Fünf Jahre lang war Nikola Vasilj der unumstrittene Rückhalt des FC St. Pauli. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga – besiegelt durch eine Niederlage gegen den VfL Wolfsburg – verkündete der 30-jährige Bosnier direkt nach dem Spiel seinen Abschied vom Kiezklub. Das lag aber auch daran, dass sein Kontrakt lediglich eine Gültigkeit für die 1. Bundesliga besaß. Seine Bilanz am Millerntor kann sich sehen lassen: 167 Pflichtspiele, davon 43 ohne Gegentor, dazu ein maßgeblicher Anteil am geringsten Gegentorschnitt der Aufstiegssaison 2023/24. Als Elfmeterkiller parierte er in seiner Zeit beim FCSP 7 von 16 Strafstößen.
Vasiljs Weg zum Bundesligatorwart war kein geradliniger: Ausgebildet bei Zrinjski Mostar, führten ihn Leihen zunächst zu Igman Konjic und Branitelj, ehe er 2017 zum 1. FC Nürnberg II und 2019 zu Zorya Luhansk in die Ukraine wechselte. 2021 folgte der Sprung zu St. Pauli, wo er sich zum unangefochtenen Stammkeeper entwickelte – und parallel zur klaren Nummer eins Bosnien-Herzegowinas, für die er inzwischen rund 30 Länderspiele bestritten hat. Bei der Weltmeisterschaft 2026 gab er sein Turnierdebüt im Auftaktspiel gegen Kanada. Er blieb auch danach weiterhin während des Turniers die bosnische Nummer 1.
Nach Vertragsende in Hamburg stand Vasilj ab dem 1. Juli ohne Klub da – ein Zustand, der nur kurz anhielt. Nach übereinstimmenden Berichten hat sich der Bosnier für einen Wechsel zum saudischen Aufsteiger Al Diriyah entschieden, absolvierte den Medizincheck in Hamburg und unterschrieb einen Zweijahresvertrag. Überraschend ist der Wechsel vor allem deshalb, da sich für einen guten WM-Torhüter auch noch andere Möglichkeiten in den kommenden Wochen hätten ergeben können. Wie die letzten Tage zeigten, nimmt der Transfermarkt auf der Torhüter-Position erst allmählich Fahrt auf.
Für den Bundesliga-Absteiger St. Pauli bedeutet das endgültig das Ende einer Ära zwischen den Pfosten. Vasiljs Nachfolger wird indes die bisherige Nummer 2, Ben Voll. Schon bei seiner Ankunft 2024 wurde spekuliert, dass der damalige 23-jährige Neuzugang von Viktoria Köln den Bosnier verdrängen könnte.
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