Allerdings zeigte Kauã Santos in der Vorbereitung eigentlich solide Leistungen, sodass die Torhüter-Position immer weniger zur Disposition stand. Den entscheidenden Ausschlag für ein Umdenken gab schließlich die 0:7-Testspielniederlage beim FC Brentford, bei der Santos vor allem beim 0:2 keine gute Figur abgab. Direkt danach sollen sich die Eintracht-Bosse nun endgültig davon überzeugt haben, dass Hütters interne Forderung nach einer externen Lösung umgesetzt werden muss. Der Trainer selbst fasste die allgemeine Kaderlage bei einer Pressekonferenz vor dem Pokalspiel gegen den SC St. Tönis mit den Worten zusammen, dass wohl jeder gesehen habe, was der Mannschaft noch fehle – man werde alles daransetzen, das noch zu ändern, so Hütter weiter, der sich trotz der bislang unrunden Kaderplanung zuversichtlich zeigte, dass sich auf dem noch bis 31. August geöffneten Transfermarkt noch einiges bewegen könne. Aber ebenfalls gab der Trainer an, dass Kauã Santos im Pokalspiel auflaufen werde und die Tage danach zeigen werden, wie es bezüglich der Torhüter weitergeht.
Dieses Verhalten zeigt nun sukzessive erstaunliche Parallelen zum Sommer 2018. Damals heuerte der Österreicher erstmalig bei den Hessen an. Unmittelbar zuvor hatte die Eintracht nach 30 Jahren Durststrecke mit dem Gewinn des DFB-Pokals einen Titel gewinnen können und musste gleichzeitig einen großen Umbruch moderieren. Trainer Niko Kovač ging zu den Bayern, Torhüter Lukáš Hrádecký zu Bayer Leverkusen. Auf Kovač folgte Hütter. Hrádeckýs Nachfolger war Frederik Rønnow, der den Finnen bereits bei seinen zwei Stationen zuvor jeweils beerben konnte. In der Vorbereitung war Rønnow aber aufgrund einer Knieverletzung immer wieder angeschlagen und zeigte sich auch im Supercup beim 0:5 gegen die Bayern in keiner guten Verfassung. Unmittelbar vor dem Ende der Transferphase holten die Hessen per Leihe Torwart Kevin Trapp zurück an den Main – vor allem auch auf Drängen des Trainers.
Nach aktuellem Stand gilt Atubolu als die favorisierte, aber noch keineswegs sichere Lösung. Der 24-Jährige hatte sich bereits früh im Sommer entschieden, den SC Freiburg zu verlassen, wobei sein eigentliches Ziel die Premier League war – ein entsprechender Wechsel kam bislang jedoch nicht zustande. Da die Freiburger bereits mit Mio Backhaus von Werder Bremen einen Nachfolger verpflichtet haben, hat Atubolu im Breisgau keine sportliche Perspektive mehr. Der ehemalige U21-Nationaltorhüter hat nun selbst reagiert und nach gerade einmal sieben Monaten die Zusammenarbeit mit seiner Berateragentur beendet, um doch noch einen Wechsel zu realisieren – wenngleich statt eines großen Premier-League-Klubs wohl Eintracht Frankfurt das nächste Ziel des Torhüters werden könnte. Allerdings sind die Hessen weiterhin auf Transfererlöse angewiesen, wodurch die finanziellen Mittel bei den Frankfurtern begrenzter sind, als gemeinhin angenommen.
Die "BILD" bringt nun ein anderes Szenario ins Spiel: So soll Atubolus bis 2027 laufender Vertrag beim SC Freiburg um ein weiteres Jahr verlängert werden und anschließend der Keeper zu Eintracht Frankfurt ausgeliehen werden. Gleichzeitig soll diese Vereinbarung mit einer Kaufpflicht erweitert werden, sodass die Eintracht auch für die aktuelle Saison weiterhin über finanzielle Mittel verfügen würde, um den Kader umzubauen, während Freiburg weiterhin finanziell vom Abgang Atubolus profitieren würde. Eigentlich hatte der Klub geplant, für Atubolu in diesem Sommer eine Ablösesumme zu generieren, die dem Marktwert des Torhüters entspricht. Dieser liegt bei 25 Millionen Euro, doch bleiben bisher die Angebote in dieser Höhe aus. Auch die Eintracht wird ein Ablösepaket in diesem Rahmen nicht bedienen können, wodurch eine Leihe mit anschließender Kaufpflicht durchaus realistisch erscheint.
Parallel soll sich die Eintracht laut "Sport1" weiterhin auch mit Lukáš Hrádecký beschäftigen. Der 36-jährige Finne, dessen Vertrag bei den Monegassen noch bis Juni 2027 läuft, scheint jedoch eher bei seinem aktuellen Klub bleiben zu wollen. Für Hütter wäre eine Verpflichtung Atubolus die Erfüllung eines Wunsches, den er intern schon seit seinem ersten Arbeitstag bei der Eintracht formuliert hat. Ob sich dieser lange gehegte Plan angesichts der finanziellen Rahmenbedingungen und der verbleibenden Zeit bis zum Ende der Transferperiode tatsächlich noch realisieren lässt, dürfte sich in den kommenden Tagen entscheiden.
Kommentare (0)
Keine Kommentare vorhanden!