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Mathias Hain "Hautnah" bei torwart.de (19.09.05)

"Viele sehen in mir die Konstanz"

von  Marcel Schäfer


torwart.de führte mit dem Stammtorwart von Arminia Bielefeld, Mathias Hain, ein ausführliches Interview. Mathias Hain ist einer der konstantesten Torhüter der Bundesliga. Der 31-jährige durchlief bereits die beiden Bundesligen und spielte auch mehrere Jahre in der Regionalliga bei Eintracht Braunschweig. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung konnten wir ein sehr ausführliches Gespräch mit Mathias Hain zu den Bereichen Karriere, Torwarttraining, Material und Aktuelles führen. Das Interview werden wir Euch in zwei Teilen bei torwart.de präsentieren. Teil 1 findet Ihr hier.


torwart.de: Wie bist Du ins Tor gekommen ?

Mathias Hain: Ich habe einen älteren Bruder, Uwe Hain, der bereits in der Bundesliga bei Braunschweig, St. Pauli, HSV, VfL Wolfsburg spielte. Dadurch bin ich bereits in früheren Jahren in das Tor gegangen, weil alle natürlich gesagt haben, dass Du als kleiner Bruder vom großen Torwart ins Tor gehörst. Also bin ich in der F-Jugend bereits im Tor gestanden. Allerdings habe ich dann von der E-Jugend bis zum älteren Jahrgang B-Jugend im Feld gespielt. Als Feldspieler habe ich auch in Auswahlmannschaften Niedersachens gespielt. Durch Zufall bin ich dann in der B-Jugend ins Tor gegangen, da in der damaligen Mannschaft kein Torwart da war. Nach einem Punktspiel gegen die B-Jugend von Eintracht Braunschweig wurde ich in ein Probetraining eingeladen und erhielt kurze Zeit später die Möglichkeit, in die A-Jugend der Eintracht zu wechseln. Insgesamt kann man meinen Einstieg ins Tor als eher ungewöhnlich bezeichnen. Im heutigen Torwartspiel kommt es mir allerdings entgegen, dass ich als Jugendspieler im Feld gespielt habe.

torwart.de: Durch Deinen späten Start als Torhüter, interessiert es uns, wie Du Dir die Torwartgrundtechniken angeeignet hast ?

Mathias Hain: Grundsätzlich muss jeder Torwart natürlich ein gewisses Bewegungstalent mitbringen. Ab der B-Jugend hatte ich bereits die Möglichkeit, regelmäßig Torwarttraining zu machen. In der Jugend bei Eintracht Braunschweig wurde das Torwarttraining intensiviert und regelmäßig durch einen ehemaligen Torwart der Bundesliga durchgeführt. In dieser Zeit konnte ich sehr schnell die notwendigen Bewegungsautomatismen und die Grundtechniken erlernen.

 

torwart.de: Mit dem großen Bruder, Uwe, im selben Verein zu spielen, war das eher eine Hypothek oder hat es auch geholfen ?

Mathias Hain: Für mich war es eher eine Hypothek. Mein Bruder war ein sehr guter Torwart. Er hatte allerdings das Pech, dass er am Anfang seiner Karriere mit Bernd Franke einen Nationaltorhüter vor sich hatte. Anschließend spielte er 5 Jahre unter Ernst Happel beim HSV und hatte damals Uli Stein vor sich. Er kehrte dann zu Braunschweig zurück und wurde Stammtorhüter in Braunschweig als ich als junger Vertragsamateur dort spielte. Kurze Zeit später wurde mein Bruder als Mannschaftskapitän vom damaligen Trainer, Werner Fuchs, suspendiert. Der damalige zweite Torwart war durch einen Knöchelbruch außer Gefecht gesetzt. Somit blieb ich nur über, die Lücke, die sich durch die Suspendierung meines Bruders aufgetan hatte, zu schließen. Ich stand nun vor der nicht einfachen Situation, meinen Bruder, dem damals sehr übel mitgespielt wurde, zu ersetzen. Dadurch wurde der Staffelstab sehr viel schneller als geplant von meinem älteren Bruder an mich im Alter von 18 Jahren übergeben. Die anschließende Zeit war für mich als junger Torwart nicht einfach, da wir damals mit der Eintracht gegen den Abstieg aus der 2. Liga gespielt haben und das Publikum an mich dieselben Erwartungen gestellt hatte, wie an meinen 20 Jahre älteren Bruder. Letztlich haben wir den Klassenerhalt geschafft und für mich war diese Zeit eine unheimlich wichtige Erfahrung. Ich habe damals gelernt, mit Druck gut umgehen zu können.

torwart.de: In welcher Form hast Du von Deinem Bruder Unterstützung erfahren ?

Mathias Hain: In der ersten Monaten nach der Suspendierung meines Bruders hatten wir einen sehr engen Kontakt und mein Bruder hatte mich mit sehr guten Tipps unterstützt. Nach der Winterpause wechselte Uwe zum VfL Wolfsburg und somit konnten wir uns nicht mehr täglich austauschen.

torwart.de: Was macht Dein Bruder heute ?

Mathias Hain: Er ist wieder bei der Eintracht in Braunschweig. Er ist Torwarttrainer bei den Profis und Cheftrainer bei der Amateurmannschaft. Die Vereinesverantwortlichen, die ihn damals suspendiert haben, sind heute nicht mehr da. Bei den Leuten im Sponsorenbereich und bei den Fans genießt mein Bruder damals wie heute ein sehr hohes Ansehen.

torwart.de: Wer waren zu Beginn Deine Vorbilder als Du als Jugendspieler ins Tor gegangen bist ? Was das Dein Bruder ?

Mathias Hain: Als ich mit dem Torwartspiel ernsthaft begonnen habe, habe ich komischerweise kein richtiges Vorbild gehabt. Es hatte sich verändert als ich mit meinem Bruder im Aktivenbereich trainieren konnte. Wenn man mit älteren Torhütern trainiert, übernimmt man automatisch Dinge vom Trainingspartner. Am meisten habe ich mir von ihm seine Einstellung zum Sport abgeschaut. Damals wie heute versuche ich diese professionelle Einstellung zum Sport zu übernehmen. Ich denke, das ist eine der Eigenschaften, die mich sehr auszeichnen.

torwart.de: Was waren die wichtigsten Erfolgsfaktoren, die Dir geholfen haben, innerhalb so kurzer Zeit in das Profigeschäft einzusteigen ?

Mathias Hain: An erster Stelle stand das Glück. Die meisten meiner Profikollegen können das bestätigen. Zwar hat sich die Sichtung von Talenten in den letzten Jahren stark verbessert. Dennoch ist aus meiner Sicht mindestens zu 50% das Glück entscheidend. Natürlich brauchst Du auch Talent und das Können und den Ehrgeiz. Du musst einfach, das Glück haben, dass Du richtig gut spielst, wenn die Talentscouts Dir zu schauen, um überhaupt zu Probetrainings eingeladen zu werden.

Danach kommt der Ehrgeiz und der Verzicht. Es gibt genug Leute, mit denen ich in der Jugend zusammen gespielt habe, die bestimmt die gleiche Chance wie ich verdient hätten, denen aber der Biss, der Ehrgeiz und die Bereitschaft zum Verzicht gefehlt hat. Gerade in der Zeit zwischen 15 und 18 Jahren hat man auch die Möglichkeit, mal abends länger in der Disko zu gehen. Als Fussballer musste Du Dir aber im Klaren sein, dass am Wochenende nicht immer Platz für das Ausgehen ist. Ich habe parallel auch noch eine Berufsausbildung durchlaufen. Morgens um 6 ging ich bereits aus dem Haus. Um 16 Uhr kam ich nach Hause und dann anschließend ins Training. Das sind alles Dinge, bei denen es darum geht, das persönliche Ego auch mal hinten an zu stellen, die Sache durchzuziehen und am Schluss schaut man, was passiert.

Weiter ist sind noch einige andere Dinge sehr wichtig. Man muss auch einen Trainer haben, der den Mut hat, einen jungen Spieler einzubauen. Zu Beginn meiner Profizeit 1991 wurden sehr selten junge Spieler eingebaut. Man hatte damals in der Regel sehr kleine Kader mit 16 Spielern, so dass junge Spieler kaum vertreten waren.


torwart.de: Du hast davon gesprochen, dass die Fans keinen Unterschied machen, ob der Torhüter 18 oder 38 Jahre alt ist. Sie wollen einfach Leistung sehen. Gab es bei Dir auch mal einen kritischen Punkt, an welchem Deine junge Karriere auch schnell hätte beendet sein können ?

Mathias Hain: Nach meiner ersten Saison wurde in der darauf folgenden Saison unser damaliger Trainer Werner Fuchs entlassen. Es kam Uli Maslo, der ein Trainer der ganz alten Schule gewesen ist. Maslo hatte ein noch größeres Problem mit jungen Spielern, so dass für mich eine ganz schwierige Zeit angebrochen war. Er hatte mich schnell aus dem Tor genommen und links liegen gelassen. Ich konnte seine damaligen Entscheidungen nicht verstehen. Zur damaligen Zeit war ich bei der Firma, bei der ich meine Ausbildung gemacht hatte, beurlaubt. Ich war damals froh, dass ich eine Ausbildung hatte und jederzeit wieder in den Beruf zurückkehren konnte. Ich sagte mir, dass falls es mit der Profikarriere nicht klappen würde, dann würde ich einfach zur normalen Arbeit zurückkehren und in der Oberliga weiter Fussball spielen.

torwart.de: Wie entwickelte sich Deine Karriere dann weiter ?

Mathias Hain: So kurios es sich auch anhört, für mich war das Beste, dass wir damals aus der 2. Bundesliga abgestiegen sind. Der Trainer ging und ich konnte in der Oberliga spielen. Die Regionalliga wurde dann eingeführt und es war die Zeit als Braunschweig sehr große finanzielle Probleme hatte. So versuchten wir mit jungen Spielern und Spielern aus der Region die Qualifikation in die neu gegründete Regionalliga zu schaffen. Die Zeit mit dieser jungen Mannschaft war mit die schönste Zeit in meiner Karriere. Wir schafften auch die Qualifikation in der Regionalliga und im Folgejahr fast den Aufstieg in die 2. Liga. So ging es dann über all die Jahre weiter. Wir spielten immer eine sehr gute Rolle in der Regionalliga, doch für den Aufstieg reichte es leider nie.

Mit 26 Jahren stellte ich mir die Fragen, ob ich nun noch etwas anderes kennen lernen möchte, oder ob ich längerfristig in Braunschweig bleiben wollte. Ich hatte damals ein Angebot von Tennis Borussia Berlin vorliegen und ein Angebot von Greuther Fürth, wo Benno Möhlmann (früher auch Trainer in Braunschweig) Trainer war. Aufgrund der besseren Perspektiven und weniger des Geldes wegen entschied ich mich für den Wechsel nach Fürth, was sich auch bewährt hatte. Ich denke, es ist weniger wichtig, in jungen Profijahren viel verdienen zu müssen als in Mannschaften zu spielen, bei denen man auch zum Einsatz kommt und man sich auch präsentieren kann. Das Geld kommt bei entsprechender Leistung von ganz allein.

torwart.de: Wie sehen Deine Pläne für die Zeit nach der Karriere aus ?

Mathias Hain: Das ist für mich eine sehr schwierige Frage. Momentan parallel in Bielefeld etwas aufzubauen, ist für mich schwierig, da meine Familie in der Braunschweiger Gegend in meinem Heimatort lebt. Dort habe ich mein Haus und nach der Karriere werde ich dorthin zurück gehen. Aus der Ferne nun etwas aufzubauen, möchte ich nicht, da ich mich gerne persönlich um die Dinge kümmern möchte und nicht auf übermäßig fremde Hilfe angewiesen sein möchte. Optimal wäre es für mich, im Fussballbereich, wie z.B. im Torwarttraining, weiterarbeiten zu können, da ich in diesen Bereichen eine Menge weiter geben könnte. Wäre natürlich super, wenn sich für mich der Kreis mit Eintracht Braunschweig wieder schließen würde.

torwart.de: Du kommst aus einer Familie, aus der immerhin zwei Fussballprofis hervorgegangen sind. Vieles habt Ihr sicherlich intern besprochen. Hast Du neben den Tipps, die aus dem familiären Bereich heraus kommen, auch noch einen externen Berater ?

Mathias Hain: Ich habe einen sehr guten Freund, der mich bei diversen Fragen unterstützt. Allerdings würde ich ihn nicht als meinen Berater bezeichnen, denn wir haben ein sehr gutes freundschaftliches Verhältnis. Lars-Wilhelm Baumgarten leitet die Agentur Stars&Friends (früher Strunz&Friends) arbeitet hauptsächlich mit jungen talentierten Spielern zusammen. Er begleitet die jungen Spieler von Anfang an und sorgt dafür, dass die Spieler von Beginn Ihrer Karriere optimal auf die Karriere vorbereitet sind, was insbesondere die Versorgung und Versicherungen anbelangt.

torwart.de: Auf Transfermarkt.de wird Dein Marktwert auf 1,25 Mio EUR beziffert. Das zeigt u.a wie hoch Deine Leistungen in Fachkreisen bewertet werden.

Mathias Hain: Ich denke auch, dass ich von Experten als ein Torwart gesehen werde, der nicht unbedingt der Mann für die ganz spektakulären Dinge ist, und der auch nicht permanent unhaltbare Bälle hält. Viele sehen jedoch, dass ich konstant auf einem sehr hohen Niveau spiele und eine sehr niedrige Fehlerquote habe. Meiner Meinung nach, zeichnet das gute Torhüter aus. Es bringt der Mannschaft gar nichts, wenn Du in einem Spiel Weltklasse hältst und im nächsten Spiel einige Fehler machst. Da kannst Du keine Ruhe in die Mannschaft rein bringen. Die Mannschaft muss wissen, dass ihr Torwart so gut wie keine Fehler macht, den man auch in einer Drucksituation anspielen kann, und der hin und wieder auch mal einen unhaltbaren Ball herausholt.

torwart.de: Wann hast Du dieses hohe konstante Niveau, auf dem Du Dich jetzt befindest, erreicht ?

Mathias Hain: Mir kam zugute, dass ich praktisch mit 18 Jahren fast durchgängig Stammspieler war und ich in jungen Jahren auch den Druck schon hatte. Es ist ein großer Unterschied, ob Du mit einer Amateurmannschaft eines Bundesligisten in der Regionalliga spielst oder mit einem Traditionsverein wie Eintracht Braunschweig. Bei jedem Regionalligaspiel war bei Braunschweig der Druck und die Erwartungen der Öffentlichkeit sehr hoch. Über die 7 Jahre, in denen ich bei Braunschweig fast jedes Spiel gemacht habe, konnte ich mich an diese Situation sehr schnell gewöhnen und die notwendige Ruhe während der Spiele entwickeln. Um während der Saison die Ruhe und Konstanz aufbauen zu können, brauchst Du natürlich das Quentchen Glück. Du mußt am Anfang einige gute Bälle halten, Spiele mit entscheiden, eine gute Vorbereitung machen, dass Du die erarbeitete Form im Training auch in das Spiel mitnehmen kannst. Das ist für einen Torwart natürlich immens wichtig.

torwart.de: Eine gute und konstante Form hat sicherlich auch viel mit der Psyche zu tun. Arbeitest Du im mentalen Bereiche nach bestimmen Methoden ?

Mathias Hain: Eigentlich arbeite ich nicht nach bestimmten Methoden. Wir hatten in Fürth unter Benno Möhlmann einen Mentaltrainer, der regelmäßig mit uns in der Mannschaftssitzung, in Kleingruppen oder auch in einer Einzelsitzung mit uns gearbeitet hatte und uns einige psychologische und mentale Grundelemente aufgezeigt hat. Im Bereich der Autosuggestion habe ich mir ein paar Dinge angeeignet. Z.B visualisiere ich hin und wieder vor einem Spiel bestimmte Spielsituationen und gehe diese vor meinem geistigen Auge vorab mal durch. Es kommt auf die jeweilge Situation vor einem Spiel an, ob ich diese Technik anwende. Beim Torwart ist vieles Kopfsache und so denke, ich dass einige Methoden aus dem mentalen Bereich schon Sinn machen. Du kannst körperlich gut drauf sein, Bälle gut festhalten, eine gute Reaktion haben, noch wichtiger als all diese Faktoren ist die Fähigkeit, sich über 90 Minuten eines Spieles vollkommen konzentrieren zu können.

Die Fortsetzung dieses Interviews findet Ihr hier.


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