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Die Zwischenbilanz der WM-Torhüter: Nomaden, Rekordjäger, Todesdrohungen

von Alex Raack

Der beste Torwart der Welt patzt, der zweitbeste Keeper ist bereits zu Hause, ein Iraner sorgt für den emotionalsten Moment der WM-Vorrunde – eine torwart.de-Zwischenbilanz nach der Vorrunde.

Was soll man von dieser Weltmeisterschaft nur halten? Jetzt, da Deutschland bereits rausgeflogen ist und sich die wirklich guten und aufregenden Partien an einer Hand abzählen lassen. Es war bislang noch nicht das Turnier der sportlichen Höhepunkte. Und auch die Torhüter bekleckerten sich nicht unbedingt mit Ruhm. Das eine besondere Spiel, da ein Torwart zum Helden wurde, weil er auf der großen WM-Bühne ein Spektakel ablieferte, war in der Vorrunde der WM 2018 nicht dabei. Langweilig wurde es trotzdem nicht.

Willy Caballero wurde nach schwachen Leistungen in den Hintergrund verdrängt (Foto: firo)
Aber auch Franco Armani war nach dem Achtelfinal-Aus am Boden (Foto: firo)

Für den vielleicht einprägsamsten Torwart-Moment sorgte ausgerechnet der Schlussmann der im Vorfeld als Mitfavorit gehandelten argentinischen Auswahl. Nach der Knieverletzung von Manchester United-Ersatzmann Sergio Romero im Testspiel gegen Spanien Ende März, rückte sein Kollege Willy Caballero in die Startelf – auch er ist beim FC Chelsea nur die nominelle Nummer zwei und hatte vor der WM gerade einmal zwei Länderspiele auf dem Konto – gut möglich, dass er bei der WM auch seine beiden letzten gemacht hat. Gegen Island ließ er einen Flachschuss direkt vor die Füße des Gegners prallen und ermöglichte so das Gegentor, viel schlimmer wurde es im Spiel gegen die Kroaten, als Caballero einen Rückpass über den kroatischen Angreifer Ante Rebic lupfen wollte, ihm der Ball jedoch so unglücklich vom Fuß rutschte, dass Rebic den Ball volley in sein Tor donnern konnte. ZDF-Experte Oliver Kahn ging mit dem Argentinier hart ins Gericht – nicht nur wegen dieses einen Fehlversuches: „Es ist ja nicht so, dass Caballero diese Chips nicht schon in der ersten Halbzeit versucht hätte. Da gab es schon ein, zwei Situationen, in denen er viel zu lässig und ohne die nötige Spannung agierte.“ Und Manchester-Trainer José Mourinho trat dem Mann vom FC Chelsea gar unter die Gürtellinie, als er im russischen Fernsehen spottete: „Caballero oder ich im Tor wäre das Gleich gewesen. Ich hätte genau wie er gehalten.“ Alle gegen Willy – im dritten und entscheidenden Spiel ließ ihn sein Trainer Sampaoli auf der Bank und verhalf dem 31-jährigen Franco Armani zu seinem Nationalmannschaftsdebüt. Mit ihm erreichte Argentinien durch ein 2:1 gegen Nigeria gerade noch den Einzug ins Achtelfinale. Caballero hingegen wird diese WM nicht in guter Erinnerung behalten: im Internet drohten Fans ihm und seiner Familie mit dem Tod. So hässlich kann Fußball sein.

Alireza Beiranvand - Wohin geht sein Weg? (Foto: firo)

Wie schön er sein kann, hat die Geschichte von Alireza Beiranvand gezeigt. Der steht für den Iran im Tor und beeindruckte nicht nur durch seine 1,94 Meter. Eine Biografie wie die seine würde man bei einem solchen Glitzer-Event wie der WM nicht mehr vermuten, aber Beiranvand hat sie tatsächlich erlebt, die Geschichte vom Straßenjungen, der es auf die ganz große Bühne schaffte. Aufgewachsen in einer Nomadenfamilie, die sesshaft wurde, als der Schlussmann ins Teenageralter kam, spielte Beiranvand in einem örtlichen Verein, stieß mit seiner Begeisterung für die Position des Keepers allerdings auf heftigen Widerstand seines Vaters. Dem englischen „Guardian“ erzählte er: „Er wollte, dass ich arbeite und zerriss sogar meine Handschuhe, sodass ich manchmal mit bloßen Händen spielen musste.“ Mit 14 lief Beiranvand von zu Hause weg, schlief in der Hauptstadt Teheran auf der Straße, arbeitete später als Pizzabote, Autowäscher und Straßenreiniger – und noch viel wichtiger: wurde ein so guter Torwart, dass seine Karriere mit der Teilnahme bei der WM ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Die Story wäre auch so schon besonders, aber Beiranvand sorgte noch selbst für die Kirsche auf der Torte, als er im Spiel gegen Portugal einen Elfmeter hielt. Festhielt. Nicht gegen irgendwen, sondern gegen Cristiano Ronaldo, den besten Fußballer der Welt. Doch auch die soliden bis guten Leistungen ihres Torwarts konnten nicht verhindern, dass der Iran in der Vorrunde die Segel streichen musste. Der ehemalige Nomade, Obdachlose und Straßenfeger Alireza Beiranvand steht übrigens beim iranischen Erstligisten und Rekordmeister Persepolis Teheran unter Vertrag. Fragt sich nur, wie lange noch. Laut transfermarkt.de liegt sein Marktwert bei 1,2 Millionen Euro.

David de Gea - Wie weit geht es für ihn noch im Turnier? (Foto: firo)

Knapp das Siebzigfache soll David de Gea wert sein. Der Spanier hat eine großartige Saison mit Manchester United hinter sich (Gewinner des „Goldenen Handschuhs“ mit 18 Spielen ohne Gegentor), doch die WM verläuft für den 27-Jährigen bislang mehr als unglücklich. Von sechs Schüssen, die auf sein Tor abgegeben wurden, fanden fünf den Weg ins Tor – für einen Keeper, der gegenwärtig als der Beste der Welt gehandelt wird, eine katastrophale Quote. Zumal sich De Gea ausgerechnet im Prestigeduell gegen den geographischen Nachbarn aus Portugal einen groben Fehler leistete, als er einen Flachschuss von Ronaldo von seinem Fuß ins Netz prallen ließ. Prompt sprachen sich 50 Prozent der Teilnehmer einer Online-Umfrage auf der Homepage der Sport-Zeitung „AS“ für De Geas Konkurrent Kepa Arrizabalaga aus – nur 30 Prozent hatten für den Mann von Manchester United gestimmt. Was seinen Trainer Fernando Hierro natürlich nicht beeindruckte: „Er (De Gea) hat mein vollstes Vertrauen. Ich werde weiter den Weg mit ihm gehen.“ Und auch seine Teamkollegen stärkten dem eigentlich unumstrittenen Schlussmann demonstrativ den Rücken. Bayern-Spieler Thiago erklärte: „Wenn man ihn kritisiert, sollte man sich alles von ihm ansehen, auch, dass er trainiert wie ein Tier. Und wenn man sich die Spiele von Manchester United anschaut, sieht man, dass er ein unglaublicher Torwart ist.“ In den K.o-Spielen wird De Gea hoffentlich Gelegenheit haben, seine besonderen Qualitäten unter Beweis zu stellen, im Achtelfinale wartet Gastgeber Russland auf Spanien.

Manuel Neuer war eine der Konstanten im DFB-Team (Foto: firo)
Doch nach der Gruppenphase war Schluss (Foto: firo)

Für Manuel Neuer ist die WM bereits vorbei. Was für den Münchener besonders bitter ist, da er sich im Vorfeld des Turniers erst mühsam an seinen angestammten Platz in der Startelf herangekämpft hatte. Seine viele Monate währende Abstinenz zwischen den Pfosten hatten Kritiker laut werden lassen, die seinen Konkurrenten Marc-André ter Stegen im deutschen Tor sehen wollten. Der hatte beim FC Barcelona die vielleicht beste Saison seiner Karriere hingelegt, musste sich aber nach Neuers Rückkehr mit einem Bankplatz begnügen und verfolgte das deutsche Drama von außen. Neuer hingegen wird als eine der ganz wenigen Lichtblicke der deutschen Elf in Russland in Erinnerung bleiben, aber auch er konnte nicht verhindern, dass die DFB-Auswahl lustlos und phlegmatisch aus dem Turnier flog. Obwohl er es in den letzten Minuten der dritten Vorrunden-Partie gegen Südkorea sogar als Offensivspieler versuchte – seinen Ausflug tief in die gegnerische Hälfte nutzte der Gegner eiskalt zum entscheidenden 2:0 aus.

Neuer bewies auch abseits des Rasens seine Führungsqualitäten: als einer der wenigen traute er sich offen anzusprechen, dass sich die Erdogan-Affäre um die Kollegen Özil und Gündogan negativ auf das Mannschaftsklima auswirkte, als einer der wenigen redete er Tacheles nach dem vergeigten Auftakt gegen Mexiko, als einer der wenigen stellte er sich nach dem historischen Aus der Presse und sprach dabei Klartext: „Wir müssen ganz klar sagen, dass wir es einfach nicht verdient haben, denn in keinem der Spiele hat man gesehen, dass eine deutsche Mannschaft auf dem Platz war, vor der man Respekt hätte haben müssen“. Und der Kapitän wurde noch deutlicher: „Selbst, wenn wir jetzt weitergekommen wären, hätte doch jeder gerne gegen uns gespielt. So wenig Bereitschaft, wie wir hier bei der WM an den Tag gelegt haben, habe ich von uns allen noch nie gesehen. Man hat nicht bemerkt, dass wir hier eine Weltmeisterschaft spielen, dazu waren wir zu lethargisch und zu langsam.“ Attribute, die nicht auf den Torwart zutrafen, wie auch Bodo Illgner, Weltmeister-Torwart von 1990, im Interview mit der „Welt“ analysierte: „Seine Körpersprache ist gut, das Spiel mit dem Fuß sieht gut aus. Er ist top dabei.“ Half alles nichts, auch mit einem Neuer in WM-Form war für Deutschland in Russland nichts zu holen.

Mohamed El-Shenawy war in den ersten beiden Spielen im ägyptischen Tor (Foto: firo)
Essam El Hadary - der Rekordbrecher (Foto: firo)

Was sonst noch passierte:

Nachdem er in den ersten beiden Spielen nur auf der Bank sitzen musste, kam Ägyptens Essam Al-Hadari gegen Saudi-Arabien endlich zu seinem Einsatz – es war ein historischer. Mit 45 Jahren und 161 Tagen ist der Schlussmann nun der älteste WM-Spieler aller Zeiten, ein Rekord, der vermutlich lange Bestand haben wird. Zwar verlor seine Auswahl das prestigeträchtige Duell der arabischen Nationen mit 1:2, aber Al-Hadari hielt dabei immerhin einen Elfmeter. Vermutlich nur ein schwacher Trost für den WM-Oldie, das hochgehandelte Ägypten schied sang- und klanglos in der Vorrunde aus.

Daran konnte auch Al-Hadaris Kollege Mohamed El-Shenawy nichts ändern, der in den ersten beiden Spielen zwischen den Pfosten stand und sich insbesondere im Spiel gegen Uruguay auszeichnete. Für seine Leistungen in diesem Match wurde er gar zum „Man of the Match“ gekürt. Dumm nur, dass die Fifa auch diesen Preis an den Meistbietenden verhökert hat, in Russland ist das eine Biermarke. Weil aber El-Shenawy bekennender Muslim ist, keinen Alkohol trinkt und diese Überzeugung auch bei der WM auslebt, verzichtete er auf die Übergabe des Preises in den Katakomben. Ein ägyptischer Journalist, der die Szene fotografierte und davon auf seinem Facebook-Account berichtete, kommentierte: „Es gibt drei Nordafrikanische Nationen, plus Saudi-Arabien und Iran bei der WM. Haben sie denn nicht damit gerechnet, dass die den Award nicht akzeptieren würden?“

Freude mit der Familie: Ochoa steht mit Mexiko im Achtelfinale (Foto: firo)

Guillermo Ochoa, inzwischen 32, gelockter Torwart der mexikanischen Auswahl, ist ein echter Turnier-Torhüter. Schon vor vier Jahren beeindruckte er mit spektakulären Paraden und einer Einstellung, die noch über den TV-Bildschirm beeindruckte. Auch in Russland ist Ochoa großer Rückhalt seiner Mannschaft, seine Werte zählen zu den Besten des Turniers. Der überraschende Sieg gegen Weltmeister Deutschland im Auftaktspiel war Fundament für das Erreichen des Achtelfinals. Dabei war die Vorbereitung der Mexikaner alles andere als reibungslos verlaufen, nachdem ein TV-Sender eine wilde Party der Spieler mit einem Haufen Prostituierter öffentlich gemacht hatte. Doch Ochoa hatte in der Vorrunde eine besondere Erklärung parat. Gerade die Kritik an den nächtlichen Ausschweifungen habe die Auswahl zusammen geschweißt: „Wir erinnern uns an alles, was diese Truppe durchgemacht hat. Das hat uns mental gestärkt.“ Vielleicht ja eine mögliche Maßnahme für die nächste Turnierteilnahme der DFB-Herren.

Deren Verantwortliche mussten sich stattdessen eher mit Dingen beschäftigen, die eigentlich nicht in ihrem Job-Profil auftauchen. So kam dann auch DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke zu seinem einzigen nennenswerten Auftritt, als Mesut Özil daran hinderte, sich nach der 0:2-Pleite gegen Südkorea mit einem Zuschauer anzulegen, der den Mittelfeldmann offenbar rassistisch beleidigt hatte. Gut sichtbar bewies Köpke, dass er noch immer über gute Reflexe verfügt, griff sich Özil und zog ihn Richtung Kabinentrakt. Der Bild erklärte der Europameister von 1996: „Ein Fan hat ihn beschimpft, deshalb habe ich Mesut sofort von dort weggezogen.“

Szczesny hebt umsonst ab (Foto: firo)

Die ersten Kritiker der allermeisten WM-Teilnehmer dürften die jeweiligen Väter gewesen sein, im Fall von Polens Nummer 1 Wojciech Szczesny gehört der Erzeuger gar zu den schärfsten Kritikern. Papa Maciej war früher selber Profi-Keeper und arbeitet während er WM als Experte für einen polnischen TV-Sender. Nachdem sein Sohn im Spiel gegen Senegal einen verunglückten Rückpass von Kollege Grzegorz Krychowiak mit einer recht unkonventionellen Flugeinlage zu retten versuchte (und damit scheiterte), sprach Szczesny Senior vor laufenden Kameras ein hartes Urteil: Sein Sohn habe bei der Aktion ausgesehen, als sei er „zum Spirituosengeschäft“ unterwegs gewesen. „Die Senegalesen konnten problemlos in ein leeres Tor schießen. Es ist eine Scham und Schande.“ Sein Junge hat jetzt genügend Gelegenheiten ein ernstes Wörtchen mit seinem alten Herren zu sprechen – Polen ist bereits ausgeschieden.

Beenden wir dieses Zwischenfazit mit der vielleicht schönsten Geschichte dieser Weltmeisterschaft: Fast vergessen wurde, dass Nigerias etatmäßige Nummer 1, Carl Ikeme, das Turnier verpasste, weil er vor einem Jahr an Leukämie erkrankte. Kurz vor dem Aufeinandertreffen von Nigeria und Island (2:0) sorgten ausgerechnet die isländischen Spieler dafür, dass Ikeme nicht vergessen wird. Via Instagram versammelte der Isländer Jon Dadi Bodvarsson, Teamkollege von Ikeme bei den Wolverhampton Wanderers, seine Kollegen zu einem Gruppenfoto samt Ikemes Trikot und postete das Bild mit den Worten „Wir alle in Island sind bei dir“ auf Instagram. Zu was der Fußball alles gut sein kann.


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