Vom Überraschungsmann zur festen spanischen Nummer eins
Unai Simón war bei der Europameisterschaft 2020, die 2021 ausgetragen wurde, zunächst eine der großen Überraschungen im spanischen Nationalteam. Vor dem Turnier hatten viele Beobachter eher mit David de Gea von Manchester United oder Kepa Arrizabalaga vom FC Chelsea als Nummer eins gerechnet. Beide waren große Namen, beide hatten aber in ihren Vereinen schwierige Phasen hinter sich. Luis Enrique entschied sich für Simón — und machte damit einen Torhüter zur Nummer eins, der damals international noch nicht so prominent war.
Inzwischen ist diese Entscheidung längst keine Überraschung mehr. Simón ist aus der spanischen Nationalmannschaft nicht mehr wegzudenken. Er wurde mit Spanien Nations-League-Sieger 2023, Europameister 2024 und geht auch bei der Weltmeisterschaft 2026 als einer der prägenden Torhüter der „Furia Roja“ in das Turnier.
Der Torwart aus dem Baskenland
Der am 11. Juni 1997 in Vitoria-Gasteiz geborene Torhüter ist stark durch das Baskenland geprägt. Simón wuchs in der Region auf, wurde dort fußballerisch ausgebildet und steht bis heute für einen Weg, der eng mit der besonderen Kultur von Athletic Club verbunden ist.
Athletic Bilbao ist im spanischen Fußball ein Ausnahmeverein. Seit der Ligagründung 1928 spielt der Klub ununterbrochen erstklassig und folgt bis heute seiner besonderen Philosophie: Für Athletic spielen traditionell nur baskische Spieler oder Spieler, die im baskischen Fußball ausgebildet wurden. Diese Identität prägt den Verein — und sie prägt auch Simóns Karriere.
Der Weg zu Bilbaos Nummer eins
Unai Simón begann in seiner Heimat bei CD Aurrerá de Vitoria mit dem Fußballspielen. 2011 kam er mit 14 Jahren zu Athletic Bilbao und durchlief dort die Ausbildung in Lezama, der renommierten Nachwuchsakademie des Klubs.
2014 spielte er für CD Baskonia, das Farmteam von Athletic. Wenig später rückte er in den Kreis von Bilbao Athletic, der zweiten Mannschaft des Vereins. Die B-Mannschaft stieg in der Saison 2014/15 in die Segunda División auf, ehe sie ein Jahr später wieder abstieg. Simón sammelte in dieser Phase wichtige Erfahrung im Übergang vom Nachwuchs- in den Erwachsenenfußball.
Im Sommer 2018 wurde er zunächst an den FC Elche verliehen. Noch vor Saisonbeginn holte Athletic ihn jedoch zurück. Der Grund war eine besondere Konstellation: Kepa Arrizabalaga wechselte für eine Rekordsumme zum FC Chelsea, Iago Herrerín war verletzt, und plötzlich öffnete sich für Simón die Tür zur ersten Mannschaft.
Am 20. August 2018 feierte Simón sein La-Liga-Debüt für Athletic beim 2:1 gegen CD Leganés. Aus einer Notsituation wurde der Beginn einer langen Stammtorhüterzeit. Simón nutzte seine Chance und entwickelte sich in Bilbao zu einem der stärksten spanischen Torhüter seiner Generation.
Athletic Club — Konstanz und Zamora-Trophäe
Seit seinem Debüt hat Simón weit über 200 Pflichtspiele für Athletic absolviert und zahlreiche Zu-Null-Spiele gesammelt. Bei Athletic wurde er nicht nur Stammtorhüter, sondern einer der prägenden Spieler der Mannschaft.
Seinen größten individuellen Erfolg auf Vereinsebene feierte er in der Saison 2023/24, als er die Zamora-Trophäe als bester Torhüter der spanischen Liga gewann. Diese Auszeichnung unterstrich seinen Stellenwert: Simón war längst nicht mehr nur ein solider La-Liga-Keeper, sondern einer der besten Torhüter Spaniens.
Im Mai 2024 verlängerte er seinen Vertrag bei Athletic langfristig bis 2029. Damit blieb er dem Klub treu, der ihn ausgebildet und zur Nummer eins gemacht hatte.
Torwartprofil: Ruhe, Stellungsspiel und klare Entscheidungen
Simón ist ein Torhüter, der nicht nur über spektakuläre Reflexe definiert wird. Seine größte Stärke liegt in seiner Ruhe, seinem Stellungsspiel und seiner Fähigkeit, Spielsituationen früh zu lesen. Mit 1,90 Meter bringt er die körperlichen Voraussetzungen eines modernen Keepers mit, wirkt dabei aber vor allem durch seine Klarheit und sein Timing.
Im Spielaufbau ist Simón ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Er kann flach eröffnen, bleibt unter Druck meist ruhig und passt gut zu einer spanischen Mannschaft, die viel Wert auf Ballkontrolle legt. Gleichzeitig ist er auf der Linie stark genug, um in engen Spielen entscheidende Paraden zu liefern.
Seine Karriere zeigt auch, dass er mental belastbar ist. Gerade im spanischen Nationalteam musste Simón früh mit Druck umgehen. Fehler, wie bei der EURO 2020 im Achtelfinale gegen Kroatien, wurden öffentlich diskutiert. Dass er danach stabil blieb und sich langfristig als Nummer eins etablierte, spricht für seine Persönlichkeit.
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