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Achim Hollerieth "Hautnah" bei torwart.de (19.05.06)

Eine abwechslungsreiche Karriere: Von der Verbandsliga in die Bundesliga

von Marcel Schäfer


Achim Hollerieth - während seines VfB Intermezzos - Foto: Firo

Rausschmisse, vereinslose Zeiten, ein Bundesliga-Spiel. Achim Hollerieth hat in seiner Karriere viel erlebt und durchgemacht. Bei torwart.de gibt er erstmals intensiv Auskunft darüber, wie sich die Dinge in Mannheim damals zugetragen haben und wie er daraufhin vereinslos war. Auch gibt er Preis, was es bedeutet, für den FC St.Pauli zu spielen.

torwart.de: Du bist erst relativ spät Torwart geworden. Wie kam es dazu?

Achim Hollerieth: Ja, das stimmt. In meinem letzten Jahr in der B-Jugend beim SC Pfullendorf standen wir im Halbfinale des Südbadischen Pokals und hatten plötzlich ein ernsthaftes Torwartproblem, da unsere drei Schlussmänner allesamt nicht spielen konnten. Ich war damals zwar Stürmer, spielte jedoch in meiner Freizeit gerne im Tor. Die Wahl fiel also auf mich und ich ging in diesem Spiel ins Tor. Wir gewannen 1:0 und ich bekam viel Lob, obwohl ich nicht viel gemacht habe, nur angeschossen wurde. Mir tat danach alles weh und ich habe mir geschworen, nie mehr im Tor zu spielen. Zwei Wochen später stand dann das Finale an und obwohl die anderen Torhüter wieder fit waren, sollte ich im Tor bleiben. Ab der A-Jugend stand ich dann regelmäßig zwischen den Pfosten.

torwart.de: Gehörst du demnach zu den fußballerisch starken Torhütern? Immerhin hast du lange auf dem Feld gespielt.

 Hollerieth: Ich gebe es ganz ehrlich zu, dass ich mich fußballerisch auf jeden Fall noch verbessern kann und will. Meine Stärke ist das nicht…

torwart.de: Wie ging es nach der A-Jugend dann weiter für dich?

Hollerieth: Nachdem ich aus der A-Jugend des SC Pfullendorf kam, wurde ich direkt Ersatztorwart in der Oberliga-Mannschaft. Ich saß also in den Oberliga-Spielen auf der Bank und sammelte Spielpraxis in der zweiten Mannschaft, die damals in der Landesliga spielte. In der darauf folgenden Saison verließ mein Konkurrent den Verein und ich wurde zum Stammspieler. Leider gab es dann einige interne Differenzen im Verein und ich wechselte zum TuS Celle in die Oberliga. Wir schafften den Aufstieg in die neue Regionalliga und man wollte mich als Profi binden. Ich war jedoch damals noch sehr jung damals und wollte nach meinem Abitur als Absicherung eine Lehre machen. Da ich dazu keine Chance in Celle hatte, wechselte ich zurück nach Pfullendorf und begann dort meine Ausbildung. Wir spielten damals nur in der Verbandsliga, schafften aber den Aufstieg in die Oberliga. Nach meiner Ausbildung konnte ich mich dann voll auf meine Karriere konzentrieren und wechselte zum KFC Uerdingen in die 2. Bundesliga. Dort war ich in der Hinrunde nur der Vertreter von Alexander Bade, konnte mich jedoch in der Wintervorbereitung durchsetzen und verdrängte ihn zur Rückrunde.

torwart.de: Ralf Rangnick bezeichnete dich damals als den „besten Torwart der 2. Bundesliga“ und verpflichtete dich für den VfB Stuttgart. Wie hast du den Sprung in die Bundesliga erlebt? Hat sich damit ein Traum für dich erfüllt?

Hollerieth: Natürlich erfüllte sich damals ein Traum für mich. Ich bin Schwabe und der VfB ist quasi mein Heimatverein. Dazu bekam ich einen Vierjahres-Vertrag und konnte mich fortan mit den besten Spielern der Bundesliga messen. Das war schon ein ganz besonderer Schritt für mich.

Gewohnt lautstark - Foto: Firo

torwart.de: Aus deinem Vierjahres-Vertrag wurde dann aber nur ein Jahr…

Hollerieth: Das ist leider richtig. Ausgangspunkt dafür war, dass Ralf Rangnick mir und Franz Wohlfahrt, dem damaligen österreichischen Nationaltorwart, zu Saisonbeginn gleiche Chancen zugesprochen hatte. Ich wusste natürlich, dass ich gegen einen solch etablierten und erfahrenen Torwart nur sehr schwer ankommen würde, aber ich war bereit alles zu geben. Die Vorbereitung lief wirklich grandios für mich, eine solche Vorbereitung erlebt man wohl nur ein einziges Mal in seiner Karriere. Gegen jeden starken Gegner stand ich in der Vorbereitung im Tor, auch in unserem letzten Testspiel vor dem Bundesligastart. Ich ging davon aus, auch eine Woche später zu spielen. Beim Saisonauftakt gegen Bremen stand dann jedoch Franz Wohlfahrt im Tor, eine wirkliche Enttäuschung für mich. Viel enttäuschter war ich damals jedoch von der Begründung, die mir der Trainer gab. Er sagte mir, dass ich in der Vorbereitung 15 bis 20 Prozent besser gewesen sei und normalerweise spielen müsste. Seine Befürchtung war damals jedoch, dass Franz Wohlfahrt Ärger machen würde, wenn er auf der Bank gesessen hätte. Von mir erwartete er so etwas nicht, deshalb entschied er sich dafür, mich draußen zu lassen.

torwart.de: Konntest du diese Entscheidung akzeptieren? Wie ging es dir in den folgenden Wochen?

Hollerieth: Die Wochen nach dieser Entscheidung waren wirklich sehr hart für mich. Ich stellte mir immer wieder die Frage: „Was soll ich machen?“. Ich war sportlich besser und bekam trotzdem nicht die Chance zu spielen. Das Training erschien mir sinnlos, denn warum sollte ich Leistungen zeigen, wenn diese eh keine Rolle spielten? Nach einigen Wochen lernte ich dann mit der Situation umzugehen. Ich machte mir bewusst, dass ich weiterhin Vollgas geben muss und irgendwann meine Chance bekommen würde. Diese musste ich dann nutzen. Und schon nach einigen Spielen war es so weit: Das Spiel gegen Duisburg stand an und Franz Wohlfahrt war verletzt…

torwart.de: Es war der 18.06.1999 und du machtest damals als 25-Jähriger dein erstes Bundesligaspiel. Ein Schlüsselspiel für deine Karriere, was passierte?

Hollerieth: Wir gewannen das Spiel mit 4:2 und eigentlich lief alles gut für mich. Beim Gegentor zum zwischenzeitlichen 1:1 sah ich jedoch alles andere als glücklich aus. Es war ein ganz normaler Freistoß aus 25 Metern, nicht einmal gut geschossen. Normalerweise hätte ich den Ball mit dem Fuß stoppen können, doch ich war in Gedanken schon beim Abwurf und der Ball rutschte durch meine Beine ins Tor. Ein wirklich sehr dummer Fehler, der auch viel Kritik brachte. Leider war es mein erstes Bundesligaspiel, ansonsten hätte keiner etwas gesagt. Nach dem Spiel meinte der Trainer zu mir, dass ich trotzdem im folgenden Spiel im Tor stehe, auch wenn Franz Wohlfahrt wieder fit ist. Wir spielten am nächsten Spieltag gegen Bayern München und bis zum Aufwärmen war nicht klar, wer spielen sollte. Die Besprechung fand ohne die Torhüter statt. Als ich dann sah, dass Franz Wohlfahrt warmgeschossen wurde, war mir klar, dass er spielt. Er hielt überragend und wiederholte diese Leistung auch im Spiel danach. Der Zug war danach für mich abgefahren.

torwart.de: Wie ging es dann für dich weiter? Immerhin war es nicht sehr realistisch bald wieder zum Einsatz zu kommen.

Hollerieth: Ich bin damals nicht zum VfB gegangen, um sofort zu spielen. Eigentlich sollte ich langsam als Nachfolger für Franz Wohlfahrt aufgebaut werden. Leider wurde mir mein Fehler nie wirklich verziehen, ich geriet immer mehr auf das Abstellgleis. Wir hatten damals fünf Torhüter bei den Profis im Training und mussten deshalb immer rotieren, da fiel es schwer sich anzubieten. Ich wollte deshalb in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga überzeugen und Spielpraxis sammeln, doch dort sollte nur Timo Hildebrand zum Einsatz kommen. So geriet ich immer weiter ins Abseits, doch ich hätte es durchgezogen. In dieser Zeit bekam ich dann immer wieder Angebote, so auch von Mannheim. Waldhof bemühte sich sehr um mich und so entschied ich mich mit der Vereinsführung, meinen Vertrag nach nur einem Jahr aufzulösen und zu wechseln.

Jubelszenen gab es nicht immer - Foto: Firo

torwart.de: In Mannheim gab es dann Probleme und Berichten zu Folge eine fristlose Kündigung. Was war damals los?

Hollerieth: Das ist eine alte Geschichte. Im Jahr vor meinem Wechsel hatte Waldhof den Aufstieg ganz knapp verpasst und in der darauf folgenden Saison sollte der Aufstieg dann definitiv klappen. Der Verein ging daher ein hohes Risiko ein und verpflichtete viele Spieler, darunter auch mich. Wir spielten dann eine super schlechte Vorrunde und der Aufstieg geriet in weite Ferne. In der Winterpause kam es dann zu finanziellen Problemen und der Verein wollte einige teure Spieler loswerden. Auch ich wurde gefragt, ob ich gehen möchte, doch das kam für mich absolut nicht in Frage. Mir gefiel es in Mannheim sehr gut, es wurde ein tolles Umfeld geboten und ich hatte noch einen über zwei Jahre laufenden Vertrag, den ich erfüllen wollte. Dem Verein gefiel mein Entschluss scheinbar nicht und so passierten in den darauf folgenden Wochen und Monaten einige merkwürdige Sachen, die letztendlich so gedreht wurden, dass man mich loswerden konnte. Später stellte sich dann heraus, dass alle Behauptungen aus der Luft gegriffen waren. Doch mein Ruf war stark geschädigt und eine Zusammenarbeit war nicht mehr denkbar, nachdem ich gegen meinen Verein geklagt hatte.

torwart.de: Danach warst du über einige Zeit ohne Verein. Wie ging es weiter?

Hollerieth: Da das Gerichtsverfahren über meinen Vertrag noch immer lief, konnte ich zu keinem anderen Verein wechseln. Da ich noch aus meiner Jugendzeit gute Kontakte nach Reutlingen hatte, bekam ich die Chance, mich beim Zweitligisten fit zu halten. Nachdem das Gerichtsverfahren dann abgeschlossen war, durfte ich überraschend die letzten Spiele der Saison machen. Wir stiegen ab und der Verein bekam in der Sommerpause keine Lizenz für die Regionalliga.

torwart.de: Du bist dann zum FC St.Pauli in die Regionalliga gewechselt, musstest du über das Angebot lange nachdenken?

Hollerieth: Zunächst habe ich mir einige Gedanken gemacht, ob ich in die Regionalliga wechseln soll, doch dann entschied ich mich für den FC St.Pauli. Man kann den Verein jedoch nicht wirklich mit einem Regionalligisten vergleichen, man trainiert und spielt hier unter Profibedingungen. Auch das Umfeld, der Trainerstab und die medizinische Abteilung sind erstklassig. Im Nachhinein kann ich sagen, dass meine Bedenken gegenüber der Regionalliga völlig falsch waren, denn es handelt sich ohne Frage um eine Profiliga, egal ob Nord oder Süd.

torwart.de: Von den Fans der Kiezkicker hast du den Spitznamen „Ho-Ho-Hollerieth“ bekommen. Wie kam es dazu?

Hollerieth: Ich weiß gar nicht genau, woher dieser Spitzname kommt. Die Fans singen und rufen ihn beim Einlaufen, vor und nach dem Spiel und auch mittendrin. Es ist wohl einfach ein Schlachtruf um mich anzufeuern.

torwart.de: Die Fans des FC St.Pauli gelten als sehr besonders. Wie ist dein Verhältnis zu ihnen?

Hollerieth: Ich identifiziere mich vollkommen mit dem Verein und mit den Fans, es ist wirklich toll hier zu spielen. Die Fans des FC St.Pauli sind richtige und treue Fans, die trotz der Abstiege immer hinter der Mannschaft stehen. Das Stadion ist fast immer voll, egal ob man gegen Bayern München oder gegen die zweite Mannschaft von Bayer Leverkusen spielt. Die Leute kommen wegen dem FC St.Pauli ins Stadion, nicht nur um einen attraktiven Gegner zu sehen, wie es bei vielen anderen Vereinen ist.

torwart.de: Haben die Fans eine besondere Erwartungshaltung an die Spieler? Fußballerisch und auch menschlich?

Hollerieth: Die Zuschauer erwarten hier keinen Zauberfußball, sie wollen einfach bedingungslosen Einsatz sehen. Die Spieler sollen alles für den Verein geben, nicht umsonst waren die Mannschaften des FC St.Pauli immer für ihr Kämpferherz bekannt. Das Ergebnis ist letztendlich zweitrangig, wenn die Fans merken, dass alles gegeben wurde und einfach nicht mehr drin war. Wenn ein Spieler jedoch zu schnell aufgibt, dann sind die Fans absolut sauer.

torwart.de: Wie bewertest du spezifisches Torwarttraining? Achtest du – als älterer Torhüter – auf andere Dinge als deine jungen Kollegen?

Hollerieth: Beim FC St.Pauli hatten wir lange keinen Torwarttrainer, ich musste lange darauf drängen einen zu bekommen. Man kann als Torwart immer etwas dazulernen, auch noch mit 35. Spezifisches Training ist speziell für einen Torwart sehr wichtig und in jungen Jahren entscheidend für die Entwicklung. Man sollte zumindest das Aufwärmen mit einem Torwarttrainer machen, um sich an Grundtechniken und Abläufe zu gewöhnen.

torwart.de: Wie wichtig ist das Material, sprich Handschuhe, für dich?

Hollerieth: Die Handschuhe sind ein sehr wichtiges Werkzeug für mich, ich muss absolutes Vertrauen in sie haben. Handschuhe müssen zum Torwart passen, denn sie fangen letztendlich die Bälle. Mit meinem Ausrüster Reusch bin ich sehr zufrieden, mir werden Handschuhe ganz nach meinen Wünschen zur Verfügung gestellt. Nicht umsonst hält diese Partnerschaft nun schon 10 Jahre.

torwart.de: Was willst du nach deiner aktiven Karriere machen?

Hollerieth: Ich würde gerne etwas im Bereich Sport-Management oder Marketing machen. Dort bieten sich auch viele Chancen beim FC St.Pauli, da der Verein sehr bekannt und interessant ist.

torwart.de: Vielen Dank für das Interview und noch viel Erfolg für deine sportliche Zukunft.


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