Der Weg durch das Red-Bull-System
Lawrence Ati Zigi ist in Deutschland nahezu unbekannt. In der Ostschweiz hingegen ist er eine Institution. Der Torhüter, geboren am 29. November 1996 — laut Wikipedia in Tamale, laut deutschen Quellen in Accra, die Quellen sind sich hier nicht ganz einig — gehört seit über fünf Jahren zum FC St. Gallen. Wer einmal erlebt hat, wie der Espenblock seinen Namen skandiert, begreift, welchen Stellenwert er dort hat. Im Oktober 2025 enthüllte der komplette Espenblock eine überdimensionale Choreo zu seinen Ehren. Das passiert nicht mit jedem Torhüter.
Seine Laufbahn begann Ati Zigi bei Red Bull Ghana, dem Nachwuchszentrum des Konzerns in seiner Heimat. Im Januar 2015 folgte der Wechsel nach Österreich zum FC Liefering, dem Farmteam von Red Bull Salzburg. Er war gerade 18 Jahre alt. In der zweiten österreichischen Liga sammelte er erste Profierfahrung, wurde zeitweise in den Kader des FC Red Bull Salzburg hochgezogen — zu einem Bundesligaeinsatz reichte es aber nicht.
Sochaux, St. Gallen — und die Ankunft
Im Sommer 2017 wechselte er in die zweite französische Liga zum FC Sochaux, wo er in drei Spielzeiten 23 Partien bestritt, ohne sich dauerhaft als Stammkeeper durchzusetzen. Im Januar 2020 folgte dann der Wechsel, der aus ihm das wurde, was er heute ist: Er wechselte in die Schweiz zum FC St. Gallen — gelockt von seinem damaligen Trainer Peter Zeidler, über den er später sagen würde: „Er ist für mich wie ein Vater." Als Publikumsliebling wurde sein Vertrag zuerst bis 2025, dann bis 2027 verlängert.
In St. Gallen fand Ati Zigi endlich den Rhythmus, den er zuvor vermisst hatte. Saison für Saison zählte er zu den besten Torhütern der Liga. Nebenbei lernte er die Eigenheiten seiner neuen Heimat kennen — manchmal auf unerwartete Weise. Am Openair Frauenfeld entdeckte er eines Tages an einem Stand das Wort „Zigi" angeschrieben. „Ich dachte: Was macht mein Name dort? Dann haben sie mir erklärt, dass es Zigaretten sind. Ich war zuerst schockiert, aber dann musste ich lachen." Dabei hat er mit Tabak ungefähr so viel am Hut wie mit Alkohol — nämlich gar nichts. Nicht aus religiösen, sondern aus sportlichen Gründen: „Als Torhüter brauche ich viel Energie. Deshalb ist das für mich kein Thema." Zum Ausgleich zeichnet er. Landschaften, Menschen, Tiere — „einfach alles", sagt er. Ein ruhiger Gegenpool zum aufwühlenden Torhüteralltag.
In der Saison 2025/26 ist er mit einer Durchschnittsbewertung von 7,26 der bestbewertetste Keeper der Schweizer Super League, bei einer Abwehrquote von 74 Prozent.
Der Cupsieger
Das i-Tüpfelchen setzte der Schweizer Cup im Mai 2026. Im Finale gegen Stade Lausanne-Ouchy im Wankdorf war Ati Zigi eigentlich als Backup eingeplant — doch kurz vor der Halbzeit flog Stammtorhüter Watkowiak mit der roten Karte vom Platz. Ati Zigi kam rein, lieferte in seinen 46 Minuten eine ruhige, fehlerlose Leistung, hielt die Null und wurde zum Man of the Match gekürt. St. Gallen gewann 3:0 — der erste Schweizer Cupsieg des Klubs seit 1969. Auf den Siegerchampagner verzichtete Zigi standhaft. „Ich würde einfach den Moment mit der Mannschaft und der Stadt geniessen."
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