Enttäuschung bei den Bayern nach dem Halbfinal-Aus (foto: firo)
Manuel Neuer / FC Bayern München:
In der dritten Minute brachte Dembélé die Gäste in Führung. Kvaratskhelia drang nach einer hervorragenden Kombination im Mittelfeld bei einer Umschaltaktion über links in den Strafraum ein und legte von kurz vor der Grundlinie zurück auf den Elfmeterpunkt, wo Dembélé mit einer Lauffinte einlief und wuchtig hoch in die Mitte traf.
Neuer stand zunächst am ersten Pfosten und glich anschließend noch seine Position an, wobei er zum Zeitpunkt des Schusses noch in der Bewegung war. Aufgrund seiner Positionsangleichung hatte er die Hände lediglich auf Hüfthöhe und bekam sie daher nicht mehr schnell genug nach oben. Nach etwas mehr als einer halben Stunde bewahrte Neuer mit einer starken Parade die Bayern vor dem 0:2, was den vorzeitigen K.o. im Rückspiel bedeutet hätte.
In der 55. Minute musste der Münchner Torwart bei einem Schuss von Doué aus halbrechten 15 Metern auf die kurze Ecke auf dem Posten sein, parierte aber sicher. Auch gegen Kvaratskhelia wenige Augenblicke später wehrte der Keeper gut ab. Auch nach einer Stunde war Neuer nicht zu bezwingen und avancierte allmählich zum besten Münchner. Ohne Neuers Glanzleistungen wäre die Partie schon frühzeitig für PSG entschieden gewesen.
Kurz vor dem Ende hatte Paris eine weitere hochkarätige Möglichkeit, bei der Neuer erneut stark parierte. Am Torhüter lag es an diesem Abend nicht – im Gegenteil. Ohne ihn hätte es bis zum Ende keine Hoffnung mehr gegeben.
Wie in der Hinspielpartie bei Real Madrid im Viertelfinale zeigte Neuer gegen PSG im Rückspiel des Halbfinals seine beste Saisonleistung.
Neuers Aufbauspiel trotz des aggressiven Anlaufens durch PSG stabiler
Im Hinspiel setzte PSG Manuel Neuer bei Rückpässen konsequent unter enormen Druck. Besonders Ousmane Dembélé lief den Bayern-Keeper immer wieder mit hohem Tempo an, um den Spielaufbau über den Torwart frühzeitig zu stören. Bayern gelang es dadurch nur selten, Ruhe und Kontrolle in die erste Aufbauphase zu bringen. Neuer war mehrfach gezwungen, unter Gegnerdruck lange und unkontrollierte Bälle zu spielen.
Im Rückspiel verfolgte Paris einen ähnlichen Ansatz und versuchte erneut, Neuer mit aggressiven Anlaufbewegungen und intensivem Pressing unter Druck zu setzen. Bayern war auf diese Situationen diesmal jedoch deutlich besser vorbereitet. Vor allem über die hoch positionierten Außenverteidiger sowie situativ breit auffächernde Innenverteidiger schufen die Münchner bessere Passwinkel und zusätzliche Anspielstationen.
Dadurch gelang es Neuer wesentlich häufiger, den Ball kontrolliert in den eigenen Reihen zu halten und das Pressing der Pariser sauber zu umspielen. Der Weltmeister wirkte insgesamt stabiler im Aufbau, fand unter Druck bessere Lösungen und konnte das Spiel deutlich kontrollierter eröffnen als noch im Hinspiel.
torwart.de-Bewertung
Neuer (FC Bayern München)
Safonov (Paris St. Germain)
Ausstrahlung
Torverteidigung
Raumverteidigung
Spieleröffnung
Gesamt
Matvej Safonov / Paris Saint-Germain:
Die Bayern brauchten einige Minuten, um sich vom frühen Gegentor zu erholen. Erst nach rund einer halben Stunde wurden die Münchner deutlich stärker und kreierten auch die ersten eigenen Szenen, wenngleich der Schiedsrichter aus Bayern-Sicht keine gute Figur abgab. Kurz vor der Pause war Safonov zweimal gefordert, tauchte aber jeweils sehr schnell ab und parierte jeweils stark. Eine weitere Chance – ein Kopfball – verfehlte sein Ziel.
Nach der Pause ging der Flow der Hausherren aus den letzten Minuten vor der Pause verloren. Zwar verzeichneten sie mehr Ballbesitz und Spielkontrolle, doch fehlten die klaren Abschlüsse. Erst in der 69. Minute war Safonov wieder im Fokus, tauchte bei einem Flachschuss von Diaz aber sehr schnell ab. Wenig später parierte der Torwart erneut gut. In der Schlussphase hatten die Bayern eine weitere gute Chance, die Safonov erneut vereiteln konnte.
In der Nachspielzeit erzielte Kane noch das 1:1. Dieser wurde von Davies gefunden, drehte sich um die eigene Achse und schoss dann wuchtig aus links versetzt 13 Metern hoch in die kurze Ecke. Safonov hatte sich zuvor bereits in Richtung der langen Ecke ausgerichtet, sodass der notwendige Abdruck nicht mehr erfolgte. Vielmehr ließ sich der Keeper nur noch zum Ball fallen, wodurch er nicht mehr an den Schuss herankam. Dennoch reichte es am Ende zum Finaleinzug von PSG.
Safonovs Abschläge als Teil von PSGs Pressingstrategie
Mehrfach fiel auf, dass Safonov seine Abschläge bewusst in Richtung Seitenlinie platzierte. Was zunächst wie ungenaue Spieleröffnungen wirkte, passte bei genauer Analyse jedoch sehr gut zu PSGs gesamtem Matchplan gegen Michael Olise.
Der Hintergrund: Einwürfe und zweite Bälle an der Außenlinie erzeugen automatisch enge Raumverhältnisse. Genau diese Situationen wollte Paris offenbar herstellen. Durch das konsequente Verschieben auf die Ballseite konnte PSG den Raum rund um Olise sofort verdichten und ihm kaum Möglichkeiten geben, Tempo aufzunehmen oder in offene Eins-gegen-eins-Situationen zu kommen.
Damit nahm PSG dem Bayern-Offensivspieler viele seiner größten Stärken. Statt Dynamik und offenen Räumen fand sich Olise immer wieder in isolierten, stark zugestellten Bereichen wieder, in denen Paris aggressiv Druck auf den Ball ausüben konnte.
Bemerkenswert war dabei, dass Safonovs lange Bälle häufig weniger auf direkten Raumgewinn als vielmehr auf die anschließende Spielsituation ausgelegt wirkten. PSG schien gezielt Zonen ansteuern zu wollen, in denen man sofort Zugriff auf den zweiten Ball herstellen konnte. Der Abschlag diente damit nicht nur der Spieleröffnung, sondern auch als Werkzeug zur Steuerung des Pressings.
Der Plan ging über weite Strecken auf. Olise kam deutlich seltener in seine dynamischen Dribblings, musste viele Aktionen unter Gegnerdruck lösen und konnte dem Spiel offensiv nicht seinen gewohnten Stempel aufdrücken.
Ähnliche Mechanismen sind bei PSG bereits häufiger zu beobachten. Auch bei Spielfortsetzungen wie Anstößen versucht die Mannschaft regelmäßig, den Ball gezielt ins Seitenaus zu spielen, um den Gegner in diese engen Räume zu lenken, dort unmittelbar Druck aufzubauen und geordnete Aufbauphasen frühzeitig zu unterbrechen. Gegen Bayern war dieses Prinzip besonders deutlich in Safonovs Spieleröffnung zu erkennen.
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