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Eintracht Frankfurt: Warum eine erneute Torwart-Diskussion nicht angebracht ist

Zwischen Talent, Fehlern und Erwartungshaltung

von T. Rübe / M. Schäfer

Immer wenn in dieser Saison Eintracht Frankfurt spielt, ist Spektakel vorprogrammiert. In 18 Spielen mit Frankfurter Beteiligung gab es bereits 77 Tore zu bestaunen. Statistisch betrachtet fallen somit pro Spiel mehr als 4 Tore. Dabei ist die Tordifferenz leicht negativ: Den 38 eigenen Treffern stehen 39 Gegentore gegenüber. Für einen Anwärter auf die europäischen Plätze ist dies einfach zu viel. Gleichzeitig stellen die Hessen damit die mit Heidenheim zusammen schlechteste Defensive der Liga.

Inmitten dieser defensiven Instabilität folgte nun der Paukenschlag: Dino Toppmöller wurde als Cheftrainer entlassen. Die sportliche Leitung reagierte damit auf die ausbleibende Konstanz und die prekäre Lage u.a. in der Defensive. Dennoch standen in der bisherigen Saison bereits mehrfach die Torhüter im Fokus. Ursprünglich war Kaua Santos als neue starke Nummer 1 eingeplant, doch präsentierte sich der 22-Jährige nach seinem Kreuzbandriss seit seinem Saison-Debüt am vierten Spieltag gegen Union Berlin noch nicht wieder in der Verfassung, um eine ohnehin eher instabile Defensive zu stärken und ihr eine gewisse Sicherheit zu vermitteln.

Vielmehr ließ sich der Torhüter selbst zu Unsicherheiten und Fehlern hinreißen. Somit wurde im Laufe der Hinrunde wieder – wie bereits in den ersten Saisonspielen – auf Neuzugang Michael Zetterer gebaut. Gerade im Herbst des Jahres 2025 zeigte der ehemalige Bremer, dass er unter den Torhütern zwar ein herausragender Fußballer ist, in der Strafraumbeherrschung und auf der Linie aber eher im Bundesliga-Durchschnitt zu verorten ist. Für einen Klub wie die Hessen, die sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten Dauergast im europäischen Wettbewerb entwickelt haben, ist das einfach zu wenig.

Deswegen und auch wegen der im Training stetig guten Entwicklung von Kaua Santos erfolgte nach der Winterpause der erneute Wechsel. Beim 3:3 gegen den BVB zeigte der Brasilianer eine gute Leistung, und dennoch steht er schon wieder stark in der Kritik. Dies lag an einer einzigen Szene im Spiel gegen den VfB Stuttgart. Nach der frühen Führung zeigte die Eintracht eine gute Leistung bis zur 24. Minute. Dann ließ Santos eine Flanke aus dem Halbfeld fallen, sodass Demirovic locker abstauben konnte. Auf den ersten Blick war es ein katastrophaler Fehler des jungen Keepers.

 

Der Stuttgarter Ausgleich als Ausgangspunkt

Bei genauerer Betrachtung der Szene fielen jedoch einige Details auf, die die Situation erklärten. 

1.) Grundsätzlich war die Entscheidung des Torhüters richtig, die Flanke vor dem Tor abzufangen, denn Undav lief schon in Position und hätte durchaus für große Torgefahr sorgen können. 

2.) Die Bewegung zum Ball war von Santos auch technisch sauber, und dennoch ließ er dann den Ball in der Luft aus den Händen gleiten. Der Grund dafür war, dass Undav den Frankfurter Verteidiger vehement mit den Händen wegschob und somit in den Sprung des sich bereits in der Luft befindlichen Torhüters drückte. Dadurch verlor Santos in der Luft völlig schuldlos die Balance und dadurch auch noch den Ball aus den Händen.

3.) Manch ein neutraler Beobachter sprach nach dem Spiel sogar von einem Foul des Stuttgarters, da er durch seinen Rempler ("Stoßen") dafür sorgte, dass Santos überhaupt das Spielgerät verlor. Im Spiel aber sah es nach einem klaren und folgenschweren Fehler des Keepers aus. 

Dieses Gegentor zum 1:1 verunsicherte den Torwart und auch die restliche Mannschaft massiv. Plötzlich war die Eintracht völlig von der Rolle und kassierte wenige Minuten später auch die Stuttgarter Führung.

Noch in der ersten Halbzeit schrie der Frankfurter Verteidiger Theate den Torwart an, und auch der Frankfurter Torwarttrainer Jan Zimmermann nahm sich den Torwart vor laufenden Kameras noch auf dem Spielfeld in der Halbzeitpause zur Brust

Diese Szenen sprachen Bände. Der Fokus lag dadurch nur noch mehr auf dem jungen Torwart. Die zweite Halbzeit aber verlief dann ganz anders für den Torwart, der zweimal im Eins-gegen-eins gegen Undav das vorentscheidende 3:1 verhinderte. Santos präsentierte sich deutlich stabiler und zeigte dabei große Paraden. Von dem Fehler war in den Kernbereichen nichts mehr zu sehen. Einzig im fußballerischen Bereich bei der Spieleröffnung oder bei Rückpässen wirkte er zumeist verunsichert.

Rückendeckung für Santos

Nach dem Spiel wurde sowohl medial als auch in den Fan-Kreisen wieder vehement über den Torwart diskutiert, ohne dabei die Situation wirklich im Detail zu betrachten. Die einzige mehr oder minder detaillierte Einschätzung lieferte Zimmermann am Mittwoch bei einer Presserunde, als er seinem Torwart demonstrativ den Rücken stärkte und von einem Fehler im Rahmen der Entscheidungsfindung sprach. Für den Torwarttrainer wäre es besser gewesen, den Ball nicht fangen zu wollen, sondern wegzufausten. Dies war für den Torwart aber in den Sekundenbruchteilen wohl einfach nicht mehr möglich, da er lediglich das Abfangen im Blick hatte und erst durch die Kollision mit Amenda aus dem eigenen Gleichgewicht geriet.

Der nun entlassene Dino Toppmöller hatte es noch sachlich zusammengefasst:  "Ich glaube, dass es wichtig war, dass Kaua in der Halbzeit den Zuspruch von den Jungs bekommen hat. Am Ende gehören Fehler dazu." Zimmermann ergänzte: "Er ist mit dem Rückschlag sehr gut umgegangen, hat sich dann deutlich stabiler präsentiert." 

Gleichzeitig hat das Frankfurter Trainerteam auch keine andere Wahl, als an Santos jetzt festzuhalten und ihm den Rücken zu stärken. Wenn man jetzt sofort nach dem ersten Fehler nach der erneuten Ernennung von Santos zur Nummer 1 den Torwart wieder aus dem Tor nimmt und auf Zetterer baut, hätte man beide Torhüter regelrecht demontiert. Wirklich befreit und mit einem gewissen Vertrauensvorschuss ausgestattet wäre keiner der beiden Torhüter mehr. Sollte man jetzt von dem jungen Torhüter, der im Sommer 2023 aus der Nachwuchsabteilung von Flamengo Rio de Janeiro kam, abkehren wollen, wäre die einzig richtige Lösung, schnellstmöglich eine neue und klare Nummer 1 zu verpflichten. Dabei opferte man im vergangenen Sommer auch gewissermaßen Vereinsikone Kevin Trapp für eine Neuausrichtung mit dem jungen Brasilianer.

Aus wirtschaftlicher Sicht war von Beginn an der Plan, den Torhüter ruhig aufzubauen, um ihn mit einem großen Gewinn irgendwann zu verkaufen. Deswegen und auch im Hinblick auf das Potenzial des Torhüters wäre es absolut notwendig, weiterhin auf Santos zu bauen und ihm auch die Möglichkeit einzuräumen, Fehler zu machen. Das traute sich einst der FC Schalke 04, als man einem jungen Manuel Neuer Fehler zugestand und ihm die Zeit und den Raum zur Entwicklung gab. Ein ähnliches Beispiel gab es in Freiburg, als man Noah Atubolu konsequent zum Nachfolger von Mark Flekken machte und er auch zu Beginn häufig wacklig wirkte. Mittlerweile gilt der Freiburger Schlussmann als ernsthafter Kandidat für den Weltmeisterschaftskader Deutschlands.

 

Werder Bremen als Antithese zur Frankfurter Unruhe

Auch im Norden Deutschlands zeigt man gerade, wie man einen jungen Torwart in Ruhe aufbauen möchte. So darf Mio Backhaus bei Werder Bremen in seiner ersten Saison im deutschen Oberhaus als Nummer 1 in Ruhe reifen. Daher war es am Freitagabend in der Partie gegen Eintracht Frankfurt besonders interessant zu beobachten, wie sich Santos und Backhaus verhielten, als Werder Bremen vor heimischer Kulisse auf Eintracht Frankfurt traf. Beiden Torhütern war dabei anzusehen, dass sie noch etwas Zeit brauchen und den einen oder anderen Entwicklungsschritt in Zukunft gehen müssen.

Gleichzeitig haben sie auch in Szenen bereits zeigen können, dass sie das Potenzial haben, auch auf höchstem Niveau bestehen zu können. Im Übrigen beerbte Backhaus den jetzigen Frankfurter Zetterer, der vor dem Spiel von Werder noch offiziell verabschiedet wurde. In Frankfurt bedeutet das aber auch, dass die sportliche Leitung dringend dazu angehalten ist, dem Torwart weiterhin den Rücken zu stärken und möglichst Ruhe auf der Torwart-Position einkehren zu lassen. Denn sie selbst haben die Situation ein Stück weit heraufbeschworen, als man schnellstmöglich Santos zurück ins Tor bringen wollte, aber nach wenigen Wochen schon wieder die Geduld verlor, obwohl die Unsicherheit in der Hintermannschaft vor allem an einer nicht ausbalancierten Abwehr lag und der Torwart nur ein weiterer Punkt und nicht die Ursache der Misere war.

Mit dem Trainerwechsel bei der Eintracht wird es nun extrem spannend zu beobachten sein, wie die neue sportliche Leitung nach der Ära Toppmöller die Torwartposition besetzen und mit Kaua Santos umgehen wird. Erhält der Brasilianer unter der neuen Führung das uneingeschränkte Vertrauen, oder folgt eine erneute Kehrtwende?

Im Sommer wählte das Team unter Toppmöller auch im Hinblick auf die getätigten Transfers einen anderen Ansatz mit einem hohen Gegenpressing, was aber auch risikobehaftet war und eine sehr hohe Konteranfälligkeit bedeutete. Im Allgemeinen kann ein Torwart bei Kontern nur sehr wenig ausrichten, was auch in die Bewertung der Frankfurter Torhüter einfließen müsste. Vor allem auch in Bremen war es wieder diese eklatante Konteranfälligkeit, die den Hessen die Punkte kostete. An Santos lag es indes nicht.

Fazit: Ein Neuanfang als Chance für Ruhe

Die kommenden Wochen werden für Eintracht Frankfurt wegweisend. Durch die Entlassung von Dino Toppmöller werden die Karten am Main komplett neu gemischt. 
Für Kaua Santos bietet dieses neue Kapitel die Chance, sich unter einer neuen Führung ohne die Altlasten der vergangenen Monate zu beweisen. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen aus den Fehlern der Hinrunde gelernt haben: Ein junger Torwart braucht keine öffentliche Debatte, sondern Rückendeckung und Zeit.

Sollte es der Eintracht gelingen, die defensive Statik zu stabilisieren, wird auch die Torwart-Diskussion so schnell verstummen, wie sie aufgekommen ist. Das Potenzial für eine große Karriere ist bei Santos unbestritten – jetzt muss der Verein den Rahmen schaffen, in dem dieses Potenzial auch nachhaltig wachsen kann.


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