Der erste Torhüter mit einem Bundesligator
Seinen Platz in den Geschichtsbüchern sicherte sich Manglitz am 17. Juni 1967. Im Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach übernahm der Torhüter selbst die Verantwortung vom Elfmeterpunkt und verwandelte zum zwischenzeitlichen 1:3.
Damit wurde Manfred Manglitz zum ersten Torhüter der Bundesliga-Geschichte, der ein Tor erzielte. Was heute durch mitspielende Torhüter oder spektakuläre Last-Minute-Treffer gelegentlich vorkommt, war damals eine absolute Ausnahme und unterstrich den außergewöhnlichen Charakter des Kölner Schlussmanns.
Neben seinem historischen Treffer galt Manglitz als moderner Torwart seiner Zeit. Der 1,90 Meter große Schlussmann überzeugte durch seine Strafraumbeherrschung, seine Athletik und sein mutiges Auftreten. Mit seiner kompromisslosen Art gehörte er in den 1960er-Jahren zu den prägenden Torhütern der Bundesliga.
Vier Länderspiele und die Weltmeisterschaft 1970
Auch im Trikot der deutschen Nationalmannschaft gehörte Manglitz über mehrere Jahre zum Kreis der besten deutschen Torhüter. Zwischen 1965 und 1970 bestritt er vier Länderspiele für den DFB.
Seinen internationalen Höhepunkt erlebte er bei der Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko. Als Ersatztorhüter hinter Sepp Maier gehörte Manglitz zum deutschen WM-Kader, der nach dem legendären Halbfinale gegen Italien schließlich den dritten Platz belegte. Zu einem Einsatz kam er allerdings nicht.
Der Bundesligaskandal beendete eine große Karriere
Wegen seiner selbstbewussten und streitbaren Art erhielt Manglitz den Spitznamen „Cassius“ – eine Anspielung auf den Geburtsnamen des späteren Boxweltmeisters Muhammad Ali, Cassius Clay.
Sportlich gehörte Manglitz zu den besten deutschen Torhütern seiner Zeit. Dennoch blieb ihm der ganz große Titel verwehrt. Neben der Vizemeisterschaft 1964 verlor er mit seinen Mannschaften die DFB-Pokal-Endspiele 1966, 1970 und 1971.
Der dramatische Wendepunkt seiner Karriere folgte im Jahr 1971. Als Torhüter des 1. FC Köln war Manglitz in den Bundesligaskandal verwickelt. Im Abstiegskampf hatte er dem Präsidenten der Offenbacher Kickers, Horst-Gregorio Canellas, ein Bestechungsangebot unterbreitet, um im Spiel gegen Rot-Weiss Essen absichtlich Fehler zu machen.
Canellas zeichnete das Telefonat heimlich auf Tonband auf und machte den Bestechungsversuch später öffentlich. Dadurch gehörte Manglitz zu den wenigen Beteiligten, deren Verwicklung eindeutig nachgewiesen werden konnte.
Der Deutsche Fußball-Bund sperrte ihn daraufhin zunächst lebenslang. Zwei Jahre später wurde die Sperre aufgehoben. Eine Rückkehr in die Bundesliga gelang Manglitz jedoch nicht mehr.
Während zahlreiche ebenfalls gesperrte Bundesligaspieler ihre Karriere in Südafrika fortsetzten, lehnte Manglitz diesen Weg ab. Damals war Südafrika aufgrund der Apartheid nicht Mitglied der FIFA, weshalb die Sperren dort keine Gültigkeit besaßen.
Ein neues Leben in Spanien
1975/76 kehrte Manglitz noch einmal für kurze Zeit in den Profifußball zurück und absolvierte fünf Zweitligaspiele für den 1. FC Mülheim-Styrum. Anschließend ließ er seine Laufbahn im Amateurfußball ausklingen.
Bereits Mitte der 1970er-Jahre hatte sich Manglitz an der spanischen Costa Blanca eine neue Existenz aufgebaut. Im Raum Villajoyosa, zwischen Alicante und Benidorm, eröffnete der ehemalige Nationaltorhüter ein Restaurant und führte zeitweise zudem eine Gebäudereinigungsfirma. Dem deutschen Profifußball blieb er fortan weitgehend fern.
Trainer- oder Funktionärsämter reizten ihn nicht. Stattdessen genoss Manglitz das Leben in Spanien und trat nur noch selten öffentlich auf. Interviews gab er meist nur zu besonderen Anlässen oder wenn es um den Bundesligaskandal oder seine außergewöhnliche Karriere ging.
MSV Duisburg trauert um eine Vereinslegende
Der MSV Duisburg würdigte seinen ehemaligen Torhüter als einen der größten Spieler der Vereinsgeschichte. In einer Mitteilung sprach der Verein von einem „ganz Großen“, der den Klub sportlich und menschlich über Jahrzehnte geprägt habe. Auch nach seiner aktiven Laufbahn blieb Manglitz den Zebras eng verbunden und hielt bis zuletzt regelmäßigen Kontakt zu seinem ehemaligen Verein.
Mit Manfred Manglitz verliert der deutsche Fußball einen Torhüter, der die Anfangsjahre der Bundesliga entscheidend mitprägte. Sein historischer Elfmetertreffer, seine außergewöhnliche Persönlichkeit und seine tragische Rolle im wohl größten Skandal der deutschen Fußballgeschichte machen ihn bis heute zu einer der faszinierendsten und zugleich widersprüchlichsten Figuren der deutschen Torwartgeschichte.
Unabhängig von den Schattenseiten seiner Karriere bleibt sein Name für immer mit der Geschichte der Bundesliga verbunden – als Torwart der ersten Stunde, Nationalspieler, WM-Teilnehmer und erster Schlussmann, der in Deutschlands höchster Spielklasse selbst ein Tor erzielte.
Kommentare (1)
Peter Arhelger
am