Marokko belohnt mutigen Beginn – Vinícius antwortet mit Einzelklasse
Zum Auftakt der Gruppe C trennten sich Rekordweltmeister Brasilien und Afrika-Cup-Sieger Marokko vor über 80.000 Zuschauern im MetLife Stadium mit einem leistungsgerechten Remis. Es war ein intensives, zweikampfbetontes Duell mit wenigen Großchancen – und mit einer Selecao, die zwei Gesichter zeigte: über weite Strecken der ersten Hälfte fahrig und ohne Zugriff, nach der Pause deutlich griffiger.
Carlo Ancelotti musste auf den verletzten Neymar verzichten, schickte aber mit Marquinhos, Casemiro, Raphinha und Vinícius Junior reichlich Prominenz auf den Platz. Brasilien ordnete sich um Ballbesitz, fand jedoch kaum Pressingresistenz gegen die mutig anlaufenden Atlas-Löwen. Marokko, bei der WM-Premiere von Trainer Mohamed Ouahbi taktisch klar strukturiert, eroberte über aggressives Anlaufen wiederholt das Spielgerät und kam über El Aynaoui (6.) zur ersten Möglichkeit. Brasilien war um Kontrolle bemüht, konnte sie aber nicht herstellen – die Offensivaktionen beschränkten sich fast ausschließlich auf Vinícius.
Die marokkanische Führung war dem Spielverlauf angemessen und entsprang einem Aufbaufehler im Zentrum der Selecao: Brahim Diaz steckte aus dem Mittelfeld punktgenau in den Halbraum durch, Saibari löste sich aus der Zuordnung und überlupfte den herausstürmenden Alisson gekonnt (21.). Die brasilianische Restverteidigung agierte hier zu passiv, das Herausrücken war nicht abgestimmt. Den Ausgleich besorgte folgerichtig die Einzelklasse: Vinícius zog aus halblinker Position nach innen und schoss aus der Distanz unhaltbar ins lange Eck (32.) – ein für den Spielverlauf schmeichelhafter Treffer.
Brasilien steigert sich – Alisson rettet spät den Punkt
Zur Pause korrigierte Ancelotti und brachte Danilo und Fabinho für die verwarnten und enttäuschenden Roger Ibanez und Casemiro. Brasilien wirkte nun entschlossener, kompakter in den zweiten Bällen und kam durch Igor Thiago (52.) zur ersten echten Prüfung für Bono. Das Momentum kippte zugunsten der Südamerikaner, ohne dass daraus zwingende Torraumszenen entstanden – Raphinha verpasste eine scharfe Hereingabe nur knapp (67.). Marokko zog sich zunehmend zurück, lauerte aber auf Umschaltmomente.
Die gefährlichsten Szenen fielen in die zehnminütige Nachspielzeit: Erst scheiterte Joker Danilo Santos (90.+3), dann auf der Gegenseite der eingewechselte Amaimouni-Echghouyab am jeweiligen Keeper (90.+9). Beim Schlusspfiff stand ein Remis, das Marokkos couragiertem Auftritt ebenso gerecht wurde wie Brasiliens Steigerung nach der Pause. Leistungsträger der Selecao war Vinícius, die Schwachstelle lag in der über weite Strecken fehlenden Mittelfeldkompaktheit. Für beide Teams ist es ein Resultat, mit dem sich in der ausgeglichenen Gruppe arbeiten lässt – Brasilien trifft als Nächstes auf Haiti, Marokko auf Schottland.
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