluten Basisverhaltensweisen. Hierbei unterscheiden wir zwischen dem abwehren aus der beweglichen Mauer durch den Handblock oder der Fußabwehr und dem Block aus einer tiefen Grundstellung in unmittelbarer Nahdistanz.

Ballangriff: die Fähigkeit den Ball schnellstmöglich zu attackieren und zu sichern, ist für das immer häufiger werdende Bespielen der Räume hinter der Viererkette ein elementarer Baustein für den Torhüter. Der Torwart attackiert somit den in den Raum gespielten Ball bevor der Stürmer diesen kontrollieren kann bzw. in einer Situation, in der ein Stürmer den Ball nicht mehr kontrollieren kann.

Lobabwehr: durch diese Fertigkeit ist der Torwart in der Lage aus der hohen Positionierung in Richtung eigenes Tor zu Hechten um den Ball per Impulsstoß über das eigene Tor zu lenken. Dabei dreht sich der Torhüter in Richtung eigenes Tor ein ohne dabei den Ball aus den Augen zu verlieren. Kurz vor der Linie drückt der Torhüter ab um die torverteidigende Aktion zu beginnen.

Athletische Anforderungen:

Rückwärtslaufen: mit dieser laufkoordinativen Fähigkeit schafft der Torhüter einen Raumgewinn auf kurze Distanz bei einem Ballverlust um den Torraum. Dabei schließt der Torwart den Raum um aus einer optimalen Position heraus agieren zu können.

Tempolauf mit Oberkörperrotation: ist die Distanz zum eigenen Strafraum deutlich größer im Moment des Ballverlustes, so schafft der Torhüter, während er den Schützen im Blick hat, Raum nach Hinten, um dort technische Abwehrtechniken nutzen zu können.

Antritt (frontal): durch den Antritt kann der Torhüter den Ball in den Korridor zwischen Ihm und der nächsten Kette schließen und gegebenenfalls eine indirekte Torgefahr verhindern.

Start und Stopp: das Starten und Stoppen hilft dem Torhüter zu jedem Zeitpunkt handlungsfähig zu sein. Durch das „ins Stehen kommen“ bringt sich der Torhüter ins Gleichgewicht und kann somit in alle Richtungen agieren.

Mentale Anforderungen:

Fokussierung: der Torhüter muss in der Lage seinen Lichtkegel der Aufmerksamkeit permanent auf das Spielgeschehen zu richten.

Geradlinigkeit: ist für das nach vorne orientierte Spiel immens wichtig. Der Rolle des Torhüters kommt insbesondere im Bereich der Spieleröffnung eine noch höhere Bedeutung zu gute. Hierfür darf der Torhüter, ähnlich wie die Position des Innenverteidigers, kein unverhältnismäßiges oder gar übermäßiges Risiko in der Ballverteilung und des Dribblings eingehen.

Praxis

Sechs gegen Sechs – Kombinationsspiel durch das Zentrum

Aufbau und Ablauf:

Das Spielfeld hat die Breite des 16-Meter-Raums und ist circa 60 Meter tief. Es stehen sich zwei Tore gegenüber. In der Mitte des Spielfeldes werden drei Stangentore aufgebaut, die jeweils circa fünf Meter breit sind. In jedem Tor steht ein Torhüter. Es werden zwei Mannschaften à sechs Spieler eingeteilt. In einer Spielfeldhälfte hält sich immer ein Torhüter (A), zwei Innenverteidiger und zwei verteidigende Stürmer auf. In der anderen Spielfeldhälfte wird vier gegen vier auf das Tor des zweiten Torhüters (B) gespielt.

Das Spiel startet zunächst immer beim Torhüter A (Abbildung oben). Ziel ist es zunächst, den Ball in die andere Spielfeldhälfte zu spielen. Dies ist möglich, indem ein Pass durch das zentrale Stangentor gespielt wird, oder aber durch eines der äußeren Stangentore gedribbelt wird. Befindet sich der Ball in der anderen Spielfeldhälfte wird auf das Tor B angegriffen. Erobert die verteidigende Mannschaft (rot) den Ball, darf sie kontern.

Die Abseitslinie ist in diesem Fall die Mittellinie.

Coaching:

Der Torhüter und die beiden Innenverteidiger sollen das Spiel immer außerhalb des Strafraums starten. Die beiden verteidigenden Stürmer werden mit dem ersten Pass aktiv. Die Spieler passen sich den Ball immer in die Vorwärtsbewegung (äußerer Fuß), sodass ein Andribbeln der Innenverteidiger fokussiert wird. Durch das Andribbeln des Innenverteidigers durch das Stangentor entsteht eine Überzahl in der Feldhälfte. Der andribbelnde Innenverteidiger muss folglich von einem Verteidiger gestellt werden. Es wird folglich ein Spieler frei, welcher sich im Optimalfall im Rücken freiläuft (siehe Laufweg 2 vor Pass 3).

Ist es dem Torhüter möglich, so spielt er einen Pass durch das vor ihm liegende Stangentor auf den sich in der anderen Feldhälfte befindenden 6er. Dieser läuft auf diese Position in offener Stellung ein, wodurch er das Spiel sofort nach vorne eröffnen kann. Optional kann der 6er den Ball direkt auf einen nachstartenden Innenverteidiger klatschen lassen, um auch bei dieser Variante eine Überzahl zu schaffen.

Der Trainer coacht das Steil-Klatsch-Muster, bei welchem Spieler/Reihen überspielt werden, um schließlich in offener Stellung den Klatschball zu erhalten. Dieses Muster wird zum Bespielen zentraler Räume genutzt.

Bei Ballverlusten der Innenverteidiger oder 6er (auch Pässe solcher) wird ein stellendes Gegenpressing gespielt. Der Gegner wird dabei nach außen gelenkt. Der Torhüter nimmt schnellstmöglich eine torsichernde Position ein, um Torschüsse abzuwehren.

In höheren Räumen wird beim Gegenpressing angesprintet. Der Gegner wird dabei zu einem Mitspieler (wahrscheinlich ins Zentrum) gelenkt. Die Innenverteidiger schieben vor, um zusätzlichen Raumdruck zu erzeugen (Abseits beachten). Der Torhüter hält seine hohe Position vor dem Tor, um Steckbälle abzulaufen.


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