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Home > EM 2021 > Schliecks-EM-Kolumne > Kolumne IV - Nach dem Finale zwischen England und Italien

Thomas Schlieck schaut sich für torwart.de die EM aus einem besonderen Blickwinkel an...

Luke Shaw hatte den bisher kaum geschlagenen Donnarumma schon nach 2 Minuten überwunden (foto: firo)

Italien gewann verdient den Europameisterschaftstitel. Mit zwei gehaltenen Elfmetern und etwas mehr Fortune als Gegenüber Pickford wurde Gianluigi Donnarumma zum gefeierten Helden Italiens.

Beim 0:1 stand Donnarumma nicht rechtzeitig

Im Spiel wurden er und Italien nach 2 Spielminuten kalt erwischt. Auf den ersten Blick konnte Donnarumma gegen den platzierten Dropkick von Shaw am Fünfer-Eck wenig machen. Er zeigte dabei auch keine Reaktion auf den wuchtigen Schuss. Nach der Flanke auf Shaw passte Donnarumma noch seine Position gut an. Eine Reaktion auf einen Schuss in beide Ecken des Tores wäre noch möglich gewesen. Allerdings kam Donnarumma zu spät zum Stehen. Damit war es nicht möglich eine Reaktion auf den am Innenpfosten des kurzen Ecks auszuführen.

Nach dem frühen 0:1-Rückstand fingen sich die Italiener schnell wieder. Die hervorragende Abwehr ließ keine weiteren Torschüsse zu. Donnarumma zeigte einmal mehr eine gute Präsenz im Tor. Seine Ausstrahlung ist für sein Alter sehr erstaunlich.

Donnarumma mit mutigem Torwartspiel

In der Verlängerung klärte er einen Flankenball mit etwas Glück als er äußerst mutig den Raum außerhalb des Fünfmeterraums attackierte. Mutiges Torwartspiel, das Treffen der richtigen Entscheidungen und die klare Entschlossenheit zeigte Donnarumma auch sowohl im Finale als auch in fast allen Spielen des Turniers. Herausragend sind seine körperlichen Voraussetzungen mit 196cm, seine enorme Reichweite im Raum, seine Absprung-Höhe im Tor und eine große Fläche, die er im 1-gegen-1 gegenüber dem Angreifer aufbaut.

Pickford etwas unglücklich beim 1:1

Jordan Pickford streckt sich vergeblich nach Bonuccis Schuss zum Ausgleich (foto: firo)

Auch Englands Pickford wurde im Finale nur selten geprüft. Eine starke Szene hatte er in der zweiten Halbzeit beim verdeckten Flachschuss von Chiesa. Pickford kommt rechtzeitig ins Gleichgewicht und lenkte den Schuss auf seine linke Ecke technisch hervorragend ins Toraus.

In der unübersichtlichen Eckballsituation vor dem 1:1 lenkte Pickford den Kopfball von Verratti aus kurzer seitlicher Distanz an den Pfosten. Ein Ablenken des Balles um den Pfosten wäre durchaus noch möglich gewesen. Damit wäre der Nachschuss, den Bonucci zum 1:1 nutzte, noch vermeidbar gewesen. Pickford wirkte in dieser Szene etwas unorthodox. Insgesamt spielte er jedoch ein solides Finale. Dabei eröffnete er das Spiel immer wieder mit gut getimten langen Bällen. Besonders seine Qualitäten mit dem linken Fuß waren während des Turniers immer wieder eine effektive „Waffe“ für die Engländer, um die Spitzen schnell in Szene zu setzen.

Verbesserungen im fußballerischen Bereich möglich

Beide Torhüter im Finale hatten im fußballerischen Bereich jedoch weiter Luft nach oben. Die langen Bälle in die Spitze spielten beide gut. Das Überspielen von Linien, das Finden von Lösungen unter Druck oder das Spielen von flachen Pässen ins Zentrum, um eine dynamische Spieleröffnungen für die eigene Mannschaft auszulösen, war bei beiden Torhütern im Finale nicht optimal und muss weiter verbessert werden.

Besonders Donnarummas Auftritt bei der EM mit gerade 22 Jahren ist sehr außergewöhnlich. Bereits mit 17 spielte er in der Serie A bei AC Mailand auf höchstem Niveau. Seine Trainer, Mitspieler und Manager gaben ihm sehr früh das notwendige Vertrauen und standen hinter ihm. Damit konnte er schon zu Beginn seiner Karriere auf höchstem Level die äußerst wertvolle Spielerfahrung sammeln. Man braucht einfach im jungen Alter diese Spielminuten.

Bei der EM zeigte er sich oftmals ruhig, abgeklärt und fokussiert. Trotzdem lässt er auch immer wieder die notwendige Emotionalität zu, ohne dass darunter seine Leistung im Tor leiden würde. Auch hierbei macht sich die langjährige Spielerfahrung von Donnarumma stark bemerkbar.

Die Italiener konnten nach der jahrelangen Dominanz von Buffon im Grunde nahtlos mit Donnarumma einen Nachfolger präsentieren. Ich traue Donnarumma zu, dass auch er eine ähnliche Ära wie Buffon im Fußball prägen wird.

Leider fehlt uns momentan in Deutschland ein junger Torhüter, der in jungen Jahren schon wichtige Erfahrungen auf höchstem Niveau sammeln konnte. Manuel Neuer und Marc-André hatten ebenfalls die Möglichkeit, als junge Torhüter früh ins kalte Wasser geschmissen worden zu sein.

Donnarumma, der italienische EM-Held im Elfmeterschießen (foto: firo)

Physische Voraussetzungen stimmen bei Donnarumma

Seine Körpergröße nutzt Donnarumma optimal für seine Art des Torwartspiels. Die große Reichweite hilft dem Torhüter eine nicht optimale Position auszugleichen. Dafür muss der große Torhüter an der Mobilität, Flexibilität und Beweglichkeit arbeiten. Trotzdem wird es künftig auf dem höchsten Niveau immer wieder verschiedene Torwarttypen geben. Jeder Torwart ist unterschiedlich und muss durch seine individuellen Eigenschaften, die Vorzüge für seine Torwartspiel entwickeln. Bei der EM zeigten Torwartriesen, wie Donnarumma oder Courtois überragende Leistungen. Doch auch ein Yann Sommer, der der kleinste Torhüter des Turniers war, zeigte sehr gute Leistungen.

Hohes Spieltempo bei der EURO stellt hohe Anforderungen an Torhüter

Die EM hat auch gezeigt, dass auf hohem internationalen Niveau das Spiel sehr schnell geworden ist. Ich gehe davon aus, dass dieser Trend auch in der Zukunft noch weiter anhalten wird.

Das hohe Spieltempo nimmt einen großen Einfluss auf die Torhüter. Offensiv als auch defensiv haben die Torhüter nur noch sehr wenig Zeit für die Ausführung ihrer Aktionen. Für die Offensive leitet sich dadurch ab, dass die Torhüter eine sehr gute Vororientierung haben müssen. Die Räume müssen blitzschnell „gescannt“ werden, um Optionen für die Spielfortsetzung zu erkennen.

Im Ballgewinnspiel bedeutet dies für den Torhüter, dass er nur sehr wenig Zeit hat, um sich richtig zu positionieren. Die Entscheidung, wann er zum Ball geht oder nicht, muss durch den Torwart sehr schnell getroffen werden. Sowohl die Techniken in der Torverteidigung als auch die fußballerischen Techniken muss der Torhüter unter höchstem Zeit-, Gegner- und Raumdruck anwenden.

Ausbildung der Torhüter muss sich an komplexen Spielsituationen orientieren

Für die Torwartentwicklung/Ausbildung bedeutet das für mich, dass man im Training der Torhüter die Trainingsumstände immer am Spiel und dessen Anforderungen ausrichtet. Die zu trainierenden Spielsituationen müssen komplex sein und eine hohe Spielnähe aufweisen. Nur so können wir die Torhüter für das schnelle Spiel optimal vorbereiten. Im mentalen und kognitiven Bereich ist bei den Torhüter zudem noch einiges möglich, um den Torhüter in der Handlungsschnelligkeit schneller zu machen.

Torwarttrainer nehmen Schlüsselrolle ein

Eine Schlüsselrolle in der Entwicklung der Torhüter nehmen die Torwarttrainer ein. Selbst in vielen Profiklubs arbeiten die Torwarttrainer noch isoliert an der Seite. Bei den RB Klubs sind die Torwarttrainer in das Trainerteam komplett integriert. Dadurch ist als Blick des Torwarttrainers als Fachexperten im Trainerteam geschärft und das Torwartspiel ist in das Teamtraining und deren Abläufe integriert.

Gute Torwartausbildung in vielen Ländern

Die EM hat gezeigt, dass viele Nationen im Bereich des Torwartspiels enorm aufgeholt haben. Wurden früher die Engländer noch für ihre Torhüter belächelt, konnten sie in den letzten beiden großen Turnieren mit Jordan Pickford einen sehr guten und zuverlässigen Torwart von internationaler Klasse aufbieten. Die verbesserte Torwarttrainerausbildung im englischen Verband trägt bereits ihre Früchte. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Qualität der Torhüter international künftig weiter entwickeln wird.

In Deutschland und beim DFB muss dazu allerdings einiges verändert werden, um auch künftig einen internationalen Toptorhüter in der Nationalmannschaft zu haben.


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