torwart.de: Wie sollte der DFB auf der Torhüterposition nach der WM weiterplanen? Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die nächste Generation konsequent aufzubauen?
Pascal Formann: Grundsätzlich muss man irgendwann über einen Generationswechsel nachdenken. Nur: Was ist das Richtige? Wer ist der Richtige? Und auf wen baut man auch dann weiter, wenn es vielleicht einmal nicht sofort funktioniert?
Ich finde, um Nationaltorhüter zu sein, sollte man möglichst an die 100 Prozent der Spiele im Verein machen. Das ist für mich relativ wichtig.
Es gibt einige Kandidaten, die in Zukunft mitreden sollten. Bei Alexander Nübel muss man schauen, wie er jetzt in der Türkei performt.
Jonas Urbig hat das in den Spielen, in denen er bei Bayern zum Einsatz kam, herausragend gemacht. Ich war selbst beim Pokalfinale und fand die Klarheit und die Routine, die er dort mitgebracht hat, sehr, sehr beeindruckend.
Dann muss man sehen, was der nächste Schritt bei Noah Atubolu ist. Außerdem spielt mit Bernd Leno immer noch ein Torhüter in England, der über Jahre tolle Leistungen bringt und irgendwie gar nicht so richtig auf dem Zettel ist.
Auch Tjark Ernst gehört für mich dazu. Hinzukommen können ein oder zwei Torhüter, die eine sehr gute Bundesliga-Saison spielen.
Eines finde ich aber wichtig: Man sollte den Pool auf drei, vier, fünf oder maximal sechs Torhüter begrenzen und daraus dann klar ableiten, in welche Richtung man gehen möchte.
torwart.de: Wenn wir dieses Interview in einem Jahr erneut führen: Was müsste bis dahin passiert sein, damit du sagen kannst, dass sich der VfL Wolfsburg und das Torwartteam in die gewünschte Richtung entwickelt haben?
Pascal Formann: Es geht um harte Arbeit. Uns wird definitiv nichts geschenkt. Wir sind die Gejagten.
Wir haben Qualität im Kader. Aber diese Qualität wird nur zur Geltung kommen, wenn wir jede Woche die Basics auf den Platz bringen. Jeder Gegner wird gegen uns alles reinwerfen und uns stolpern sehen wollen.
Von unserem Torwartteam erwarte ich vor allem Konstanz, Ruhe und Ausstrahlung. Die Grundlage dafür muss täglich auf dem Trainingsplatz gelegt werden.
Wir müssen über Emotionen, Leidenschaft und Mentalität zu unserem spielerischen Fußball finden. Andersherum wird es nicht funktionieren.
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