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Torhüterspiel gleich Fehlerspiel?

Kurz- und langfristige Strategien zum funktionalen Umgang mit Fehlern

Von Sebastian Mundruc und Jona Schwarz

Loris Karius (Foto Firo)

Regungslos hockt Loris Karius in seinem Strafraum. Die Flutlichter des Olympiastadions durchschneiden den ukrainischen Nachthimmel und leuchten die tragische Figur des Finalspiels der Königsklasse für die ganze Welt sichtbar aus. Seine Augen blicken stumm auf den Rasen des von Kiew, in dem er versinken möchte, um sich vor den Kameras, den Blicken, vor Mit- und Gegenspielern zu flüchten. Schnell erwachen beim Beobachter Bilder des großen Oliver Kahn, der am 30. Juni 2002 in ähnlicher Ausdruckslosigkeit an den Torpfosten gelehnt sitzt, kurz nachdem er sich und seine Mannschaft mit einem Patzer im WM-Finale gegen Brasilien um den größten Triumph eines Fußballers brachte. Genau wie es diesen beiden Weltklassetorhütern auf der ganz großen Bühne erging, ergeht es an jedem Wochenende tausenden Torhütern aus allen Ligen der Welt – sie machen Fehler. Oftmals den, der am Ende über Sieg oder Niederlage entscheidet. Und jedes Mal hallt die Frage nach dem „Warum?“ noch lange nach.

Eine wichtige Frage, die es zu beleuchten gilt - wenn der passende Zeitpunkt dafür gekommen ist. Die Reaktion auf einen Fehler und die anschließende Verarbeitung desselben läuft in zeitlich aufeinanderfolgenden Phasen ab, die je nach Individuum unterschiedlich ausfallen. Eine Generalisierung vorzunehmen bleibt verboten, dennoch dürfen aus der Ferne Muster erkannt und erklärt werden.

In der Regel erfolgt unmittelbar auf einen Fehler eine emotionale Reaktion, die sich vor allem in Niedergeschlagenheit oder Wut ausdrückt. Das gedankliche Selbstgespräch, das im optimalen Fall positive Auswirkungen auf das eigene Selbstbewusstsein und die Lenkung der Aufmerksamkeit hat, wird von Selbstvorwürfen bestimmt. Die Aufmerksamkeit, die, sofern ein Torhüter entsprechende Strategien entwickelt hat, wie der Lichtkegel einer Taschenlampe aktiv ausgerichtet werden kann, wird unwillkürlich auf störende Gedanken und Empfindungen gelenkt. Die Reaktionen der Mitspieler und Fans, das eigene Versagen und die daraus perspektivisch resultierenden Konsequenzen stehen im gedanklichen Lichtkegel. Im Hier und Jetzt, in dem das Spiel wieder angepfiffen wird, fehlt diese Aufmerksamkeit. In der Negativfolge können aus diesem Umstand weitere Fehler entstehen.

Infos zum Autor:

Name: Sebastian Mundruc

Geburtstag: 07.10.1990

Tätigkeiten:

  • Seit 2013 Torwartkoordinator U23-U12 + aktiver Torwarttrainer U23–U17 Eintracht Braunschweig
  • 2013-2014 pädagogischer Leiter im NLZ Eintracht Braunschweig
  • Referent beim Bund Deutsch Fußball-Lehrer

Ausbildung:

  • DFB B-Lizenz
  • DFB Torwarttrainerzertifikat Leistungsfußball
  • WFV Torspielertrainerlizenz
  • Brain-Kinetik Trainerzertifikat

Im Umgang mit einem schwerwiegenden Fehler muss demnach zwischen kurzfristigen Strategien und einer ausführlicheren Verarbeitung im Nachgang unterschieden werden. Das Ziel des Torhüters in der unmittelbaren Verarbeitung sollte darin bestehen, seinen Fokus schnellstmöglich wieder auf das Spiel und seine Aufgaben zu richten. Unbewusst findet hier häufig eine selbstwertdienliche Ursachenzuschreibung statt. Der Torhüter prüft, welche äußeren Einflüsse zu seinem Fehler geführt haben könnten und beschwert sich in der Folge über Unebenheiten des Platzes, fälschliche Abseitsentscheidungen oder den fehlenden Einsatz seines Mitspielers, um den Gegner am Schuss zu hindern. Indem er den Schuldigen außerhalb seines kontrollierbaren Bereiches sucht, schützt er seinen eigenen Selbstwert. Hilft dies dem Torhüter im entsprechenden Moment, kann es situativ eine funktionale Strategie sein, trotzdem sollte vor allem an diesem Punkt in der anschließenden Fehleranalyse angesetzt werden.

Infos zum Autor:

Name: Jona Schwarz

Geburtstag: 04.01.1991

Tätigkeiten:

  • Sportpsychologe Nachwuchsleistungs-zentrum Eintracht Braunschweig
  • Mitarbeiter bei mindworks UG (www.mindworks-sportpsychologie.de)
  • Sportpsychologische Begleitung des inklusiven Tennis-Projektes „Tennis für Alle“ (Gold-Kraemer-Stiftung, Köln)
  • Coaching und Betreuung von Sportlern unterschiedlicher Sportarten

Ausbildung:

  • M.A. Angewandte Sportpsychologie (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
  • Bachelor Lehramt Sport, Deutsch (Deutsche Sporthochschule Köln)

Da während des laufenden Wettkampfes die Zeit fehlt, sich lösungsorientiert mit der Verarbeitung des Vorhergegangenen zu befassen, kann eine weitere kurzfristige Strategie darin bestehen, sich aus der entsprechenden Situation zu entfernen, um die belastenden Empfindungen zu lindern. Weil der Torhüter das Spielfeld nicht verlassen kann, muss dieser Schritt gedanklich ablaufen. Der Torhüter kann erlernen, sich über bildliche Vorstellungstechniken für einige Sekunden an einen für ihn sicheren Ort zu versetzen. Oftmals kann es helfen, dabei kurzfristig einen symbolischen Abstand zwischen ihn und den Ort des Geschehens zu bringen, indem er für einige Sekunden seinen Strafraum verlässt.

Um seine Aufmerksamkeit zurück ins Hier und Jetzt zu holen, empfiehlt es sich Selbstgesprächsstrategien zu entwickeln, die dem Torhüter dabei helfen einen Fehler kurzfristig abhaken und akzeptieren zu können. Das positive gedankliche Selbstgespräch sollte mit einer selbstgewählten Trigger-Handlung verknüpft werden. Diese Handlung kann beispielsweise darin bestehen, einen Schluck aus der Trinkflasche zu nehmen, sich mit dem Handtuch abzuwischen oder das Trikot neu zu richten. Bedeutsam ist, dass die Handlungsausführung die entsprechend verknüpften Gedanken triggert, die dem Keeper zeigen: „Fehler gehören dazu, ich werde mich später damit auseinandersetzen, jetzt bleibe ich im Moment, denn meine Mannschaft braucht mich und meine Aufmerksamkeit hier auf dem Platz“.

Vorschläge für kurzfristige Strategien zum Umgang mit Fehlern

  • Aufmerksamkeitsfokus möglichst unmittelbar auf die Aufgaben im Hier und Jetzt richten
  • Einsatz funktionalen Selbstgespräches zur Wiedererlangung des Fokus
  • Selbstwertdienliche externe Ursachenzuschreibung ist akzeptabel, bedarf aber eingehender Analyse
  • Kurzzeitiges gedankliches und physisches Entfernen vom Ort des Geschehens

Diese beschriebenen Strategien, um Fehler kurzfristig abzuhaken sind wichtig. Sie ersetzen allerdings nicht die möglichst rationale Analyse des Fehlers mit entsprechendem zeitlichen Abstand zum Spiel. Nur durch die Klärung der Ursachen und dem Versuch, die in der Einleitung des Artikels aufgeworfene Frage nach dem „Warum?“ zu beantworten, entsteht die Möglichkeit aus eigenen Fehlern zu lernen und sich durch sie zu verbessern.

In der Person (internal)

In der Umwelt (external)

Stabil (nicht veränderbar)

Talent, Begabung, …

Gegnerleistung, Schiedsrichter, …

Variabel (veränderbar)

Anstrengung, Vorbereitung, …

Glück, Pech, Fluktuierende Gegnerleistung, …

Nach einer geglückten oder misslungenen Aktion nach den Gründen für Erfolg und oder Misserfolg zu suchen, ist ein natürlicher Vorgang und nicht auf den Sport beschränkt. Die Antworten, die eine Person auf die Frage nach den Ursachen findet, wirken sich bewusst und unbewusst auf die emotionale Bewertung des Geschehens, das eigene Selbstvertrauen und die Zielsetzung bzw. die Motivation aus, beim nächsten Mal eine ähnliche Aufgabe anzugehen.

Eine funktionale Ursachenzuschreibung (auch funktionale Attribution genannt) ist daher von großer Bedeutung. Unterschieden wird hier zwischen internen oder externen Faktoren und stabilen, also unveränderlichen Faktoren und variablen Ursachen, die jeweils auf die Möglichkeit der eigenen Kontrollierbarkeit geprüft werden.

Nach Erfolgen ist es demnach für das Selbstvertrauen förderlich, sich selbst als Verursacher dieses Erfolges zu sehen und interne Faktoren zur Beantwortung der Ursachenfrage heranzuziehen.

Wie beschrieben werden nach einem Misserfolg kurzfristig die Gründe external beim Platz, beim Schiedsrichter oder bei den Mitspielern gesucht. Dies schützt das eigene Selbstwertgefühl und ist demnach in der eigentlichen Situation funktional. In der nachträglichen, rationalen Analyse sollte allerdings die Frage gestellt werden, auf welche der Ursachen der Torhüter selbst einen Einfluss gehabt hätte. Der Torhüter sollte sich auf die Suche nach internalen Gründen machen, die seinen Fehler erklären können. Wichtig ist an dieser Stelle, dass die Ursachenerklärung zwar internale aber dabei veränderbare Faktoren berücksichtigt. Dies stellt die Kontrollierbarkeit in den Vordergrund und die Möglichkeit eine Verbesserung und damit eine zukünftige Vermeidung vergleichbarer Situationen selbst in der Hand zu haben. Dieses Vorgehen kann darin bestehen sich konkret auf entsprechende Situationen vorzubereiten, seine Routinen während des Spiels zu überarbeiten oder vergleichbare Situationen im Training noch intensiver einzuüben.

Vorschläge für funktionale Ursachenzuschreibung im Nachgang

  • Interne Ursachen zur Erklärung von Erfolg zur Selbstwertstärkung nutzen
  • Misserfolge hinsichtlich internaler Ursachen prüfen
  • Besondere Berücksichtigung internaler variabler Faktoren
  • Herausstellen der Kontrollierbarkeit bzw. die Möglichkeit zur Veränderung durch Training und Vorbereitung
  • Trainingssituationen nutzen, um auf vergleichbare Situationen vorzubereiten

Das spielgemäße Konzept sieht die Anwendung der Techniken in Wettkämpfen, oder dem Wettkampf nachempfundenen Spielformen ab der ersten Minute vor. Dabei sind die Umsetzung und die situationsbedingte Anwendung der Genauigkeit und der Häufigkeit der Bewegungsausführung übergeordnet. In die Spielformen und die Anwendung werde Übungs-du Trainingsformen integriert. Auch diese orientieren sich nach Möglichkeit an den Bedingungen des Wettkampfes. Verbesserungen werden dann nahtlos in die Spielformen eingebunden und unter Druckparametern eingefordert. Das Spielgemäße Konzept stellt letztlich eine Art Kompromiss zwischen Spielen und spielnahem Üben dar. Ohne intentional Fehler zu provozieren, dürfen die Fehler, die aus der spielnahen Form resultieren Berücksichtigung erhalten. Der Torhüter sollte unmittelbar nach einem solchen die Möglichkeit bekommen, seine Fehlerroutine auszuführen und die Ursachenanalyse im Nachgang anhand der oben dargestellten Leitlinien gemeinsam mit seinem Torwarttrainer oder einem Sportpsychologen durchzuführen.


Ablauf: Der Torwarttrainer beginnt die Aktion mit einem Zuspiel auf TW2. Der gespielte Ball (1) darf nicht abgefangen werden. TW2 lässt den Ball nun in das Spielfeld klatschen. TW1 und TW3 verteidigen nun jeweils ihre Tore gegen den Torwarttrainer, der nun auf beide Tore angreifen darf.

Coaching: Den potenziellen Abnehmer (TWT) beobachten. Mit dem gespielten Ball von TW2 muss eine Entscheidung getroffen werden (Torverteidigung oder Raumverteidigung).


Ablauf: Der Torwarttrainer beginnt die Aktion mit einem Pass in die Spielmitte. Derjenige Spieler, der den Ball zuerst erreicht wird Angreifer und kann Punkte erzielen. Durch die unterschiedlichen Tore werden verscheiden Abschlüsse provoziert. Es darf in Folge nur ein weiteres Mal umgeschaltet werden bei Ballgewinn.

Coaching: Mit dem gespielten Ball sollte Raumdruck geschaffen werden. Tempo reduzieren und Grundstellung einnehmen. Auf ballhöhe bleiben und im Raum orientieren, da ein 2. Ball jederzeit möglich ist.


Ablauf: Torwart A passt den Ball auf Torwart B, dieser lässt den Ball in den Raum klatschen. Nun spielt Torwart A den Ball in die hintere Zone, in der sich Torwart C und Torwart D befinden. Dabei darf Torwart C nur den Blick auf Torwart D richten, der in die besagte Zone einläuft und versucht ein Tor zu erzielen. Sichert Torwart C den Ball so kann er das Spiel fortsetzen. Es wird ein 2gg2 gespielt (Team GELB gg Team BLAU).

Coaching: Maximale Trefferfläche bieten und den Körper zum Ball ausrichten.


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