Vor wenigen Wochen haben wir unsere neue Reihe „die etwas anderen Torhüter“ gestartet. Heute kommt der dritte Teil: Wir stellen den serbischen Nationalspieler Vladimir Stojkovic vor.
torwart.de: Seit 2010 spielst du nun für Partizan Belgrad. Wie schwierig war dieser Schritt für dich? Schließlich hast du deine Ausbildung bei „Roter Stern“ genossen und dort auch die ersten Schritte im Profifußball gemacht.
Vladimir Stojkovic: Dieser Schritt war echt schwierig, vor allem die Anfangszeit. Doch die Erfolge und die Erfahrungen haben mir gezeigt, dass ich den richtigen Weg gegangen bin.
torwart.de: Während ihr in der serbischen Liga seit Jahren dominiert, läuft es international schleppend. Vor wenigen Monaten seid ihr in der Europa League gegen das Schweizer Team FC Thun ausgeschieden. Warum ist das so?
Stojkovic: In erster Linie ist der Grund unsere Unerfahrenheit. Wir hatten in der Qualifikation eine der jüngsten Mannschaften, die am Start waren. Wir werden in den nächsten Jahren aber wieder neu angreifen.
torwart.de: Du bist mit deinen 30 Jahren einer der erfahrenen Spieler im Kader.
Siehst du dich klar als Führungsspieler?
Stojkovic: Neben unserem Kapitän Sascha Illic und Milan Obradovic, bin ich einer der ältesten und erfahrensten Spieler in der Mannschaft. Deshalb ist es normal, dass ich mich als Führungsspieler sehe.
torwart.de: Während andere Torhüter die Nummer 1 als Trikotnummer bevorzugen, hast du die 88. Warum ausgerechnet diese Nummer?
Stojkovic: Als ich für einige Monate in Portugal gespielt habe, habe ich dort Viktor Baía kennengelernt, den ich als Mensch und Fußballer sehr schätze und respektiere. Er hat in einer Zeit beim FC Porto immer die Nummer 99 getragen. Das hat mich so fasziniert, dass ich für mich entschlossen habe künftig ebenfalls so eine hohe Nummer zu tragen. Die 88 ist es geworden, weil sie frei war (lacht).
torwart.de: Frankreich, Niederlande, Portugal, Spanien und England. Du hast in einer Vielzahl von Ländern gespielt. Wie kam es dazu?
Stojkovic: Das Leben eines modernen Fußballer ist, dass man nie weiß, was morgen geschehen wird. Es ist aber wichtig, egal in welchem Land man gerade ist, immer mit 100 Prozent und großer Leidenschaft zu spielen.
torwart.de: In welchen Ländern hast du das meiste lernen können?
Stojkovic: Jede Spielklasse hatte seine eigenen spezifischen Merkmale und eine bestimmte Art und Weise, wie dort Fußball gespielt wird. Jedes Land und jede Kultur ist für sich besonders und ich bin sehr froh, so viele Eindrücke und Erfahrungen gewonnen zu haben.
Vladimir Stojkovic (Quelle: Partizan Belgrad)
torwart.de: Bist du enttäuscht, dass du in den jeweiligen Ländern meistens nur ein Jahr gespielt hast?
Stojkovic: Ja, natürlich ist es schwierig, aber wie ich bereits erwähnt habe sind diese Veränderungen im modernen Fußball normal. Aber ich denke nicht mehr über die Nachteile nach, sondern gewinne jeder Situation die positiven Sachen ab.
torwart.de: Die Bundesliga gilt als eine der besten Ligen der Welt. Reizt es dich in Deutschland noch mal zu spielen?
Stojkovic: Natürlich stellt die Bundesliga einen großen Anreiz für mich dar. Seit Jahrzehnten sind die deutschen Torhüter die besten der Welt. Mich mit solchen Torhütern zu messen, wäre eine große Herausforderung.
torwart.de: Welchen Stellenwert nimmt für dich das Torhütermaterial ein?
Stojkovic: Für mich stellt die Ausrüstung einen wichtigen Punkt dar, um in jedem Spiel eine gute Leistung abrufen zu können. Seitdem ich für Partizan spiele, trage ich adidas-Handschuhe und kann mir keine besseren Handschuhe vorstellen.
torwart.de: Kommen wir zur Nationalmannschaft: Dein Karrierehöhepunkt war sicherlich die Teilnahme bei den olympischen Spielen 2008 in Peking oder?
Stojkovic: Fast, für mich war die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika noch ein bisschen mehr Wert. Beide Turniere waren große Highlights in meiner Karriere.
torwart.de: In der WM-Qualifikation seid ihr gescheitert und in der Weltrangliste steht ihr hinter Ländern wie Panama oder Mali. Hat der serbische Fußball momentan eine Krise?
Stojkovic: Nein, ich finde nicht dass wir in einer Krise stecken. Momentan gibt es in der Nationalmannschaft einen Generationswechsel. Es ist ganz natürlich, dass wir Zeit dafür brauchen, um uns einzuspielen. Wir haben viele talentierte und hungrige Spieler, die in den nächsten Jahren ihr Potenzial abrufen werden, spätestens dann werden wir wieder oben mitspielen.
torwart.de: Welche sportlichen und persönlichen Ziele hast du noch?
Stojkovic: Bisher bin ich sehr zufrieden mit meiner Karriere. Vielleicht klappt es trotzdem noch, dass ich den Sprung in die Bundesliga schaffe. Das wäre noch mal ein großes Ziel von mir. Ich glaube, dass ich die besten Jahre noch vor mir habe und hoffe, dass ich den einen oder anderen Titel noch gewinnen werde.
torwart.de: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!
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