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Nadine Angerer "Hautnah" bei torwart.de (04.05.06)

Das "Torwartduell" der Frauen

von Tobias Schlitzke


Nadine Angerer Foto: Firo

„Kahn gegen Lehmann“, so lauteten viele Schlagzeilen der letzten Wochen. Doch es gibt noch ein anderes brisantes Duell im deutschen Tor, welches jedoch weitaus weniger Beachtung in den Medien und in den Köpfen der Fans findet. Ein Torwartduell der Frauen: Angerer gegen Rottenberg oder Rottenberg gegen Angerer, je nachdem aus welcher Perspektive man es betrachtet. Seit der letzten WM gibt es einen mehr oder wenigen „offenen Konkurrenzkampf“, wie ihn die Potsdamerin Nadine Angerer beschreibt. Die Ziele der 27-jährigen sind klar gesteckt. „Nummer Eins“ möchte sie in der Nationalelf werden, außerdem mit ihrem Verein, dem 1. FFC Turbine Potsdam, in dieser Saison „unbedingt noch Meister und Pokalsieger“.

 

Man findet einige Parallelen zwischen den Duellen der Männer und Frauen. Silke Rottenberg galt lange als gesetzt und unangefochtene Nummer Eins unter der Ex-Bundestrainerin Tina Theune-Meyer. Doch als im Juli 2005 Silvia Neid die Nationalelf übernahm, wendete sich das Blatt. Angerer bekam nun regelmäßig Spielpraxis in der Nationalmannschaft und auch ihre Leistungen in der Liga waren stets konstant. Die Potsdamerin hat zwei erfolgreiche Spielzeiten hinter sich. So feierte sie im Jahre 2005 zum einen mit ihrem Verein den Gewinn des „Doubles“ und zum anderen den Gewinn des UEFA-Cups der Frauen. So setzte sie nicht nur in Richtung Nationalmannschaft ein klares Ausrufezeichen - während ihre Konkurrentin Rottenberg keine derartigen Erfolge vorweisen konnte. Besondere Auswirkungen auf ihr Verhältnis zu Rottenberg hat der Konkurrenzkampf nicht. So beschreibt Angerer  die Beziehung zwischen den Beiden nüchtern als „offene Rivalität“, unter zwei „komplett verschiedenen Charakteren.

Immer auf Ballhöhe

Während Angerer an einen „fairen Konkurrenzkampf“ glaubt, findet ihr Torwarttrainer Dirk Heinrichs – ehmaliger Schlussmann vom SV Ba- belsberg 09 – deutlichere Worte: „Sie wird sowieso nicht die Nummer Eins werden. Das Duell wurde nie fair angegangen!“. Philipp Laux, der Torwarttrainer der Frauen-Nationalelf, würde ihr außerdem „ständig bescheinigen, dass sie die Bessere sei“. „Ich habe die Lust verloren, Nadine ständig wieder aufzubauen, wenn sie von der Nationalelf kommt“, so Heinrichs verärgert. „Sie müsste mal ihren Mund aufmachen und endlich Gründe erfragen, wieso sie nur die Nummer Zwei ist“.

Doch zurück nach Potsdam und zum Alltag von Nadine Angerer: Das Training der Frauen beschreibt sie als absolut  identisch zum Training der Männer. Eine zeitlang hatte Angerer mit einem Regionalliga-Torhüter trainiert, doch Unterschiede konnte sie keine feststellen. Bei den Frauen wird teilweise zweimal täglich à zwei Stunden trainiert. Zudem bekommten die Torfrauen noch zwei bis dreimal in der Woche spezielles Torwarttraining von Heinrichs. Einen kleinen Unterschied erkennt Angerer dann aber doch noch zwischen dem Training der Männer und Frauen: „Bei uns gibt es mehr spielerische Elemente als bei den Männern.“, erläutert sie nicht ganz ohne Stolz. So bekommt die 25-jährige des Öfteren zugerufen, sie solle noch ein paar Meter mehr nach vorne gehen - eine Art, die dem modernen Torwartspiel entspricht. Der Erfolg lässt sich durchaus sehen: Angerer bekam mit die wenigstens Gegentore in dieser Saison.

Nadine Angerer in Aktion

Die Anfänge ihrer Karriere verliefen klassisch. In ihrer Nachbarschaft wurde überwiegend Fußball gespielt und so verfiel auch sie der „Liebe zum runden Leder“, wie sie schmunzelnd zugibt. Sie fügt hinzu, dass Triathlon ihr „zu langweilig“ gewesen sei. Ihre Laufbahn begann zunächst beim ASV Hofstetten in Franken. Zunächst spielte sie als Stürmerin, doch dann kam der Wechsel ins Tor. Bei einem Sichtungsspiel der Unterfrankenauswahl verletzte sich die eigentliche Torhüterin und Angerer sprang spontan für sie ein. In diesem Spiel überzeugte die Fränkin von Beginn an und wurde daraufhin in die Bayernauswahl berufen. 1995 bekam sie dann das Angebot vom 1. FC Nürnberg, bei dem sie ein Jahr spielte. Im darauf folgenden Jahr wechselte sie dann zum FC Wacker München, doch dort hielt es sie nicht lang. Denn prompt folgte der Wechsel zum Lokalrivalen FC Bayern München, mit dem sie im Jahre 2001 den Bundesliga-Aufstieg feiern konnte. Ihre Karriere verlief auch weiterhin stetig und erfolgreich. Als Folge dessen bekam sie ein Angebot von Turbine Potsdam, wo sie ihre bislang größten Erfolge feiern konnte. Angerer scheint sich in Potsdam wohl zu fühlen, auch wenn Turbine-Trainer Bernd Schröder es als „schwierig“ bezeichnet, wenn man von „Bayern nach Preußen“ wechselt. Doch Angerer habe sich „hervorragend eingelebt“ und sich „optimal in die Mannschaft integriert“.

Auch außerhalb des Platzes gibt sich die Fränkin bescheiden. "Ein Vorbild?", nein das brauche sie nicht. Besonders bei Materialfragen zeigt sich ihre Bescheidenheit. Material „mehr oder weniger egal“. Ihr Sponsor Adidas versorge sie zwar mit all dem was sie benötige, darunter unter anderem gut 45 Paare Handschuhe pro Saison, der sich in „30 im Verein und 15 in der Nationalmannschaft“ aufteile, was dem Verbrauch vieler männlicher Kollegen entspricht. Doch letztlich wolle sie sich nur auf das Sportliche konzentrieren.

Nadine Angerer im Gespräch mit torwart.de

Doch das entscheidende Thema bleibt die Nationalmannschaft. Dort sieht sich nicht nur Angerer selbst als zukünftige Nummer Eins, auch ihr Trainier Bernd Schröder sieht den Vorteil klar bei ihr. „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Rottenberg die Kickschuhe an den Nagel hängt. Und dann kommt die Zeit von Nadine“, so Schröder gelassen.

Es bleibt also weiter spannend in dieser Frage. Angerer nimmt eine ähnliche Rolle wie Jens Lehmann vor Klinsmanns Entscheidung ein. Doch ob sich Silvia Neid 2007 ebenso wie Jürgen Klinsmann für die Herausforderin entscheiden wird, steht momentan noch in den Sternen.


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