Die Kanadier taten sich schwer, die Räume, die sich vor allem mehrfach über die linke Seite ergaben, auch in nennenswerte Offensivaktionen umzusetzen. Somit war Williams zunächst lediglich in den Spielaufbau eingebunden. Hierbei zeigte sich jedoch mehrfach, dass der Keeper lediglich mit dem rechten Fuß agierte. Dadurch brachte er das eine oder andere Mal auch den Mitspieler mit unsauberen Pässen in Bedrängnis.
Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit wurde Kanada dann stärker und hatte noch die eine oder andere nennenswerte Chance. Hierbei gab es zunächst einen Schuss nach etwas mehr als einer halben Stunde aus relativ spitzem Winkel, den Williams aber im Nachfassen sichern konnte. Kurz vor der Pause gab es eine sehr unübersichtliche Aktion vor dem südafrikanischen Tor, doch mit vereinten Kräften konnte die südafrikanische Abwehr auch unter großem Zutun des Torhüters den Rückstand verhindern.
Auch nach der Pause hatte Kanada die besseren Chancen. Vor allen Dingen nach einer Stunde lag das 0:1 in der Luft, doch machte sich der südafrikanische Torwart im 1 gegen 1 ganz groß und konnte ganz stark mit dem Körper blocken. Zu Beginn der Schlussphase prüfte David den Torhüter mit einem Schuss aus spitzem Winkel in die kurze Ecke. Williams parierte aber gut. Zu Beginn der Nachspielzeit erzielte Eustáquio das goldene Tor für den Co-Gastgeber. Shaffelburg setzte sich rechts auf dem Flügel durch und passte dann scharf in die Mitte, wobei dieser Ball in den Rückraum zum Torschützen abgewehrt wurde, der aus leicht rechts versetzten 20 Metern den Ball flach in die lange Ecke setzte. Williams stand grundsätzlich gut, wies aber in seinem Stand eine sehr breite Position auf, sodass auch ein etwaiger Negativstep nicht wirklich zielführend erfolgte, sondern der Abdruck vielmehr mit dem ballfernen Bein passierte und ein kleiner Nachdruck mit dem ballnahen Bein noch nachgezogen wurde. Die entsprechende Reichweite konnte der Torhüter somit nicht mehr generieren und streckte sich daher vergeblich.
Erstmalig musste der kanadische Torhüter in der 6. Minute bei einem Distanzschuss auf die linke Ecke eingreifen. Den durchaus tückischen Aufsetzer konnte er noch zur Seite parieren, hatte aber Glück, dass die Südafrikaner auch nicht weiter nachsetzten. In der 22. Minute hatte Cornelius nach einer Freistoßflanke aus dem linken Halbfeld einen Kopfball aus kurzer Distanz zu verzeichnen. Diesen drückte er aber in die Hände des Torhüters.
Mit zunehmender Spieldauer war Kanada das bessere Team und ließ Südafrika in der Offensive kaum noch zum Zug kommen. Dadurch war Crépeau so gut wie gar nicht mehr im Fokus und hatte auch nur seltene Ballkontakte, da Kanada meist etwas höher den Druck aufbauen konnte. Somit war der Keeper auch nicht mehr gefordert.
Maxime Crépeau - Alistair Johnston, Moïse Bombito, Derek Cornelius, Richie Laryea - Tajon Buchanan, Nathan Saliba, Stephen Eustaquio, Liam Millar - Tani Oluwaseyi, Jonathan David
Trainer: Jesse Marsch
Einwechslungen:
59. ↑ Niko Sigur / ↓ Nathan Saliba
59. ↑ Luc De Fougerolles / ↓ Moïse Bombito
70. ↑ Promise David / ↓ Tani Oluwaseyi
70. ↑ Jacob Shaffelburg / ↓ Liam Millar
75. ↑ Alphonso Davies / ↓ Tajon Buchanan
Tore:
90+2. 0:1 Stephen Eustaquio (Rechtsschuss)
Schiedsrichter: João Pedro Silva Pinheiro (Portugal)
Offizielle Zuschauerzahl: 69237
Stadion:Los Angeles Stadium (Inglewood, California)
Eustaquio entscheidet in der Nachspielzeit: Kanada zieht mit 1:0 gegen hart kämpfende Südafrikaner ins Achtelfinale
Es war ein Spiel auf Messers Schneide – und Stephen Eustaquio zog es in der 90.+2. Minute auf seine Seite. Der Kapitän der Kanadier traf aus bester Position ins lange Eck und beendete damit eine Partie, in der Südafrikas Torwart Ronwen Williams sein Team mit einer außerordentlichen Leistung lange im Rennen gehalten hatte. Kanada steht im Achtelfinale der WM 2026.
Südafrika agierte im gewohnten 4-2-3-1 mit Relebohile Mofokeng als zehnendem Angreifer hinter Stoßstürmer Evidence Makgopa; Teboho Mokoena und Sphephelo Sithole bildeten das Doppelpivot. Kanada setzte auf ein kompakteres 4-4-2, in dem Jonathan David und Tani Oluwaseyi das Sturmduo bildeten und Tajon Buchanan auf dem rechten Flügel für Gefahr sorgen sollte. Die Partie war von Beginn an ein taktisches Abtasten: Südafrika bemüht, aber im Abschluss harmlos; Kanada zielstrebiger, aber zunächst ebenfalls nicht zwingend.
Im ersten Durchgang war Williams der auffälligste Mann auf dem Platz – allerdings auf der Seite des Verlierers. Er parierte einen Kopfball von Derek Cornelius (22.), hielt Oluwaseyis Schuss aus dem linken Halbraum (35.) und bewahrte seine Farben kurz vor der Pause gleich zweimal: zunächst gegen einen Kopfball von Bombito (44.), dann reflexartig gegen Buchanan aus halbrechter Position (xGOT: 0,28, 44.). Südafrikas Offensivbemühen beschränkte sich auf einen harmlosen Mokoena-Fernschuss in der 6. Minute.
Kanada reagierte nach der Pause mit Doppelwechsel: Niko Sigur für den gelbverwarnten Nathan Saliba, Luc De Fougerolles für Bombito (59.). Sigur sah allerdings bereits in der 67. Minute selbst Gelb – ein holpriger Einstand. Der Druck der Kanadier wuchs: Williams rettete erneut gegen Oluwaseyi in der 65. Minute mit einer seiner stärksten Aktionen des Abends (xGOT: 0,34), und auch Jonathan David scheiterte in der 78. Minute am südafrikanischen Keeper. In der 75. Minute brachte Kanada mit Alphonso Davies einen weiteren Impulsgeber für den gesenkten Buchanan – die Partie blieb aber torlos. Südafrika warf nach dem Doppelwechsel in der 86. Minute (Rayners für Makgopa, Moremi für Maseko) alles nach vorne, ohne den Strafraum der Kanadier ernsthaft zu gefährden.
Das Gegentor war dann eine Frage der Qualität: Eustaquio zog in der 90.+2. Minute mit rechts ab, platzierte den Ball präzise ins lange Eck – ein hochwertiger Abschluss aus zentraler Position (xGOT: 0,66), dem Williams diesmal nichts entgegensetzen konnte. Das war der erste und einzige Treffer des Abends.
Südafrika schied aus trotz einer außergewöhnlichen Torwartleistung und einer insgesamt ordentlichen Defensive – das Problem lag im Angriff, der dem gegnerischen Keeper insgesamt gerade einmal xGOT von 0,04 zumutete. Kanada war effizienter, ohne dabei glänzend zu spielen.
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