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Home > WM 2026 > WM-Torhüter > Gruppe E > Deutschland > Manuel Neuer

Manuel Neuer geht als einer der größten Torhüter der Fußballgeschichte in die WM 2026. Mit 40 Jahren, nach Rücktritt, Comeback und erneuten Verletzungsfragen, steht seine fünfte Weltmeisterschaft unter besonderer Spannung. Für Deutschland ist Neuer nicht nur eine Nummer eins, sondern ein Symbol für Erfahrung, Aura und ein Torwartspiel, das eine ganze Generation geprägt hat.

Deutschland

Manuel Neuer

NationalitätDeutschlandDeutschland
Geburtsdatum27.03.1986 (40)
VereinFC Bayern München (Bundesliga)
Größe193 cm
Gewicht93 kg
Länderspiele124
Vereinshistorie
Herren: FC Bayern München (2011-), FC Schalke 04 (2005-2011), FC Schalke 04 II (2003-2009)
Nationalmannschaft: Deutschland (2009-), Deutschland U21 (2009-2010)
Marktwert2.594.967 €
Ausrüsteradidas ›

Werdegang

Frühe Karriere bei Schalke 04: Vom Eigengewächs zur Bundesliga-Entdeckung

Manuel Neuer trat am 1. März 1991 dem FC Schalke 04 bei — und blieb dem Verein über seine gesamte Jugendzeit hinweg treu. Der gebürtige Gelsenkirchener durchlief sämtliche Nachwuchsmannschaften der Königsblauen und galt früh als eines der größten Torwarttalente des Vereins. Bereits während seiner U19-Zeit kam er zu ersten Einsätzen in der zweiten Mannschaft.

2005 unterschrieb Neuer seinen ersten Profivertrag. Nach dem Weggang von Christofer Heimeroth rückte er in seinem zweiten Profijahr zur Nummer zwei hinter Frank Rost auf. Schon am zweiten Spieltag der Saison 2006/07 musste der damals 20-Jährige erstmals in der Bundesliga ran: Am 19. August 2006 ersetzte er den verletzten Rost im Auswärtsspiel bei Alemannia Aachen auf dem Tivoli.

Was zunächst wie ein kurzfristiger Einsatz aussah, wurde wenig später zum Beginn einer neuen Ära im Schalker Tor. Rost fiel bei Trainer Mirko Slomka in Ungnade und verließ den Verein in der Winterpause. Slomka schenkte Neuer das Vertrauen — trotz seines jungen Alters. Damit wurde Neuer zum damals jüngsten Stammtorhüter der Bundesliga.

In seiner ersten Saison als Nummer eins blieb Neuer in 19 Pflichtspielen ohne Gegentor und führte Schalke 04 bis zur Vizemeisterschaft. Besonders auffällig war schon damals seine moderne Interpretation des Torwartspiels: Neuer agierte mutig, aufmerksam und leitete mit weiten, präzisen Abwürfen immer wieder Angriffe seiner Mannschaft ein.

Seine Leistungen blieben nicht unbemerkt. Die Bundesligaprofis wählten ihn zum besten Torhüter der Saison 2006/07 — eine frühe Auszeichnung für einen Keeper, der schon damals erkennen ließ, dass er das Torwartspiel verändern würde.

Porto 2008: Der internationale Durchbruch

In der Saison 2007/08 bestätigte Neuer seinen rasanten Aufstieg. Er bestritt alle 34 Bundesligaspiele und sammelte zugleich wertvolle Erfahrungen in der Champions League. Der große internationale Durchbruch gelang ihm am 5. März 2008 im Achtelfinal-Rückspiel beim FC Porto.

An diesem Abend wurde Neuer endgültig über die Bundesliga hinaus bekannt. Mit spektakulären Paraden hielt er Schalke im Spiel, im Elfmeterschießen parierte er zwei Versuche der Portugiesen und führte die Königsblauen damit ins Viertelfinale. Es war einer jener Abende, an denen aus einem großen Talent ein international wahrgenommener Torwart wurde.

Für Schalke bedeutete der Einzug ins Viertelfinale den bis dahin größten Erfolg in der Champions League. Für Neuer war es ein Meilenstein: Seine Mischung aus Reaktionsstärke, Präsenz und Nervenstärke machte ihn zum Gesicht dieses historischen Schalker Europapokalabends.

Schalker Führungsspieler, Kapitän und Pokalsieger

Die folgende Saison verlief für Neuer und Schalke weniger erfolgreich. Doch in der Spielzeit 2009/10 zeigte der Torhüter erneut seine besondere Konstanz. Als einziger Spieler des Teams absolvierte er jede Bundesligaminute und führte Schalke zur zweiten Vizemeisterschaft seiner Karriere.

Zur Saison 2010/11 ernannte Felix Magath Neuer zum Kapitän der Schalker Mannschaft. Damit übernahm der damals noch junge Torhüter auch offiziell Verantwortung in einem Verein, der sportlich große Ziele hatte und zugleich emotional stark von seiner Identifikation mit dem eigenen Nachwuchs lebte.

Sportlich wurde die Saison zu einem der besonderen Kapitel seiner Schalker Zeit. Neuer erreichte mit Schalke das Halbfinale der Champions League und gewann 2011 den DFB-Pokal. Es war sein erster großer Vereinstitel — und zugleich der letzte Titel im Trikot seines Heimatvereins.

Am 20. April 2011 gab Schalke bekannt, dass Neuer seinen bis 2012 laufenden Vertrag nicht verlängern werde. Der Abschied vom Heimatverein war emotional, kontrovers und für viele Fans schwer zu akzeptieren. Sportlich aber war klar: Neuer stand vor dem nächsten Schritt seiner Karriere.

Wechsel zum FC Bayern: Schwieriger Start, schnelle Rekorde

Am 8. Juni 2011 unterschrieb Manuel Neuer beim FC Bayern München einen Vertrag bis 2016. Mit ihm wechselte auch sein vertrauter Torwarttrainer Toni Tapalović nach München, mit dem er bereits auf Schalke gearbeitet hatte.

Der Start beim Rekordmeister verlief jedoch nicht reibungslos. Sein erstes Bundesligaspiel für den FC Bayern endete mit einer 0:1-Heimniederlage gegen Borussia Mönchengladbach — und Neuer war am Gegentor entscheidend beteiligt. Die Diskussionen um den prominenten Neuzugang begannen früh.

Doch Neuer reagierte auf seine Weise: mit Ruhe, Leistung und Konstanz. Im Anschluss blieb er wettbewerbsübergreifend 1147 Minuten ohne Gegentor und stellte damit einen neuen Vereinsrekord auf. In der Bundesliga blieb er 770 Minuten ohne Gegentreffer und schob sich damit weit nach vorne in die historische Bestenliste.

Trotz dieser starken Zahlen endete seine erste Saison in München bitter. Der FC Bayern wurde in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Champions League jeweils Zweiter. Besonders schmerzhaft war das verlorene Champions-League-Finale 2012 im eigenen Stadion gegen den FC Chelsea. Neuer verwandelte im Elfmeterschießen sogar selbst einen Strafstoß — doch am Ende blieb nur die Enttäuschung.

Triple 2013: Der endgültige Aufstieg zur Weltklasse

Die Antwort auf das bittere Jahr 2012 folgte mit einer der erfolgreichsten Spielzeiten der Vereinsgeschichte. Am 6. April 2013 sicherte sich Neuer mit dem FC Bayern bereits am 28. Spieltag vorzeitig die Deutsche Meisterschaft — seine erste Meisterschaft überhaupt.

Am 4. Mai 2013 führte er die Bayern erstmals in einem Bundesligaspiel als Kapitän aufs Feld. Wenige Wochen später folgte der größte Vereinstitel seiner Karriere: Am 25. Mai 2013 gewann der FC Bayern im Londoner Wembley-Stadion das Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund mit 2:1.

Nur eine Woche später komplettierten die Münchner mit dem 3:2 im DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Für Neuer war es der endgültige Aufstieg in die absolute Weltklasse. Aus dem Schalker Eigengewächs war der Torhüter des besten Vereins Europas geworden.

Auch in den Monaten danach setzte sich die Erfolgsserie fort. Im September 2013 absolvierte Neuer gegen Hannover 96 sein 100. Bundesligaspiel ohne Gegentor. Im Dezember gewann er mit dem FC Bayern die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft in Marokko — ohne im Finale einen Gegentreffer zu kassieren.

Dominanzphase beim FC Bayern: Titel, Rekorde und neue Maßstäbe

Auch nach dem Triple blieb Neuer mit dem FC Bayern das Maß der Dinge im deutschen Fußball. Im März 2014 stand der Verein so früh wie kein Team zuvor rechnerisch als Deutscher Meister fest. Wenige Wochen später gewann Neuer mit Bayern auch den DFB-Pokal.

In der Saison 2014/15 setzte er seine Rekordjagd fort. Gegen den SC Paderborn absolvierte er sein 100. Bundesligaspiel für den FC Bayern. Mit 20 Spielen ohne Gegentor in einer Saison übertraf er zudem die bisherige Bestmarke von Oliver Kahn, der 2001/02 in 19 Partien ohne Gegentreffer geblieben war. Am Ende wurde Neuer 2015 zum dritten Mal in Folge Deutscher Meister.

Auch 2015/16 blieb Neuer auf konstant höchstem Niveau. Im Dezember 2015 absolvierte er beim 1:0 gegen Hannover 96 sein 300. Bundesligaspiel. Im April 2016 blieb er gegen Eintracht Frankfurt zum 150. Mal in der Bundesliga ohne Gegentor. Wenig später gewann er mit dem FC Bayern zum vierten Mal in Folge die Meisterschaft.

Mit nur 17 Gegentoren in der Bundesliga-Saison 2015/16 verbesserte Neuer seinen eigenen Bestwert und stellte mit 21 Spielen ohne Gegentor eine weitere Marke auf. Im Mai 2016 gewann er mit Bayern zudem den DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund nach Elfmeterschießen — und damit das Double.

Verletzungen, Zweifel und die Rückkehr ins Tor

Nach dem Karriereende von Philipp Lahm wurde Neuer zur Saison 2017/18 Mannschaftskapitän des FC Bayern München. Doch seine erste Spielzeit als offizieller Bayern-Kapitän wurde von einer schweren Verletzung überschattet. Am 18. September 2017 verletzte er sich im Training erneut am linken Fuß, musste operiert werden und fiel lange aus.

Zwar kehrte Neuer gegen Ende der Saison ins Mannschaftstraining zurück, zu Pflichtspieleinsätzen reichte es vor Saisonende jedoch nicht mehr. Damit entstand vor der Weltmeisterschaft 2018 eine intensive Debatte: Sollte Bundestrainer Joachim Löw auf den lange verletzten Neuer setzen — oder auf Marc-André ter Stegen, der im Rhythmus und in starker Form war?

Neuer kämpfte sich rechtzeitig zurück und blieb die Nummer eins der Nationalmannschaft. Dennoch zeigte diese Phase, wie verletzlich auch eine scheinbar unumstrittene Torwartkarriere werden kann. Der Status war da, die Klasse unbestritten — aber Rhythmus, Fitness und Form mussten neu erarbeitet werden.

Zweiter Frühling 2020: Noch einmal absolute Weltklasse

Nach einer eher durchwachsenen Phase fand Neuer in der Saison 2019/20 zurück zu außergewöhnlicher Form. Besonders in der Rückrunde und im Champions-League-Turnier von Lissabon zeigte er noch einmal Leistungen auf absolutem Weltklasse-Niveau.

Mit dem FC Bayern gewann er 2020 die Deutsche Meisterschaft, den DFB-Pokal, den DFL-Supercup, die Champions League, den UEFA Super Cup und später auch die Klub-Weltmeisterschaft. Es war eine zweite große Krönung seiner Vereinskarriere — sieben Jahre nach dem Triple von 2013.

Individuell war Neuer in dieser Phase wieder einer der prägenden Spieler des europäischen Fußballs. Im Champions-League-Finale gegen Paris Saint-Germain wurde deutlich, wie sehr er noch immer Spiele auf höchstem Niveau beeinflussen konnte. Seine Paraden gegen Neymar und Mbappé gehörten zu den Schlüsselmomenten des Münchner Titelgewinns.

Folgerichtig wurde Neuer 2020 sowohl zum FIFA-Welttorhüter als auch zum IFFHS-Welttorhüter des Jahres gewählt. Mit 34 Jahren erlebte er einen zweiten Frühling — und erreichte noch einmal ein Leistungsniveau, das an seine prägende WM-Form von 2014 erinnerte.

Späte Bayern-Jahre: Rekorde, Normalisierung und neue Herausforderungen

Auch die Saison 2020/21 endete für Neuer mit dem Meistertitel. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass die außergewöhnliche Form des Sommers 2020 nicht dauerhaft konserviert werden konnte. Neuer blieb ein Torhüter auf sehr hohem Niveau, näherte sich aber wieder stärker seiner Normalform an.

Am 21. Oktober 2020 erreichte er im Champions-League-Spiel gegen Atlético Madrid die Marke von 200 Pflichtspielen ohne Gegentor für den FC Bayern. Es war ein weiterer Beleg seiner enormen Konstanz über viele Jahre hinweg.

Vor der Weltmeisterschaft 2022 verlief die Vorbereitung jedoch nicht ohne Hindernisse. Anfang Oktober sorgte eine Prellung des Schultereckgelenks für wochenlange Pause und neue Fragezeichen. Zeitweise schien sogar seine Teilnahme an der WM gefährdet. Erst am 13. Bundesliga-Spieltag bei Hertha BSC feierte Neuer sein Comeback im Tor — rechtzeitig vor dem Turnier in Katar.

Der schwere Bruch nach der WM 2022

Nach der enttäuschenden Weltmeisterschaft in Katar folgte einer der schwersten Rückschläge seiner Karriere. Bei einer Skitour zog sich Neuer einen komplizierten Bruch des rechten Unterschenkels zu und fiel rund elf Monate aus.

Die Verletzung traf nicht nur ihn persönlich, sondern löste auch beim FC Bayern Unruhe aus. Der Verein musste kurzfristig reagieren, verpflichtete mit Yann Sommer einen Ersatz und geriet sportlich wie intern in eine turbulente Phase. In dieser Zeit veränderte sich auch das Umfeld Neuers massiv: Sportliche Führung, Cheftrainer und Torwarttrainer waren am Ende der Saison nicht mehr dieselben.

Besonders einschneidend war für Neuer die Trennung von Toni Tapalović, seinem langjährigen Torwarttrainer und engen Vertrauten. Für einen Torhüter, dessen Karriere über Jahre von Stabilität, Vertrauen und Kontinuität geprägt war, bedeutete diese Phase einen tiefen Einschnitt.

Comeback 2023 und Diskussionen vor der Heim-EM

Am 28. Oktober 2023 feierte Neuer in Darmstadt sein Pflichtspiel-Comeback für den FC Bayern. Nach der langen Verletzungspause kehrte er zunächst erstaunlich stabil zurück und zeigte über weite Strecken gute Leistungen.

Gegen Ende der Saison 2023/24 rückten jedoch einzelne Fehler stärker in den Fokus. Besonders im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid stand Neuer im Mittelpunkt: Über weite Strecken zeigte er eine außergewöhnliche Leistung, ehe ihm in der Schlussphase ein folgenschwerer Fehler unterlief. Auch im letzten Bundesligaspiel gegen die TSG Hoffenheim kamen weitere Unsicherheiten hinzu.

Kurz vor der Heim-EM entstand dadurch erneut eine öffentliche Diskussion um die Nummer eins im deutschen Tor. Neuer blieb ein Torhüter mit enormer Erfahrung, großer Ausstrahlung und außergewöhnlicher Karrierebilanz. Gleichzeitig zeigte sich: Auch eine Legende muss sich ihren Status im modernen Spitzenfußball immer wieder neu bestätigen.

Späte Bayern-Epoche 2024 bis 2026: Kapitän, Mentor und weiterhin Titelgarant

Nach der Heim-EM 2024 begann für Manuel Neuer auch beim FC Bayern eine neue Phase seiner Karriere. Die Diskussionen um einzelne Fehler aus dem Frühjahr waren noch nicht vollständig verklungen, doch der Kapitän blieb im Münchner Tor gesetzt. Neuer war nun längst mehr als nur die Nummer eins: Er war Führungsspieler, Identifikationsfigur und sportlicher Fixpunkt einer Mannschaft im Umbruch.

In der Saison 2024/25 zeigte sich, dass Neuer auch im fortgeschrittenen Torwartalter weiterhin auf höchstem Niveau bestehen konnte. Zwar rückten Belastungssteuerung, Regeneration und die Frage nach der langfristigen Nachfolge stärker in den Vordergrund, doch seine Präsenz blieb für das Bayern-Spiel von großer Bedeutung. Im Oktober 2024 erreichte er mit dem FC Bayern einen weiteren Meilenstein und feierte sein 250. Pflichtspiel ohne Gegentor für den Verein.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich seine Rolle langsam veränderte. Neuer blieb der Maßstab im Tor, musste aber zunehmend auch als Mentor und Orientierungspunkt für die nächste Generation verstanden werden. Mit Jonas Urbig rückte ein junger Torhüter in den Fokus, während Sven Ulreich weiterhin als verlässlicher Rückhalt im Bayern-Torwartteam blieb.

Sportlich blieb Neuer mit dem FC Bayern erfolgreich. 2025 gewann er erneut die Deutsche Meisterschaft, 2026 folgten ein weiterer Meistertitel und der DFB-Pokal. Damit setzte sich seine außergewöhnliche Titelsammlung in München fort — auch in einer Phase, in der viele andere Torhüter längst ihre Karriere beendet hätten.

Im Mai 2026 folgte schließlich ein klares Signal: Der FC Bayern verlängerte den Vertrag mit Neuer bis zum 30. Juni 2027. Gemeinsam mit Sven Ulreich und Jonas Urbig soll er weiterhin Teil eines Torwartteams sein, das Erfahrung, Gegenwart und Zukunft miteinander verbindet. Für Neuer bedeutete diese Verlängerung mehr als nur ein weiteres Jahr im Profifußball. Sie zeigte, dass der Verein ihm auch mit 40 Jahren noch eine zentrale Rolle zutraut.

Damit geht Neuer in seine ganz späte Bayern-Zeit als Kapitän, Legende und Mentor. Sein Einfluss bemisst sich längst nicht mehr nur an Paraden, Titeln und Rekorden. Er prägt den FC Bayern weiterhin durch Erfahrung, Führungsstärke und den Anspruch, auch am Ende einer außergewöhnlichen Karriere noch um jeden Titel mitzuspielen.

Nationalmannschaft

Vom DFB-Talent zum U21-Europameister

Manuel Neuer durchlief früh mehrere Juniorenauswahlmannschaften des DFB. Mit der U19 nahm er 2005 an der Europameisterschaft teil, kam in der Vorrunde sowie im Halbfinale zum Einsatz und sammelte dort erste internationale Turniererfahrung. Anfang 2006 wurde er für seine Leistungen bei der Junioren-EM zu Gelsenkirchens Sportler des Jahres gewählt.

Kurz vor seinem ersten Bundesligaspiel für den FC Schalke 04 feierte Neuer am 15. August 2006 sein Debüt in der deutschen U21-Nationalmannschaft. In den folgenden Jahren entwickelte er sich auch im höchsten deutschen Nachwuchsteam zur festen Größe. Insgesamt absolvierte er 20 Spiele für die U21.

Der bis dahin größte Erfolg im DFB-Trikot folgte 2009: Unter Bundestrainer Horst Hrubesch gewann Neuer mit der deutschen U21 die Europameisterschaft in Schweden. Als sicherer Rückhalt hatte er großen Anteil am Titelgewinn — und empfahl sich endgültig für höhere Aufgaben.

Schon zuvor war Neuer in den Kreis der A-Nationalmannschaft gerückt. Ende August 2007 lud ihn der DFB erstmals als vierten Torhüter neben Jens Lehmann, Robert Enke und Timo Hildebrand zu einem Fitnesstest ein. Am 19. Mai 2009 nominierte ihn Bundestrainer Joachim Löw schließlich erstmals für die anstehende Asien-Reise der Nationalmannschaft. Sein Debüt feierte Neuer am 2. Juni 2009 beim 7:2 gegen die Vereinigten Arabischen Emirate — kurz bevor er mit der U21 Europameister wurde.

WM 2010: Vom Nachrücker zur deutschen Nummer eins

Vor der Weltmeisterschaft 2010 rückte Manuel Neuer schneller als erwartet in den Mittelpunkt. Eigentlich war René Adler als deutsche Nummer eins vorgesehen, doch eine schwere Rippenverletzung stoppte den Leverkusener kurz vor dem Turnier. Neuer übernahm — und nutzte seine Chance.

In Südafrika stand er in sechs Partien im Tor und überzeugte als verlässlicher Rückhalt einer jungen deutschen Mannschaft, die erst im Halbfinale am späteren Weltmeister Spanien scheiterte. Das Spiel um Platz drei gegen Uruguay überließ Bundestrainer Joachim Löw anschließend Ersatztorwart Hans-Jörg Butt.

Nach der WM blieb Neuer Stammtorhüter der Nationalmannschaft. In der Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 bestritt er alle zehn Spiele — und war Teil einer DFB-Elf, die erstmals in ihrer Geschichte ohne Punktverlust durch eine Qualifikation marschierte.

Auch bei der EM 2012 war Neuer gesetzt und stand in allen fünf Partien bis zum Halbfinal-Aus gegen Italien im Tor. Im Viertelfinale gegen Griechenland stellte er zudem eine besondere Bestmarke auf: Mit seinem 14. Sieg im 14. aufeinanderfolgenden Länderspiel übertraf er den bisherigen Rekord von Bernd Schuster.

WM 2014: Der angeschlagene Libero im Tor wird Weltmeister

Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien war Manuel Neuer die klare Nummer eins der deutschen Nationalmannschaft — obwohl seine Fitness kurz vor dem Turnier noch für Fragezeichen gesorgt hatte. Eine Schulterverletzung gefährdete zeitweise seinen WM-Einsatz, sodass nicht sicher war, ob er rechtzeitig zum Auftakt wieder voll belastbar sein würde.

Neuer wurde jedoch rechtzeitig fit, stand in allen sieben Partien im Tor und prägte das Turnier mit einer Spielweise, die weit über klassisches Torwartspiel hinausging. Besonders im Achtelfinale gegen Algerien wurde er zum Symbol des modernen mitspielenden Torhüters. Immer wieder verteidigte er weit vor dem eigenen Strafraum, klärte gefährliche Situationen und gab der deutschen Mannschaft damit die notwendige Absicherung.

Am 13. Juli 2014 krönte sich Deutschland im Finale von Rio de Janeiro zum Weltmeister. Durch Mario Götzes Tor in der Verlängerung besiegte die DFB-Elf Argentinien mit 1:0 — und wurde als erste europäische Mannschaft Weltmeister auf südamerikanischem Boden. Neuer wurde anschließend als bester Torhüter des Turniers mit dem Goldenen Handschuh ausgezeichnet.

Nach dem Rücktritt von Philipp Lahm wurde Bastian Schweinsteiger neuer Kapitän der Nationalmannschaft. Neuer rückte im September 2014 zu seinem Stellvertreter auf und führte die DFB-Elf beim Freundschaftsspiel gegen Argentinien erstmals selbst als Kapitän aufs Feld.

EM 2016: Vom Elfmeterhelden zur Führungsfigur

Bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich stand Manuel Neuer in allen sechs Partien der deutschen Mannschaft im Tor. In den ersten fünf Spielen führte er das Team als stellvertretender Kapitän von Bastian Schweinsteiger aufs Feld — und war einmal mehr ein zentraler Faktor der deutschen Stabilität.

Bis einschließlich Achtelfinale blieb Neuer ohne Gegentor. Erst im Viertelfinale gegen Italien wurde er in der regulären Spielzeit durch einen Elfmeter bezwungen. Die Partie ging ins Elfmeterschießen — und dort wurde Neuer erneut zum entscheidenden Rückhalt. Er parierte zwei italienische Versuche, ehe Jonas Hector den letzten Elfmeter zum deutschen Halbfinaleinzug verwandelte.

Im Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich musste Deutschland schließlich das Aus hinnehmen. Frankreich ging per Elfmeter in Führung, später fiel nach einer unglücklichen Abwehraktion Neuers das 2:0 durch Antoine Griezmann. Es blieb das einzige Gegentor der deutschen Mannschaft aus dem Spiel heraus bei diesem Turnier.

Nach dem Rücktritt von Bastian Schweinsteiger aus der Nationalmannschaft übernahm Neuer im September 2016 endgültig die Kapitänsrolle — und wurde damit nicht nur sportlich, sondern auch offiziell zur Führungsfigur des DFB-Teams.

WM 2018: Kapitän in einem historischen Scheitern

Die Weltmeisterschaft 2018 wurde für Manuel Neuer und die deutsche Nationalmannschaft zu einem bitteren Turnier. Als amtierender Weltmeister reiste die DFB-Auswahl mit großen Erwartungen nach Russland — und scheiterte überraschend bereits in der Vorrunde.

Dabei hatte die Gruppe mit Mexiko, Schweden und Südkorea im Vorfeld durchaus machbar gewirkt. Doch Deutschland fand nie wirklich ins Turnier. Neuer absolvierte drei solide Spiele, konnte das frühe Aus aber nicht verhindern. Besonders das 0:2 gegen Südkorea im letzten Gruppenspiel wurde zum Symbol eines historischen Scheiterns.

Für Neuer selbst war die WM dennoch ein besonderer Einschnitt: Er führte die deutsche Nationalmannschaft erstmals bei einem großen Turnier als Kapitän an. Aus einem persönlichen Meilenstein wurde am Ende jedoch eines der enttäuschendsten Kapitel seiner DFB-Karriere.

Vom Rekordabend zum schweren Rückschlag

Am 17. November 2020 absolvierte Manuel Neuer sein 96. Länderspiel und löste damit Sepp Maier als deutschen Rekordnationaltorwart ab. Doch ausgerechnet an diesem historischen Abend erlebte der Kapitän eines der bittersten Spiele seiner DFB-Karriere: Beim 0:6 in Sevilla gegen Spanien ging die Nationalmannschaft unter.

Es war der Beginn einer schwierigen Phase im DFB-Trikot. Auch die Europameisterschaft 2021 verlief durchwachsen. Im Achtelfinale schied Deutschland mit 0:2 gegen England aus. Bei der Weltmeisterschaft 2022 reiste die DFB-Elf anschließend erneut mit großen Erwartungen an — auch wegen des Torwart-Trios um Manuel Neuer. Doch das Turnier endete enttäuschend: Deutschland scheiterte bereits in der Vorrunde, und auch Neuer konnte nicht mehr an sein gewohntes Top-Niveau anknüpfen.

Wenige Tage nach dem WM-Aus folgte der nächste Schock. Beim Skifahren zog sich Neuer eine schwere Unterschenkelverletzung zu und fiel monatelang aus. Zwischenzeitlich war sogar offen, ob der damals 36-Jährige noch einmal auf höchstem Niveau zurückkehren würde.

Erst im März 2024 — wenige Monate vor der Heim-EM — wurde Neuer wieder in das Aufgebot der Nationalmannschaft berufen. Kurz darauf legte sich Bundestrainer Julian Nagelsmann fest: Neuer sollte bei der Europameisterschaft im eigenen Land erneut die Nummer eins sein — vor Marc-André ter Stegen.

Der Rücktritt — und Worte, die in Stein gemeißelt schienen

Wenige Wochen nach dem Viertelfinal-Aus gegen Spanien bei der Heim-EM 2024 erklärte Manuel Neuer am 21. August 2024 seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. „Jeder, der mich kennt, weiß, dass mir diese Entscheidung nicht leichtgefallen ist. Ich fühle mich körperlich sehr gut, und natürlich hätte mich auch die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko sehr gereizt. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist.“

Kurz darauf beschrieb Neuer in einem emotionalen Essay auf The Players’ Tribune, wie schwer ihm dieser Schritt gefallen war. Er sei hin- und hergerissen gewesen zwischen Kopf und Herz: „Mein Herz hat gesagt: Du wirst das hier so sehr vermissen. Du wirst den Stolz vermissen, für dein Land zu spielen.“

Doch die Torwartfrage im DFB-Team blieb in Bewegung. Ende Juli 2025 verletzte sich Marc-André ter Stegen schwer — die WM rückte für den Barça-Keeper in weite Ferne. Ende Januar 2026 folgte der nächste Rückschlag: wieder Rücken, wieder Operation. Damit war auch ter Stegens zweiter Comeback-Plan vorerst Geschichte.

Die Diskussion um Neuer entflammte neu. Anfang Februar 2026 wurde er gefragt, ob seine Entscheidung denn wirklich in Stein gemeißelt sei. Neuers Antwort war knapp, klar und scheinbar endgültig: „Ja.“

Der Rücktritt vom Rücktritt

Bereits im März 2026 suchte Julian Nagelsmann nach eigener Aussage das Gespräch mit Manuel Neuer. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich ab, dass Marc-André ter Stegen nicht rechtzeitig fit werden würde — und die Tür für ein Comeback des Rekordnationaltorwarts öffnete sich wieder.

Auch im Umfeld des FC Bayern wuchs der Zuspruch. Mitspieler sollen Neuer dazu gedrängt haben, seinen Rückzug aus der Nationalmannschaft noch einmal zu überdenken. Auch seine Familie sprach sich für eine mögliche WM-Teilnahme aus. Am 21. Mai 2026 folgte schließlich die offizielle Bestätigung: Zwei Jahre nach seinem Rücktritt kehrt Neuer zur Weltmeisterschaft zurück.

Nagelsmann begründete die Entscheidung mit wenigen, aber klaren Worten: „Jeder weiß, welche Aura Manu hat, welche Qualitäten er hat, was er einer Mannschaft gibt. Er wird der Mannschaft helfen.“

WM 2026 – Neuers letzter Tanz

Mit 40 Jahren steht Manuel Neuer vor seiner fünften Weltmeisterschaft — ein Meilenstein, den vor ihm noch kein deutscher Torhüter erreicht hat. Kurz vor dem Turnier sorgt jedoch seine Wade für Fragezeichen: Die letzten Vorbereitungsspiele gegen Finnland und die USA musste der Bayern-Keeper verletzungsbedingt auslassen.

Dennoch wird erwartet, dass Neuer zum WM-Auftakt gegen Curaçao rechtzeitig fit ist und im Tor der DFB-Elf stehen kann. Es dürfte sein letztes Turnier auf der großen WM-Bühne werden — und die Hoffnung ist groß, dass einer der prägendsten Torhüter der Fußballgeschichte noch einmal den passenden Rahmen für seinen Abschied erhält.

Manuel Neuer: Der Maßstab im weltweiten Torwartspiel

Manuel Neuer hat das moderne Torwartspiel neu definiert. Mit Schalke wurde er zum Bundesliga-Star, beim FC Bayern zur Titelfigur und mit der Nationalmannschaft zum Weltmeister. Seine Erfolge und Auszeichnungen unterstreichen eine außergewöhnliche Karriere zwischen Rekorden, Pokalen und prägenden Momenten.

 

FC Schalke 04

  • Vize-Meister Bundesliga: 2007, 2010
  • DFB-Pokal: 2011
  • Bester Torwart der Bundesliga-Saison (Wahl der Kollegen): 2007

FC Bayern München

  • Deutscher Meister: 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2019, 2020, 2021, 2022, 2023, 2025, 2026
  • DFB-Pokal: 2013, 2014, 2016, 2019, 2020, 2026
  • UEFA Champions League: 2013, 2020
  • UEFA Super Cup: 2013, 2020
  • FIFA Klub-Weltmeisterschaft: 2013, 2020
  • DFL-Supercup: 2012, 2016, 2018, 2020, 2021, 2022
  • Franz-Beckenbauer-Supercup: 2025 (Man of the Match)

Nationalmannschaft

  • Weltmeister: 2014 (Brasilien)
  • Dritter Platz WM: 2010 (Südafrika)
  • U21-Europameister: 2009
  • EM-Halbfinalist 2012 und 2016

Individuelle Auszeichnungen

  • FIFA-Welttorhüter des Jahres: 2020
  • IFFHS-Welttorhüter des Jahres: 2013, 2014, 2015, 2016, 2020
  • Goldener Handschuh (bester Torwart WM 2014)
  • Bester Torwart UEFA Champions League: 2013, 2020
  • Bester Torwart Bundesliga (kicker): 2006/07, 2010/11, 2013/14, 2014/15, 2015/16, 2016/17, 2019/20, 2020/21, 2021/22.
  • UEFA Champions League Torwart der Saison 2019/20
  • Deutscher Rekordnationaltorwart: seit 2020 (124 Länderspiele, Stand WM-Kader 2026)
  • Erster Torwart der Geschichte, der für Deutschland bei fünf Weltmeisterschaften im Kader steht: 2010, 2014, 2018, 2022, 2026
  • Dreimal Gewinner des Goldenen Handschuhs von torwart.de - Bester Bundesligatorwart

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