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Home > Archiv > 1.5 Euro 2008 - Schweiz Österreich > Spiele und Spielplan > #25 - Portugal - Deutschland 2:3

Der Garant für den Erfolg (foto firo)

Schweinsteiger war wieder Ricardos Schreckgespenst

von Alexander Raack

Der „Man of the match“ im Spiel zwischen Deutschland und Portugal war schnell gefunden: Bastian Schweinsteiger hatte gegen in der Gruppenphase so spielstarken Portugiesen sein bestes Spiel seit knapp zwei Jahren bestritten, vielleicht war es auch das Beste, was der Münchner jemals gezeigt hat. Doch der stille Gewinner war ein anderer: Jens Lehmann. Der deutsche Nationaltorwart hat harte Monate hinter sich: Im Verein ausgebootet, das Vertrauen der heimischen Öffentlichkeit verloren, der Stammplatz bei der EM sogar kurz in Gefahr. Lehmanns Auftritte in den drei Gruppenspielen waren nicht der Rede wert: Ausgerechnet die ihm eigene Souveränität schien ihm abhanden gekommen zu sein. Lag es am Alter? An fehlender Spielpraxis? Gegen Portugal strafte Lehmann alle seine Kritiker Lügen. Um es vorweg zu nehmen: Er machte ein großartiges Spiel.

Torhüter (auch Lehmann, man mag es nicht glauben) sind sensible Wesen auf dem Platz. Die erste Aktion im Spiel kann über den weiteren Verlauf der Partie entscheiden. Lehmann deutete gleich mit seiner ersten Szene an, mit welcher Urgewalt und gleichzeitiger Eleganz er an diesem Abend in Basel seinen Job verrichten würde: Eine scharfe Flanke von Simao, dem wendigen Dribbler, pflückte der Neuzugang des VfB Stuttgarts mit einer Leichtigkeit und Präzision aus der Luft, als würde der Kirschen aus Nachbars Garten klauen. Lehmanns Präsenz war bis vor die Bildschirme in Deutschland spürbar. Seine Defensive (Viererkette plus die neue Doppelsechs Hitzlsperger/Rolfes) funktionierte, weil Lehmanns Autorität im deutschen Tor in diesen ersten Minuten zurückgekehrt war. Ganz große Kunst war seine Abwehr gegen den Versuch von Christiano Ronaldo (40.). Von dessen energetischer Dynamik ließ sich Lehmann nicht beirren und blieb lange stehen, ehe er mit einem schnellen Reflex den Schuss abwehren konnte. Zu seinem Pech hatte Nuno Gomes auf diesen Abpraller gelauert, wie es gute Mittelstürmer nun einmal tun, und an Metzelders Bein vorbei traf der Portugiese zum 1:2 vor der Pause. Lehmann blieb auch in der zweiten Halbzeit ein Fixpunkt in der großartig organisierten Defensivformation.

Wer wollte, konnte allein in der Aufstellung eine interessante Beobachtung machen: Die nationalen Leitwölfe Lehmann-Ballack-Klose bildeten eine markante Linie in der Mitte des Feldes, verstärkt wurde das erfahrene Trio durch die Organisationstalente Hitzlsperger und Rolfes. An diesem Fünfer-Stamm orientierte sich das deutsche Spiel, Sprinter und Dribbler, wie Podolski oder Schweinsteiger wurde bei ihren Tempoausflügen der Rücken freigehalten, selbst der bislang nicht unbedingt durch frische Offensivaktionen auffällige Metzelder stürmte mehrfach abgesichert in die freien Schnittstellen der portugiesischen Defensive. Selbst an den deutschen Angriffen war Jens Lehmann häufig beteiligt: Nahezu jeder Abstoß und Abwurf fand einen Gegenspieler, bei Rückpässen blieb der 37-Jährige cool und beförderte den Ball immer in die sicheren Zonen.

Ganz anders sein Kollege Ricardo. Bei allen drei Turnieren (1xWM, 2xEM) verursachte der Torhüter von Betis Sevilla nicht ein Gegentor durch einen individuellen Fehler. Vielmehr ist es diese fehlende Autorität und Souveränität, die Ricardo nicht zu einem Torsteher qualifiziert, der ein Spiel mitentscheiden kann. Beim dritten Treffer durch Ballack (61.) offenbarten sich seine Schwächen in einer Szene: Beim scharf angeschnittenen Freistoß durch Schweinsteiger machte Ricardo zunächst einen Schritt nach vorne, dann wieder zurück, um sich schließlich doch noch zu entschließen, die Flanke abzufangen. Sein Versuch: Ein Witz. Michael Ballack, einer der besten Kopfballspieler der Welt, sagte Danke und köpfelte zum entscheidenden 3:1 ins Tor.

Das sagt torwart.de-Experte Lars Leese

...über Jens Lehmann

Lehmann hat von A bis Z eine solide Leistung geboten, auch wenn er keine Mega-Paraden zeigen musste. Mal abgesehen von dem Reflex gegen Christiano Ronaldo vor dem 2:1 der Portugiesen. Das ist leider etwas untergegangen in der Berichterstattung, aber die Aktion war stilbildend für Lehmanns Aktionen. Er hat eine extreme Ruhe und Sicherheit ausgestrahlt, eine rundum gelungene Leistung. Lehmann hat sich im Turnier von Spiel zu Spiel gesteigert. Gegen Polen und Kroatien war sein Auftreten noch etwas holprig. Gegen Österreich war er bereits ein Rückhalt, gegen Portugal war er das, was man von ihm erwartet: Ein ganz wichtiger Rückhalt, eine Stütze in der Mannschaft. Das war es ja, was ihn, neben seinem Talent, für den Platz im deutschen Tor qualifizierte: Seine Erfahrung, Routine und Sicherheit. Auch von der Körpersprache her haben wir im Viertelfinale einen anderen Lehmann gesehen, als in den Spielen zuvor. Das ist der Lehmann, den wir brauchen. Seine Mitspieler haben das auch gemerkt. Metzelder zum Beispiel war eher teilaktiv in der Defensive, vielleicht hat er gedacht, dass er nur die flachen Bälle abwehren muss, die hohen Dinger hat ja der Jens gepflückt! Lehmanns Leistung sollte allerdings nicht klein geredet werden, er hat einfach klasse gespielt. Wie viel Druck auf ihm gelastet hat, bzw. lastet, hat man der Reaktion seiner Frau gesehen: Die ist nach dem Spiel einfach ohnmächtig geworden. Aus meiner aktiven Zeit weiß ich, dass die Lebenspartnerin wie ein Spiegel des Spielers ist. Ich habe meiner Frau auch immer alles erzählt, sie hat um meine Sorgen und Ängste gewusst. Das wird bei den Lehmanns nicht anders sein. Das zeigt wieder, wie sehr das Torwartspiel eine Sache des Kopfes ist. Und Lehmann beweist, dass er extrem druckresistent ist.“

...über Ricardo

„Ja, es stimmt. Ricardo hat bei seinen drei Turnierteilnahmen noch kein Tor direkt verschuldet. Aber: nur halbwegs konstante Leistungen zu zeigen, reicht vielleicht, um ins Achtel- oder Viertelfinale einzuziehen. Zu mehr allerdings nicht. Ricardo kann für Portugal keine Spiele gewinnen. Um den Titel zu holen, muss auch der Torhüter fast über seinen Möglichkeiten spielen. Bestes Beispiel dafür ist Nikopolidis. Der hat 2004 so gut, wie nie wieder gespielt. Ricardo war auch gegen Deutschland Durchschnitt. Bei den Kopfbällen von Klose und Ballack trifft ihn meiner Meinung nach allerdings keine Schuld. Diese scharf zum Tor hin angeschnittenen Freistöße, wie sie Bastian Schweinsteiger produziert hat, sind für einen Torhüter unglaublich schwer zu berechnen. Wie weit fliegt der Ball? Komme ich überhaupt dran? Springt irgendwer dazwischen? Als Trainer fordere ich meine Spieler auch immer dazu auch den Ball zum Tor hin zu schießen, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie gefährlich solche Bälle sind."

...über bisherige Überraschungen im Tor

„Der russische Torwart Akinfeev hat mich schwer beeindruckt. Vor allem gegen Schweden war seine Ausstrahlung enorm. Mit seinen 22 Jahren ist er der jüngste Stammtorwart des Turniers und scheint bereits jetzt, über eine große Routine zu verfügen. Beeindruckend. Der tragische Held ist natürlich Petr Cech. Der hat eigentlich ein tolles Turnier gespielt und dann rutscht ihm dieser Ball aus den Händen. Ich bin mir allerdings sicher, dass ihn das nicht aus der Bahn wirft.

 

Portugal:

Ricardo - Bosingwa, Pepe, Ricardo Carvalho, Paulo Ferreira - Petit - Joao Moutinho, Deco - Simao, Cristiano Ronaldo, Nuno Gomes

Einwechslungen:

  • 31. Raul Meireles für Joao Moutinho
  • 67. Nani für Nuno Gomes
  • 73. Helder Postiga für Petit

Deutschland:

Lehmann - A. Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Hitzlsperger, Rolfes - Schweinsteiger, Ballack, Podolski – Klose

Einwechslungen:

  • 73. Borowski für Hitzlsperger
  • 83. C. Fritz für Schweinsteiger
  • 89. Jansen für Klose
Tore: 0:1 (22.) Schweinsteiger, 0:2 (26.) Klose, 1:2 (40.) Nuno Gomes, 1:3 (61.) Ballack, 2:3 (87.) Helder Postiga

Firo Foto (zum Vergrößern bitte anklicken)
 

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