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Frauen-WM: WM-Kolumne - Teil I - Entwicklungen des Frauenfußballs


Frauen WM (Foto: Firo)

Wo steht der Frauenfußball heute? Wie hat er sich entwickelt? Torwart.de-Leser „TW-Trainer„ schaut sich die diesjährige Frauen-WM für torwart.de aus einem besonderen Blickwinkel an! Im ersten Teil geht es um die Entwicklungen des Frauenfußballs und die ersten Tage der WM!

Mir ist aufgefallen, dass der Frauenfußball in den letzten Jahren körperbetonter geworden ist. Leider hat sich in manchen Teams die Unsitte des "Ellenbogen-Check" ebenfalls ausgebreitet. Der absichtliche Check sollte m.E. mit "Rot" statt mit "Gelb" geahndet werden. Es stellt in meinen Augen eine Unsportlichkeit dar, bei der man nicht erst auf Nasenbeinbruch oder ausgeschlagene Zähne warten muss.

Aber kommen wir zum Sportlichen. Das Spieltempo hat erfreulicherweise zugenommen. Sehr unterschiedlich ist jedoch das Niveau der Pässe. So fehlte beim Auftaktspiel der deutschen Damen sehr häufig der Druck, weshalb der Gegner häufig leichtes Spiel hatte unsere Mädels erfolgreich beim Angriff zu stören. Sehr viel besser machten es die Mädels aus Frankreich. Dennoch gelang ihnen nur 1 Tor aus dem Spiel heraus und die anderen aus Standards, bei der die gegnerische Zuordnung nicht passte.

Die Qualität der Kommentatoren hatte auch diesmal eine große Streuung. Ich finde, der Hinweis darauf, dass eine Nationalspielerin noch vor 6 Monaten als Kellnerin gearbeitet hat fast genauso deplatziert als wenn man Ronaldo`s Tagesleistung mit dem Vorwurf der Steuerhinterziehung kommentiert. Man sollte die sportlichen Leistungen vom Privatleben deutlicher treffen. Der Fußball ist auch so emotional genug und bietet ein breites Feld an Möglichkeiten, die besser ausgeschöpft werden, wenn man nicht jeden hohen Ball damit kommentiert, dass Spielerin X oder Keeperin Y ja nur den Ball bekommen hat, weil sie mit X cm besonders groß oder aber nicht an den Ball kam, weil sie X cm zu klein war. Wenn eine Akteurin besonders gut ist, dann interessiert es mich nicht, ob die Person groß, klein, dick oder dünn ist, weil hiermit das große Leistungsvermögen nicht annähernd beschrieben werden kann.

Almuth Schult lieferte ein solides Spiel, hatte allerdings nicht so viel zu tun. Herausragende Leistungen zeigte die erst 19-jährige Sydney Schneider im Tor von Jamaika. Sie hielt nicht nur einen Elfmeter, indem sie die Ecke frühzeitig erahnte, sondern zeigte sich besonders cool und erfolgreich in den 1 vs 1 Duellen. Es erstaunt besonders ihre Reife im Stellungsspiel der Torraumverteidigung.

Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Keeperin bald in der Frauen-Bundesliga begrüßen könnten. Allerdings stehen die Zeichen dafür nicht so gut. Denn im Vergleich zu den europäischen Topteams, bei denen Frauen z.T. gut verdienen, werden den meisten Profi-Fußballerinnen hierzulande Ausbildungsverträge angeboten, die ihnen eine berufliche Zukunft nach der Fußball-Karriere bieten können.

Für mich ist Frankreich der Favorit. Deutschland wird sich noch sehr steigern müssen. Denn die Patzer auf der rechten Abwehrseite wird man sich gegen stärkere Gegner nicht erlauben können. Im Angriff wünscht man sich mal ein erfolgreiches Dribbling, aus der eine unmittelbare Torchance gestaltet werden kann. Hier wurde über die Außenbahnen zu zögerlich agiert. Entweder wurde zurück gepasst oder ein unpräziser Pass geschlagen. Hinzu kommt, dass das neue Trainerinnen-Duo die Mannschaft noch zu wenig kennen, weshalb ihnen der Mut zu taktischen Veränderungen und kurzfristige Einwechslung von Spielerinnen noch zu fehlen scheint. Doch im Gegensatz zur Trainerin Steffi Jones, der einfach die praktische Trainererfahrung noch fehlte, werden sie die Defizite sehr viel schneller erkennen und die Baustellen nach und nach erfolgreich bearbeiten. Ganz besonders gut gefällt mir beim Trainerteam das ausgestrahlte Selbstbewusstsein, ohne wenn und aber die Dinge anzusprechen und dabei steht`s auch die Fairness im Blick zu haben. Selbst, wenn es dieses mal keine Medaille für die deutschen Mädels geben sollte, kann man darauf aufbauen, dass das neue Trainerteam den Altersumbruch im deutschen Team erfolgreich gestalten wird.

Schließlich noch ein Satz zum Boykott einiger Nationalspielerinnen zur Teilnahme an der WM. Nach meiner Meinung wird man die Unterschiede zwischen der Wahrnehmung des Männer- und Frauenfußballes nicht durch Teilnahmeboykott lösen können. In einigen Ländern bzw. Top-Clubs hat der Frauenfußball bereits in jüngster Vergangenheit an Popularität gewonnen. Dies geschah jedoch durch eine deutliche Qualitätsverbesserung in technischen und taktischen Elementen. Auch konnte man durch verbesserte Konditionen ein höheres Spieltempo über die komplette Spieldauer erleben. Spielerinnen, denen bereits nach 60 Minuten die Puste ausging, wegen Wadenkrämpfen das Spiel immer wieder unterbrochen werden musste, gehören hier der Vergangenheit an.

Leider reagieren einige Verantwortliche aus dem Seniorenbereich auch nicht so darauf, wie man es sich wünscht. Sehr viele Probleme außerhalb der Vorzeigemannschaft des Vereins resultieren leider aus einer nicht ausreichenden Wahrnehmung des sportlichen Unterbaus. Wenn man aber die potenziellen Profis von morgen heute gar nicht wahrnimmt, dass wird eine systematische Weiterentwicklung zum Zufall. Hier braucht es mehr Leute mit Weitblick in mittel- und langfristigen Konzepten, anstatt nur mal mit einem Kommentar kurzfristig die Situation aus eigenem Blickwinkel zu beschreiben.

Aber die WM ist ja erst angefangen. Wir werden vermutlich noch einige Überraschungen dabei erleben?

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