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Pascal Formann: „Man darf nach ein paar Gegentoren nicht alles über den Haufen werfen – entscheidend ist, an der eigenen Philosophie festzuhalten“

09.02.2026
 

Die Hinrunde der Saison 2025/26 verlief für den VfL Wolfsburg nicht wie erhofft. Ein früher Trainerwechsel, defensive Schwankungen und eine angespannte Tabellensituation prägten die erste Saisonhälfte. Gleichzeitig ragte Torhüter Kamil Grabara mit konstanten Leistungen heraus und verhinderte in vielen Spielen Schlimmeres. Im ausführlichen torwart.de-Interview spricht Torwarttrainer Pascal Formann offen über die sportliche Einordnung der Vorrunde, mentale Stabilität nach schweren Spielen, Detailarbeit im Training und die Entwicklung seiner Keeper. Zudem gibt er Einblicke in die Kaderplanung, bewertet junge Talente und äußert sich deutlich zur aktuellen Auslegung bei Eckbällen.

torwart.de: Wie fällt Dein Fazit zur Vorrunde aus – sowohl mit Blick auf die Entwicklung von Kamil Grabara als auch auf das Abschneiden der gesamten Mannschaft?

Pascal Formann: Grundsätzlich muss man ehrlich sein: Als Verein können wir mit der Hinrunde nicht zufrieden sein, weil wir uns andere Ziele gesetzt hatten. Auf der Torhüterposition – speziell bei Kamil Grabara – sehe ich die Entwicklung deutlich positiver. Seine Saison ist bislang vollkommen solide und ordentlich. Nach seinem ersten Bundesliga-Jahr hat er sich weiter etabliert, ist gewachsen und macht aktuell die richtigen Schritte.

Infos zu Pascal Formann

  • Nationalität: Deutschland
  • Geburtstag: 16.11.1982 (43)
  • Geburtsort: Werne, Deutschland
  • Vereine als Trainer:
    Hessen Kassel (Torwart-Trainer: 2009-2012), Charlton Athletic (Torwartkoordinator & Torwart-Trainer Jugend: 2012-2013), VfL Wolfsburg (Torwartkoordinator & Torwart-Trainer Jugend: 2013-2017), VfL Wolfsburg (Torwart-Trainer: 2017-heute)
  • Vereine als Spieler:
    Nottingham Forest, Grantham Town, Arminia Bielefeld, 1. FC Saarbrücken, BV Cloppenburg, Hessen Kassel
  • Lizenz: UEFA A-Lizenz / Torwart-Trainer-Lizenz

torwart.de: Die Mannschaft war defensiv nicht immer konstant, Kamil Grabara zeigte in vielen Spielen starke Leistungen. Wie bewertest Du dieses Spannungsfeld zwischen mannschaftlichen Problemen und individuellen Torwartaktionen?

Pascal Formann: Ich betrachte solche Dinge immer sehr differenziert. Natürlich gehört der Torhüter zur Mannschaft, trotzdem muss ich seine Leistung isoliert bewerten. Wie ich oft sage: Selbst bei Siegen ist nicht automatisch alles gut – und bei Niederlagen ist nicht alles schlecht.

Ich bin grundsätzlich sehr kritisch gegenüber meinen Jungs, aber ich kann eine Torhütersaison nicht allein daran messen, ob die Mannschaft mehr Gegentore kassiert hat als in der Vergangenheit. Entscheidend ist, die einzelnen Faktoren nüchtern zu analysieren und sauber voneinander zu trennen.

torwart.de: Grabara hat in mehreren Spielen viel verhindert, trotzdem lag der Gegentorschnitt zeitweise relativ hoch. Wo lagen aus Deiner Sicht die größten Defensivprobleme – und was verändert Ihr aktuell konkret im Training?

Pascal Formann: Ich werde im Torwart-Training sicher nicht alles über den Haufen werfen, nur weil wir phasenweise mehr Gegentore kassiert haben. Entscheidend ist, dass wir an unserer Philosophie festhalten und weiter an ihr arbeiten. Natürlich kann man als Mannschaft noch konsequenter in der Box verteidigen oder einzelne Standardsituationen stärker forcieren.

Aber grundsätzlich darf man nicht vom eigenen Weg abkommen. Das Torwartspiel funktioniert gut, deshalb gilt es, dort dranzubleiben und die Entwicklung zu akzeptieren. Es wäre fahrlässig, nach jeder schwierigeren Phase alles infrage zu stellen. Wichtig ist, an den Prinzipien festzuhalten und gleichzeitig offen zu bleiben für Nuancen, die man gezielt verändern muss.

torwart.de: Nach den Partien gegen Freiburg und Bayern mit vielen Gegentoren folgte eine starke Leistung gegen St. Pauli. Wie hast Du Grabara in dieser Phase mental und sportlich wieder stabilisiert?

Pascal Formann: Ich bin mit Kamil immer sehr klar – und er ist auch sehr klar mit sich selbst. Ein Spiel wie gegen Bayern muss man schnell abhaken. Entscheidend ist, mental stark zu bleiben und den Fokus sofort wieder auf die nächsten Aufgaben zu richten. Solche Spiele beschäftigen einen noch auf der Rückfahrt oder am nächsten Tag – aber spätestens beim nächsten Training müssen sie aus dem Kopf sein. Grabara bringt diese mentale Stärke mit und konzentriert sich auf das Wesentliche – und genau das hilft ihm, schnell wieder Top-Leistungen zu zeigen.

torwart.de: Woran habt Ihr in der Vorrunde am intensivsten gearbeitet – etwa in der Box, bei der Entscheidungsfindung oder im Spielaufbau – und wo siehst Du bei ihm den größten Fortschritt in seiner zweiten Bundesliga-Saison?

Pascal Formann: Ich habe im Vergleich zur Vorsaison gar nicht so viel an den Trainingsinhalten verändert. Wir sind unseren Prinzipien treu geblieben, haben aber innerhalb der Box noch gezielter an Reaktionen und abgefälschten Bällen gearbeitet. Gleichzeitig hat Kamil im Spielaufbau deutlich mehr Ruhe am Ball entwickelt. Das hängt auch damit zusammen, dass die Trainer einen klaren Plan vom Torhüter verlangen. Bei wechselnden Trainern und unterschiedlichen Ideen ist das natürlich nicht immer einfach, weil sich Vorgaben verändern können.

Gerade deshalb gilt für mich: Man muss nicht alles neu erfinden, sondern an seinen Stärken festhalten, punktuell Dinge adaptieren – und nicht bei jeder Phase alles über den Haufen werfen.

torwart.de: Der Vertrag von Pavao Pervan läuft aus. Welche Optionen werden aktuell diskutiert – sowohl sportlich als auch mit Blick auf eine mögliche Rolle im Verein?

Pascal Formann: Zunächst einmal muss man Pavao Pervan großen Respekt zollen. Er ist ein sehr feiner Kerl, bringt Top-Leistungen im Training, ist athletisch und gesundheitlich in hervorragender Verfassung und hat eine echte Vorbildfunktion – gerade für junge Spieler. Parallel hat er bereits begonnen, sich im Trainerbereich zu engagieren: Im Nachwuchsleistungszentrum arbeitet er an seinen Lizenzen und ist ein- bis zweimal pro Woche eingebunden. Es gibt verschiedene Überlegungen und wir hoffen, zeitnah eine gute Entscheidung treffen zu können.

torwart.de: Welche sportliche und teamdynamische Bedeutung hat Marius Müller derzeit – im Spielbetrieb, im Training und innerhalb der Kabine?

Pascal Formann: Marius hat in der vergangenen Saison überdurchschnittlich gute Leistungen gezeigt. In dieser Spielzeit hatte er zwischenzeitlich kleinere Probleme – unter anderem mit einer Gehirnerschütterung –, die wir aber gut in den Griff bekommen haben. Von seiner Art her ist Marius Müller extrem wichtig für die Gruppe – sowohl in der Kabine als auch auf dem Trainingsplatz. Gleichzeitig haben wir intern eine klare Hierarchie und stehen in einem offenen, ehrlichen Austausch. Marius nimmt diese Rolle an, gibt jeden Tag Vollgas und ist da, wenn er gebraucht wird.

torwart.de: Jakub Zielinski (Jahrgang 2008) gilt als großes Talent. Wie hat er sich in den vergangenen Monaten entwickelt – und welche nächsten Schritte sind für ihn perspektivisch geplant?

Pascal Formann: Jakub Zielinski hatte zu Beginn gewisse Orientierungsschwierigkeiten, hat sich danach aber sehr gut etabliert. Er hat sich sowohl persönlich als auch athletisch stark weiterentwickelt und durch das tägliche Training mit uns sowie durch seine Einsätze deutliche Schritte nach vorne gemacht. Zusätzlich sammelt er regelmäßig Spielpraxis in der U19. Jetzt geht es darum, gemeinsam zu entscheiden, welcher nächste Schritt für ihn am sinnvollsten ist.

torwart.de: Welche sportlichen Ziele setzt ihr euch für die Rückrunde – sowohl als Mannschaft insgesamt als auch speziell mit der Torwartgruppe?

Pascal Formann: Für die Torhüter geht es vor allem darum, die Konstanz aufrechtzuerhalten, die sie bereits gezeigt haben. Als Mannschaft ist es unser primäres Ziel, so schnell wie möglich Punkte zu sammeln, um mit den unteren Tabellenregionen nichts zu tun zu haben. Es geht darum, sich frühzeitig zu stabilisieren und zu vermeiden, zum Saisonende noch tiefer hineinzurutschen.

torwart.de: Das gezielte Blocken des Torhüters bei Eckbällen nimmt im Profifußball immer mehr zu. Wie bewertest Du diese Entwicklung: Wird aus Deiner Sicht zu wenig geahndet – oder ist es eine taktische Anpassung, auf die man sich im Defensivverbund einstellen muss? Und welche Gegenmaßnahmen haltet Ihr aktuell für besonders wirkungsvoll?

Pascal Formann: Ich sehe dieses Thema grundsätzlich zweigeteilt. Wenn ein Spieler den Torhüter blockt, ohne ihm in die Hände zu greifen, halte ich das für legitim. Wenn jedoch bewusst blockiert, gehalten oder attackiert wird, ohne dass der Spieler wirklich etwas mit der Spielsituation zu tun hat, sollte das geahndet werden. Spätestens dann, wenn in die Bewegungsabläufe oder in die Hände des Torhüters eingegriffen wird, muss abgepfiffen werden.

Natürlich nutzen viele Mannschaften diese Situationen inzwischen gezielt aus. Umso wichtiger ist es, dass es eine klare und vor allem konstante Linie in der Auslegung gibt. Ich finde außerdem, dass man zwischen Torhütern und Feldspielern keinen Unterschied machen sollte. Das eigentliche Problem ist aktuell weniger das Blocken an sich als die fehlende Einheitlichkeit. Wenn es hier eine klare Linie gäbe, würden wir über viele dieser Szenen gar nicht mehr diskutieren.

torwart.de: Wir bedanken uns für das sehr spannende Interview und wünschen eine gute Rückrunde.

Pascal Formann: Vielen Dank.


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