Bei Hannover 96 sorgte eine überraschende Trainerentscheidung für Gesprächsstoff: Nach nur einem Pflichtspiel musste der im Sommer für rund 1,1 Millionen Euro vom FC Luzern verpflichtete Pascal Loretz seinen Stammplatz im Tor bereits wieder räumen – zugunsten des langjährigen Ersatzkeepers Leo Weinkauf.
Loretz war im Juli explizit als neue Nummer 1 nach Hannover geholt worden. Sportdirektor Ralf Becker lobte den Schweizer bei seiner Verpflichtung als Spieler mit „mehr als 120 Erstligaspielen“, der sich „im erweiterten Kreis der Schweizer Nationalmannschaft“ befinde und „genau das Profil“ erfülle, das der Klub gesucht habe. Der 23-Jährige unterschrieb einen Vierjahresvertrag bis 2030 und sollte gemeinsam mit dem bis 2028 verlängerten Weinkauf sowie dem 19-jährigen Nachwuchskeeper Jonas Schwanke das neue Torwarttrio bilden.
Beim Zweitliga-Saisonauftakt bei Energie Cottbus (1:3-Niederlage) stand Loretz tatsächlich zwischen den Pfosten, verursachte aber einen Elfmeter, der letztlich die Auftakt-Niederlage einleitete. Im Niedersachsen-Duell gegen den Absteiger aus Wolfsburg spielte dann jedoch der 30-jährige Weinkauf. Für den Trainer der 96er war der Torhüter jemand, der der Mannschaft gegen Wolfsburg „viel geben konnte“. Christian Titz begründete den Wechsel mit spielspezifischen Argumenten: „Leo ist mit seinem Fuß und auch bei der Strafraumbeherrschung für die heutige Partie der richtige Torwart.“ Trotz einer 0:1-Niederlage durch einen Last-Minute-Elfmeter überzeugte Weinkauf und wurde von den Fans zum „Spieler des Spiels“ gewählt. Trotzdem hatte der Coach im Nachgang Loretz sogar als den Torhüter bezeichnet, „der sich auf Dauer durchsetzen wird“.
Titz zeigte sich danach zufrieden mit dessen Leistung und ließ ihn daraufhin auch im DFB-Pokal-Erstrundenspiel beim SV Hemelingen spielen, das die Niedersachsen deutlich mit 9:1 gewannen. Auf die Frage, wer nun die klare Nummer 1 sei, reagierte Titz zunehmend gereizt und wollte sich nicht festlegen – er bezeichnete den Wechsel lediglich als „einen ganz normalen Vorgang“. In den sozialen Medien sorgte die Entscheidung für Verwunderung bei den Fans, schließlich war Loretz explizit als neuer Leistungsträger verpflichtet worden.
Wie es weitergeht, ist offen: Am kommenden Punktspieltag bei Darmstadt 98 könnte erneut Weinkauf im Tor stehen. Titz betonte zwar weiterhin Loretz' Entwicklungspotenzial, machte aber auch deutlich, dass der Schweizer noch etwas Zeit benötige, um sich vollständig an die spielerischen Anforderungen des Teams zu gewöhnen. Für Hannover 96, das in dieser Saison einen neuen Anlauf Richtung Bundesliga-Rückkehr wagen will, ist die ungeklärte Torwartfrage damit ein früher Unsicherheitsfaktor.
Kommentare (1)
René Melliger
vor 4 TagenTorhüter sind Einzelsportler und ich drücke ihm die Daumen.