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Die Keeper-Bilanz der ersten beiden KO-Runden: Underdogs verzaubern, Favoriten liefern

Eine Torwart-Analyse für das Sechzehntel- und Achtelfinale der WM 2026

Große Namen, überraschende Helden und bittere Wendungen: Die ersten beiden K.-o.-Runden dieser Weltmeisterschaft haben eindrucksvoll gezeigt, wie entscheidend die Torhüterposition in engen Spielen sein kann.

Ein Paraguayer mit einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte warf Deutschland aus dem Turnier. Ein lange hinter Yann Sommer stehender Schweizer führte sein Land erstmals seit 1954 wieder in ein WM-Viertelfinale. Ein zu diesem Zeitpunkt vereinsloser Norweger wurde zum entscheidenden Faktor beim Sieg über Brasilien. Andere Torhüter mussten dagegen erfahren, wie schnell eine starke Turniergeschichte durch einen einzigen Fehler oder eine unglückliche Entscheidung überschattet werden kann.

Der Blick auf die prägenden Keeper der ersten K.-o.-Runden – von den großen Überraschungen bis zu den etablierten Namen.

Teil 1: Die Underdog-Geschichten

Orlando Gill – vom Zweitliga-Ersatzmann zum Deutschland-Schreck

Orlando Gill – vom unbekannten Keeper zum Deutschland-Schreck

Keine Torwartgeschichte dieser WM ist bislang bewegender als die von Orlando Gill. Der Paraguayer musste in seiner Karriere lange auf den großen Durchbruch warten. Als sein frühgeborener Sohn intensivmedizinisch behandelt werden musste, verkaufte Gill persönliche Erinnerungsstücke, um die anfallenden Kosten bezahlen zu können. Dazu gehörte auch ein Trikot aus seiner Zeit in der paraguayischen U20-Nationalmannschaft.

Bei dieser Weltmeisterschaft wurde er nun zum Nationalhelden.

In der Runde der letzten 32 gegen Deutschland hielt Gill seine Mannschaft zunächst während des Spiels im Rennen. Paraguay war durch Julio Enciso in Führung gegangen, Kai Havertz glich nach der Pause aus. Nach 120 Minuten stand es 1:1.

Im Elfmeterschießen schlug schließlich Gills große Stunde. Der Torhüter parierte zwei deutsche Versuche und hatte entscheidenden Anteil daran, dass Paraguay das Elfmeterschießen mit 4:3 gewann und erstmals seit 2010 wieder ein K.-o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft für sich entschied.

Auch im Achtelfinale gegen Frankreich bestätigte Gill seine starke Turnierform. Paraguay verteidigte tief und ließ nur wenige klare Chancen zu. Wenn Frankreich dennoch durchkam, war der Schlussmann zur Stelle. Erst ein von Kylian Mbappé verwandelter Foulelfmeter brachte den Favoriten auf die Siegerstraße. Paraguay verlor knapp mit 0:1.

Die Einordnung: Gill war eine der großen Entdeckungen dieser Weltmeisterschaft. Seine Ruhe, seine Reichweite und seine Präsenz im Elfmeterschießen machten ihn zu einem entscheidenden Faktor für Paraguay. Dass seine Mannschaft nach dem Sieg gegen Deutschland auch Frankreich lange vor große Probleme stellte, war eng mit seinen Leistungen verbunden.

Gregor Kobel – vom ewigen Ersatzmann zum Schweizer WM-Helden

Über Jahre hinweg führte in der Schweizer Nationalmannschaft kein Weg an Yann Sommer vorbei. Gregor Kobel gehörte zwar längst zu den besten Torhütern der Bundesliga, musste sich im Nationalteam aber gedulden.

Bei dieser Weltmeisterschaft ist er endgültig zur Schweizer Nummer eins und zum entscheidenden Rückhalt seiner Mannschaft geworden.

Im Achtelfinale gegen Kolumbien blieb die Partie über 120 Minuten torlos. Kobel bewahrte die Schweiz vor allem in der Verlängerung mehrfach vor dem Rückstand. Bei einem gefährlichen Abschluss von Luis Díaz reagierte er stark und lenkte den Ball über die Latte. Auch bei einem kolumbianischen Kopfball, der am Aluminium landete, war Kobel noch entscheidend beteiligt.

Im Elfmeterschießen hielt er schließlich den Versuch von Cucho Hernández. Weil ein weiterer kolumbianischer Schütze an der Latte scheiterte, setzte sich die Schweiz mit 4:3 durch und erreichte erstmals seit der Heim-WM 1954 wieder ein Viertelfinale.

Die Einordnung: Kobel hat seine Chance genutzt. Er war nicht der alleinige Grund für das Weiterkommen, aber der entscheidende Mann in den wichtigsten Momenten. Im Viertelfinale gegen Titelverteidiger Argentinien wartet nun die bislang größte Herausforderung des Turniers.

Mostafa Shobeir – Ägyptens Fels, der sogar Messi bezwang

Mostafa Shobeir steigerte sich im Verlauf der K.-o.-Runde deutlich. Gegen Australien wurde er zunächst vor allem durch Distanzschüsse und hohe Bälle geprüft. Im anschließenden Elfmeterschießen musste er nicht zur großen Hauptfigur werden, weil zwei australische Schützen ihre Versuche nicht im Tor unterbrachten. Ägypten setzte sich mit 4:2 durch.

Im Achtelfinale gegen Argentinien rückte Shobeir dann in den Mittelpunkt. Bereits in der ersten Halbzeit parierte er einen Foulelfmeter von Lionel Messi. Kurz darauf verhinderte er mit weiteren starken Reaktionen gegen Alexis Mac Allister und Julián Álvarez einen frühen argentinischen Treffer.

Ägypten führte nach Toren von Yasser Ibrahim und Mostafa Mohamed, genannt Zizo, zwischenzeitlich mit 2:0. In der Schlussphase erhöhte der Titelverteidiger jedoch den Druck. Cristian Romero, Messi und Enzo Fernández drehten die Partie noch in einen 3:2-Erfolg für Argentinien.

Die Einordnung: Trotz des Ausscheidens gehörte Shobeir zu den auffälligsten Torhütern des Achtelfinals. Der gehaltene Messi-Elfmeter war sein großer Moment. Noch wichtiger war jedoch, dass er Ägypten mit mehreren Paraden lange von einer historischen Überraschung träumen ließ.

Örjan Nyland – der Vereinslose, der Brasilien das Herz brach

Norwegens 2:1 gegen Brasilien war eines der spektakulärsten Spiele des Achtelfinals – und Örjan Nyland einer seiner Hauptdarsteller.

Der 35-Jährige war nach dem Ende seines Vertrages beim FC Sevilla ohne Verein in das Spiel gegangen. Gegen den Rekordweltmeister zeigte er eine seiner besten Leistungen im Nationaltrikot.

Bereits in der ersten Halbzeit parierte Nyland einen Foulelfmeter von Bruno Guimarães. Anschließend entschärfte er weitere gefährliche Abschlüsse der Brasilianer, darunter eine große Möglichkeit von Vinícius Júnior. Auch nach der Pause blieb er bei Chancen aus kurzer Distanz reaktionsschnell.

Auf der anderen Seite hielt Alisson Brasilien zunächst ebenfalls im Spiel. Am Ende entschied Erling Haaland die Partie mit zwei Treffern zugunsten der Norweger. Brasilien gelang nur noch der Anschlusstreffer. Norwegen erreichte damit erstmals ein WM-Viertelfinale.

Schon in der vorherigen Runde gegen die Elfenbeinküste hatte Nyland in der Schlussphase mit einer wichtigen Parade den norwegischen Sieg festgehalten.

Die Einordnung: Nyland war nicht nur gegen Brasilien stark, sondern einer der konstantesten norwegischen Spieler während des Turniers. Seine Leistungen zeigen, wie wenig der aktuelle Vereinsstatus über die Qualität eines Torhüters aussagen muss.

Patrick Beach – Australiens Entdeckung, am Ende auf der Bank

Patrick Beach gehörte zu den positiven Überraschungen der australischen Mannschaft. Der erst 22 Jahre alte Torhüter hatte sich im Verlauf des Turniers mit starken Reflexen und mutigem Stellungsspiel in den Vordergrund gespielt.

Besonders auffällig was seine Vorstellung in der Gruppenphase gegen die Türkei, als er zahlreiche Abschlüsse abwehrte und Australien lange im Spiel hielt.

Auch in der Runde der letzten 32 gegen Ägypten zeigte Beach eine solide Leistung. Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit vereitelte er noch eine gefährliche Kopfballchance. Die Partie ging schließlich ins Elfmeterschießen.

Für dieses wechselte Nationaltrainer Tony Popovic Beach überraschend aus und brachte den erfahrenen Mat Ryan. Die Maßnahme zahlte sich nicht aus: Ryan parierte keinen der vier verwandelten ägyptischen Elfmeter, Australien verlor das Shootout mit 2:4.

Die Einordnung: Beachs Turnier wird nicht durch seine Auswechslung entwertet. Der junge Torhüter hat gezeigt, dass er eine langfristige Option für Australien sein kann. Die Entscheidung des Trainers wird dennoch diskutiert werden, weil Beach zuvor einer der besten australischen Spieler des Turniers gewesen war.

Raúl Rangel – Mexikos Bäcker-Torwart trifft auf seine Grenzen

Raúl Rangel ging mit einer nahezu makellosen Bilanz in das Achtelfinale gegen England. Der Torhüter hatte Guillermo Ochoa als mexikanische Nummer eins abgelöst und sich mit seinen Leistungen schnell das Vertrauen der Mannschaft und der Fans erarbeitet.

Bis zum England-Spiel war Mexiko ohne Gegentor durch das Turnier gekommen. Auch gegen den Favoriten hielt Rangel sein Team zunächst im Rennen. Nach der Pause geriet Mexiko jedoch zunehmend unter Druck.

Beim entscheidenden englischen Strafstoß kam Rangel gegen Anthony Gordon zu spät und brachte den Angreifer zu Fall. Harry Kane verwandelte den Elfmeter. England setzte sich in einem dramatischen Spiel mit 3:2 durch.

Die Einordnung: Der verursachte Elfmeter war eine der entscheidenden Szenen der Partie. Dennoch bleibt Rangels Gesamtleistung bei dieser Weltmeisterschaft positiv. Er hat gezeigt, dass Mexiko auch nach der Ära Ochoa über einen Torhüter mit internationalem Format verfügen kann.

Zion Suzuki – Japans Wächter scheiterte schon eine Runde früher

Zion Suzuki gehörte bereits in der Gruppenphase zu den auffälligsten jungen Torhütern des Turniers. Der in den USA geborene japanische Nationalspieler verbindet enorme Athletik mit einer offensiven Interpretation seiner Position.

In der Runde der letzten 32 gegen Brasilien hielt Japan lange eine knappe Führung. Viele brasilianische Distanzschüsse waren für Suzuki zunächst gut zu kontrollieren. Nach der Pause steigerte sich der Favorit jedoch deutlich.

Suzuki parierte zunächst einen Kopfball von Bruno Guimarães und rettete kurz darauf erneut in höchster Not. Erst anschließend gelang Casemiro der Ausgleich. Gabriel Martinelli erzielte in der fünften Minute der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer zum 2:1 für Brasilien.

Die Einordnung: Suzuki konnte das Ausscheiden nicht verhindern, bestätigte aber seine Entwicklung. Seine Reaktionen auf der Linie und sein Mut beim Herauslaufen machen ihn zu einem der interessantesten jungen Keeper im internationalen Fußball.

Yassine Bounou – Bono hält Marokko souverän im Rennen

Yassine Bounou, genannt Bono, war auch bei dieser Weltmeisterschaft ein entscheidender Stabilitätsfaktor für Marokko.

Bereits in der Runde der letzten 32 gegen die Niederlande spielte er eine wichtige Rolle. Nach einem 1:1 über 120 Minuten setzte sich Marokko im Elfmeterschießen mit 3:2 durch. Bono hielt dabei einen entscheidenden Versuch.

Im Achtelfinale gegen Kanada war der in Montreal geborene Torhüter vor allem zu Beginn gefordert. Bei einer frühen Gelegenheit von Tani Oluwaseyi verhinderte er den Rückstand. Später entschärfte er einen tückisch aufsetzenden Distanzschuss.

Nach der Pause kontrollierte Marokko die Partie zunehmend und gewann am Ende deutlich mit 3:0.

Die Einordnung: Bono muss nicht spektakulär wirken, um seiner Mannschaft Sicherheit zu geben. Seine Erfahrung, sein Stellungsspiel und seine Ruhe bei hohen Bällen machen ihn weiterhin zu einem der wichtigsten Spieler der marokkanischen Mannschaft.

Teil 2: Die etablierten Fußball-Nationen

Jordan Pickford – Kämpfer in Unterzahl auf 2.200 Metern

Das Achtelfinale zwischen Mexiko und England war schon vor dem Anpfiff ungewöhnlich. Ein Gewitter sorgte für eine lange Verzögerung, gespielt wurde anschließend vor einer gewaltigen Kulisse und in der Höhenlage von Mexiko-Stadt.

England gewann mit 3:2. Jude Bellingham traf zweimal, Harry Kane verwandelte einen Elfmeter.

Pickford wurde vor allem bei Kopfbällen von Raúl Jiménez geprüft. In der ersten Halbzeit reagierte er zweimal stark gegen den mexikanischen Angreifer. Nach der Roten Karte gegen Jarell Quansah musste England einen großen Teil der zweiten Hälfte in Unterzahl überstehen.

Pickford sicherte mehrere hohe Bälle, entschärfte Eckbälle und hielt in der Schlussphase einen Distanzschuss fest. Beim mexikanischen Foulelfmeter was er machtlos.

Die Einordnung: Pickford zeigte keine spektakuläre Parade für die Bilder des Turniers, aber eine konzentrierte Leistung unter erheblichem Druck. Nach einigen Unsicherheiten in den vorherigen Partien war das ein wichtiger Schritt. Im Viertelfinale gegen Norwegen wartet mit Haaland allerdings eine noch größere Aufgabe.

Thibaut Courtois – der Effiziente, der noch mehr zeigen muss

Belgien setzte sich im Achtelfinale mit 4:1 gegen die USA durch und erreichte zum vierten Mal ein WM-Viertelfinale.

Courtois stand dabei nicht dauerhaft im Mittelpunkt. Die belgische Mannschaft kontrollierte die entscheidenden Phasen und ließ nur wenige klare Möglichkeiten zu. Wenn die USA jedoch gefährlich wurden, wirkte der Torhüter aufmerksam.

In der Schlussphase verhinderte Courtois bei einem Abschluss von Folarin Balogun, dass die USA noch einmal Hoffnung schöpften.

Die Einordnung: Courtois erledigte seine Aufgaben zuverlässig, ohne bislang eine außergewöhnliche Torwartleistung zeigen zu müssen. Im Viertelfinale gegen Spanien könnte sich das ändern. Dort trifft er auf eine Mannschaft, die deutlich mehr spielerischen Druck entwickeln dürfte.

Emiliano Martinez - der Weltmeister-Keeper im Wartestand

Argentiniens dramatischer 3:2-Erfolg gegen Ägypten wurde vor allem durch die Aufholjagd des Titelverteidigers und die starke Leistung von Mostafa Shobeir geprägt.

Martínez stand dagegen weniger im Mittelpunkt. Bei den beiden ägyptischen Treffern war vor allem die Defensivarbeit seiner Vorderleute problematisch. Anschließend kontrollierte Argentinien den Ball, ohne dem eigenen Torhüter viele Möglichkeiten zur Auszeichnung zu geben.

Seinen wichtigsten Moment der K.-o.-Phase hatte Martínez bereits in der Runde zuvor gegen Kap Verde. Dort verhinderte er in der Schlussphase der Verlängerung einen weiteren Treffer des Außenseiters und half Argentinien damit, das knappe Weiterkommen zu sichern.

Die Einordnung: Martínez hat bislang noch nicht die Rolle gespielt, die ihn bei der WM 2022 ausgezeichnet hatte. Das liegt nicht zwingend an schwächeren Leistungen, sondern auch daran, dass andere Torhüter bisher deutlich stärker geprüft wurden. Gegen die Schweiz und Gregor Kobel könnte sich das ändern.

Manuel Neuer – der Rekordmann, dessen Geschichte im Sechzehntelfinale endete

Manuel Neuers Rückkehr in die Nationalmannschaft gehörte zu den großen Geschichten vor der Weltmeisterschaft. Mit seinem Einsatz gegen die Elfenbeinküste übertraf er Hugo Lloris und wurde zum alleinigen Rekordtorhüter nach WM-Einsätzen.

Das Turnier endete für den 40-Jährigen jedoch bereits in der Runde der letzten 32 gegen Paraguay.

Nach Encisos Führung glich Havertz für Deutschland aus. In der Verlängerung fiel kein weiterer Treffer. Im anschließenden Elfmeterschießen parierte Neuer einen Versuch und hielt Deutschland damit zunächst im Wettbewerb.

Auf der Gegenseite wehrte Orlando Gill jedoch zwei deutsche Elfmeter ab. Paraguay gewann das Shootout mit 4:3.

Nach dem Ausscheiden deutete Neuer an, dass damit auch seine außergewöhnliche Karriere in der Nationalmannschaft beendet sein dürfte.

Die Einordnung: Es war ein schmerzhafter Abschluss, aber kein unwürdiger. Neuer stellte einen weiteren WM-Rekord auf und zeigte auch im Elfmeterschießen noch einmal seine Qualität. Dass Deutschland dennoch ausschied, lag vor allem an den vergebenen Möglichkeiten und an einem überragenden Orlando Gill.

Mike Maignan – der Ruhepol im Hintergrund

Frankreichs Achtelfinale gegen Paraguay war für Mike Maignan kein Spiel, in dem er sich dauerhaft auszeichnen musste. Paraguay konzentrierte sich über weite Strecken auf die Defensive und kam nur selten gefährlich vor das französische Tor.

Einen Freistoß von Miguel Almirón fing Maignan sicher ab. Auch bei Distanzschüssen und hohen Bällen wirkte er aufmerksam. Nach dem französischen Führungstreffer durch Mbappés Foulelfmeter kontrollierte der Favorit die Begegnung weitgehend.

Frankreich gewann mit 1:0 und zog ins Viertelfinale ein.

Die Einordnung: Maignan musste bislang vor allem zuverlässig sein. Die ganz große Prüfung ist ausgeblieben. Im Viertelfinale gegen Marokko und Bono dürfte seine Strafraumbeherrschung deutlich stärker gefragt sein.

Alisson – der Unterlegene in einem Torwart-Krimi

Brasiliens Ausscheiden gegen Norwegen wird vor allem mit Örjan Nyland verbunden werden. Dabei zeigte auch Alisson auf der anderen Seite eine starke Leistung.

Bereits in der ersten Halbzeit parierte er einen gefährlichen norwegischen Distanzschuss. Später reagierte er auch bei einem Abschluss aus kurzer Distanz schnell und hielt Brasilien im Spiel.

Bei Haalands Treffern war Alisson kaum eine realistische Abwehrchance geblieben. Brasilien verlor mit 1:2 und schied überraschend aus.

Die Einordnung: Alisson gehörte nicht zu den Gründen für das brasilianische Scheitern. In einem Spiel mit mehreren hochklassigen Torwartaktionen war Nyland letztlich derjenige, der den größeren Einfluss auf das Ergebnis hatte.

Diogo Costa – Ronaldos letzter Wächter

Portugals 0:1 gegen Spanien bedeutete nicht nur das Ausscheiden im Achtelfinale, sondern wahrscheinlich auch Cristiano Ronaldos letztes WM-Spiel.

Diogo Costa hielt Portugal lange im Wettbewerb. Bei einer frühen Doppelchance Spaniens reagierte er stark. Auch bei gefährlichen Hereingaben und Distanzschüssen bewahrte er seine Mannschaft vor einem Rückstand.

Erst in der Nachspielzeit fiel die Entscheidung. Nach einem schnell ausgeführten Freistoß spielte Spanien die portugiesische Defensive aus. Mikel Merino traf flach zum 1:0.

Schon in der Runde zuvor gegen Kroatien hatte Costa eine überzeugende Leistung gezeigt.

Die Einordnung: Costa gehörte zu den besten portugiesischen Spielern der K.-o.-Phase. Er konnte das Ausscheiden nicht verhindern, bestätigte aber erneut, warum er seit Jahren mit europäischen Spitzenklubs in Verbindung gebracht wird.

Teil 3: Die tragischen Figuren

Bart Verbruggen – der tragische Held von Monterrey

Bart Verbruggen – erst überragend, dann unglücklich ausgeschieden

Bart Verbruggen zeigte in der Runde der letzten 32 gegen Marokko über weite Strecken eine herausragende Leistung.

Der Niederländer parierte einen gefährlichen Kopfball von Neil El Aynaoui und reagierte kurz darauf stark gegen Achraf Hakimi. In der Verlängerung verhinderte er bei mehreren marokkanischen Großchancen den Rückstand.

Nach einem 1:1 über 120 Minuten musste das Elfmeterschießen entscheiden. Dort hatte Verbruggen bei mehreren Versuchen das Nachsehen. Marokko gewann mit 3:2 und zog ins Achtelfinale ein.

Die Einordnung: Das Ergebnis erzählt nur einen Teil der Geschichte. Ohne Verbruggens Paraden hätten die Niederlande das Elfmeterschießen wahrscheinlich gar nicht erreicht. Sein Ausscheiden war daher besonders bitter, ändert aber nichts an seiner starken persönlichen Leistung.

Matt Freese – vom Frühstart zum Albtraum-Blackout

Matt Freese begann das Achtelfinale gegen Belgien aufmerksam. Bereits früh verhinderte er mit einer starken Reaktion einen möglichen Rückstand. Auch bei weiteren Abschlüssen wirkte der US-Torhüter zunächst sicher.

Im Verlauf der Partie verlor die amerikanische Defensive jedoch zunehmend die Kontrolle. Belgien nutzte die Räume konsequent aus und setzte sich am Ende mit 4:1 durch.

Freese wirkte bei einzelnen Situationen außerhalb seines Strafraums unsicher. Gleichzeitig wurde er von seiner Defensive mehrfach im Stich gelassen und konnte die klare Niederlage nicht allein verhindern.

Die Einordnung: Freese hatte während des Turniers mehrere starke Auftritte gezeigt. Gegen Belgien gelang es ihm jedoch nicht, seiner Mannschaft die nötige Stabilität zu geben. Das Ausscheiden war dennoch das Ergebnis einer insgesamt schwachen amerikanischen Mannschaftsleistung und nicht allein die Folge eines Torwartfehlers.

Fazit: Die WM 2026 wird geprägt von den kleinen Nationen

Der Blick auf diese K.-o.-Runde zeigt ein bemerkenswertes Muster: Die stärksten und bewegendsten Torwart-Geschichten kommen von den Außenseitern. Orlando Gill (Zweitliga-Ersatzmann zum Deutschland-Schreck), Gregor Kobel (jahrelanger Ersatzmann zum Schweizer WM-Helden) und Örjan Nyland (vereinslos zum Brasilien-Bezwinger) haben die etablierten Fußball-Nationen reihenweise das Fürchten gelehrt, während auch Beach, Rangel, Suzuki und Bono zeigten, dass die vermeintlich zweite Reihe des Weltfußballs torwarttechnisch längst mithalten kann.

Bei den großen Nationen überzeugten vor allem Pickford, Alisson, Costa und Courtois mit Konstanz, während Maignan und Martínez ihre wirklichen Prüfsteine erst noch vor sich haben. Freeses Blackout, Verbruggens tragisches Eigentor und Neuers Aus ausgerechnet gegen Orlando Gill erinnern derweil daran, wie schnell aus einer starken Turnier-Geschichte ein bitteres Ende werden kann.

Die Viertelfinals versprechen weitere Highlights aus Torwart-Sicht: Nyland gegen Pickford, Courtois gegen Simón, Maignan gegen Bono und Kobel gegen Messis Argentinien – gleich vier echte Prüfsteine, bei denen sich zeigen wird, ob die Underdog-Geschichten dieser WM noch ein weiteres Kapitel bekommen.


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