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Home > WM 2026 > WM-Kompakt > Manuel Neuer und das Rätsel um die Aura

Der 40-Jährige über seine Aura im Tor, den Weg zurück ins DFB-Team und seine Einschätzung zur Elfenbeinküste

Manuel Neuer und die Aura

Autor: T. Rübe - 20.06.2026

Vor dem zweiten Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste trat Manuel Neuer im WM-Quartier in Winston-Salem vor die Medien – und lieferte eine der aufschlussreichsten Pressekonferenzen seiner Karriere. Der 40-Jährige sprach offen über seine Aura als Torhüter, die Hintergründe seines Comebacks, den Umgang mit Social-Media-Kritik und sein Verhältnis zur jungen Mannschaftsgeneration. Eines machte er dabei unmissverständlich klar: Diese WM 2026 soll sein letzter Auftritt im DFB-Trikot sein – und er will ihn mit dem Titel krönen.

Analyse der Elfenbeinküste: Warnung vor Konter und Eins-gegen-Eins

Auch auf den bevorstehenden Gegner ging Neuer auf der Pressekonferenz ein und zeichnete ein klares taktisches Bild der Elfenbeinküste. Der 40-Jährige warnte ausdrücklich vor der Konter- und Zweikampfstärke der Ivorer: "Sie lieben das Eins-gegen-Eins. Die Jungs sind es gewohnt, in solchen klimatischen Verhältnissen zu spielen. Sie suchen Kontersituationen. Wir müssen gewappnet sein." Gleichzeitig erwartet Neuer Deutschland in einer klar dominierenden Rolle: "Ich gehe davon aus, dass wir sehr viel in Ballbesitz sein werden. Und da ist es wichtig, die Restverteidigung gut zu positionieren. Wir werden Fehler machen, das ist normal. Aber wenn wir gut positioniert sind, können wir den Ball erobern und weiter angreifen." Das übergeordnete Ziel formulierte er dabei unmissverständlich: “Es wäre wichtig, sich schon nach dem zweiten Spiel für die K.o.-Runde zu qualifizieren.”

Die Aura des Keepers und nonverbale Kommunikation

Immer wieder wurde auch im Hinblick auf die Weltmeisterschaft bei Manuel Neuer von einer besonderen Aura gesprochen. Auf der Pressekonferenz am Donnerstag vor dem zweiten Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste wurde der 40-Jährige auch darauf angesprochen. Eine allgemeingültige Antwort hatte der Keeper aber auch nicht parat – und quittierte die Frage zunächst mit einem Augenzwinkern: "Das müssen Sie jetzt sagen, ich bin ja gerade in den Raum gekommen." Vielmehr sprach er von einem gewissen Erscheinungsbild und einem gewissen Auftritt, welcher die Angreifer beeindrucken könnte. Gleichzeitig betonte er auch, mit der eigenen Körpersprache den Mitspielern Vertrauen zu vermitteln und ein gutes Gefühl zu geben. Dabei gehe es dem Keeper zufolge auch um nonverbale Kommunikation.

Der Weg zum Comeback unter Julian Nagelsmann

Nach medialer Auffassung strahlt der Torhüter seit seinen Heldentaten bei der WM 2014 eine gewisse Unbezwingbarkeit aus. Demnach würde das Tor mit Neuer im Tor für den Gegner sprichwörtlich kleiner werden. Auch deswegen wurde der Torhüter reaktiviert, wobei ihn auch nach eigener Aussage die eigenen Leistungen zu diesem Comeback bestärkt hatten. Gleichsam sei der Kontakt zu Bundestrainer Julian Nagelsmann bereits im Frühjahr entstanden, als Neuer noch aufgrund eines Muskelfaserrisses angeschlagen war. In erster Linie sei es zu diesem Zeitpunkt darum gegangen, dass Neuer sich entsprechend fühle und auch regelmäßig trainiere. Gleichzeitig stand von Beginn an die Frage im Raum, ob er auch in der aktuellen Verfassung ein Turnier spielen könne. Einen konkreten Zeitpunkt für die endgültige Entscheidung könne er "gar nicht benennen", so Neuer: "Das hat sich einfach so entwickelt. Das hat auch mit meiner Leistung zu tun, nachdem ich aus der Verletzung zurückgekommen bin." Noch einmal dabei zu sein, beschrieb er als "absolutes Geschenk".

Letztes Turnier und erste Abschiedsgedanken

Allerdings betonte der Torhüter auch, dass er fest davon ausgeht, dass es sein letztes Turnier sein wird und er nicht noch einmal in zwei Jahren bei einer Europameisterschaft im Tor stehen werde. Zugleich offenbarte er, sich erstmals mit dem nahenden Ende auseinanderzusetzen: "Ich hatte mich in den letzten Tagen das erste Mal damit auseinandergesetzt, dass das meine letzten Spiele für Deutschland sein können." Mit Abschieden wolle er sich in diesen Tagen aber nicht beschäftigen. "Ich möchte mich dahingehend auch mit nichts mehr in diese Richtung beschäftigen, weil ich nach vorne schaue und mich auf alle Spiele freue. Ich denke nicht an irgendeinen Abschied von einem besonderen Trikot."

Der richtige Zeitpunkt für den Rücktritt und die Belastung bei Bayern

Ebenso wie die Rückkehr für die Weltmeisterschaft sich noch einmal richtig anfühle, sei auch der Rücktritt aus der Nationalmannschaft nach der Europameisterschaft 2024 im eigenen Land der richtige Schritt zur richtigen Zeit gewesen. Nach seiner ehrlichen Einschätzung hätte er auch die vergangenen zwei Jahre mit der zusätzlichen Belastung in der Nationalmannschaft nicht durchgestanden, da er auch aufgrund der erfolgreichen Zeit der Bayern unter Trainer Vincent Kompany viele Spiele mit einer entsprechenden Belastung absolvierte.

Das Verhältnis zu Oliver Baumann und der Konkurrenzkampf

In diesem Zusammenhang hob er auch die Leistungen von Oliver Baumann in der WM-Qualifikation hervor. So sagte er: "Ich denke auch, dass Oli das in der Qualifikation herausragend gemacht hat und dass wir wissen, dass wir vier sehr gute Torhüter dabei haben und wir uns jederzeit darauf verlassen können, dass hinten drin ein sehr guter Rückhalt im Tor steht." In der Vorbereitung auf das Turnier in Herzogenaurach hat sich Neuer sehr lange mit Oliver Baumann ausgetauscht, auch im Hinblick auf sein Comeback. Der 40-Jährige betonte zudem, dass sie sich im Training permanent unterstützen und pushen. Darüber hinaus sprach er auch von einem sehr guten Verhältnis, welches er mit Baumann habe.

Jonas Urbig: "Kein Trainingstorwart, sondern kompletter Bestandteil"

Besondere Aufmerksamkeit widmete Neuer auch Jonas Urbig, der als vierter Torhüter außerhalb des offiziellen Kaders mit nach Amerika gereist ist und beim Training fest in der Torwartgruppe integriert ist. Den 22-Jährigen wollte er keinesfalls auf die Rolle des reinen Übungspartners reduzieren: "Jonas und ich kennen uns bestens, er ist eine Bereicherung für diese Mannschaft. Er trainiert auf dem höchsten Level, er gibt auch hinsichtlich seiner Zukunft Gas. Es ist für ihn wichtig, Turnierluft zu schnuppern, die Abläufe kennenzulernen und das Team zu unterstützen. Ich sehe ihn nicht als Trainingstorwart, sondern als kompletten Bestandteil unserer Mannschaft." Auf die Frage, ob Urbig sein Nachfolger als DFB-Nummer eins werden könnte, vermied Neuer eine klare Festlegung – ließ aber eine deutliche Wertschätzung durchklingen: "Jonas ist auf einem sehr guten Weg, er hat alles in der eigenen Hand."

Die Mannschaft: Eine gesunde Mischung aus Jung und Alt

Auf die Qualität des aktuellen DFB-Kaders angesprochen, zeigte sich Neuer ausgesprochen zuversichtlich. Er lobte das Ensemble als gesunde Mischung: "Von frechen, jungen Spielern, die sehr agil sind, von erfahrenen Spielern, die viel erlebt haben und die alle eine gute Saison in ihren Vereinen gespielt haben." Die Kombination aus etablierten Kräften und der Unbekümmertheit der jüngeren Generation sieht er als eine der größten Stärken dieser Mannschaft.

Titelchancen: "Ich traue es der Mannschaft zu"

Entsprechend klar fiel auch Neuers Einschätzung zu den WM-Titelchancen aus. Der Torhüter gab sich unmissverständlich: "Ich traue es der Mannschaft auf jeden Fall zu, sonst wäre ich nicht hier." Nochmals dabei zu sein, beschrieb er als absolutes Geschenk – und er machte keinen Hehl daraus, welches Ziel er vor Augen hat: “Für mich wäre es natürlich etwas ganz besonderes, das ein zweites Mal zu schaffen. Wenn ich diese Chance nicht sehen würde, dass wir die Möglichkeit mit unserer Mannschaft haben, das auch zu schaffen, dann würde ich jetzt hier nicht sitzen.”

Persönliches: Familie und der kleine Sohn

Abseits des sportlichen Fokus gewährte Neuer auch einen persönlichen Einblick in seinen WM-Alltag. Während des Turniers kann er seine Frau und seinen zweijährigen Sohn lediglich per Video-Call erreichen. Mit einer Prise Humor schilderte er die Situation kurz vor Beginn der Pressekonferenz: "Ich habe den Kleinen jetzt gerade quasi ins Bett gebracht vor der Pressekonferenz."

 




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