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Die Torhüter-Geschichten der WM 2026, Teil 1: Helden, Rekorde und magische Momente

Spektakuläre Paraden, historische Rekorde und emotionale Abschiede: Diese sieben Torhüter haben der WM 2026 ihre besonderen Bilder gegeben.

Die Weltmeisterschaft 2026 hat aus Torwart-Sicht außergewöhnlich viele Geschichten hervorgebracht. Neben großen Namen rückten auch Schlussmänner in den Mittelpunkt, die vor dem Turnier nur einem kleinen Publikum bekannt waren. Spektakuläre Paraden, historische Rekorde und überraschende Leistungen machten sie zu prägenden Figuren dieser WM.

Im ersten Teil unseres Rückblicks stehen jene Torhüter im Fokus, die mit außergewöhnlichen Aktionen, starken Turnieren oder besonderen Momenten auf sich aufmerksam machten. Einige retteten ihren Mannschaften historische Ergebnisse, andere schrieben Rekorde neu oder nutzten die größte Bühne des Fußballs, um sich erstmals weltweit einen Namen zu machen.

Alireza Beiranvand - Die Parade, die eigentlich nicht mehr möglich war

Alireza Beiranvand und der Moment des Turniers

Iran gegen Belgien war eines der Highlights der Gruppenphase, obwohl das Spiel torlos endete. Das lag vor allem an zwei bärenstarken Torhütern, wobei Alireza Beiranvand noch einmal hervorstach. Nach rund einer Stunde setzte sich De Bruyne an der linken Grundlinie durch und gab anschließend auf den ersten Pfosten, wo De Cuyper aus kurzer Distanz zum Abschluss kam, während der Keeper, nachdem er die Hereingabe verpasst hatte, bereits am Boden lag.

Buchstäblich mit dem Mute der Verzweiflung warf er sich noch einmal in den Ball und parierte mit einer starken linken Hand. Eine der spektakulärsten Paraden des gesamten Turniers, entstanden aus einer Situation, die eigentlich für ein Gegentor gemacht schien. Es war sicherlich die größte Parade des Torhüters in diesem Spiel und wohl auch im gesamten Turnier. Dennoch gehört zur Wahrheit auch, dass der Iraner noch weitere tolle Paraden in dieser Partie zeigte.

SpielübersichtAlireza Beiranvand bei der WM 2026
Gruppe A · 1. Spieltag Iran Neuseeland 2:2 Analyse →
Gruppe A · 2. Spieltag Belgien Iran 0:0 Analyse →
Gruppe A · 3. Spieltag Ägypten Iran 1:1 Analyse →
Vozinha - Das späte WM-Märchen des unbekannten 40-Jährigen

Vozinha (Kap Verde) – Der 40-Jährige, den keiner kannte

Josimar José Évora Dias, besser bekannt als Vozinha, war die vielleicht größte Überraschungsgeschichte des Turniers. Auf den Kapverden geboren, bei den Großeltern aufgewachsen, jahrzehntelang in wenig beachteten Ligen in Moldau, Zypern und der Slowakei unterwegs – kein großer europäischer Klub klopfte je an seine Tür. Mit gerade vollendeten 40 Jahren stand er als Stammtorwart eines WM-Debütanten zwischen den Pfosten und erlebte sein persönliches Märchen.

Gegen Titelfavorit Spanien lieferte er dann die Vorstellung seines Lebens: Bei einer klaren spanischen Feldüberlegenheit hielt er unter anderem einen Kopfball von Mikel Oyarzabal mit den Fingerspitzen über die Latte und parierte zusätzlich gegen Ferran Torres und Aymeric Laporte. Acht Paraden insgesamt, das historisch erste WM-0:0 der Kapverden, Spieler des Spiels. Vor dem Turnier kannten ihn selbst eingefleischte Fans kaum – nach dem Spiel explodierten seine Social-Media-Zahlen, und Vozinha wurde zum meistgesuchten Torhüter-Namen des ersten Spieltags. Noch fantastischer wurde es, als die Kapverden in die K.o.-Phase einzogen und letztlich unglücklich in der Verlängerung gegen Argentinien mit 2:3 unterlagen.

Für Vozinha – derzeit noch vereinslos – scheinen sich gerade neue Märkte zu erschließen. So wird der Torhüter derzeit mit Inter Miami, dem Klub des großen Lionel Messi, in Verbindung gebracht.

SpielübersichtVozinha bei der WM 2026
1. Spieltag Spanien Kap Verde 0:0 Analyse →
2. Spieltag Uruguay Kap Verde 2:2 Analyse →
3. Spieltag Kap Verde Saudi-Arabien 0:0 Analyse →
RO32 Argentinien Kap Verde 3:2 Analyse →
Eloy Room - 15 Paraden für den ersten WM-Punkt Curaçaos

Eloy Room (Curaçao) – 15 Paraden und eine Insel mit 150.000 Einwohnern

In den Niederlanden geboren und aufgewachsen, entschied sich Eloy Room für die Nationalmannschaft von Curaçao – einer Karibikinsel mit gerade einmal 150.000 Einwohnern, die zum ersten Mal überhaupt bei einer Weltmeisterschaft dabei ist. Das WM-Debüt lief für den Neuling aber katastrophal ab – man verlor gegen die deutsche Nationalmannschaft mit 1:7. Gegen Ecuador lieferte er eine Gala: 15 Paraden in einem torlosen Spiel, das seinem Land den ersten WM-Punkt der Geschichte sichert. Damit war die DFB-Auswahl auch vorzeitig für die Runde der letzten 32 qualifiziert.

Auch abseits des Platzes war die Wirkung sofort spürbar: Vor dem Spiel gegen Ecuador zählte sein Instagram-Profil rund 97.500 Follower, nach Abpfiff waren es bereits über 599.000 – Tendenz weiter steigend. Room selbst gab hinterher an, während des Spiels nicht an Statistiken gedacht zu haben.

SpielübersichtEloy Room bei der WM 2026
1. Spieltag Deutschland Curaçao 7:1 Analyse →
2. Spieltag Ecuador Curaçao 0:0 Analyse →
3. Spieltag Curaçao Elfenbeinküste 0:2 Analyse →
Orlando Gill - Der Elfmeterheld, der Deutschland aus dem Turnier warf

Orlando Gill (Paraguay) – Der neue Deutschland-Schreck

Vor dem Turnier kannte ihn kaum jemand außerhalb Südamerikas: Orlando Gill, Torhüter des argentinischen Erstligisten CA San Lorenzo, wuchs im WM-Sechzehntelfinale gegen Deutschland weit über sich hinaus. In der regulären Spielzeit parierte er sechs Torschüsse, im anschließenden Elfmeterschießen hielt er die Versuche von Kai Havertz und Nick Woltemade – und brachte später auch noch Jonathan Tah so aus der Fassung, dass dessen Schuss weit übers Tor flog. Drei vereitelte Elfmeter, kicker-Note 1,0, Paraguay zog sensationell ins Achtelfinale ein, Deutschland flog raus. Zur Wahrheit gehörte aber auch, dass er bei dem vermeintlichen Treffer von Jonathan Tah Glück hatte, da ein hartes Blocken von Waldemar Anton als Foul ausgelegt wurde, wodurch der Treffer zurückgenommen wurde. Solche Situationen wurden vor allem in der jüngeren Vergangenheit meist laufen gelassen – zu Ungunsten der Torhüter.

Sein Erfolgsrezept beschreibt der 26-Jährige selbst nüchtern: akribische Analyse jedes einzelnen Schützen. Sein großes Idol ist ausgerechnet Manuel Neuer – was der Geschichte eine zusätzliche Pointe verleiht. Bewegend ist auch sein Weg dorthin: 2022, als sein neugeborenes Kind auf die Intensivstation musste, verkaufte Gill seine Fußballschuhe, seine Pokale und sogar sein U20-Debüttrikot der Nationalmannschaft Paraguays, um die Behandlung zu bezahlen. Nach dem Deutschland-Krimi ist er plötzlich europaweit auf dem Transfermarkt gefragt – Gerüchte bringen ihn sogar als möglichen Neuer-Nachfolger beim FC Bayern ins Spiel.

SpielübersichtOrlando Gill bei der WM 2026
1. Spieltag USA Paraguay 4:1 Analyse →
2. Spieltag Türkei Paraguay 0:1 Analyse →
3. Spieltag Paraguay Australien 0:0 Analyse →
RO32 Deutschland Paraguay 3:4 i.E. (1:1) Analyse →
Achtelfinale Paraguay Frankreich 0:1 Analyse →
Bono - Der Elfmeter-Killer der Atlas-Löwen

Bono (Marokko) – Der ewige Elfmeter-Killer

Yassine „Bono" Bounou war bei dieser WM erneut der große Rückhalt der Atlas-Löwen. Im Viertelfinale gegen Frankreich hielt er einen Foulelfmeter von Kylian Mbappé – schon der siebte von neun Strafstößen, die in seinen mittlerweile zwölf WM-Endrundenspielen gegen ihn verhängt wurden. Eine Quote, die ihn zum vielleicht besten Elfmeterhalter der Turniergeschichte macht. Insgesamt parierte Bono gegen Frankreich mehrere klare Chancen, ehe die Franzosen in der zweiten Hälfte doch durchbrachen: Mbappé traf nach einer langen VAR-Prüfung per Freistoß, Dembélé erhöhte – Marokkos Turnier endete im Halbfinal-Vorfeld, in der Neuauflage des Halbfinals von 2022. Dennoch blieb Bono die konstante Größe zwischen den nordafrikanischen Pfosten, die Marokko zu einem der Geheimfavoriten des Turniers gemacht hat.

Dies konnte er auch bereits in der Runde der letzten 32 unter Beweis stellen. Gegen die Niederlande konnte sich Marokko im Elfmeterschießen durchsetzen – dies gelang dem Afrika-Sieger vor allem durch Bono, der im Elfmeterschießen den entscheidenden Versuch hielt. Er blieb dabei lange stehen und wehrte den Versuch von Summerville mit dem ausgestreckten Arm ab. Wohl nie zuvor wurde eine solche Parade eines Elfmeters auf großer Bühne gesehen.

SpielübersichtBono bei der WM 2026
1. Spieltag Brasilien Marokko 1:1 Analyse →
2. Spieltag Schottland Marokko 0:1 Analyse →
3. Spieltag Marokko Haiti 4:2 Analyse →
RO32 Niederlande Marokko 2:3 i.E. (1:1) Analyse →
Achtelfinale Kanada Marokko 0:3 Analyse →
Viertelfinale Frankreich Marokko 2:0 Analyse →
Gregor Kobel - Der stille Überflieger im Tor der Schweiz

Gregor Kobel (Schweiz) – Einer der besten Torhüter des Turniers

Während Neuer um seinen Platz kämpfte, spielte sich der Dortmunder Gregor Kobel in aller Stille in die Weltklasse. Sowohl die Community des Schweizer Portals "Blick" als auch das auf Opta-Daten basierende Ranking von Flashscore wählten den 28-Jährigen am Ende zum besten Torhüter des gesamten Turniers – noch vor Finalist Unai Simón von Spanien. In der Tat war der Nachfolger eine der tragenden Säulen der Nati und steht damit auch seinem Vorgänger Yann Sommer in nichts nach.

Die Krönung seines Turniers lieferte er im Viertelfinale gegen Argentinien: Über 120 Minuten hielt Kobel sein Team mit einer Serie starker Paraden im Spiel, ehe die Schweiz erst nach der Verlängerung ausschied. Der bittere Beigeschmack: Die Sensation blieb letztlich aus. Dennoch war es letztlich die beste Weltmeisterschaft der Schweiz seit der Heim-WM vor nunmehr 72 Jahren.

SpielübersichtGregor Kobel bei der WM 2026
1. Spieltag Katar Schweiz 1:1 Analyse →
2. Spieltag Schweiz Bosnien-Herzegowina 4:1 Analyse →
3. Spieltag Schweiz Kanada 2:1 Analyse →
RO32 Schweiz Algerien 2:0 Analyse →
Achtelfinale Schweiz Kolumbien 4:3 i.E. (0:0) Analyse →
Viertelfinale Argentinien Schweiz 3:1 Analyse →
Unai Simón - 649 Minuten für die WM-Geschichtsbücher

Unai Simón (Spanien) – Der Rekord-Rückhalt des Finalisten

Walter Zenga ist eine Torwart-Legende der 80er und 90er Jahre. Vor allem bei der WM 1990 war der Italieners in aller Munde, als er 517 Minuten am Stück ohne Gegentor bei einer Weltmeisterschaft blieb und damit einen Rekord aufstellte, der immerhin 36 Jahre hielt. Nun aber wurde er von Unai Simón nicht nur übertroffen, sondern schon beinahe pulverisiert, denn insgesamt blieb Spanien mit dem 29-Jährigen 649 Minuten ohne Gegentreffer. Das letzte Gegentor erfolgte bei der WM 2022 beim 2:1 gegen Japan.

Bis zum Finale hat "la Furia Roja" erst ein Gegentor kassiert. Dieses passierte im Viertelfinale gegen Belgien, als man sich mit 2:1 durchsetzen konnte. Im Halbfinale folgte dann eine absolute Meisterleistung, als man den Turnierfavoriten Frankreich mit 2:0 schlug. Auffällig war hierbei, dass die Offensive der "Équipe Tricolore" trotz all der individuellen Klasse kaum zu Torchancen kam. Wenn es dann doch einmal gefährlich wurde, war wiederum der Torhüter zur Stelle. Der "Hüter der Rinder" – so die Bedeutung seines Vornamens – ist längst eine wichtige Säule beim amtierenden Europameister und definitiv auch in der Weltspitze zu finden.

SpielübersichtUnai Simón bei der WM 2026
1. Spieltag Spanien Kap Verde 0:0 Analyse →
2. Spieltag Spanien Saudi-Arabien 4:0 Analyse →
3. Spieltag Uruguay Spanien 0:1 Analyse →
RO32 Spanien Österreich 3:0 Analyse →
Achtelfinale Portugal Spanien 0:1 Analyse →
Viertelfinale Spanien Belgien 2:1 Analyse →
Halbfinale Frankreich Spanien 0:2 Analyse →
Finale Spanien Argentinien 1:0 n.V. Analyse →

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