Winston-Salem/North Carolina – Das WM-Quartier der deutschen Nationalmannschaft sorgte am Montag für echte Volksfeststimmung: 3.000 Fans erlebten das öffentliche Auftakttraining der DFB-Elf im W. Dennie Spry Soccer Stadium auf dem Gelände der Wake Forest University – und im Mittelpunkt stand Torwartlegende Manuel Neuer.
Neuer arbeitet mit voller Intensität
Der Auftritt des Schlussmanns war das deutlichste Signal des Tages: Vor den Augen von DFB-Präsident Bernd Neuendorf arbeitete der 40-Jährige intensiv. Während viele Nationalspieler nach der Einheit bereits Autogrammwünsche erfüllten, machte Neuer mit Oliver Baumann und Jonas Urbig noch verschiedene Passübungen – ein klares Zeichen, dass die Wadenblessur überstanden ist.
DFB-Sportdirektor Rudi Völler freute sich sichtlich: „Neuer ist ein Riese", sagte er bei der Ankunft im WM-Quartier.
Baumann: „Das war nicht ganz cool – aber ich gehe voll mit"
Dass Neuer und Baumann gemeinsam auf dem Platz stehen, wirkt inzwischen längst eingespielt. Bereits nach dem 2:1-Testspielsieg gegen die USA hatte sich Baumann offen zu seiner Situation geäußert. Der 36-Jährige räumte ein, dass die Degradierung zunächst wehgetan habe: „Anfangs war es natürlich hart. Das war nicht ganz cool von meinem Gefühl her." Dennoch habe er die Entscheidung sofort akzeptiert: „Aber mir war sofort klar, dass ich fürs Team da sein werde und mitgehe. Ich habe nicht einmal darüber nachgedacht, nicht herzukommen."
Auf die Frage, ob er etwas von der Entscheidung geahnt habe, wollte Baumann nicht weiter ins Detail gehen: „Ich würde es dabei gern belassen. Die Situation ist, wie sie ist. Ich konzentriere mich auf mich und die Mannschaft. Und nur darum geht's. Wir haben jetzt hoffentlich einige Wochen vor uns, alles für den Erfolg wird getan." Worte, die Respekt verdienen – und die die Stimmung im DFB-Lager offensichtlich nicht belastet haben.
Volksfeststimmung und Autogramm-Schlangen
Die 3.000 Eintrittskarten für das öffentliche Training waren laut DFB innerhalb von nur vier Minuten vergriffen. Die Anhänger sorgten während und nach der 45-minütigen Einheit für eine ausgelassene Atmosphäre. Die Spieler revanchierten sich mit Unterschriften, Bällen und Trikots. Besonders gefragt waren neben Neuer auch Jamal Musiala und Antonio Rüdiger.
DFB-Präsident Neuendorf sprach von „wundervollen Bedingungen" und bedankte sich bei den Fans mit den Worten: „Winston-Salem war unsere erste Wahl als Basecamp. Danke, dass wir hier sein dürfen."
Nagelsmann stellt auf WM-Modus um
Bundestrainer Nagelsmann zeigte, dass er bereits voll im Turniermodus ist. Nach dem kurzen Trainingsspiel am Ende der Einheit nahm er sich Kapitän Joshua Kimmich und sprach mehr als eine Viertelstunde mit ihm. „Jetzt geht es darum, eine gute Mischung aus einer konzentrierten Gegner-Vorbereitung und Einheiten, die uns weiterentwickeln, zu finden", erklärte er – und lobte die Infrastruktur vor Ort: Der Greenkeeper war bereits seit dem 20. Mai vor Ort, damit der Naturrasen in perfektem Zustand ist.
Kleiner Zwischenfall, großes Lachen
Für einen kurzen Schreckmoment sorgte Kai Havertz: Bei einem wuchtigen Schuss traf er versehentlich einen Fotografen am Bauch. Havertz lief sofort hin, klatschte mit dem Mann ab und entschuldigte sich mit den Worten „Sorry, man." Danach blieb es ruhig, und selbst die dunklen Wolken verzogen sich wieder.
Historische Marke in Reichweite
Bundestrainer Nagelsmann hat sich klar positioniert: Neuer soll beim WM-Auftaktspiel gegen Curaçao zwischen den Pfosten stehen. Das wäre nicht nur ein emotionaler Moment – mit einem Einsatz würde der 40-Jährige gleich zwei deutsche Fußball-Legenden hinter sich lassen: Fritz Walter ist bislang der älteste deutsche WM-Spieler mit 37 Jahren, Lothar Matthäus der älteste Nationalspieler mit 39 Jahren und zwei Monaten.
Das Auftaktspiel gegen Curaçao findet am 14. Juni ab 19 Uhr MESZ in Houston statt.
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