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Home > Archiv > 1.5 Euro 2008 - Schweiz Österreich > EM-Interviews > (AUT) Payer, Helge

Helge Payer - "hautnah" bei torwart.de (30.05.08)

"Die Team-Torhüter haben ein sehr gutes Verhältnis untereinander"

von Marcel Schäfer 

Teil 1: Helge Payer über die EURO 2008


Helge Payer (Österreich, Rapid Wien) - foto firo

Vor wenigen Wochen feierte Helge Payer mit Rapid Wien die Österreichische Meisterschaft. Payer durfte sich berchtigte Hoffnungen auf den Stammplatz im Tor der Österreicher machen. Bevor Payer mit der österreichischen Nationalmannschaft zur EM-Vorbereitung ins Trainingslager besuchte torwart.de Helpge Payer in Wien und führte mit ihm ein sehr ausführliches Gespräch. Vor wenigen Tagen kam die Hiobsbotschaft für Payer. Aufgrund eines Venenverschluss im Darm, der eine Thrombose auslöste, mußte Payer das Trainingslager verlassen und wurde ins Krankenhaus eingewiesen. Auch wenn Helge Payer jetzt nicht mehr aktiv ins Geschehen kann, sind seine Antworten zur EURO, zu Österreichs Fußball und über ihn persönlich sehr interessant.

torwart.de: Helge, in wenigen Tagen wird die EURO 2008 angepfiffen. Erinnerst du dich noch als entschieden wurde, dass Österreich mit der Schweiz die EURO 2008 austragen wird?

Helge Payer: Die Vergabe war vor ca. 6 Jahren. Ich spielte damals schon in der Nationalmannschaft und die Freude bei mir und meinen Teamkameraden war natürlich riesengroß. Diese Vorfreude hat mich die letzten Jahre immer begleitet und jetzt brenne ich darauf, dass es endlich losgeht.

torwart.de: Welche konkreten Erwartungen hast du persönlich an die EURO?

Payer: Mit der Nationalmannschaft wollen wir soweit wie möglich kommen. Gerne würde ich auch die Nummer eins im Team sein. Klar, das ist mein Ziel und meine Erwartung. Eine EURO dient immer auch dazu, auf sich international aufmerksam zu machen. Ich möchte mich aber auch nicht zu stark unter Druck setzen. Ich versuche jetzt einfach das Beste zu machen und mich voll und ganz auf meine sportliche Höchstleistung zu konzentrieren.

torwart.de: Welche Chancen siehst Du für Eure Nationalelf?

Payer: Ich denke, dass für uns alles möglich ist. Wir haben in den Freundschaftsspielen im Frühjahr gegen die Deutschen und die Holländer gezeigt, dass wir auch mit den großen Fußballnationen mithalten können. Ich sage, dass auch der Europameistertitel drin sein kann. Wenn Du das Viertelfinale erreichst, dann ist alles möglich.

torwart.de: Welche Bedeutung werden die Fans für euch haben?

Payer: Unsere Fans werden unser 12. Mann sein. Die Österreicher sind sehr begeisterungsfähig. Wenn es einigermaßen läuft, werden die Fans voll und ganz hinter uns stehen und es kann sich - ähnlich wie bei der WM 2006 in Deutschland - eine fabelhafte Stimmung im Land entwickeln. Mit den Fans im Rücken haben wir auch die Möglichkeit, bei dieser EM sehr weit zu kommen. Das stimmt mich sehr zuversichtlich. Entscheidend werden unsere ersten Spiele sein.

torwart.de: Wie schätzt du die Gruppe mit Deutschland, Österreich, Kroatien und Polen ein? Welche Mannschaft ist Favorit auf den Turniersieg?

Payer: Momentan ist es sehr schwer zu sagen, welche Mannschaft wirklich Favorit ist. Die Gruppe mit Frankreich, Holland und Italien ist natürlich sehr stark. Aber auch unsere Gruppe mit Deutschland, Polen, Kroatien und Österreich ist auch nicht zu unterschätzen. Neben den Deutschen schätze ich die Kroaten als eine sehr schlagkräftige Truppe ein. Auch die Polen haben sich deutlich verbessert und sicherlich von den Spielen der WM gelernt. Letztlich wird die aktuelle Turnierform entscheiden. Das nötige Glück gehört dann eben auch noch dazu. Es wird auf alle Fälle ein sehr spannendes Turnier.

torwart.de: Wer wird im Tor der Österreicher bei der EM stehen?

Payer: Mit Alex Manninger, Jürgen Macho und mir haben wir drei gleichwertige Topleute im Kader. Jeder von uns dreien könnte im Tor der Nationalelf spielen. Bisher wurde noch keine klare Nummer 1 für das Tor bestimmt. Jeder Tormann hat bisher seine Chance erhalten. Wichtig wird sein, wie du dich in diesen Spielen mit der Nationalelf präsentierst und wie deine Leistungen im Verein und in der Liga wahrgenommen werden. Es muss aber beides stimmen. Es hilft nichts, wenn Du überragend in der Liga spielst, aber in der Nationalelf die notwendige Sicherheit vermissen lässt. Genauso wenig ist es schlecht, wenn die Spiele in der Nationalelf sehr gut sind, aber die Konstanz in der Liga nicht gegeben ist. Ich war mit meiner Leistung in der Liga sehr zufrieden. Es ist sehr gut gelaufen. Ich denke, dass ich gute Chancen habe, im Tor zu stehen.

torwart.de: Wann sollte die Entscheidung für die Nummer eins fallen?

Payer: Ich kann die Entscheidung, ob ich spielen werde, weder zeitlich noch inhaltlich beeinflussen. Daher ist es mir auch gleichgültig, ob die Entscheidung in den kommenden Tagen oder erst unmittelbar vor Turnierstart getroffen wird. Ich habe gelernt, dass es keinen Sinn macht, sich über Dinge einen Kopf zu machen, die nicht unmittelbar beeinflussbar sind. Ich habe bisher hart gearbeitet und meine Leistung gebracht. Zum Zeitpunkt wenn die Entscheidung getroffen wird, möchte ich in den Spiegel schauen und sagen können, dass ich alles dafür Mögliche getan und unternommen habe. Wenn ich es nicht schaffe, dann war ich entweder nicht gut genug, oder es waren äußere Einflüsse, die nicht in meiner Macht lagen.

torwart.de: Wie gut ist das Verhältnis zu den anderen beiden Torwartkollegen Macho und Manninger?

Payer: Ich verstehe mich mit den beiden Torleuten sehr gut. Mit Alexander Manninger habe ich ein ausgezeichnetes Verhältnis. Wir sitzen auch am Tisch nebeneinander und verstehen uns sehr gut. Schadenfreude kenn ich nicht. Ich hab mich bisher noch nie auf die Bank gesetzt und darüber gefreut, dass mein Kontrahent eine schlechte Leistung zeigt. Das was man dem anderen wünscht, wird einem selbst widerfahren. Daher kenn ich keine Schadenfreude. Es ist klar, dass ich mir natürlich am meisten den Platz im Tor wünschen würde. Wenn ich es aber nicht schaffe, bin ich nicht auf Manninger böse, sondern auf mich selber, dass ich es eben nicht geschafft habe.

torwart.de: Mit Klaus Lindenberger habt ihr einen sehr erfahrenen Torwarttrainer. Was kennzeichnet die Arbeit mit Lindenberger?

Payer: Beim Nationalteam werden wir von Klaus Lindenberger trainiert. Lindenberger spielte mehr als 40mal für die österreichische Nationalmannschaft und ist sowohl als Spieler als auch als Torwarttrainer sehr erfahren. Wir arbeiten mit ihm regelmäßig bei den Lehrgängen der Nationalmannschaft zusammen und im Abstand von ein paar Wochen wird auch regelmäßig telefoniert. Dabei tauschen wir uns über die aktuellen Spiele und der individuellen Form aus. Wenn die Lehrgänge gelaufen sind, bekommen wir für den körperlichen Bereich einige Aufgaben mit nach Hause. Torwartspezifische Dinge werden dabei aber nicht als Aufgabe definiert, da jeder Torwart individuell mit dem Torwarttrainer im Verein arbeitet. Ingesamt harmoniert die Arbeit mit Lindenberger sehr gut.

torwart.de: Was bedeutet für Dich das Spiel gegen Deutschland am 16.6 in Wien?

Payer: Das Spiel gegen Deutschland zum Abschluss der Gruppenphase ist ein großes Highlight. Für mich wäre es ein Traum gegen die Deutschen als Nummer eins im Tor zu stehen. Ziel ist aber nicht nur die Deutschen zu schlagen, sondern in der Gruppe den Sprung ins Viertelfinale zu schaffen.

torwart.de: Wie bewertest du das Testspiel gegen Deutschland im Februar als ihr 0:3 verloren hattet?

Payer: Wir haben zwar am Ende vom Ergebnis deutlich verloren. Allerdings macht uns die erste Halbzeit als wir die Deutschen fast vorgeführt haben, sehr viel Hoffnung für das Gruppenspiel bei der Europameisterschaft. Sicherlich werden wir nicht chancenlos in das Spiel gehen. Ich konnte leider bei diesem Spiel nicht dabei sein, da ich mit einer Bronchitis ausgefallen bin.

torwart.de: Beim Spiel Österreich-Deutschland im vergangenen Februar gab es einige unschöne Szene der Fans. Müssen wir uns auf unfaire Fans auf Seiten Österreichs einstellen?

Payer: Nicht erst seit Cordoba gibt es die Rivalität zwischen Österreich und Deutschland. Es ist klar, dass die Emotionen bei solchen Spielen hochkochen. Doch trotzdem muss alles im sportlichen Rahmen ablaufen. Wenn man die gegnerische Mannschaft beim Spielen der Nationalhymne auspfeift, oder wenn Jens Lehmann im Spiel gegen uns mit Laserlicht bewusst gestört wird, dann habe ich dafür absolut kein Verständnis. Das ist extrem unsportlich und hat auf dem Fußballplatz nichts verloren. Davon möchte ich mich klar distanzieren.

torwart.de: Wie wird eure Vorbereitung für die EURO nun aussehen?

Payer: Unsere Vorbereitung ist sehr genau und akribisch geplant. Am 26. April endete unsere Meisterschaft. Anschließend hatten wir in zwei Tagen verschiedene Tests durchgeführt. Im Anschluss daran hatten wir 5 Tage frei und dann ging es ins Trainingslager nach Sardinien. Insgesamt werden wir uns ca. 6 Wochen auf das Turnier vorbereiten. Ich bin mir sicher, dass wir optimal auf das Turnier vorbereitet sind.

torwart.de: Wie würdest du damit umgehen, wenn du nicht die Nummer eins im Team sein würdest?

Payer: Im ersten Moment wäre ich natürlich enttäuscht. Ich würde natürlich das Team und die anderen Torleute uneingeschränkt unterstützen und alles für die Mannschaft tun, damit das Österreichische Team eine erfolgreiche Europameisterschaft spielen kann.

torwart.de: Wie bewertest du Oliver Kahns Reaktion im Vorfeld der WM als er die Nummer eins an Jens Lehmann abgeben musste?

Payer: Ich fand es schon bewundernswert, dass sich Kahn nicht dazu entschlossen hat, nach der Entscheidung gegen ihn nicht zurückzutreten. Kahn war damals 36 Jahre alt und hatte im Grunde alles schon erreicht, was erreichbar ist. Ich denke aber, dass der Nichtrücktritt und die Unterstützung der Nationalmannschaft während der WM ihm einen enormen Imagegewinn eingebracht hatten. Früher hatte Kahn überwiegend das Image des verbissenen Sportlers. Dieses Image hat sich meiner Meinung nach stark verändert.

torwart.de: Wie gehst du mit dem ansteigenden Medieninteresse im Zuge der anstehenden EURO um?

Payer: In den letzten Wochen haben die österreichischen Medien sehr viel über die anstehende EM und natürlich auch über die Torwartfrage im österreichischen Team berichtet. Bei mir ist es mittlerweile so, dass ich immer weniger die Presse verfolge. Wenn Du dich als Profisportler nur an der Presse orientierst, machst du dich mental sehr abhängig. Zu Beginn meiner Laufbahn habe ich nach jedem Spiel die Zeitung gekauft, um nachzulesen, welche Noten ich bekommen habe. Das mache ich heute nicht mehr. Heute weiß ich selber, wie ich meine Leistungen und meine Chancen auf den Stammplatz im Team einzuschätzen habe.

torwart.de: Vor der EURO gab es einige Anfrage an dich als Werbepartner diverser Firmen mitzumachen. Was genau hat es damit auf sich?

Payer: Mit den Firmen Nutella und Cewa bin ich Werbepartner von zwei Firmen, hinter deren Produkte ich stehen kann. Ich würde niemals Werbung für Produkte, wie Zigaretten oder Alkohol machen - die mir selber nicht zusagen. Die Kontakte zu den Werbefirmen kamen über meinen deutschen Manager zustande. Ich arbeite seit ca. 1,5 Jahren mit ihm zusammen und er baute die Kontakte zu diesen Firmen auf. Das Drehen von Werbespots macht immer viel Spaß. Beim Spot mit Cewa waren auch Marcell Jansen und Bernd Schneider mit dabei. Wir haben dabei viel Spaß miteinander gehabt.
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